Tja, als eigentlich begeisterte Bahnfahrerin überlege ich gerade, doch lieber wieder mehr und regelmäßig Auto zu fahren um Routine zu bekommen und meine Fahrpraxis erhalten zu können. Ich habe mit der Bahn schon einiges erlebt - (verpasste ICEs trotz reichlich einkalkulierter Umsteigezeit - 45 Minuten! - und dann noch die Frechheit im Kundencenter zu betonen, wir würden ja nur aus "Kulanz" umgebucht, eigentlich müssten wir ja neue Tickets für mehrere hundert Euro kaufen; für eine Strecke vier Stunden statt zwei wie laut Fahrplan; Züge, die einfach nicht kommen weil sich bei der Baustellen-Koordination jemand vertan hat; Tage meines Lebens die ich auf zugigen Bahnsteigen bei Wind und Wetter und nicht immer in bester Gesellschaft verbracht habe., usw. usf...) - dass man für jeden Weg doppelt so lang braucht wie mit dem Auto, nehme ich selbstverständlich in Kauf, aber all DAS (siehe Klammer) und nun noch DAS - es setzt dem Ganzen die Krone auf, und es ist mir auch vollkommen egal, warum die Bahn in Deutschland nicht funktioniert, aber ich glaube mittlerweile, dass ich besser beraten wäre, aufs Auto umzusteigen damit ich das Fahren nicht verlerne.
Nachtkatze in 6026 Ich habe neulich das Moma gesehen. Einer der Göste sagte, sein Vater war ein „Bahner“ und er war stolz suf die Zuverlässigkeit „ seines“ Betriebes. Gast und Moderator waren fassungslos ob des Wellenstreikziels für Unzuverlässigkeit zu sorgen. Ich hätte diese Tage einen Notartermin zu dem ich quer durch Deitschland fahren müsste. Ich habe mich bei meinem Vertragspartner entschuldigt, dass mein Nichterscheinen keine Geringschätzung seiner Person oder des Termins ist aber mit den drohenden Streikaktionen des Herrn W. Könne ich nicht planen und müsse mich deshalb vertreten lassen.
Da ich normalerweise nicht in Zeitdruck bin, akzeptiere ich (oft, meistens), dass man die Bahn im Grunde nur nutzen kann bzw. sollte, wenn es nicht so drauf ankommt, wann man ankommt - solange es irgendwie im Rahmen liegt. Eine einstündige Bahnfahrt um zum Flughafen zu gelangen, ist aber mMn in Deutschland ein unkalkulierbares Risiko. Die Chance, dass irgendwas schiefgeht, ist schon unter normalen Umständen enorm hoch. Und ich kalkuliere NIE knapp. Wenn z.B. ein Flug um 10 Uhr morgens geht, und man fährt eine Stunde mit der Bahn zum Flughafen, hat man nicht die geringste Garantie dafür, dass der früheste Zug, in den man gegen 5 Uhr steigt, einen rechtzeitig zum Check-in bringt. Das ist einfach ein Unding. (Klar, ein Auto kann auch liegenbleiben, oder man landet im Mega-Stau des Jahres... )
Wie man unser "wie komme ich zuverlässig und mit wenig Zeitverlust von A nach B und vielleicht sogar noch C" - Problem lösen kann, weiß ich auch nicht. Ich denke, ich weiß, was uns hierhin gebracht hat: Schlamperei, Privatisierungen und Gier. Der Markt regelt das :-).
@Charlie03 All Deine Äußerungen ergeben für mich nur Sinn, wenn Du ein komplette Rückverstaatlichung des Bahnverkehrs befürwortest. Grund: ÖPNV sowie Personen- und Güterfernverkehr per Schiene sind ein Infrastrukturbestandteil, dessen Funktionieren nicht den vielbschrieenen Selbstheilungskräften des Marktes unterworfen werden sollten.
