"wer weiß, wofür es gut ist" ist mir tatsächlich oft ein Trost, ich geb es zu. Weil in meinem kleinen Leben tatsächlich öfter mal aus Krisen Gutes gekommen ist; weil eine Tür gegen meinen Willen zu ging, dafür aber andere auf, und das letztendlich dann zu Gutem geführt hat. Insofern darf man das zu mir sagen 😉 mich tröstet das.
Natürlich gibt es auch Situationen, wo das absolut unpassend ist.
Wenn jemand Nahestehendes plötzlich durch Unfall stirbt oder so zum Beispiel.
Timing ist auch entscheidend. Direkt nach dem Schock - eher unpassend. Nach der ersten Verarbeitung und in der Phase, wo man anfängt zu akzeptieren - passend.
Frage nach: Was ändert es, ob man Sinn sieht oder nicht: Ich fände es vermutlich zunächst tröstlich, einen Sinn in allem zu sehen. Einen großen Plan. Insofern würde das für mich etwas ändern, ja, das Schlimme wäre auf eine Weise weniger schlimm. Aber: Auf eine andere Weise allerdings wäre es noch schlimmer, wenn genau das Schlimme eben zum Plan gehörte. Was ist das für ein, sorry, beschissener Plan, in dem Kinder hungern, vergewaltigt werden und noch mehr? Ich verstehe schon, einer, der so erhaben ist, dass ich ihn nicht verstehe, aber ich meine, besonders toll kann er nicht sein, wenn sowas dazu gehört. Ergo finde ich es fast besser und tröstlicher, wenn eben kein Sinn da ist. Also mache wohl auch ich mir die Welt, wie sie mir gefällt, denn ich vermute eher keinen Sinn. Wissen tu ich es natürlich auch nicht.
Wenn es dem Menschen gut geht ist es immer sein können das Erfolg gebracht hat. Erfährt der Mensch Not, fragt er zu was das gut war da jeder sich Leid ersparen will. Niemand erstrebt Not.
Beispiel: Menschen fahren im Winter auf Berge um mit den Ski Talwärts zu fahren und haben dabei einen Riesen Spaß. Welcher dieser Menschen liegt abends im Bett und fragt sich, was ist der Sinn vom Ski fahren. Niemand wird zur Erkenntniss kommen, dass er zu seinem Vergnügen sich in die Gefahren der Winterlichen Berge begibt und zu seinem persönlichen Vergnügen die Natur in den Bergen zerstört.
Erst wenn dieser Mensch in seinem Tun unerwartet unterbrochen wurde, beispielsweise durch ein Skiunfall, wird er im Krankenhausbett liegen und nach dem Sinn seines Tuns nachdenken.
Die Corona Pandemie hat alle Menschen aus ihrer Regelmäßigkeit gerissen und der Lockdown erst hat vielen Menschen die Möglichkeit gegeben über den Sinn ihres Tuns nachzudenken. dabei entdeckten die menschen dass in venedig das Wasser durch den Tourismus trüb wurde. Quelle:https://www.welt.de/vermischtes/article2...ar-wie-nie.html
Der Text oben dient lediglich zur Veranschaulichung und soll weder Skifahrer noch die Tourismusindustrie oder die Seilbahnbetreiber bloßstellen!
Deshalb sind Notsituationen für Menschen Weggabelungen wo das alte endet und das neue beginnt. Nun kann man aber auch fragen, warum musste das alte enden? Würden wir alles so machen wie wir es immer gemacht haben, hätten wir uns nicht weiterentwickelt.
Ergo finde ich es fast besser und tröstlicher, wenn eben kein Sinn da ist. Also mache wohl auch ich mir die Welt, wie sie mir gefällt, denn ich vermute eher keinen Sinn. Wissen tu ich es natürlich auch nicht.
Ja, finde ich auch. Denn wenn es unbedingt einen Sinn geben müsste und man den selbst aber nicht sieht, wäre man ja irgendwie defizitär.
Die Corona Pandemie hat alle Menschen aus ihrer Regelmäßigkeit gerissen und der Lockdown erst hat vielen Menschen die Möglichkeit gegeben über den Sinn ihres Tuns nachzudenken. dabei entdeckten die menschen dass in venedig das Wasser durch den Tourismus trüb wurde.
