Es wird sich zeigen, ob diese Freundschaft wirklich eine Freundschaft ist. Wenn es zu einem größeren Krach kommt, und der steht ja schon im Raum, wird Tanja das aushalten müssen. Sie kann sich zurückziehen, aber wenn ihr! auch an Lufti was liegt, dann wird es die Freundschaft überleben. Wenn nicht, hast du, Luti, dir eh viel zu viele Gedanken gemacht. Ich denke, die Freundschaft steht jetzt einfach an einem Scheideweg, an dem sich beide, auch Tanja , entscheiden müssen, wie es weitergeht
Ich meine auch, dass sechs Monate eine sehr kurze Zeit sind für Tanja. Viel zu kurz, um sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden, sich aufzurappeln, neue Perspektiven zu sehen. Sie ist regelrecht in ein Loch gefallen und sieht kein Licht am Horizont. Alles ist Scheiße. Mann weg, Geld weg, alles weg irgendwie.
Sechs Monate sind auch eine kurze Zeit, für eine Freundin in Not da zu sein. Vor allem meine ich aber, dass sechs Monate eine zu lange Zeit sind, sich als Freundin schlecht behandeln zu lassen und nichts anderes passiert hier. Die Kaffeetassen-Geschichte ist ein gutes Beispiel für die Haltung von Tanja. Wieder was gefunden, was zu bemeckern ist und nicht gegönnt werden kann. Es ist eine Sache, sich zum 100sten mal dasselbe anzuhören und einer niedergeschlagenen Freundin zur Seite zu stehen, eine ganz andere aber, sich ständig gegen Sticheleien wappnen zu müssen, die dann auch noch dauernd kommen.
Ich habe mittlerweile den Eindruck, dass es sich bei dem Gestichele rund ums Geld von anderen um einen Nebenkriegsschauplatz handelt, um irgendwie noch etwas zu kontrollieren und im Griff zu haben, nachdem sie über das, was sie eigentlich haben will, die Kontrolle verloren hat. Davon ist strikt zu trennen, das emotionale Elend, in das sie ihr Mann gestürzt hat wegen der Art und Weise, wie er mit ihr umgesprungen ist und auch ihre finanziellen Sorgen. Die werden aber nicht besser oder schlechter, wenn du aus dem Küchenschrank Ikea-Tassen holst, wenn sie da ist.
Lufti, du hast schöne Worte für die Eigenschaften deiner Freundin gefunden - Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie sich fragt, warum andere aus eurem Kreis, die vielleicht nicht so toll sind, wie du sie beschreibst, noch ihr schönes Leben haben, obwohl sie es mindestens ebenso oder gar mehr verdient. Stattdessen geht das Leben einfach so weiter, die Sonne scheint für andere und sie hat unverdient alles verloren.
Vorher habt ihr euch nicht einen Bruchteil so oft gesehen wie jetzt. Du bist doch an ihrer Seite. Ich habe vollstes Verständnis, dass du aus deinem Leben keinen Eiertanz machen möchtest. Ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass es ihr hilft, wenn du dich in Verzicht übst, zumindest nicht über den vermeintlichen Gewinn des Gefühls, wenigstens dich im Griff zu haben hinaus.
Daher fände ich es schön, wenn du ihr vermitteln könntest, dass sie nicht abgehängt ist, nicht ausgeschlossen, sondern Teil deines Lebens, du aber nicht ihr Leben führen wirst, denn was euch verbunden hat und auch künftig verbinden soll, ist nicht Geld, sondern Freundschaft.
Hat denn schon mal jemand versucht auf rein sachlicher Ebene, sofern sowas möglich ist mit dem Mann zu sprechen? Einfach um auch mal seine Sicht der Dinge zu sehen? Es könnte ja auch sein, dass er sich auch nicht mehr anders zu helfen wusste, weil Tanja im Vorfeld eine Trennung einfach ignoriert hat? Meinte, es aussitzen zu können? Vielleicht hat er ihr ja auch Unterstützung über das Geld hinaus angeboten, die sie abgelehnt hat? Vielleicht ging der unschönen Trennung bereits ein langer Prozess voraus, denn ihr nicht kennt. Wäre für mich durchaus auch wichtig um mein und ihr Verhalten einordnen zu können.
Zitat von Lufti im Beitrag #655 Es sind die ständigen Anspielungen auf normale Alltagsdinge ...