Ohne diese Forderung bleibt es das populistische Lamento gegen gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer, die ihre (seit der Agenda 2010) deutlich geschwächten Mittel im Arbeitskampf einsetzen. Daran ist nichts Unlauteres.
Ich kann nichts Unlauteres an der Idee finden, dass Privatbahnen und staatseigene DB denselben Tarifvertrag anwenden. Die Deutsche Bahn hat, anders als die Privatanbieter, einen Eigentümer im Rücken, der eben nicht den Laden dicht machen kann/muss, wenn über Jahre und Jahrzehnte Verluste eingefahren werden. Nämlich den Bund. Insofern erfolgt Wettbewerbsverzerrung hier wohl eher zu Gunsten der DB, im Gegensatz zu den Privatunternehmen muss sie nicht profitabel arbeiten.
Auch die Entscheidung, eine Strecke zu bedienen oder eben nicht, liegt m.w. erst mal bei der DB - das halte ich ebenfalls für einen Wettbewerbsvorteil.
Dass Gewerkschaften selbst Unternehmen gründen, und dann auch Verträge mit ihren eigen Angestellten/Mitgliedern abschließen, ist nichts Neues und auch nicht unlauter. Wen es interessiert: Hier werden die Hintergründe der GdL/Trans Fair genauer beschrieben. Insofern denke ich: ja, die GdL kann und darf mit sich selbst Tarifverträge abschließen. Aber die DB hat ja bereits Klage gegen die Trans Fair eingereicht - schaumermal.
Zitat... Unlauter ist auch, dass die GDL eine Leiharbeitsfirma gegründet hat. Mitglied darf nur sein, wer in der GDL ist. Der Tarifvertrag zwischen GDL und Transfair liegt einer 38-Stunden-Woche zugrunde. Bis auf Weselsky, der der Botschafter sowie Gründungsmitglied der Transfair ist, sind Vorstand der GDL und Geschäftsführung der Transfair ziemlich deckungsgleich. ...
Ich sehe ich der Trans Fair e.G. die ziemlich clevere Ausnutzung der seit 2005 betrüblichen arbeitsrechtlichen Realität: Die gründen eine Genossenschaft, welche Lokführer einstellt und über Zeitarbeitsverträge an Bahnunternehmen verleiht. (Und ja, jede Genossenschaft darf einschränken, wer Genosse werden darf und viele tun das auch.)
In dieser Genossenschaft bekommen die Lokführer Gehalt und Arbeitszeitmodelle, wie die Gewerkschaft sie fordert. Hoffnung/Kalkül: es werden viele Lokführer von den Bahnunternehmen zu dieser Genossenschaft wechseln. Die Bahngesellschaften, welche den Lokführern diese/s Gehalt/Arbeitszeitmodelle nicht bieten wollen, hätten die Wahl: 1. entweder haben sie zu wenig eigene Lokführer, um ihr Angebot aufrecht erhalten zu können. 2. Oder sie zahlen der Genossenschaft sogar mehr für die Zeitarbeiter, als sie hätten zahlen müssen, wenn die den Forderungen der GdL nachgekommen wären.
Profiteure von Gewinnen der Genossenschaft sind übrigens die Genossen, also die Leiharbeiter-Lokführer selbst. Und da nur GdL-Mitglieder Genossen werden können, ist ihr direkter Einfluss extrem hoch, nämlich 100%. M.E. entscheidende Unterschiede zu anderen Zeitarbeitsfirmen.
Ob das Ganze funktioniert, hängt natürlich davon ab, ob die Arbeitsbedingungen bei Trans Fair wirklich so viel besser sind/sein können als bei z.B. der DB. Denn nur dann werden genug Lokführer den Arbeitgeber wechseln, und nur dann hat die Trans Fair den Hebel, den sie braucht.
Bei allem "Weselsky hier, Weselsky da" sollte mensch sich klar machen: Der entscheidet ja nicht allein und nach Gutdünken. Lokführer sind keine willenlosen Sklaven oder dumm, die werden schon entscheiden, was ihnen das für sie Günstigste zu sein scheint.