Die Frage ist dann aber: was resultierte konkret daraus. Außer psychischen Erkrankungen, die vorher nicht da waren. In meiner Wahrnehmung: nicht sehr viel. Wenn ich mich so umschaue, ist eigentlich ganz viel wie "vorher" (zum Glück) - Leute kaufen wieder im Supermarkt ein, anstatt irgendwas auf dem Balkon anzubauen, Leute fliegen in den Urlaub (man war ja so lange nicht), Leute fahren sogar mehr Auto als vorher ("in den Öffis krieg ich Corona"...). Die ganz große Sinnkrisen-Kündigungswelle ist branchenübergreifend ausgeblieben (mal abgesehen von der Gastronomie und der Pflege). Nur dass Deutschland jetzt viel Home Office macht, ist irgendwie neu. Und dass die Tierheime überquellen, weil die Corona-Hunde jetzt nicht mehr gebraucht werden.
Bei anderen Krisen war das ja genauso - Japan hat immer noch Atomkraftwerke, und kaum einer hat nach Fukushima seinen eigenen Stromverbrauch reduziert.
Es heißt zwar so schön: "don't let a good crisis go to waste" (ist von Churchill, glaube ich), aber Veränderung ist zäh. Machen die meisten Menschen nicht gern.
Zitat von R_Rokeby im Beitrag #225 Ich finde es egal. Entweder man sucht/sieht Sinn. oder nicht. Warum auch immer.
Ich denke, das ist ein Aspekt, der durchaus in die Diskussion mit hinein gehört. Denn Fritz hat ja nicht Unrecht, dass die Menschen vor allem bei schwierigen Situationen, nach dem Sinn fragen - es ist nur nicht ausschließlich so.
Es bedeutet auch, dass wir uns den schlechten Zeiten nicht einfach hingeben wollen- naturgemäß uns dagegen wehren und Wege suchen, damit umzugehen. Ein Weg ist die Erklärung durch einen Sinn. Wobei ich auch glaube, dass jeder, der nachdenkt- im Laufe der Zeit sieht, dass alles Licht- und Schattenseiten hat. Und- gemäß dem Wetter gerade- wir, je nach Zeit, den Schatten mit Begeisterung vorziehen ;-)
Ich glaube auch, dass es einfach menschlich ist, gerade in Zeiten, wo es nicht so gut läuft, nach dem Sinn einer Sache oder sogar des Lebens zu fragen. Irgendwie macht das die Menschheit ja schon seit Jahrhunderten. Das zeigt ja auch, dass die Antwort nicht einfach ist.
Leute wie Mutter Theresa oder Nelson Mandela oder auch Leute im Kleinen, die sich für etwas erfolgreich engagieren, wissen wahrscheinlich schon, was der Sinn ihres Lebens ist. Ich könnte mir vorstellen, dass die, die wissen dass sie was bewegt haben und trotzdem auch sehen, dass nicht alles machbar ist, nicht zu sehr den Sinn ihres Tuns in Frage stellen. Ich hab da ein paar Menschen hier in der Stadt vor Augen, die sich sehr engagieren.
In meinem Umfeld hat die Coronazeit Einiges an Sinnsuche ausgelöst und auch Änderungen gebracht. Ich glaube, die Änderungen passieren erstmal in den unteren Ebenen, die aus den oberen sind möglicherwiese zu schissig oder zu festgebunden, um den Sinn einer Sache in Frage zu stellen. Ich kennen Leute, die weggezogen sind, die zurück in ihre Geburtsländer zurückgezogen sind, die ihre bisherige Lebensweise geändert haben, die gekündigt haben, Haus verkleinert, Job gewechselt (zur Sinnkrisenindustrie würd ich zB auch die Touristik zählen) und ich glaube, dass Corona auch mit dazu beigetragen hat, dass wir eine neue Regierung bekommen haben. Ach ja, und mehr Community Gardens gibt es auch. Aber da wir noch mitten drin stecken, in der Pandemie, wird man wohl erst in einigen Jahren erkennen, was sich alles verändert hat. Zumal da ja jetzt auch noch andere Dinge wie Krieg und Inflationen dazugekommen sind.
"We can, in fact we must, continue to fight to make everything about society better, without destroying what's already great." Carrick Ryan, Australian political commentator
"We are all just walking each other home." Ram Dass, writer
Zitat von frangipani im Beitrag #231In meinem Umfeld hat die Coronazeit Einiges an Sinnsuche ausgelöst und auch Änderungen gebracht.