Darf ich nochmal fragen, warum Du das in einem persönlichen Gespräch mit ihr nicht thematisiert? Als Beispiel wäre doch die Kaffeetassen-Bemerkung geradezu prädestiniert.
Du verbringst doch einige Zeit mit ihr zu zweit?
Einerseits attestierst Du Dir selbst Lösungsorientiertheit. Andererseits kannst/willst (?) Du dieses wichtige Feedback-Gespräch nicht mit ihr führen. So ganz verstehe ich das nicht.
Zitat von KlaraKante im Beitrag #662Ich denke ja tatsächlich, dass es hier eher nicht um Tanja geht.
Danke - ich mittlerweile auch.
Zitat von wasseroderwein im Beitrag #663 Wie kommt sie zu diesem Anspruch, dass sich diese Gruppe ihr anpassen muss?
Auch hier fände ich @Luftis Antwort wichtig. Denn die Frage war, ob Tanja das tatsächlich so artikuliert oder ob die Gruppe das zu hören meint.
Zitat von Caramac im Beitrag #664 .. sie hat ihr eigenes Tempo und wie schon mehrfach betont: 6 Monate sind gar nichts
Zitat von R_Rokeby im Beitrag #622 Aus jeder deiner Posts klingt die Angst von dir, dass Tanja dir DEIN Leben versaut.
Ich interpretiere es anders, irgend jemand schrieb vor Tagen schon von "Spiegel vorhalten".
Tanjas Geschichte zeigt expemplarisch und besonders extrem, daß ein Lebensplan, auf den man sich verlassen hat, von heute auf morgen vorbei sein kann.
Bei Tanja noch ungleich härter als bei Vielen, weil es eben ALLE Aspekte ihres Lebens betrifft und nicht "nur", wie bei Vielen, die persönliche Ebene, die schmerzhaft und zum Teil zerstörerisch genug sein kann.
Zitat von Lufti im Beitrag #629 Es geht doch nicht um Angst....
Doch, ich glaube schon. Unbewußt. Weil der Kontrollverlust und die Auswirkungen hier so extrem deutlich werden.
Vielleicht/Wahrscheinlich wäre es bei Dir nicht das Finanzielle, aber Du hast damals eben auch geschrieben, wie sehr Du Dich auf Deinen Mann verläßt, ihn das allermeiste managen läßt und wie sehr Du ihm vertraust.
Das heißt, dieses Grundvertrauen hatst Du gleich Tanja. Bei ihr ist es voll in die Hose gegangen. Muß bei Dir absolut nicht so sein und wäre eben auch nicht so verheerend, weil weitere "Grundbedürfnisse" abgesichert sind. Bei Tanja aber nicht.
R_Rokeby und ja-aber hatten zum Beispiel eindrücklich geschildert, wie tief und langwierig sie verletzt waren, sogar ohne diesen massiven finanziellen Aspekt.
Ich glaube, daß Tanjas Geschichte Dir und der Gruppe wirklich einen Spiegel vorhält und es ist verständlich, daß wir da alle große Hemmungen haben, tiefer reinzuschauen. Tanjas großes Pech (und eigene Entscheidung) war, daß es bei ihr so allumfassend ist.
Zitat von Lufti im Beitrag #629 Es ist eher die Frage, in wie weit Freundschaft und rücksicht auf ihre Lage mein Leben beeinflussen darf.
Wo darf ich berechtigt eine Grenze ziehen und in welchem Zeitrahmen ohne mir vorwerfen lassen zu müssen das ich egoistisch/unemphatisch bin.
Lufti, ich bin echt hin und hergerissen, wie ich das alles wahrnehme.
Einerseits finde ich Tanjas Ansprüche an Euer Zurückhalten rational maßlos übertrieben und kann mir nicht vorstellen, daß jemand so denkt, handelt und fühlt. Mir wäre es jedenfalls komplett fremd.
Andererseits ist sie so klar in diesem momentanen Bedürfnis, daß ich mich gleichzeitig frage, was denn - beispielsweise - eigentlich so schwer daran gewesen wäre, mal schnell zu EDEKA in den Deli-Bereich reinzuhuschen und selbst den Inhalt einer "leckeren Kühltasche" oder mehrerer zu packen, statt Picknickkörbe zu ordern.
