Ich bin Gewerkschaftsmitglied und wir wurden und werden befragt, was uns wichtig ist, was in den Tarifverhandlungen kommen soll. Da wird sich auch innerhalb der Betriebsgruppen gefetzt.
Und natürlich ist es, wie Mingararin es beschreibt, es ist eine Tarifverhandlung, kein "will i aber".
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Ich hatte gestern einen Artikel ähnlichen Inhaltes verlinkt (allerdings ohne Vergleiche mit anderen Ländern). Der wurde völlig zerpflückt und die Aussagen des Arbeitsrechtlers in Frage gestellt, obwohl inhaltlich deckungsgleich mit dem "Zeit" Artikel.
Es ist interessant, dass Streiks, wie im Moment hier durch die GDL, in etlichen anderen Ländern so nicht erlaubt sind.
Herr Thüsing mag vielleicht einen Harvard-Abschluss haben, DFG-und Studienstiftungsstipendiat gewesen sein, aber: er ist im Bundesarbeitskreis Christlich Demokratischer Juristen! Das disqualifiziert ihn natürlich so grundlegend, dass jede/r, der/die mal das Grundgesetz durchgeblättert hat, besser als er über das Streikrecht Bescheid weiß, sofern er/sie nicht der CDU nahesteht. Ohne missionieren zu wollen - das musst Du jetzt schon verstehen.
Zitat von print im Beitrag #6109Möchte noch hinzufügen: "Die haben doch gewußt, was sie bei DER Berufswahl erwartet".
Genau dieses Argument finde ich überflüssig. Hat für mich Null damit zu tun, dass man immer für bessere Bedingungen kämpfen kann. Egal in welchem Beruf.
Ja klar kann und soll man das. Aber an solchen Dingen wie Schichtdienst wird man nichts ändern können, das ist manchen Jobs nunmal inhärent. Und daher kann man sich auch über genau solche Dinge nicht beklagen.
Beispiel: ich arbeite in der IT-Beratung und erlebe, dass Mitarbeitende in Konzernen, in denen ich Projekte mache, Vergünstigungen haben, die ich nicht habe. Beispielsweise bekommen die einen Firmenparkplatz und günstige Preise in der Cafeteria, es gibt Feiern, zu denen sie eingeladen werden. Ich nicht. Das ist Teil des Jobs, daran ändere ich nichts und wenn ich das nicht will, bin ich im falschen Job.
Ich habe die Zielrichtung des aktuellen GDL Streiks nicht so verstanden. Es geht nicht darum dass Schichtarbeit an sich beklagt wird sondern dass die Bedingungen dafür als zu hart empfunden werden. Was durch die Reduktion der Arbeitszeit und Lohnsteigerung kompensiert werden soll. So habe ich das jedenfalls verstanden.
Wegen deines Beipiels: das sind Goodies, deswegen kann man sich ärgern, wenn man das nicht bekommt aber letztendlich beklagen - das hielte ich auch für übertrieben. Ich glaube aber nicht dass man für solche Goodies streikt. Da geht es schon um essenzielleres, egal was man von der Taktik des Streikführers hält.
Zitat von SASAPI im Beitrag #6116Ich glaube, wenn die Verkürzung der Arbeitszeit nicht so extrem weit in der Zukunft gelegen hätte, wären die Chancen besser gewesen.
Glaube ich auch. Dabei wäre das ein wichtiges Plus für den Arbeitgeber DB um sich darauf einstellen zu können.
Ich hoffe auf eine Schlichtung, auch, weil ich nicht will, dass am Streikrecht etwas geändert wird.
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Zitat von Mingararin im Beitrag #6111... Bei Weselsky sehe ich es so, wenn man dem 35h gäbe, will der 30. Wenn er 30 hat, 25 tbc.
Und das haut nicht hin.
Auch Weselsky und die gesamte GdL wissen, dass das nicht hinhauen würde. Und selbst wenn Weselsky das nicht wüsste, entscheidet er ja zum Glück nicht allein über die Forderungen oder Verhandlungen. Vielleicht ist das Obige aber auch wieder nur Ausdruck einer Wut ...