Ich kann mir gut vorstellen, dass so ein sich veränderndes Umfeld eine selbst auch zu mehr Veränderung animiert. Dass man so ein bisschen mitgerissen und mitgetragen wird.
fettundlila ...irgendwann ist irgenwie ein andres Wort für nie... energy flows, where attention goes. .ʇɐq pǝʞooɔɹǝpun uɐ ǝʇɐ ɹǝʌǝu ʽpๅɹoʍ ǝɥʇ ǝᵷuɐɥɔ ʇ,uɐɔ uosɹǝd ǝuo pᴉɐs ɹǝʌǝoɥM
Zitat von frangipani im Beitrag #231 Leute wie Mutter Theresa oder Nelson Mandela oder auch Leute im Kleinen, die sich für etwas erfolgreich engagieren, wissen wahrscheinlich schon, was der Sinn ihres Lebens ist. Ich könnte mir vorstellen, dass die, die wissen dass sie was bewegt haben und trotzdem auch sehen, dass nicht alles machbar ist, nicht zu sehr den Sinn ihres Tuns in Frage stellen.
Das würde bedeuten, es gibt eine allgemeingültige Definition, die man "erreichen" kann.
Und vielleicht ist es zB bei Mutter Theresa auch wesentlich simpler, als vermutet? Aus dem Glauben kommend- dort ist Sinnfindung leichter als ohne - dann Menschen helfend....und soviel beschäftigt, dass vermutlich nicht mehr viel Zeit zum Nachdenken bleibt.
Ich möchte solche "Größen" keinesfalls herabsetzen- möchte aber sehr in Frage stellen, dass die mehr Substanz in der Antwort nach dem Sinn finden als Otto-Normalo.
Ich kenne einige die aus der Stadt aufs Land ziehen, sich einen Garten mieten oder so. Ich hatte das bisher auf das "Älterwerden" geschoben...ich habe die Sehnsucht nach Rasen unter den Füßen schon länger...ließ sich aber bisher nicht umsetzen.
Am Sinn des Lebens habe ich nie gezweifelt. Auch nicht am Sinn meines ganz einfachen Lebens ohne "besondere Leistungen". Wobei ich in meiner Arbeit schon Sinn sehe. Zwischendurch hatte ich auch mal überlegt umzusatteln und Lehrerin zu werden, da ich Kinder sehr mag und gerade wenn ich mitbekomme einem Kind geht es nicht gut, diesem gern etwas "mitgeben" möchte. Also nochmal im sozialen Bereich etwas tun. Aber mein Studium wurde nicht anerkannt, zudem sind die Bedingungen für Quereindteiger in meiner Region sehr schlecht (habe mit einigen gesprochen). Ich habe mich dann selbst entschieden es nicht zu tun, bevor ich erfahren habe, dass es gar nicht geht.
Aber ich sehe auch in den Herausforderungen eines "ganz normalen Lebens" Sinn, nicht nur im sozialen oder politischen Engagement Trotzdem gibt es natürlich Leute, die ich da bewundere (andere wiederum gar nicht).
Ich selbst habe in diesem Bereich ein wenig versucht, aber der Umgang ist nicht so meiner....auch nicht in den Kreisen die von außen als "nett" gelten.
Ich sage aber meine Meinung (nicht immer und überall aber dann wenn ich es für nötig halte) und gehe auch durchaus zu Demos oder so.
Aber wie gesagt, auch in diesen Kreisen finde ich gibt es sehr unangenehme Selbstdarsteller... Nelson Mandela oder Mutter Teresa möchte ich unbedingt davon ausgenommen wissen!
Zitat von kenzia im Beitrag #233[quote=frangipani|p341285] Aus dem Glauben kommend- dort ist Sinnfindung leichter als ohne - dann Menschen helfend....und soviel beschäftigt, dass vermutlich nicht mehr viel Zeit zum Nachdenken bleibt.
Ich möchte solche "Größen" keinesfalls herabsetzen- möchte aber sehr in Frage stellen, dass die mehr Substanz in der Antwort nach dem Sinn finden als Otto-Normalo.
nein, dem möchte ich vehement widersprechen!
Sinnfindung ist nicht hier "leichter" dort "schwerer" und hier oder da "mehr Substanz"- worin sollte die denn bestehen bzw woher sollte die kommen?
"Sinn" ist intrinsisch- den definiert jeder für sich selber meiner Meinung nach- ganz individuell, je nachdem, wie er gestrickt ist und in welchen Umständen er lebt...