Ja, mag sein, daß Ihr normalerweise diese Picknickkörbe wählt und das ist auch vollkommen ok und z.B. finde ich die Art von Geschirr, die Du nanntest (klar war ich neugierig/interessier ) kein bißchen dekandent und irgendwie diskussionswürdig, hatte tatsächlich eher an sowas wie Versace gedacht (meine Mutter kam auch mit dieser Scheußlichkeit).
Aber wenn man/Du schon um Tanjas momentane Befindlichkeiten weißt, was wäre an dieser Art von Rücksicht nun so schlimm? Weil Du/Ihr Euch damit noch mehr verbiegt? Weil sie Euch empfunden oder wirklich was wegnimmt? Weil es unbequem wäre? Weil Du nicht noch mehr nachdenken möchtest? Weil Du genau da z.B. - vielleicht unbewußt - Deine Grenze gesetzt hast im Sinne, nein, ich will es nicht noch unbequemer?
Bitte versteh mich nicht falsch, Du hast jedes Recht auf Deine Grenzen und vielleicht sind Eure Grenzbedürfnisse momentan einfach unvereinbar und das wäre ok, man sollte nur ehrlich sein mit sich und dem Gegenüber, aber ich zumindest habe meist einfach das Bedürfnis, so wenig Schmerz wie möglich zu verursachen (ja, darüber denke ich tatsächlich oft nach) und versuche das zu vermeiden, wenn es mir mit mir einfachen Maßnahmen möglich ist.
Ich würde z.B. doch auch keine Katzenfotos posten, wenn ein guter Freund oder eine liebe Bekannte ihre gerade verloren hat, um jetzt mal ein kleines Beispiel zu nehmen.
Ich habe bei manchen Schilderungen den Eindruck, Tanja sucht geradezu nach Dingen, über die sie verärgert oder wütend sein kann. Vielleicht als Stellvertreter dafür, dass sie eigentlich ihrem Mann ein paar reinhauen will, weil sie so fürchterlich wütend auf ihn ist. Sie kann aber anscheinend ihre Aggressionen nicht bei ihm abladen. Vielleicht, weil sie ihn wiederhaben will, vielleicht aus anderen Gründen. Ich denke, es könnte gut sein, dass man es ihr derzeit gar nicht recht machen kann und du, Lufti spürst das und auch die ständige unterschwellige Aggression.
Mein Psychologe meinte, ich solle spazierengehen, wenn ich wütend bin. Langer Rede kurzer Sinn: ich bin jetzt in Italien.
lufti, mal eine etwas intimere Frage, ... was bereutet denn, dass ihr ein Freundeskreis mit Geld seid? Schickeria und Leben in Saus und Braus oder gutes Einkommen - gutes Auskommen?
Wenn dir das zu persönlich ist, musst du nicht antworten.
Zitat von Zuversicht2021 im Beitrag #681Hat denn schon mal jemand versucht auf rein sachlicher Ebene, sofern sowas möglich ist mit dem Mann zu sprechen? Einfach um auch mal seine Sicht der Dinge zu sehen? Es könnte ja auch sein, dass er sich auch nicht mehr anders zu helfen wusste, weil Tanja im Vorfeld eine Trennung einfach ignoriert hat? Meinte, es aussitzen zu können? Vielleicht hat er ihr ja auch Unterstützung über das Geld hinaus angeboten, die sie abgelehnt hat? Vielleicht ging der unschönen Trennung bereits ein langer Prozess voraus, denn ihr nicht kennt. Wäre für mich durchaus auch wichtig um mein und ihr Verhalten einordnen zu können.
Das mag ja sein, dass der Ex vieles versucht hat und Tanja hat die Ohren auf Durchzug gestellt und meinte es aussitzen zu können. Aber dann kann man ja immer noch einfach ausziehen und mit der Next woanders hinziehen. Die Nummer mit dem Einzug ins eheliche Heim macht mich immer noch sprachlos. Der Mann hätte doch ganz anders agieren können, auch wenn das nun mal sein Haus ist.
Ich halte viel von Bluevelvets Beitrag. Ich denke auch, die Aggressivität dem Freundeskreis gegenüber ist der Ohnmacht dem eigentlichen Verursacher, dem Ex, geschuldet. Sie will ihn sogar zurück, obwohl er sie so mies behandelt hat und schon neue Familie gründet.
