Leute können sich verändern, wenn sich Situationen verändern. Das ist eine absolute Binse, aber es ist nun mal so, dass nach Veränderungen Charakterzüge zutage treten können, die vorher schon latent da waren, aber nicht auffällig wurden. Wenn man sich in seiner Situation aufgehoben fühlt (Lufti, Du schriebst ja, dass sie in der Gruppe bezüglich der finanziellen Ausstattung im Mittelfeld schwamm), bricht Missgunst eben weniger aus.
Die Frage ist, kommt der status quo ante wieder zurück oder sind die Verletzungen so tief, dass das nicht mehr funktioniert? Ich kann mir Tanja so in etwa vorstellen, weil ich sie ähnlich wie die frühere Mitarbeiterin gestrickt sehe. Das trat das "Größe 34"-Problem auch auf - und das Problem des adäquaten Lebensstils, das durch einen wohlhabenden Mann geregelt werden sollte. Das war deswegen besonders schwierig, weil sie keinen wesentlich älteren ("was soll ich denn mit einem Rentner?") wollte, sondern einen attraktiven, erfolgreichen im eigenen Alter. Letztlich hat sie dann den Kompromiss beim Geld gemacht, nicht beim Alter - was das Problem des "angemessenen" Lebensstils nicht löste.
Und so fuhr der Zug in die Richtung wie bei Tanja, eine "Fratze" habe ich da auch gesehen, als ich auf die letzte Geldforderung nicht einstieg. Und ich bin froh, es nicht getan zu haben, damit hätte sich der Showdown nur verzögert, aber ich hätte mir viel länger Giftigkeiten anhören müssen - denn letztlich hätten wir niemals so ein Gehalt zahlen können, das ihr das Leben ermöglicht hätte, was sie gerne führen wollte.
Bei einer Freundschaft wie bei Lufti ist es so, dass Lufti durch Freundschaft niemals das ersetzen können wird, was Tanja abgeht.
Zitat von Leonidensucher im Beitrag #1613Zur Vase: schwierig. Vermutlich brennt es doch finanziell lichterloh.
Absolut. Wer sich in einem solchen Umfeld solch eine Blöße gibt, dem brennt die Hütte.
Muss nicht sein. Wir bringen unsere Vorstellungen ein wenn wir Tanja verstehen wollen. Was, wenn die dabei gar nicht helfen?
Natürlich. Wir alle bringen nur unsere Vorstellungen ein: Du, ich, alle. Ich bilde mir auch nicht ein, mit meiner Bemerkung groß irgendwem zu helfen. Ich wollte nur einfach mal äußern, wie bemerkenswert ich gerade dieses Verhalten mit der Vase in dem Kontext finde.
Interessant das ich da doch recht schnell eine Grenze gespürt habe
Da kommt wieder der persönliche Prinzipienreiter ans Tageslicht.
Und Tanja wusste sehr genau wie ich bei sowas ticke. Und das es für mich überhaupt kein Thema ist Geld in Notlage zu geben (ohne Rückzahlung) aber Geld auf irgendeinen Weg zu erschleichen, mag ich überhaupt nicht.
Auch Geld leihen bin ich vielleicht anders gestrickt. Wenn man mich um Geld/Darlehen bittet und ich ja sage, dann ist dieses Geld für mich persönlich abgeschrieben. Wenn derjenige es zurück zahlt, ok. Wenn nicht dann nicht.
das alles zeigt, Tanja war schon immer so, nur das Geld hat alles zugedeckt, das war ihr Stütze und hat sie für die Außenweld "geschmeidig" gemacht. Das ist möglichrweise eine wenig schöne Darstellung von mir, das sehe ich schon so, mir fällt nichts anderes ein.
Du hast mehr als andere in einer vergleichbaren Situation gemacht. Ich finde das großartig und hätte Dich in schweren Zeiten gerne an meiner Seite.
Nun muss Tania lernen, ohne die Stütze "Geld" und was sie sich damit leisten konnte, ihr Leben zu meistern. Wobei sie ja nicht mittelos unter einer Brücke lebt.
Und sie ist nicht alleine. Es gibt Dich, wenn sie es will. Und es gibt auch noch die erwachsenen Kinder.
Lufti, kannst du denn nicht aufhören, dauernd an sie zu denken? Ich habe auch schon mehrmals sehr lange und feste Freundschaften beenden müssen und es fiel mir sehr schwer. Aber das viele Nachdenken macht es noch schwerer.
——————————————————————————————————— Die Dinge sind nie so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht. (Jean Anouilh)
Lufti, was sind drei Tage nach dem Eklat vom Montag, ein Wimpernschlag. Mir hat die Akzeptanz, dessen was ist, geholfen, um anschließend für mich zu sortieren, was ich für mich will. Was ich nicht will/wollte, war vorher schon ziemlich klar.
Schwer ist es, die rechte Mitte zu treffen: Das Herz zu härten für das Leben, es weich zu halten für das Lieben. (Jeremias Gotthelf)
Lufti, das braucht eine Weile - ich habe damals an der Situation monatelang lange zu knabbern gehabt, mich hat das sehr mitgenommen. Und mir das Gehirn zermartert, was ich hätte anders machen können. Im Nachhinein muss ich sagen: nix, man kann Menschen, die wie eine Dampfwalze auf ihrem Weg voranrattern, nicht aufhalten oder umleiten. Mir persönlich hätte ich Ärger erspart, wenn ich wesentlich früher agiert hätte, aber ich hätte das aus sozialen Gründen nicht tun wollen.