Zitat ... Und kann z.B. ein anderes Unternehmen dadurch unser System des Tarife aushandelns Unterwandern, indem solche Konstrukte geschlossen werden? ...
Falls ich Dich richtig verstehe: Seit der Reform unseres Arbeitsrechts 2005 (Agenda 2010) kann jedes Unternehmen Subunternehmen gründen, um eigene Stammbelegschaft "auszugliedern", also auch Zeitarbeitsfirmen. All das wird arbeitgeberseitig bereits seit Jahr(zehnt)en genutzt, um Tarifverträge und Anderes zu umgehen - also zum klaren Nachteil der Beschäftigten.
Nur hat sich eben die Arbeitsmarktsituation geändert. Heute müssen die Leute nicht mehr jeden Job zu jeden Konditionen annehmen, um überhaupt einen zu haben.
Zitat... Wollen wir mehr Leiharbeit? ...
Ich befürworte generell eine starke Einschränkung von Leih- und Zeitarbeit. Aber sie ist aktuelle politisch-gesellschaftliche Realität. Warum also sollte eine Gewerkschaft nicht versuchen (dürfen), dies zum Wohle der von ihr vertretenen bzw beschäftigten Arbeitnehmer auszunutzen?
Zitat... Und treibt das nicht, wie in anderen Branche die Kosten erst Recht in die Höhe? ...
Mag so sein, wäre dann aber eine generelle Eigenschaft von Zeitarbeit.
Zitat von Charlie03 im Beitrag #5993Und Weselsky sowie die gesamte GDL waren schon immer (wie auch die Union) für eine Zerschlagung der Bahn.
Ach jeeee. Was alarmistisch als Zerschlagung der Bahn verunglimpft werden soll, ist die Forderung danach, Infrastruktur (Schienen, Bahnhöfe, Energie) und Verkehrsbetrieb zu trennen und die Infrastruktur in staatliche Regie zurückzuführen. Hier wird's genauer beschrieben. Fordern tun das allerdings nicht nur "Bösewichte" wie die Union, die GdL oder Weselsky, sondern auch der Fahrgastverband Pro Bahn. Selbst die Ampel-Regierung inklusive der FDP unterstützt diese Bestrebungen bzw. arbeitet daran - allerdings koalitions spezifisch "ampelig" (zu langsam, zu spät, sie halbherzig, zu unterfinanziert etc.).
Grund für diese Forderung: Die DB hat in den letzten Jahrzehnten eben fahrlässig zu wenig in die Infrastruktur investiert, so dass schon allein deren Zustand zu einer Schwächung des Bahnbetriebs insgesamt führt. Auch die Aufgliederung in Hunderte Subgesellschaften seit der Privatisierung der DB hat nicht dazu beigetragen, dass irgendwas im Bahnverkehr besser geworden wäre.
Meine Meinung: diese Aufteilung und dann sinnstiftende Organsiation und Finanzierung der Infrastruktur in einer nicht profitorientierten Gesellschaft wäre ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings einer zu wenig.
("Lustig" nebenbei, dass der Union dieser Misstand jetzt "auffällt", nachdem sie 16 Jahre Grund und Möglichkeit gehabt hätte, dieses fehlgeleitete und schiefgelaufene Privatisierungexperiment zu beenden.)
Zitat von Nicolo im Beitrag #6029Bei allem "Weselsky hier, Weselsky da" sollte mensch sich klar machen: Der entscheidet ja nicht allein und nach Gutdünken. Lokführer sind keine willenlosen Sklaven oder dumm, die werden schon entscheiden, was ihnen das für sie Günstigste zu sein scheint.
Danke, Nicolo - endlich sagt es mal jemand.