Lufti, hast Du Tanja eigentlich mal gefragt, wie sie sich die neue Beziehung zum Ex vorstellt, wenn das wirklich möglich wäre? Bleibt sie dann bei ihren Vorwürfen dem Lebensstil, den Ihr pflegt, gegenüber oder schwenkt sie dann kritiklos in die alte Linie über?
Sternenfliegerin, aber würdest du ein katzenfoto in deiner Wohnung abhängen? Ich hab den Eindruck, genau das verlangt Tanja. Natürlich muss jeder selbst seinen Weg finden, wie er mit so einer Situation umgeht. Ich für mich würde das gedöhns um Tanja nicht mehr mitmachen. Ihr ganz klar und deutlich sagen: du pass auf, ich weiss, dass es dir schlecht geht. Ich will gerne für dich da sein und ich bin deine Freundin. Aber das ist keine Einbahnstraße. Du machst mich mit deinen spitzen Bemerkungen fertig und verletzt mich.
Zitat von badenserin im Beitrag #677Ich meine auch, dass sechs Monate eine sehr kurze Zeit sind für Tanja. Viel zu kurz, um sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden, sich aufzurappeln, neue Perspektiven zu sehen. Sie ist regelrecht in ein Loch gefallen und sieht kein Licht am Horizont. Alles ist Scheiße. Mann weg, Geld weg, alles weg irgendwie.
das rechtfertigt aber weder ihr Verhalten noch ihre Ansprüche den anderen gegenüber. Freunde sind da wenn es einem schlecht geht, Freunde hören zu, nehmen sich Zeit, aber es geht nicht dass Freunde darunter leiden müssen weil es einem aus der Gruppe schlecht geht. Wenn ich es nicht ertrage zu sehen, dass es den anderen besser geht dann muss ich mich fernhalten.
Meine Meinung steht fest, bitte verwirren Sie mich nicht mit Tatsachen
God gave rock 'n' roll to you, put it in the soul of everyone. (KISS)
Ich denke, Lufti hat hier schon eine unglaubliche Geduld gegenüber Tanja gezeigt, ihr vorzuwerfen, sie wäre nicht emphatisch, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Lufti, Du hast jedes Recht, Deine Grenze bei den Sticheleien zu ziehen. Den Vorwurf, dass Tanja sich eben zu sorglos auf die Versorgerehe verlassen hat, hat sie ja Tanja gegenüber noch nicht einmal ausgesprochen. Ich finde die Aussage 'Ich bin weiter als Freundin für Dich da, aber nicht Dein Punchingball' jetzt sehr wichtig und heilsam für Tanja. Wenn sie das dann als Aufkündigen der Freundschaft sieht, dann ist das so und liegt sicher nicht an Lufti.
Zitat von badenserin im Beitrag #677Ich meine auch, dass sechs Monate eine sehr kurze Zeit sind für Tanja. Viel zu kurz, um sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden, sich aufzurappeln, neue Perspektiven zu sehen. Sie ist regelrecht in ein Loch gefallen und sieht kein Licht am Horizont. Alles ist Scheiße. Mann weg, Geld weg, alles weg irgendwie.
das rechtfertigt aber weder ihr Verhalten noch ihre Ansprüche den anderen gegenüber. Freunde sind da wenn es einem schlecht geht, Freunde hören zu, nehmen sich Zeit, aber es geht nicht dass Freunde darunter leiden müssen weil es einem aus der Gruppe schlecht geht. Wenn ich es nicht ertrage zu sehen, dass es den anderen besser geht dann muss ich mich fernhalten.
@PeggySue: Wenn du nicht nur diesen Teil zitiert hättest, könnte man lesen, dass ich im Rest meines Beitrags zum selben Ergebnis komme. Ich hatte doch geschrieben, dass das gerade nichts mit ihrem unvertretbaren Verhalten gegenüber lufti zu tun hat und dafür sechs Monate schon zu lang sind.
Lufti, mal eine Frage: Kannst du dir vorstellen, dass Tanja jetzt, im Moment, deine Beschreibung von ihr von sich selber aus tiefstem Herzen sagen kann? Oder würde sie sich im Moment selber ganz anders beschreiben?
