Ich fand die Anmerkung zur Kinderlosigkeit auch unpassend und kann mich, dank jahrelanger ungewollter Kinderlosigkeit, gut hineinversetzen, wie so etwas weh tun kann. Nur, weil jemand keine Kinder hat, kann man trotzdem eine Meinung haben zum Thema Abtreibung, die nicht mehr oder weniger berechtigt und fundiert ist.
Ich finde, gerade bei solchen Themen sind alle Sichtweisen wichtig, denn für alle zusammen muss ein Kompromiss gefunden werden.
Abgesehen davon sehe ich es in einer idealen Welt ähnlich wie @mono: Frau und Mann sollten Verantwortung übernehmen für das entstehende Leben und später auch das Kind. Ich finde absolut legitim, zunächst mal von einer solchen Idealvorstellung auszugehen. Tatsächlich sehe ich es auch so, dass oft der Frau die Hauptverantwortung zugeschoben wird; das ist nicht gut, und ich finde Bestrebungen, dieses zu ändern, sehr wichtig.
Trotzdem ist es nun mal in der praktischen Anwendung so, dass die Frau Schwangerschaft und Geburt auf sich nimmt und es wahrscheinlicher ist, dass der Mann sich aus dem Staub macht, als die Frau. Daher finde ich in letzter Konsequenz, dass die Frau allein entscheiden muss.
Ich kaufe allerdings auch den Punkt, dass sich zumindest zum Teil die Katze in den Schwanz beißt; die Männer machen sich häufiger aus dem Staub, weil sie sich weniger verantwortlich fühlen, andererseits zeigt man ihnen auch deutlich, dass sie sowieso nichts zu sagen haben bei dem Thema. Blöd. Eine Lösung dafür finde ich nicht, aber ich finde den Punkt schon valide.
Zitat von mono im Beitrag #746... Nur stimmt es nicht. Ich habe nicht öffentlich gemacht, ich hätte "keine Ahnung von "Empfinden und erleben einer Schwangerschaft" Also verbreite DU keine Unwahrheiten.
Du hast deine Nichtbetroffenheit öffentlich gemacht, da ergeben sich solche logischen Schlüsse ganz von selbst.
Ist ja erstmal nicht ersichtlich, was die Nicht-/Betroffenheit von einer Schwangerschaft unter den Diskussionsbeteiligten inhaltlich zu dieser Diskussion beitragen soll.
Du würdest Deine eigene Argumentationsstrategie mutmaßlich auch nicht dadurch herabgesetzt sehen wollen, dass Du vorgehalten bekommst, dass Dir selbst schließlich die Erfahrung, das Empfinden und Erleben fehlt, ein Kind eigentlich abtreiben gewollt zu haben, Dich dann doch dagegen entschieden zu haben und heute mit voller Überzeugung sagen zu können: Wie gut, dass ich das Kind (doch) bekommen habe. Und so gäbe es uneingrenzbar viele "Betroffenheiten" bei diesem Thema, die jeweils als Glaubwürdigkeitsverstärker (?) vereinnahmt werden könnten, wenn man sich schon darauf einigen wollte. Aber wozu?
Wenn Du für jede verhandelte Konstellation, die die Diskussionstendenz beim Thema Abtreibung in die eine oder andere Richtung bewegt, eine biografische Note suchst - und selbst wenn Du sie fändest - trägt das ja nicht zur sachlichen Richtigkeit oder Stichhaltigkeit Deiner Argumente bei.
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Halte Dir jeden Tag 30 Minuten für Deine Sorgen frei, und in dieser Zeit mache ein Nickerchen. (A. Lincoln)
Zitat von caramia_2.0 im Beitrag #748Es macht hier überhaupt keinen Sinn mehr, sich einzubringen. Einem Großteil der Diskutanten fehlt jeglicher Anflug von Feingefühl, den es bei diesem Thema aber nur mal braucht.
Ich vermisse bei dir hingegen Feingefühl gegenüber den Nöten von ungewollt schwangeren Frauen. Da lässt sich mit einer rigiden katholischen Sexualmoral auch nicht einfach so drüber bügeln.
Abgesehen davon, würde sich auch jeder Mann verbitten, wenn jemand per Gesetz über seinen Körper verfügen würde. Eine Frau hat ja auch nicht zu bestimmen, dass ein Mann sich sterilisieren lässt, weil sie keine Kinder von ihm will. Oder umgekehrt, ihn gesetzlich dazu verpflichten, sie zu schwängern, wenn er das nicht will. Beides ist seine alleinige, private Entscheidung.