Ich frage mich schon die ganze Zeit, ob ich eigentlich die Einzige bin, die im Hinterkopf hat, dass 97% der GDL-Mitglieder sich im Dezember bei der Urabstimmung für unbefristete Streiks ausgesprochen haben? Sind die alle vom bösen Weselsky manipuliert? Meint ihr wirklich, wenn es den Bahnangestellten (die GDL vertritt ja nicht nur Lokführer) so Bombe ginge, dass sie dann mit so großer Mehrheit für Streik votiert hätten?
Ich habe mich über die Arbeitsbedingungen der in der GDL Organisierten nicht schlau gemacht, gebe ich zu, aber Angestellte und Arbeiter*innen haben in Deutschland Streikrecht und es ist absolut legitim, dies auch in Anspruch zu nehmen! Wer bin ich denn, mir ein Urteil darüber anmaßen zu können, ob dieser Streik nun berechtigt ist oder nicht? Und seit wann ist es die Aufgabe der Beschäftigten der Bahn, für die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen zu sorgen, die erforderlich sind, um den Bahnverkehr für die Bevölkerung attraktiver zu machen - Maßnahmen, die sämtliche Regierungen der letzten Jahrzehnte verschlafen haben? Das sollen jetzt die Bahnbeschäftigten ausbügeln, indem sie auf das ihnen zustehenden Streikrecht großherzig verzichten?
Wenn die Arbeitsbedingungen bei der Bahn so supertoll sind, warum gehen junge Leute nicht massenhaft dorthin, anstatt sich in irgendwelche aussichtslose Studienplatzbewerbungsverfahren zu begeben? Ist doch komisch, oder? 😉
Sehr unangenehm finde ich es, wenn jetzt andere Berufsgruppen als unfreiwillige Kronzeugen gegen die GDL-Mitglieder angeführt werden, wie von dir, vultura, in #5971, hier mal wieder die armen bedauernswerten Pfleger, die sich, den "A. abarbeiten würden" ( die Lokführer sitzen vermutlich in ihren Kabinen und drehen Däumchen?) - als wenn die Pfleger*innen irgendetwas davon hätten, wenn die Bahnbeschäftigten nicht streiken würden. Im Gegenteil, ich bin sehr froh, dass endlich mal eine Berufsgruppe, und da ist es mir völlig egal, welche, das Thema "Arbeitszeitreduktion bei vollem Lohnausgleich speziell für Schichtarbeitende" anfasst. Das Thema steht jetzt auf der Agenda, und ich wünsche mir sehr, dass verdi, die NGG und andere Gewerkschaften, die Schichtarbeitende vertreten, es ebenfalls aufgreifen. Ein guter Abschluss in der Bahnbranche könnte ermutigend für andere Berufsgruppen wirken. Pfleger*innen haben nämlich deswegen so schlechte Karten im Arbeitskampf, weil sie so mangelhaft gewerkschaftlich organisiert sind (15%, soweit ich weiß). D.h., ein Vorbild könnte da vielleicht wirklich helfen.
Langfristig gesehen, ist jeder Arbeitskampf bei der Bahn ein Kampf für die Verkehrswende und nicht gegen sie. Denn nur wenn es auch in Zukunft genügend junge Menschen gibt, die sich für Berufe im öffentlichen Verkehr ausbilden lassen, wird es weiterhin öffentlichen Verkehr geben - auf jeden Fall solange die autonom fahrende Bahn/ der autonom fahrende Bus noch nicht der Regelfall ist, und das wird wohl noch eine Weile dauern (und auch dann wird es nicht ohne menschliche Zuarbeit und Kontrolle gehen).
Edit: 1 Wort ergänzt
Virginia, Gisèle, Collien, danke für euren Mut! 🌹
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Ja, ich bin für eine Verstaatlichung der Bahn sowie aller Unternehmen der Daseinsvorsorge.
Und ich halte Gewerkschaften für sinnvoll und notwendig. Streiks auch.