Was soll's? Die Standpunkte sind klar und Einigkeit kann bzw. muss nicht erzielt werden.
Zitat von Mingararin im Beitrag #6111Bei Weselsky sehe ich es so, wenn man dem 35h gäbe, will der 30. Wenn er 30 hat, 25 tbc.
Minga, du konntest auch schon mal sachlicher.
Zitat von Mingararin im Beitrag #6111Es gibt Berufsbedingungen die man nicht ändern kann. [...]
Niemand will die Schichtdiente abschaffen. Die Bahner wollen eine akzeptable Kompensation für die Belastungen durch die Schichtdienste.
Zitat Das weiß man tatsächlich vorher. Was man nicht wissen kann: ob man die packt. Aber während der Ausbildung erfährt man das ja.
Entschuldige bitte - in der Ausbildung dürften die meisten noch keine 20 sein. Du erinnerst dich sicher, wie es mit 18, 19 war: Da konnte man problemlos Nächte durchmachen. Da hatte man Power für drei.
Ob die Person, der die ständigen Schichtwechsel mit 20 nichts ausmachen, sie 40 Jahre später immer noch wegsteckt, ist doch damit nicht gesagt. Bei den allermeisten ist es nämlich nicht so.
Ich habe ca. 35 Jahre meines Lebens, Elternzeiten rausgerechnet, in Schichtdienst gearbeitet, ich denke, ich weiß wovon ich rede. Ich habe im Stillen immer den Kopf geschüttelt, wenn im Forum, diesem oder dem anderen, duweißtschonwelchem, Userinnen darüber geklagt haben, wie sie der veränderte Rhytmus, wenn mal wieder eine Umstellung auf Sommer-/ resp. Winterzeit war, aus den Pantinen gehauen hat. Über Tage. Dabei geht es da bloß um eine einzige Stunde, zweimal im Jahr! Schichtdienstler haben viel krassere Verschiebungen ihres Rhytmus', und das immer, täglich, wöchentlich, ihr ganzes Berufsleben lang.
Virginia, Gisèle, Collien, danke für euren Mut! 🌹
************************************ Moderatorin in der Pandemie und Politik, bei der Nachhaltigkeit, beim Sozialen Engagement und den Festen, bei Klatsch & Tratsch, im Persönlichkeits-, Erziehungs-, Baby-, Familien- und Trauerforum, im Glücklicher leben, bei den Angehörigen, in der allg. Gesundheit, der Kindergesundheit und bei den Krebserkrankungen, in den Krisenbeziehungen, bei den Hobbies, der Photographie und bei den besonderen Ernährungsformen.
Zitat von Quirin im Beitrag #5995... Lokführer sind knappes Gut, da zu den Bedingungen nicht genügend zu finden sind. Der Arbeitsmarkt ist ein Markt und nach den Marktmechanismen steigt der Preis für ein knappes Gut an. Genau das sehen wir gerade in den Forderungen der GDL. Die Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen (Lohn, Arbeitszeit) macht den Job des Lokführers attraktiver und sorgt so für eine bessere Versorgung der Bahn mit diesen wichtigen Arbeitskräften. Zeitgleich erhöht sich dadurch der Innovationsdruck zum Beispiel im Bereich des automatisierten Fahrens.
Ergo: Die GDL schadet der Bahn nicht, sondern nützt der Bahn, der Gesellschaft und der Wirtschaft.
@Nicolo Du siehst, ich bin neoliberal verstrahlt.
Vollzitat, weil m.E. ein sehr wichtiger Beitrag. In der Tat finde ich auf den Seiten der GdL eine ganze Menge Forderungen, die ich als Forderungen zum Vorteil der Bahn als Anbieterin einer unverzichtbaren Infrastrukturleistung begreife. (Aber die Art und Weise, wie die GdL aktuell streikt, empfinde ich nicht als zum Besten der Bahn, also auch nicht zum Besten der GdL.)