Es muss auch nicht um Feingefühl gehen. Menschenrechte sind Menschenrechte und sie stehen den Personen zu. Egal wie man sich selbst gerade fühlt oder wie unfair das Leben allgemein ist. Das Selbstbestimmungsrecht gilt für alle Menschen. Ohne dass Staat, Gesellschaft oder andere Personen ein Recht haben, dieses Recht zu nehmen.
Wenn man dazu übergeht, dass Menschenrechte nur gewährt werden, wenn die Person die „richtige“ Partei gewählt hat, den „richtigen“ Glauben oder genug Geld hat, dann wird es schlimm.
Ja, mir gefällt es auch nicht, dass Frauen sich zur Abtreibung entschließen. Doch das ist ihr Recht.
—————————————— Die Bösen halten zusammen, auch wenn sie einander hassen, das ist ihre Stärke. Die Guten sind in alle Winde zerstreut, das ist ihre Schwäche.
Zitat von mono im Beitrag #746... Nur stimmt es nicht. Ich habe nicht öffentlich gemacht, ich hätte "keine Ahnung von "Empfinden und erleben einer Schwangerschaft" Also verbreite DU keine Unwahrheiten.
Du hast deine Nichtbetroffenheit öffentlich gemacht,....
Nein. Sasapi hat geschrieben,dass ich irgendwo erwähnt habe,kinderlos zu sein. Nichtbetroffenheit und so weiter habt ihr hereininterpretiert. Und mit dem Thema hat es absolut nix zu tun.
Signatur:
Gib dem Leben Farbe, bring dich ein mit einem Wort, einem Lächeln.
"Kein Ziel und keine Ehre, keine Pflicht, sind's wert, dafür zu töten und zu sterben" (R. Mey)
Es hat nichts mit Gemeinheit zu tun, wenn ich es anprangere, dass eine kinderlose Frau, welchen Grund die Kinderlosigkeit auch immer hat, einer Schwangeren in einer Konfliktsituation ( sonst würde sich die Frage eines Abbruchs gar nicht stellen) ihre Vorstellungen "aufdrücken" will.
Zitat von SASAPI im Beitrag #760Es hat nichts mit Gemeinheit zu tun, wenn ich es anprangere, dass eine kinderlose Frau, welchen Grund die Kinderlosigkeit auch immer hat, einer Schwangeren in einer Konfliktsituation ( sonst würde sich die Frage eines Abbruchs gar nicht stellen) ihre Vorstellungen "aufdrücken" will.
Da hat niemand reinzureden, ganz einfach.
Also ich finde es gleichwertig scheiße, wenn jemand einer anderen Person die Vorstellung/Meinung aufdrücken will, ob ein Schwangerschaftsabbruch vertretbar ist oder nicht.
Findest du eine Mutter darf es sich da eher herausnehmen, eine Schwangere mit der eigenen Wertevorstellung zu belästigen, weil sie Mutter ist?
Najaaa... Es kommt jetzt drauf an, was man unter Reinreden versteht. 'Die Entscheidung entsprechend den eigenen (!!!) Bedürfnissen beeinflussen wollen/ Druck ausüben" - nein, dafür sehe ich weder juristisch noch ethisch eine Rechtsgrundlage. Und so meint Ihr es wahrscheinlich auch.
Aber "sich äußern" dürfen Dritte sich schon. Die Meinungsfreiheit deckt Äußerungen dahingehend dass jedes werdende Leben erhaltenswert sei, dass man aus Sicht des werdenden Lebens gegen Abtreibung ist usw.. Das darf jede:r so äußern, so lange dabei andere Personen nicht angegriffen/bedroht werden.
Und sich allgemein, also neutral zur Situation zu äußern ist in Deutschland durch die Beratungspflicht ja sogar rechtlich vorgesehen.
"It has to be possible to feel the pain in one community without denying it to the other. It has to be!" John Oliver
Moderatorin in den Foren zu Beziehung und Sex, zu Kunst, Musik und Literatur, zu Politik und Tagesgeschen und zum Handwerken (warum auch immer). Ueberall sonst gilt: Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen.
Auch ohne, dass Frauen nachweislich angegriffen und bedroht wurden, gibt es es in der Politik Überlegungen, dass in Deutschland Demonstrationen von Abtreibungsgegnern direkt vor Beratungsstelle, Praxen und Kliniken verboten werden sollen.