Verhandeln und Kompromisse schließen gehört dazu. Dies ist aktuell nicht der Fall. Aufgrund vieler Gespräche, die ich mit Eisenbahnern führe, erfahre ich, dass die GDL auch in ihrem Handeln und Reden eine Spartengewerkschaft ist.
Das Aushängeschild ist Weselsky. So ist es eben.
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Ich denke nicht, dass dieser Streik der Verkehrswende dient.
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Trotz allem müssen in einer Tarifauseinandersetzung Kompromisse geschlossen werden. So lange streiken, bis alle Forderungen 1:1 erfüllt sind, ist utopisch.
Wenn drei Wochenstunden weniger gefordert werden und es läuft dann auf 2 hinaus, ist das ein üblicher Kompromiss.
Zitat von SASAPI im Beitrag #6032Ja. Und vermutlich wären die Pflegekräfte ebenso erfolgreich wie die Lokführer, wenn sie einmal vergleichbar flächendeckend streiken würden.
Aber die Berufsgruppen sind kaum vergleichbar. Insbesondere in der Altenpflege arbeiten Viele in Minijobs oder Teilzeit, die Arbeitgeber sind oft tariffreie kleinere bis kleinste Unternehmen (z.B. Pflegedienste), und der gewerkschaftliche Organisationsgrad in der Pflege ist niedriger. Zudem arbeiten in Pflegeberufen immer noch überproportional viele Frauen, und Frauen sind weniger gewerkschaftlich organsisiert als Männer.
Womit ich keine Aussage darüber beabsichtige, was Ursache und Wirkung ist, also kein "selbst schuld" meinerseits.
Zitat von Charlie03 im Beitrag #6034Ich denke nicht, dass dieser Streik der Verkehrswende dient.
Das denke ich auch nicht, halte das aber für einen unangemessenen Anspruch.
Der positive Einfluss auf eine Verkehrswende könnte darin bestehen, dass die Arbeit bei Bahnunternehmen attraktiver wird. Wenn zu Wenige den Job machen wollen, weil die Konditionen zu schlecht erscheinen, wird das eine Verkehrswende m.E. nachhaltiger be- bis verhindern als diese Streiks.
Viele Härten des Jobs lassen sich nun mal nicht beseitigen, sie sind Teil der Aufgabenstellung. Bleiben als variable Einflussfaktoren Bezahlung und Arbeitszeit.
Ich wusste es und hab’s kürzlich hier schon gesagt: wenn man Weselsky und speziell seine Verhandlungsführung in Frage stellt, kommt hier immer jemand daher und unterstellt, man würde den vertretenen Mitgliedern keine höheren Gehälter oder kürzere Arbeitszeiten gönnen.
Trotz allem müssen in einer Tarifauseinandersetzung Kompromisse geschlossen werden. So lange streiken, bis alle Forderungen 1:1 erfüllt sind, ist utopisch.
Wenn drei Wochenstunden weniger gefordert werden und es läuft dann auf 2 hinaus, ist das ein üblicher Kompromiss.
So ist es. Außerdem kann man erwarten, dass Verhandlungsführer in dieser Größenordnung die Vorschläge der Gegenpartei verstehen. Oder meinetwegen so lange durchlesen oder erklären lassen, bis sie sie verstanden haben.
Ich habe neue Laufschuhe. Ich bin schon ganz außer Atem. Jetzt noch den zweiten anziehen!
Zitat von Nordsee im Beitrag #6035... Wenn drei Wochenstunden weniger gefordert werden und es läuft dann auf 2 hinaus, ist das ein üblicher Kompromiss.
Verblüffend, dass das niemand thematisiert oder kritisiert hat. M.E. ist das kein guter Kompromiss. Da hätte ich angesetzt bzw. würde ich ansetzen. Denn einigen müssen sie sich ja letztlich doch.
For the record: Ich halte diese Wellenstreiks jetzt ebenfalls für das falsche Mittel. Und mir ist Weselsky keinen Fatz sympathischer als die Bahnvorstände.