Und m.E. neoliberal verstrahlt wärest Du allenfalls dann, wenn Du meinen würdest, dass Marktmechanismen in allen Bereichen zu den besten Ergebnissen für alle führen würden. Für in besonderem Maße neoliberal verstrahlt halte ich Menschen, die es für richtig halten, die so heiliggesprochenen Marktmechanismen immer genau dann auszuhebeln, wenn sie zu Nachteilen auf der Unternehmens- oder Kapitalseite führen würden. Ob Du so denkst, weiss ich nicht, ist hier aber auch nicht Thema.
Zitat von Analuisa im Beitrag #6137... Niemand will die Schichtdiente abschaffen. ...
Geht ja auch gar nicht, das ist doch schon x-fach im Detail erklärt worden. Wie auch, dass Schichtdienst eben nicht gleich Schichtdienst ist bzw. mit welchen besonderen Härten Schichtdienst bei der Bahn offenbar verbunden ist. Will aber offenbar niemand so genau wissen, weil es sich dann nicht mehr so kommod wüten lässt.
Ich glaub echt, dass versteht keiner, der das nicht selbst erlebt hat. Ich bin ja schlichte Büroarbeiterin aber der Vater meiner Kinder war Schichtarbeiter. Mann, war das ein Scheiß, das Familienleben drumherum zu organisieren.
Auf SPON fand ich ein Interview mit Bodo Rameow, der im Tarifstreit 2015 als Schlichter zwischen GdL und DB tätig war. Darin steht so Einiges, was ich bisher nicht wusste: ... Ramelow: ... Personalvorstand Martin Seiler wiederholt die Bedrohungsmethoden von früher. Er will die GDL kaputt machen und einschüchtern, auch wenn längst klar ist, dass das nicht funktioniert. Seiler lässt eine Zerstörungsabsicht erkennen und hat die GDL damit nur stärker gemacht: Die Solidarität der Lokführer ist immer weiter gestiegen.
SPIEGEL: Die Bahn wolle die GDL kaputt machen? Ist der Vorwurf nicht etwas übertrieben?
Ramelow: Nein, der Prozess begann damit, dass der Bahnvorstand Anfang Januar und mitten in der Tarifrunde Klage gegen die GDL eingereicht hat, mit der Begründung, die GDL sei nicht tariffähig, also nicht in der Lage, einen Tarifantrag abzuschließen. Mit dieser Aktion hat die Bahn der GDL den Fehdehandschuh hingeworfen und klargemacht: Wir verlangen zwar einen Kompromiss von euch, aber akzeptieren euch überhaupt nicht als Tarifpartei. Ich bin entsetzt darüber, dass ein deutsches Staatsunternehmen glaubt, sich so verständigen zu können. Weiter ging es mit Eilanträgen, Forderungen nach Schadensersatz. ...
SPIEGEL: Zuletzt hat aber GDL-Chef Claus Weselsky abgelehnt, sich auf eine 36-Stunden-Woche bei gleichem Lohn zu einigen. Das wäre nur eine Stunde in der Woche mehr, als die Lokführer gefordert haben. Herr Weselsky scheint zu einem klassischen Kompromiss gar nicht bereit zu sein, oder?
Ramelow: Diese Deutung, die GDL würde einen guten Kompromiss ablehnen, ist falsch. Denn bei dem, was die Bahn nun vorgeschlagen hat, geht es nicht nur um die Arbeitszeitverkürzung, die die Moderatoren Thomas de Maizière für die Bahn und Daniel Günther für die GDL erarbeitet haben. Sondern die Bahn hat dem Ganzen nach Abschluss der Moderation einen äußert giftigen Beipackzettel beigefügt. Er besagt, dass die Beschäftigten sich die Arbeitszeitverkürzung mit Verschlechterungen bei ihrem Urlaubsanspruch und mit einem Schichtsystem bei Cargo, was selbst ich als Zumutung empfinde, erkaufen sollen. ...
SPIEGEL: Aber auch Herr Weselsky spielt mit harten Bandagen. Den letzten Streik hat er nur rund 30 Stunden vor Beginn angekündigt. Wie soll man damit umgehen?