Wird AfD eigentlich mit einem oder zwei Mittelfingern geschrieben? 🖕🏻🖕🏻
Ich glaube, die „Kinder-kriege-Situation“ der einzelnen Diskutandin macht sehr wohl einen Unterschied. Denn je nach Situation ist das Thema „ein Kind bekommen“ mit ganz unterschiedlichen Emotionen besetzt, es macht einen Unterschied, ob jemand Kinder hat, keine Kinder will, oder keine bekommen kann, eventuell sogar in der Schwangerschaft verloren hat.
Eine Frau, die sich dringend ein Kind wünscht, bei der es es nicht funktioniert kann vielleicht in dem Moment wirklich nicht verstehen, warum eine andere das, was sie selbst als Geschenk betrachten würde, als gewaltigste Katastrophe ihres Lebens betrachtet, und abtreibt.
Das soll jetzt nicht heißen, daß nur Frauen, die Kinder haben, tatsächlich hier die Leitplanken setzen dürfen. Aber genausowenig dürfen Frauen in anderer Lebenssituation das tun. Allerdings denke ich manchmal, daß es auch nicht richtig ist, daß irgendein Mann irgendetwas dazu zu sagen hat - die Gesetze in diesem Kontext sind niemals für biologische Männer relevant - daher sollte hier die Entscheidungshoheit vielleicht besser alleine bei den Frauen des Bundestages liegen. Allerdings bräuchten wir hierzu eine Verfassungsänderung.
Ich bin nicht „im Spektrum“. Aber mein EQ ist tatsächlich etwas niedrig.
Einer Frau, die sich dringend, aber leider vergeblich ein Kind wünscht, oder einer Frau, die eine Fehlgeburt hatte, versucht niemand vorzuschreiben, wie sie damit umzugehen hat. Da gibt es keine Demonstrationen mit irgendwelchen Forderungen, z. B. wie sie trauern sollen, ihnen wird nicht beim Besuch der therapeutischen Praxis aufgelauert, von irgendwelchen wildfremden Leuten, die sich anmaßen ihnen Verhaltensregeln vorschreiben zu wollen. Das ist gut und richtig so.
Aber warum geht das nicht genauso selbstverständlich auch bei Frauen, die aufgrund ihrer Schwangerschaft in einer Konfliktsituation sind, oder bereits eine Entscheidung für den Abbruch getroffen haben?
Wird AfD eigentlich mit einem oder zwei Mittelfingern geschrieben? 🖕🏻🖕🏻
Zitat von noBarbie im Beitrag #768Einer Frau, die sich dringend, aber leider vergeblich ein Kind wünscht, oder einer Frau, die eine Fehlgeburt hatte, versucht niemand vorzuschreiben, wie sie damit umzugehen hat. Da gibt es keine Demonstrationen mit irgendwelchen Forderungen, z. B. wie sie trauern sollen, ihnen wird nicht beim Besuch der therapeutischen Praxis aufgelauert, von irgendwelchen wildfremden Leuten, die sich anmaßen ihnen Verhaltensregeln vorschreiben zu wollen. Das ist gut und richtig so.
Aber warum geht das nicht genauso selbstverständlich auch bei Frauen, die aufgrund ihrer Schwangerschaft in einer Konfliktsituation sind, oder bereits eine Entscheidung für den Abbruch getroffen haben?
Weil sie aus Gründen, die möglicherweise außerhalb Deines Verstehens- und Vorstellungsspektrums liegen - und da fraglos auch liegen dürfen - den Schutz des ungeborenen Lebens ins Zentrum ihres Argumentierens und Demonstrierens stellen und im selben Zuge vom Wollen der (betroffenen) Frau abstrahieren. Wofür sie wiederum gesellschaftspolitische, soziologische usw. oder religiöse Gründe angeben, die ihrerseits offenbar außerhalb Deines Verstehens- und Vorstellungsspektrums liegen - und da auch liegen dürfen. So weit, so trivial.
Die Frage ist mE, ob Du neugierig genug bist, die Anstrengung zu leisten, Dir die Gründe und Argumente derjenigen, die "so" denken, in Dein Verstehensspektrum zu holen oder nicht.
Ich find's eher öde, mich in Selbstvergewisserungsschleifen mit jenen einzudrehen, die genauso denken wie ich. Ein Selbstgespräch halt.