Ich habe mich nicht gegen Kompromisse ausgesprochen. Was mich stört, ist dieses In-Bausch-und-Bogen-verdammen, und da meine ich nicht in erster Linie diesen Strang, sondern so ziemlich sämtliche politischen Kommentatoren. Und dass zwischen der Person Weselsky, den ich auch nicht verteidigen will!, und der GDL/ den Bahnmitarbeitenden nicht unterschieden wird.
Und machen wir uns nichts vor - Streiks in der Pflege haben auch nicht unbedingt ein besseres öffentliches Image. Da finden sich dann schnell Einzelschicksale, schwer herz- nieren- sonstwie kranke Menschen, die ganz dringend unbedingt in der Streikwoche ein Krankenhausbett/ einen OP-Termin benötigen und wegen des Streiks warten mussten, und Journalisten, die solche Geschichten auf die Tränendrüse drückend dem interessierten Publikum erzählen. Alles schon erlebt. Während des letzten großen Streiks der Erzieherinnen las man auch überwiegend von den bedauernswerten Eltern, die vor verschlossener Kita-Türe standen und nicht wussten wohin mit ihren Kindern (alles verständlich. Hilft aber nichts. Ein anderes Machtmittel hat die Arbeitnehmerin nun mal nicht).
Streiks haben in D generell kein gutes Ansehen.
Zitat von Charlie03 im Beitrag #6033 dass die GDL auch in ihrem Handeln und Reden eine Spartengewerkschaft ist.
Was willst du damit sagen?
Zitat von Charlie03 im Beitrag #6034Ich denke nicht, dass dieser Streik der Verkehrswende dient.
Naja, das ist ja auch nicht sein Ziel.
Es gab aber hier Stimmen, die argumentierten, dass den Bahnlern doch an der Verkehrswende liegen müsse und deswegen ihr Handeln abzulehnen sei, und das halte ich für falsch. Es ist nicht die Aufgabe der Bahnangestellten, die Verkehrswende einzuleiten.
Zitat von Nicolo im Beitrag #6036Ich sehe das auch als Erfolg von Arbeitskämpfen, die erfreulicherweise nicht so erbittert geführt wurden/werden mussten.
Zum einen das, zum anderen hat die Politik eben auch erkannt, dass sie in ein paar Jahren ein nicht mehr beherrschbares Mangelproblem hat, wenn sie nicht langsam mal gegensteuert.
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Ich finde entweder streikt man richtig oder gar nicht. 🥳 Das Angebot der Bahn finde ich zur Zeit erbärmlich. Diese einmaligen Warnstreiks die es sonst z.b. bei der IG Metall gibt kann man sich doch schenken. Die einen wollen 7 % die anderen wollen 3 geben und am Ende einigt man sich auf 4 ,5% . Finde ich lächerlich. Weiß jeder vorher. Ich denke dann immer Schaulaufen .....
Der GDL ist es schon immer ziemlich egal, wie es den anderen KollegInnen innerhalb der Bahn geht.
Ja, ich kann es Euch nicht beweisen, aber ich weiß es aus diversen Mündern.
Warum hat die GDL nicht bei den Privatbahnen gestreikt?
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Zitat von Charlie03 im Beitrag #6042Der GDL ist es schon immer ziemlich egal, wie es den anderen KollegInnen innerhalb der Bahn geht. ...
Das würde dann aber doch gegen die Behauptung sprechen, es ging der GdL vor allem darum, der EVG Mitglieder abzujagen. Wer tritt denn einer Gewerkschaft bei, welche die eigenen Anliegen schlecht oder gar nicht vertritt?
(Falls das nicht bekannt sein sollte: In der GdL sind nicht ausschließlich Lokführer, Triebwagenführer oder derlei organisisert. Alle Beschäftigten im Bahnbetrieb können der GdL beitreten. Der Name ist also historisch gewachsen irreführend.)