Planung bedeutet, den Zufall durch Irrtum zu ersetzen
Einen Rat, @Lufti, kann ich Dir leider nicht für Dein Riesenproblem geben, was Du ganz offensichtlich zu haben scheinst. Außer: DASS Du Dich mal mit diesem Problem auseinander setzen solltest.
Für "Tanja" wünsche ich mir allerdings, dass sie die Scheißtrennung verarbeiten kann, sich berappelt und ihre Stärken erkennt und auch, was wirklich wichtig ist im Leben.
Vielleicht kann sie ja im Zuge dessen sogar die Spreu vom Weizen trennen und zukünftig ein zufriedenes Leben leben.
Zitat von Caramac im Beitrag #664Lufti, Sie befindet sich noch in Schockstarre und eure Clique gibt hier die Illusion noch dazu zu gehören.
Stimme zu und versuch das mal an einer eigenen Erfahrung zu erläutern. Geht nicht um Trennung, sondern um brutalen Lebenseinschnitt und Clique. Mit 30, als aufstrebende Doktorandin mit Ehrgeiz, machte mein Körper von jetzt auf Hopp nicht mehr mit. Mehrere teils 12 Stunden dauernde Wirbelsäulen-Operationen folgten, ganzer Prozess dauerte 3 Jahre. Weitere 3 Jahre später war dann klar: Rollstuhl und fortschreitende Lähmungen. Sehr langsam, aber fortschreitend.
Und ich in ner jungen Wissenschaftler_innen-Clique mit viel Spaß an Lesen, Lernen und Fortgehen (Wald, Freibad, Wiese, Biergarten - nix Weltbewegendes, aber weg und fort vom Schrei(b)tisch).
Clique wollte mich integriert halten. Ich wollte mich integriert halten.
Alles, was für uns vorher selbstverständlich war, ging nicht mehr. Wir trafen uns im Garten und quasselten. Und trafen uns drinnen und quasselten. Und ich fühlte mich einerseits "gewollt" - andererseits aber auch "besucht", "bekümmert" und "bemitleidet". Ich wollte kein Mitleid und argwöhnte bei allem rum, dass es solches wäre. Und: ich wollte Rücksicht, auch wenn ich es nicht aussprach. Parallel ging die Clique auch wieder ihrem üblichen Treiben nach und ich konnte nicht mit. Ich neidete und neidete und neidete - "sagte" nichts, aber fühlte (ob ich gestichelt hab, weiß ich nicht mehr, ist fast 30 Jahre her). Und argwöhnte - wie lange wollten sie es mit mir "Langweilerin" noch aushalten? Wie lange reichte ihr "Mitleid" noch? Und gleichzeitig hielt ich verzweifelt an ihnen fest - "hatte" ich doch nichts mehr: keine Gesundheit, keine schmerzfreie Fortbewegung mehr, Rollstuhlaussicht, Lähmungsaussicht und Wegfall der akademischen Karriere (mein Doktorvater wollte in Pension, der hätte nicht mehr die Zeit gehabt, abzuwarten, bis ich wieder hätte akademisch arbeiten können). Aber die Clique hatte das alles noch.
Nur konnte ich immer weniger beitragen. Saß mehr oder weniger in der Wohnung, in meiner Beziehung und in meinem Schädel fest. Erlebte nichts mehr, es ging ja nicht - außer den Besuchen. Die ich bitter brauchte und bitter zu hassen lernte, ging für die anderen doch das Leben, ging Akademia doch einfach weiter, auch wenn sie bei den Besuchen alle so taten, als sei das Herumsitzen bei mir "ganz normal und üblich". Es war mein Zipfel in das, was ich "war" vor den Operationen, was mich "ausmachte".
Und ich trennte mich. In einem Brief - in Dankbarkeit, aber von allen. Denn es war ein 1 Jahr dauernder Eiertanz geworden, auch durch mein Misstrauen. Durch mein Selbstmitleid. Durch mein "im Früher Verharren". Wir blockierten uns alle gegenseitig - ich kriegte ja teilweise mit, was das auch für andere eine Beschränkung im Tun und in ihrer Lebensfreude war.
Und ich ging durch scheußliche 2 Jahre. In ziemlicher Einsamkeit. Dann hatte ich mich "gefangen" und neu definiert - und war nicht mehr so mordsbedürftig und gleichzeitig wütneidisch auf alles und alle.