Zitat von kenzia im Beitrag #233[quote=frangipani|p341285] Aus dem Glauben kommend- dort ist Sinnfindung leichter als ohne - dann Menschen helfend....und soviel beschäftigt, dass vermutlich nicht mehr viel Zeit zum Nachdenken bleibt.
Ich möchte solche "Größen" keinesfalls herabsetzen- möchte aber sehr in Frage stellen, dass die mehr Substanz in der Antwort nach dem Sinn finden als Otto-Normalo.
nein, dem möchte ich vehement widersprechen!
Sinnfindung ist nicht hier "leichter" dort "schwerer" und hier oder da "mehr Substanz"- worin sollte die denn bestehen bzw woher sollte die kommen?
"Sinn" ist intrinsisch- den definiert jeder für sich selber meiner Meinung nach- ganz individuell, je nachdem, wie er gestrickt ist und in welchen Umständen er lebt...
Aber ich sehe auch in den Herausforderungen eines "ganz normalen Lebens" Sinn, nicht nur im sozialen oder politischen Engagement
bei Dir liest sich das sehr schön und irgendwie "abgeklärt" :-)
ach sorry, jetzt habe ich mich versehentlich selbst zitiert- bin leider in Eile- mein heutiger Sinn: rechtzeitig zur Arbeit zu kommen und dort alles hoffentlich gut zu schaffen trotz der äußerst widrigen und unerfreulichen Umstände dort...
Meine Erfahrungen dazu: Ich habe nicht versucht in den schlechten Zeiten einen Sinn zu suchen, "im Sinne von" (:-)) das Gute oder Positive der Situation zu erkennen. Weil es das oft nicht gab. Ich hatte in meinem Leben wenige Male Pech, richtiges Pech. Da gab es keine andere Tür, die sich geöffnet hatte, weil eine Tür sich schloss. Das bleibt zu, keine Alternativen, die sich als gut oder sogar besser herausstellten. Das gilt es zu akzeptieren und sich damit zu arrangieren.
Mir wurde aber bewusst, dass das, was ich bin und tue, durchaus Sinn hat und auch etwas bewirkt. Dass mein Sein und Tun einen nicht zu unterschätzenden Einfluss hat, der anderes Sinnvolles verstärkt. Diese Erkenntnis habe ich mir nicht erarbeitet oder mir den Sinn gegeben. Das ist mir einfach bewusst geworden. Solange das noch wirkt und wirken kann, ist es in Ordnung.
Für mich spielt die Frage nach dem Sinn also keine Rolle in Bezug auf das Schlechte, sondern auf das Gute. Interessant, dass das von den meisten Leuten anders herum gesehen wird.
Zitat von Saily im Beitrag #234 Aber ich sehe auch in den Herausforderungen eines "ganz normalen Lebens" Sinn, nicht nur im sozialen oder politischen Engagement Trotzdem gibt es natürlich Leute, die ich da bewundere (andere wiederum gar nicht).!
Hast du da Beispiele? Welche Herausforderungen eines ganz normalen Lebens einen (höheren) Sinn ergeben?
Zitat von frangipani im Beitrag #142Das Buch von Frankl? Man's Search For Meaning :)
Danke! Ich schau mal, was ich finde.
Zitat* 'Grund' passt auch nicht richtig, denn das wäre ja eher 'Auslöser' .. in Bezug auf meinen Bruder war das klar, was der Auslöser war. Irgendwie fehlt mir da grad das richtige Wort im Deutschen.
Ursache(n)? (wie in: Ursache - Wirkung) Seh ich auch nicht deckungsgleich. Wenn ich meine Tür nicht absperr und mein Kind rennt auf die Straße und wird niedergefahren, sind die Ursache (und Wirkung/Effekt) recht eindeutig. Dann kannst auch noch drüber nachdenken, warum ich vergessen hab zuzusperren - von einem Anruf abgelenkt?, warum das Kind rausläuft - weil sie in dem Alter noch keine Impulskontrolle und Voraussicht haben; warum das Auto grad zu dem Zeitpunkt da vorbeifuhr - Zufall bzw. andere Straße war gesperrt bzw. die vorige Ampel war rot und deswegen sind sie eine Minute später vorbeigefahren, wärs eine Minute früher, wär mein Kind noch im Haus gewesen ...