Ramelow: Ich finde das alles nicht in Ordnung, aber die Eskalation geht von der Bahn aus. Der von de Maizière und Günther geleitete Moderationsprozess hat offenbar zunächst gut funktioniert. Die Bahn hat aber nach Moderationsende das Verhandlungsergebnis verändert und noch an anderer Stelle Vertrauen gebrochen. Es war eine Friedenspflicht ausgemacht, die beinhaltet auch eine Pause in der öffentlichen Kommunikation. Personalvorstand Seiler hat diese Friedenspflicht platzen lassen, ohne Not. Die Verhärtung auch vonseiten der GDL ist deshalb zu erwarten gewesen.
SPIEGEL: Mit den Wellenstreiks sei die Bahn »kein zuverlässiges Verkehrsmittel mehr«, erklärte Weselsky zuletzt. Als Linker muss es Ihnen doch auch um die Menschen gehen, die unter den Streiks leiden, die vielen Pendler und Arbeitnehmer, die auf die Züge angewiesen sind.
Ramelow: Meine Sympathie für Weselsky ist nicht gottgegeben. Wir kommen eigentlich aus völlig verschiedenen Welten. Vor zwanzig Jahren hätten wir uns gar nicht unterhalten. Weselsky ist CDU-Mitglied, ich bin Linker, er ist Vorsitzender einer Beamtenbundgewerkschaft, ich komme aus dem Deutschen Gewerkschaftsbund. Aber je mehr ich mich fachlich mit der Lage der Lokführer und ihren Arbeitsbedingungen, insbesondere mit den Schicht- und Pausensystemen der Arbeitnehmer in den Eisenbahnzügen beschäftige, desto mehr bin ich auf ihrer Seite. ... fett gesetzt von mir https://www.spiegel.de/politik/deutschla...a6-f16d2697639a
Der Schichtplan für die DB Regio sieht zb so aus: Mo Ruhetag DI 14.17 bis 0.37 Mi 10.10 bis 20.08 Do Ruhetag Fr 3.32 bis 11.51 Sa 5.32 bis 14.38 So 6.50 bis 16.30
Bei langen Diensten verbringt man die Pausen gerne mal irgendwo im Nirgendwo. Und als Pause zählen bei der DB auch gerne mal 10 Minuten- da bekommt man nicht mal einen Kaffee getrunken. Ich hatte Anfang der 90ger einen Arbeitsplatz mit vorgeschriebenen Bildschirmpausen- die wurden schon 1993 auf 15 Minuten verlängert, weil alles darunter nicht wirklich als Pause zählt. So ein Dienstplan ist auch unglaublich familienfreundlich...die langen Dienste liegen zumindest bei der DB Regio gerne mal am Wochenende, weil das Fahrgastaufkommen da höher ist. Zusammenhängende Wochenenden sind selten. Dazu kommt ja noch: Das ist ein "Regelplan". Urlaubszeiten, Krankheitswellen sorgen zusätzlich für Abwechslung. Man kann bei diesem Dienstplan auch ganz wunderbar die Kinderbetreuung teilen, nicht wahr?
Bei dem sagenhaften Einkommen eines Lokführers kann sich die Mutter evtl Kinder ja auch locker zurück lehnen, aus finanziellen Gründen muss sie ja nicht arbeiten... Wer derjenigen, der/die hier findet, man sei in Geiselhaft genommen und schließlich wisse man doch, dass man Schichtdienst machen müsste, will denn zu diesen Bedingungen arbeiten? In meiner Behörde ist der unbeliebteste Arbeitsplatz ein reiner Telefonjob. Die Kollegen da arbeiten auch in Früh- und Spätschicht- bis maximal 18 Uhr, Mo bis Freitag. Das Gehalt ist übrigens vergleichbar- und als Quereinstieg reicht eine Ausbildung zur Verkäuferin auch aus. Tauschen möchte ich mit keinem, der täglich auf dem Bock sitzt.
Hier der Kompromissvorschlag: Arbeitszeiten: Absenkung der Arbeitszeit auf 36 Wochenstunden in zwei Schritten vor: Zum 1. Januar 2026 wird "die Referenzarbeitszeit für das Zugpersonal im unregelmäßigen Wechselschichtdienst" sowie für Beschäftigte in Werkstätten auf 37 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich reduziert. Zum 1. Januar 2028 erfolgt im zweiten Schritt die Absenkung der Referenzarbeitszeit auf 36 Stunden in der Woche.