@Lufti: Du reibst dich auf. Bei einem derartigen Zusammenbruch alles bis dahin Gelebtem kannst du nur daneben stehen, aber nicht mitgehen. Ich fürchte, da erreichst du "niemanden" ... "Tanja" könnte sich imo genauso in ungeklärter Wut, Selbstmitleid, Panik, Aggression und Bedürftigkeit verstrickt haben wie ich damals. Im Nachhinein hätte es mir besser getan, die Clique hätte ihr normales Leben weitergelebt und hin und wieder hätten wir was gemeinsam getan - Lesekreis oder so was, das gegangen wäre. Denn es WAR ja Tatsache, dass ihr Leben weiterging. Alles "so tun als ob" nutze ja nix - ob ich denn traurig war, neidete, "mies drauf" war, Bekümmerung wollbrauchte oder mich dagegen wehrte. Ich musste es für mich auf die Kette kriegen ... und da ist das "Herumtanzen und Verbiegen" aus allseitiger Unkenntnis und Überforderung heraus eher ... unproduktiv gewesen.
Ich will nix vergleichen oder ne "Leidenskonkurrenz" aufmachen, sondern vielleicht "aus dem Inneren der Umwälzung" heraus sprechen ... vllt. gehts Tanja gerade sehr ähnlich, und dir wie der Clique?
Was ist klein, grün und dreieckig? - Ein kleines grünes Dreieck! (copyright: mein Neffe als Kleines)
Zitat von Convallaria im Beitrag #561Aber mir scheint, dass solche Dinge generell in diesem Thema hier wichtig sind. Da es von Anfang an in diesem Thema viel um Materielles ging. Also frage ich mich, warum @Lufti sich das nicht verkniffen hat.
Wenn ich weiß, was der wunde Punkt ist bei einer Freundin in massiver Krise (hier offenbar: Geld und alles, was sich davon kaufen lässt), dann bin ich da eher vorsichtig. Daher finde ich das merkwürdig bis interessant mit Blick auf die Ausgangsfrage.
Sorry, wenn ich etwas spät dran bin, habe gerade gegoogelt, das Geschirr ist ja nun nicht weltbewegend teuer, das könnte sich auch Tanja locker mit ihren 900€ leisten.
Lufti, ganz großes Lob, dass Du bisher so geduldig mit Deiner Freundin warst. Geduld ist wirklich eine große Stärke und etwas wo es sich immer lohnt dran zu arbeiten. Ich weiß das, weil ich in meiner übergroßen Ungeduld leider mal schnell rumraunze. Das ist weder mir noch anderen hilfreich. Da muss ich wirklich dran arbeiten. Du kannst das wohl jetzt schon, andererseits kann ruhige Ansprache ja nicht verkehrt sein, gerade in der Service Sache. Wirklich ganz ruhig.
Sorry, habe gerade gelesen, dass Du eher ungeduldig bist, und auch mehrere aus der Gruppe sie schon angesprochen habe mit eher unguter Resonanz. Dann würde ich eher zu abwarten tendieren. Abwarten, aussitzen, ansprechen, was stört, aber ganz oft versuchen den Mund zu halten, einfach versuchen an sich abgleiten zu lassen. Und wie schin genannt, sich vermehrt rausziehen aus den Treffen mit ihr. Und bloss nicht Deine verschiedenen Freundeskreise vermischen.
Zitat von Kleines grünes Dreieck im Beitrag #698 Ich will nix vergleichen oder ne "Leidenskonkurrenz" aufmachen, sondern vielleicht "aus dem Inneren der Umwälzung" heraus sprechen ...
Ich finde, das ist Dir gut gelungen. Denn letztlich hängt ja genau daran dieses überdimensionierte Verständnis für nahezu alles, was Tanja ihren Freundinnen zumutet: an dieser abgründigen Umwälzung im Innen und im Außen - in die Tanja 'von heute auf morgen' gezwungen wurde.
Hätte Dir denn geholfen, wenn die Gruppenstärke sich ein bisschen "verdünnt" hätte, wenn also in der Akutkrisenzeit nur eine oder zwei gute Freundinnen aus der Clique unterstützend um Dich herum geblieben wären?
-
Halte Dir jeden Tag 30 Minuten für Deine Sorgen frei, und in dieser Zeit mache ein Nickerchen. (A. Lincoln)