(Höheren) Sinn werd ich da zunächst vermutlich auch keinen erkennen und sicher auch von niemandem anderen hören wollen - und ich glaub, das haben hier eh die meisten geschrieben, dass sowas intrinisisch ist und nicht von außen kommen kann (auch wenn's die Barbara so macht und ich das lese und dann selber so mache - dann war das ja auch schon 'in mir drinnen'). Darum tut's mir jetzt auch einfach leid für dich und deinen Bruder und seine Familie und kann ich nur hoffen, dass es so ist, wie viele Leute in der Situation es sagt - man damit zu leben lernt so gut es geht 🌻
Zitat von kenzia im Beitrag #230Ich denke, das ist ein Aspekt, der durchaus in die Diskussion mit hinein gehört. Denn Fritz hat ja nicht Unrecht, dass die Menschen vor allem bei schwierigen Situationen, nach dem Sinn fragen - es ist nur nicht ausschließlich so.
Es bedeutet auch, dass wir uns den schlechten Zeiten nicht einfach hingeben wollen- naturgemäß uns dagegen wehren und Wege suchen, damit umzugehen. Ein Weg ist die Erklärung durch einen Sinn. Wobei ich auch glaube, dass jeder, der nachdenkt- im Laufe der Zeit sieht, dass alles Licht- und Schattenseiten hat. Und- gemäß dem Wetter gerade- wir, je nach Zeit, den Schatten mit Begeisterung vorziehen ;-)
Gut gesagt - das zeichnet ein schön plastisches Bild :-)
Ich sagte noch, dass man bei Gutem eher nicht nach dem Sinn fragt, sondern halt einfach (dankend) annimmt. Tatsächlich hab ich mich schon oft gefragt, warum mir Gutes passiert, warum ich Glück habe, warum es mir gut geht, wenn anderen Schlimmes passiert, sie Pech haben, es ihnen schlecht geht. Ich hatte und habe oft ein schlechtes Gewissen. Aber ich bin auch zu den Schlüssen gekommen - ich bekomme eben beides im Leben, also kann ich auch beides annehmen. Und wenn das Schlechte einen Sinn hat, hat es auch das Gute.
Seh ich vor allem im Sinne einer komischen 'Balance' - klingt hochtrabend und esoterisch, was ich damit garnicht verteufeln will, aber eigentlich mein ich's fast naturwissenschaftlich - es ist einfach eine Art Ökosystem und das hat sein eigenes Gleichgewicht. Und drittens - das Positive kann ja auch ein Anker sein für die, die es grad nicht gut haben - wenn's mir nicht gut geht, find ich es oft ganz tröstlich, dass es anderen gut geht; im Sinne von 'es ist ja möglich' - wär doch grauenhaft, wenn es anderen, oder gar allen anderen, auch noch schlecht ginge; und in Hinblick darauf, dass die, denen es gut geht, die auffangen können, die's grad schwer haben.
Das mit dem Hingeben geht wohl auch, gibt sicher Leute, die 'einfach so' leben - ohne da groß Gedanken anzustellen oder sich darin zu verfangen. Zen etc. zielen ja darauf ab, alles einfach kommen und gehen zu lassen, ohne Bindung an irgendwas. Ist nicht jedermanns Sache.
Zitat von Rosalie im Beitrag #205Ich suche noch,aber so langsam wird meine Zeit knapp.
"Verlust ist Erwachen" ... ;-)
@Blue - Die Sache mit diesen Zen-Satzerln ist, dass sie locker-flockig in einem Satz zusammenfassen, was es bisweilen Jahre bis Jahrzehnte braucht zu lernen und zu verstehen - obwohl eigentlich ganz simpel. So simpel und auch einleuchtend, dass man zumindest beim ersten Lesen intuitiv ahnt, welche Wahrheit drinnensteckt und das der Ausgangspunkt ist, sich damit zu befassen, bis man irgendwann - hoffentlich - an den Punkt kommt, wo man sie 'erfassen' kann. Das Vokabel wird dem Prozess auch nicht ganz gerecht, weil diese Wahrheit ist nix, das man haben kann bzw. an dem Punkt auch garnimmer braucht - weil das Brauchen weniger wird. Wo man weniger braucht, wird man zufriedener. Verlust ist Erwachen. Alles ist Illusion, das Brauchen, das Haben, der Gewinn somit auch - Verlust von Illusionen bedeutet, der Wahrheit näher zu kommen. (Wahrheit bitte als ziemlichen Hilfsbegriff zu verstehen).
Das ist ein bissl Hardcore, aber ich steh halt auf sowas (Nein, ich habe nicht Philosophie studiert, Sprachen und Literaturwissenschaft, aber nicht abgeschlossen).