Zitat... Warum hat die GDL nicht bei den Privatbahnen gestreikt?
Ich vermute, weil sie den Forderungen der GdL vorbehaltlich der Zustimmung der DB zugestimmt haben. Da ergäbe ein Streik dann so gar keinen Sinn.
Ernstgemeinte Gegenfrage: warum akzeptieren die Privatbahnen die Forderungen der GdL vorbehaltlich der Zustimmung der DB), und die DB nicht? Warum könnnen die Einen, was die Anderen angeblich nicht können? Soll die DB als größter, stärkster Gegenpart, zudem ohne Profit- oder politischen Druck, die GdL für alle Bahnbetreiber "ausknocken"?
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Verblüffend, dass das niemand thematisiert oder kritisiert hat. M.E. ist das kein guter Kompromiss.
Es war von vornherein nur ein schrittweiser Übergang geplant. Anders wäre es gar nicht möglich, weil eh schon Lokführer fehlen. Wenn von jetzt auf gleich alle eine Stunde weniger arbeiten würden, müsste der Bahnfahrplan ausgedünnt werden.
Ich fahre jeden Tag mit der Bahn zur Arbeit, ich habe kein Auto mehr. Noch fahren bei uns die Regionalbahnen, also ländereigene und private. Bei uns sind morgens und abends die Bahnsteige und die Züge voll. Wenn gar nichts mehr geht, greift das empfindlich in den gewerblichen Bereich ein. So sollte Streik ja eigentlich sein. Hier trifft es eben nicht nur die Branche, wie bei den Metallern oder Medizinern, hier trifft es rundum in alle Bereiche. Der Metaller der mit der Bahn fährt kommt nicht zur Schicht und der Arzt auch nicht. Die Auswirkungen für Leute die mobil sein müssen, sind u.U. heftig. Meine Tochter fährt beruflich, wie privat nur mit dem Zug und das weite Strecken. Nächste Woche wird mein Vater beerdigt, wir hoffen das Züge verkehren, damit wir zur Trauerfeier kommen können. Es ist eben kein Streik wie bei den Metallern oder den Händlern, ist ein bisschen wie einen Stein ins Wasser werfen, der zieht Kreise. Das macht nicht unbedingt beliebt, bei mir auch nicht, aber wie sollte es sonst anders gehen?
-------------------------------------- „Die Toleranz wird ein solches Niveau erreichen, dass intelligenten Menschen das denken verboten wird, um Idioten nicht zu beleidigen." Fjodor M. Dostojewski
Zitat von Nordsee im Beitrag #6047... Es war von vornherein nur ein schrittweiser Übergang geplant. ...
Kommt aber eben drauf an, wie groß die Schritte sind und wann sie gegangen werden. Ich sehe da Möglichkeiten.
Zitat ... Anders wäre es gar nicht möglich, weil eh schon Lokführer fehlen. ...
Stimmt - und warum wohl?
Ich verstehe auch diese permante Frage "Ist dies im Sinne der Verkehrswende?" nicht. Es ist doch nicht diese Aufgabe der GdL, diese womöglich auf Kosten der von ihr vertretenen Arbeitnehmer:innen zu begünstigen.
Es ist die Aufgabe der Politik, für eine Verkehrswende die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Macht sie aber seit Jahrzehnten nicht, im Gegenteil. Nicht mal die DB als Bahnbetriebsunternehmen (zu 100% in Staatsbesitz!) macht, was der Verkehrswende dienlich wäre. Oder wie ist es zu erklären, dass die Infrastruktur immer weiter verfällt, während munter Marketing-Luftschlösser wie Deutschlandtakt entwickelt werden?
mein Beileid zum Tod Deines Vaters. Ich hoffe, er durfte gehen, ohne zu leiden. Er wird Dir - mein Vater ist letztes Jahr mit 92 verstorben - sicher fehlen. Möge er in Frieden ruhen.