Lass es sacken und verbuche es unter "merkwürdige Erfahrungen, die man im Laufe seines Lebens macht."
Aus Tanjas Sicht ist der Goldschmuck deswegen dringend nötig, weil sie den, sowie der Reset-Knopf gedrückt ist, sofort wieder braucht und trägt... In ihrer Logik also stimmig.
Zitat von Kyoto im Beitrag #1668 immer mehr die Lust, mich in Tanja reinzuversetzen.
kann ich nachempfinden. Ich finde, man kann sich abgrenzen ohne abzuwerten Und auch ohne "reinversetzen" dennoch neutral-freundlich sein. Vielleicht dann sogar besonders....
Das würde mich mal interessieren: Was heißt in diesem Zusammenhang "Engerling"? Ein stiller Vorwurf, wie Du dazu geschrieben hast? Und ist das vielleicht ein regional üblicher Begriff oder eine Kyoto-Kreation?
Zitat von Kyoto im Beitrag #1668 Die fehlende Empathie als stiller Vorwurf.
Wobei das dann ja auch fehl gehen würde. "Empathie" ist Hineinversetzen, geht auch kognitiv, ist nicht notwendig gefühlig und vor allem kein Mitvollzug (Mit-Geleide) oder Nachvollziehen(können) - wenn auch meist in Illusion, weil die tatsächliche Lage mit allen Umständen ja eh stets eine andere ist.
Was ist klein, grün und dreieckig? - Ein kleines grünes Dreieck! (copyright: mein Neffe als Kleines)
Und ganz tichtig: mir fehlt immer mehr die Lust, mich in Tanja reinzuversetzen.
Es geht ja auch um Lufti, wie die Situation sie betrifft und wie sie sich damit fühlt. Tanja steht es frei, ihren eigenen Strang aufzumachen, dann könnt ihr alle sie betreuen und beraten. Aber bis dahin sollte doch eigentlich Lufti unsere Aufmerksamkeit bekommen, finde zumindestens ich.
Zitat von Lufti im Beitrag #1655Ich persönlich hätte ja lieber meinen Goldschmuck verkauft anstatt die Vase zu verhökern.
Da tick ich ähnlich wie Du, diese Vase würde mir auch wehtun. Lufti, Du hattest es angedeutet, dass die Chance besteht, dass Du die Vase zurückkaufst? Ich glaub, ich würd das machen.
Zitat von ja-aber im Beitrag #1648 ich habe hier kein einziges Mal gelesen, dass Tanja das abgesprochen würde. Allerdings: wie soll man einem Weg wertschätzend gegenüberstehen, der aus ausflippen, beleidigt sein, vorwerfen, wegstürmen, fehlinterpretieren ("ihr wollt mich nicht mehr, weil ich kein Geld habe") besteht? RÜCKZUG oder VERÄNDERUNG würde wohl jeder verstehen. Aber bei Angriff und Ausflippen finde ich das echt schwierig.
Wenn ich von Wertschätzung rede, dann meine ich damit nicht explizit Tanjas Verhalten sondern den kompletten Prozess. Vielleicht ist Wertschätzung auch nicht das richtige Wort, aber Demut klingt auch komisch. Wobei man eben auch demütig gegen das Leben sein kann und gegen die Prozesse, die andere Menschen (oder ich selbst) durchlaufen müssen.
Nochmal- es geht darum, dass man sich mit dieser Sichtweise von der Thematik zurückziehen kann (denn die ist bei jedem Wachstumsprozess anders) und zB gar nicht mehr lange überlegt, was nun war oder warum und was man hätte tun können - oder sollte. Und wenn so ein Stillstand eintritt, wie nun geschehen- dann ist das jetzt so und gehört in diesem Fall eben auch dazu. Ich kann es bei dem anderen sehen und LASSEN- ohne zu meinem, ich müsste nun was TUN.
Zitat von ja-aber im Beitrag #1648Dann muss auch Tanja Wertschätzung dafür zeigen, dass Lufti sich das irgendwann spart, mit ihr in den Dialog zu treten. Oder nicht?
Wir hatten doch schon geklärt, dass derjenige, der in diesem Prozess ist- soviel mit sich zu tun hat, dass ihm jegliches "normale Denken" abhanden kommen kann. Was nicht ausschließt, dass Tanja eines Tages den Wert von Luftis Verhalten erkennt und es bestenfalls ausdrückt- alles möglich.
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Zitat von Kyoto im Beitrag #1668 immer mehr die Lust, mich in Tanja reinzuversetzen.
Ich finde, dass recht schnell klar wurde- dass das keinerlei Sinn macht. Bei solchen Extremen, kann man davon ausgehen, dass IN dem Menschen auch einiges extremer ist/abläuft als bei einem 0815. Wir wissen von Tanja gar nix- wer weiß, was diese Trennung in ihr vielleicht an uralten Mustern oder gar Traumata berührt hat? Es wird immer nur auf die Trennung geschaut, dabei ist doch das, was Geschehen ist- (in Tanja) mit allem in Berührung gegangen, was sie seit über 50 Jahren in sich trägt. Ihre Reaktionen haben doch eine Geschichte, die so alt ist, wie sie selbst.