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Zitat von noBarbie im Beitrag #766Auch ohne, dass Frauen nachweislich angegriffen und bedroht wurden, gibt es es in der Politik Überlegungen, dass in Deutschland Demonstrationen von Abtreibungsgegnern direkt vor Beratungsstelle, Praxen und Kliniken verboten werden sollen.
Ich hoffe das passiert bald, hab selbst eine Weile bei Narkosen in einer Abtreibungspraxis assistiert, das war echt der reinste Spießrutenlauf. Zumindest nachdem die Gegner rausgefunden hatten dass dort eine solche Praxis ist. War für mich schon sehr unangenehm, für unsere Patientinnen die Hölle.
Und nach meiner Erfahrung dort: die wenigsten Frauen nutzen das als eine Art Verhütung, hab auch einige erlebt die sich kurz vorher unentschieden haben.
Zitat von noBarbie im Beitrag #768Aber warum geht das nicht genauso selbstverständlich auch bei Frauen, die aufgrund ihrer Schwangerschaft in einer Konfliktsituation sind, oder bereits eine Entscheidung für den Abbruch getroffen haben?
Das gilt umso mehr, als es - angeblich - den Gegnern der Selbstbestimmung von Frauen bei Schwangerschaftsabbrüchen um das ungeborene Leben gehen soll.
Frauen sind also verzweifelt genug, auch trotz härtester Strafandrohung den Abbruch durchführen zu lassen. Wir wissen, wie Abbrüche reduziert werden können. Wer also ungeborenes Leben schützen möchte, wird sich in dem Bereich (Zugang zu Verhütungsmitteln, Aufklärung, Gesundheitsfürsorge, Betreuung, soziale Unterstützung) engagieren und kann meiner Meinung nach gerade kein Befürworter des Abtreibungsverbots sein.
In dem Zusammenhang ist es für mich auch kein tragendes Argument, auf andere Kulturen zu verweisen. Ob US-Amerikaner nun einen Sozialstaat als selbstbestimmungsfeindlich werten oder nicht - für das werdende Leben wäre ein Zugang zur Gesundheitsfürsorge für Mutter und Kind unerlässlich. Es sei denn... dass es darum eben gar nicht geht.
Als großes Problem sehe ich in den USA zusätzlich die Medien, deren Darstellungen zu dem Thema mehr Meinungsmache als Berichterstattung entsprechen und natürlich dem Einfluss von religiösem Gedöns.
@Aen - warum soll es _nicht_ möglich sein, die Gründe von Abtreibungsgegnern zu verstehen und sie (rational und eventuell sogar emotional) nachvollziehen zu können - und trotzdem dabei bleiben zu wollen, Abtreibung zu 'erlauben'?
Nicht nur die illegalen und damit vermutlich riskanteren Abtreibungen werden wohl zunehmen, wobei dann wieder viele Frauen gesundheitlich geschädigt werden oder sogar sterben. Auch die Infantizide - entweder gleich nach der Geburt oder halt bald danach. Und Misshandlungen und Tötungen von unerwünschten Kindern, zu deren Austragung man gezwungen wurde.
Zitat von Kitty_Snicket im Beitrag #772@Aen - warum soll es _nicht_ möglich sein, die Gründe von Abtreibungsgegnern zu verstehen und sie (rational und eventuell sogar emotional) nachvollziehen zu können - und trotzdem dabei bleiben zu wollen, Abtreibung zu 'erlauben'?
Na klar ist das möglich. Das trifft zum Beispiel meine Positionierung in der Frage ziemlich genau.
Ich hatte nur den Eindruck, dass die Frage im Raum steht, wie Abtreibungsgegner dazu kommen, ihre Gründe demonstrativ in den öffentlichen Raum und vor Arztpraxen etc. zu tragen. Das meine ich, erfährt man, wenn man sich die Gründe in allen Prämissen und Ableitungen im einzelnen vorlegt. Weil dann möglicherweise erst verstehbar wird, dass und wieviel für Abtreibungsgegner auf dem Spiel steht, wenn sie vom Schutz des ungeborenen Lebens sprechen - und eigentlich menschliches Zusammenleben an und für sich und im weiteren Sinne meinen.
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Halte Dir jeden Tag 30 Minuten für Deine Sorgen frei, und in dieser Zeit mache ein Nickerchen. (A. Lincoln)
Ich kann das Anliegen, das ungeborene Leben zu schützen, durchaus verstehen. Nur verstehe ich nicht, warum man dazu zu nachweislich ungeeigneten Methoden greifen möchte, die noch dazu geborenes Leben gefährden.