Erhöhung der Gehälter: Ab dem 1. August dieses Jahres soll es 200 Euro mehr geben, ab 1. April 2025 nochmal 210 Euro. (Hier war die GDL kompromissbereit. Sie wollte 555€. Es sind 420€)
Zulagen: Erhöhung zum 1. August 2024 und 1. April 2025 um jeweils vier Prozent - insgesamt also acht Prozent.
Inflationsausgleich: zwei Raten von 1.500 Euro und 1.350 Euro im März und Juni 2024. (Hier war die GDL kompromissbereit. Sie wollte 3000 €, es sind nun 2850€.)
Knackpunkte waren (soweit ich das sehe): Laufzeit: 36 Monate (DB) und 24 Monate (GDL) Urlaubsumwandlung: Es gibt bei der DB die Möglichkeit statt der tariflichen Steigerung die Wochenarbeitszeit zu kürzen oder 6 bzw. im Folgejahr 12 Urlaubstage zusätzlich zu nehmen. Das wird auch rege genutzt. Die DB will das bei einer Absenkung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich nicht mehr machen.
Es soll die besondere Teilzeit im Alter wegfallen. Damit kenne ich mich nicht aus. Deshalb weiß ich nicht, wie die aktuellen Regeln sind.
Reichweite des Tarifvertrags: Die GDL möchte weitere Berufsgruppen vertreten - etwa die Beschäftigten der Infrastrukturgesellschaft Infrago, die für Schienen und Bahnhöfe. Das lehnt die DB ab.
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Zitat von Analuisa im Beitrag #6137... Niemand will die Schichtdiente abschaffen. ...
Geht ja auch gar nicht, das ist doch schon x-fach im Detail erklärt worden.
Mich ärgert einfach, wenn trotzdem wider besseres Wissen so getan wird, als wäre dem so.
Zitat von meistens-heiter im Beitrag #6140Ich glaub echt, dass versteht keiner, der das nicht selbst erlebt hat.
Ich fürchte auch, das ist so. Wir haben beide Schicht gearbeitet. Deswegen springe ich so an auf Äußerungen wie "das haben die doch vorher gewusst" - normalerweise werde ich im Politikforum selten persönlich.
Virginia, Gisèle, Collien, danke für euren Mut! 🌹
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Zitat von SASAPI im Beitrag #6142Der Schichtplan für die DB Regio sieht zb so aus: Mo Ruhetag DI 14.17 bis 0.37 Mi 10.10 bis 20.08 Do Ruhetag Fr 3.32 bis 11.51 Sa 5.32 bis 14.38 So 6.50 bis 16.30
[..] In meiner Behörde ist der unbeliebteste Arbeitsplatz ein reiner Telefonjob. Die Kollegen da arbeiten auch in Früh- und Spätschicht- bis maximal 18 Uhr, Mo bis Freitag. Das Gehalt ist übrigens vergleichbar- und als Quereinstieg reicht eine Ausbildung zur Verkäuferin auch aus. Tauschen möchte ich mit keinem, der täglich auf dem Bock sitzt.
Aber offenbar möchte auch kaum einer oder keiner der Lokführer mit den Telefonmitarbeitern tauschen - denn sonst täten sie es ja bzw. hätten von vornherein nicht den Job des Lokführers, sondern eben einen 9-to-5-Bürojob gewählt?
Diese Schichten sind doch nichts Neues, von dem man in den letzten Jahren überrascht wurde, oder?
Nein. Aber es sind immer weniger Leute bereit, solche Zeiten ( wobei der Zeitraum "7,48 Stunden im Zeitraum 8-18 Uhr, Mo bis Fr ja nun kein echter Schichtdienst ist ) zu akzeptieren. Im Telefonservice gibt's die Besonderheit, dass dort die frisch übernommenen Azubis zwischengeparkt werden, bis eine "bessere" Planstelle frei wird.
Der Großteil dieser Arbeitsplätze wird aber von Quereinsteigern Ü55 besetzt. Von vorneherein, als "Wunschberuf" macht das kaum jemand.
Zitat von Agathe13 im Beitrag #6145Diese Schichten sind doch nichts Neues, von dem man in den letzten Jahren überrascht wurde, oder?
Wie ist deine Frage zu verstehen, Agathe?
Wenn heute Menschen sich entschließen, gegen Fremdenfeindlichkeit (gegen Kohlekraftwerke, gegen Frauenhass ...) auf die Straße zu gehen, sagst du dann auch: Fremdenfeindlichkeit ist doch nichts Neues?
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Zitat von Analuisa im Beitrag #6144Deswegen springe ich so an auf Äußerungen wie "das haben die doch vorher gewusst" - normalerweise werde ich im Politikforum selten persönlich.
Naja, meist ist es doch so, dass man sich über Berufe informiert?
Und bei einigen sind es neben der sonstigen Bedingungen, wie Geld, Urlaub, Aufstiegschancen pp. auch die Arbeitszeiten.
Die Frage bei Schicht- bzw. Wechseldienstjobs ist eben, ob man das auf Dauer zum einen will und zum anderen wuppt. Einkalkulieren, dass diese Jobs familienfeindlich und auch gesellschaftsfeindlich sind (bei Letzterem meine ich das Privatleben, wie Sport, sonstige Unternehmungen, Freundschaften pflegen pp.) sowie auch gesundheitsgefährdend sein können, weil man eben völlig konträr zur Tag/Nacht-Prägung lebt.
Deshalb schrieb ich ja, dass diese Berufe für die sich dafür entscheidenden Menschen auch eine Berufung ist oder sein sollte.
Denn aus irgendeinem Aspekt muss Du ja Deine Motivation ziehen.
Wenn keine Motivation da ist, nutzt auch alles Geld der Erde nichts. Denn auch 35 Stunden müssen im Schicht/Wechseldienst abgeleistet werden und zwar jeden Tag, jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr.
Ich glaube, es ist für viele Menschen nicht vorstellbar, dass "sicherer Arbeitsplatz und für die Ausbildung/vorherige Schulbildung gute bis sehr gute Bezahlung " nicht mehr die gleiche Bedeutung für einen Großteil der Arbeitnehmer hat wie vor 20,30 Jahren. Vermutlich kommt das Unverständnis daher.
Zitat von Agathe13 im Beitrag #6145Diese Schichten sind doch nichts Neues, von dem man in den letzten Jahren überrascht wurde, oder?
Wie ist deine Frage zu verstehen, Agathe?
Die Frage ist so zu verstehen, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Dinge unterschiedlich schlimm finde. Und wenn ich Schichtdienst ganz schlimm finde, dann ist es doch widersinnig, sich gerade Jobs auszusuchen, die ohne Schichtdienst nunmal nicht gehen. Andere finden Schichtdienst sicher auch nicht so doll, aber andere Aspekte des Jobs so reizvoll, dass sie das dann in Kauf nehmen. Und ich hätte vermutet, dass die es dann sind, die solche Jobs annehmen.
ZitatWenn heute Menschen sich entschließen, gegen Fremdenfeindlichkeit (gegen Kohlekraftwerke, gegen Frauenhass ...) auf die Straße zu gehen, sagst du dann auch: Fremdenfeindlichkeit ist doch nichts Neues?
Eine Gesellschaft kann ohne Frauenhass funktionieren, eine Gesellschaft ohne öffentliche Verkehrsmittel auch zu sehr frühen und sehr späten Zeiten nicht - das ist ein sehr wesentlicher Unterschied. Insofern ist ersteres unbedingt und von jedem zu bekämpfen, letzteres will wohl niemand.
Wenn du schon Vergleiche ziehen willst, dann vielleicht doch eher den mit jemandem, der aufs Land zieht und sich dann über neugierige Nachbarn, Misthaufen und fehlende Programmkinos beschwert. Klar kann man an der einen oder anderen Stelle nachregulieren, aber wer wirklich sehr viel Wert auf Anonymität und großes kulturelles Angebot Wert legt, der ist in der Stadt nun mal besser aufgehoben. (Und muss dann dafür andere Nachteile in Kauf nehmen) Und dafür gibt es auf dem Land andere Vorteile.