Zitat von kenzia im Beitrag #200Ohne das werten zu wollen, kann ich mich wunderbar ein Leben lang mit etwas beschäftigen und so von mir selbst -weitmöglichst entfernt sein. Was man im Außen sieht, muss absolut nichts mit dem zu tun haben, was der Mensch in sich fühlt oder denkt.
Auch bekannt als erlebte Realität vs. Außenrealität und die Mischung ist dann die praktische Realität, wie mir eine Freundin mal aufgedröselt hat. Das wär im Glücksthread vielleicht relevant gewesen, wo es darum ging, wie unterschiedlich Menschen "die" Realität erleben - einfach weils mehr als eine gibt.
Die Beziehung zwischen Beschäftigung und Selbst, bzw. der Begriff vom Selbst, ist sowieso noch mal ein eigenes Thema. Also eins, wo man eher mal Jahre dransitzt ;-))
Zitat von kenzia im Beitrag #195Glücksseligkeit- ich schätze, wir gehen hierbei von den Gefühlen aus, zu denen wir als Lebewesen durch unsere Hirnbiochemie möglich sind.
Lösen wir uns vom irdischen Dasein- von dem Körper- ist.......huch.....gar kein Gehirn mehr da, keine Biochemie, keine Hormone, keine Gefühle......örgs- und nu??? Wo oder was isn nu diese Glücksseligkeit.......??
Tja - womöglich was ganz anderes - das wir noch nicht kennen oder nie kennen werden. Oder eben garnix.
Das Selbst von oben gibt's dann vermutlich nimmer, aber vielleicht was anderes, neues? Vielleicht sind wir dann Teil eines riesigen Bewusstseins? "In Gott"?
Kitty_Snicket, ich habe vor vielen Jahren einen Ikebana-Kurs besucht. Das meditative Arbeiten mit Blumen und Pflanzen ist wohl ohnehin in mir angelegt. Die Symbolik, Wachsen, Werden und Vergehen, das Ruhen, Kraftschöpfen.
Schwer ist es, die rechte Mitte zu treffen: Das Herz zu härten für das Leben, es weich zu halten für das Lieben. (Jeremias Gotthelf)
Zitat von print im Beitrag #198Gute Frage. Eher eine Art Zustand des Bewusstseins, wo all das keine Rolle mehr spielt? Ohne Bewusstsein wäre es ja keine Existenz mehr.
Es gibt so viele Jenseitsvorstellungen, es hat die Menschen schon lange beschäftigt.
Mir graut es eher vor einer Ewigkeit, egal wie die aussehen würde.
Ich mag den Gedanken dass mein Körper zerfallen wird und wieder Grundlage für anderes Leben, oder von mir aus auch nur Erde auf der dann mal Blümchen wachsen.
Ich mag den Gedanken nicht so, da bin ich noch ein bissl im Ekel verhaftet a la Menninghaus, eklig ist, was 'weder hier noch da ist', also in einem Zwischenzustand, der nicht gut einorden- bzw. verkraftbar ist.
In anderes umgewandelt zu sein stört mich gar nicht, also als 'ich' weg zu sein sowohl körperlich als auch geistig/seelisch - weil entweder bin ich dann weg, dann stört's mich nicht, oder ich bin eh noch da, nur woanders :-)
(Und ja, im Grunde versteh ich's auch so, dass eh alles eins ist - der Verfall hat schon längst begonnen, und wo ist überhaupt der Zeitpunkt, ab wo ich mich beim Verfall zu ekeln beginnen sollte? Bissl Sandhaufenparadox ...)
Aber 'ohne Bewusstsein keine Existenz' - hat dann auch jeder Stein und jedes Staubkorn Bewusstsein?
Bitte nicht Mutter Teresa, das war eine ganz üble Krähe.
Für mich war es befreiend zu erkennen, dass die Existenz an sich keinen Sinn hat, weil sie keinen braucht. Den brauchen nur (manche? viele?) Menschen. Die Religiösen (ich meine damit jeglicher Couleur) haben es natürlich leichter, in alles, was ihnen widerfährt, einen Sinn hinein zu interpretieren. Die Ungläubigen (zu denen ich mich zähle) sind diesbezüglich etwas im Nachteil.
Zitat von Saily im Beitrag #234Ich kenne einige die aus der Stadt aufs Land ziehen, sich einen Garten mieten oder so. Ich hatte das bisher auf das "Älterwerden" geschoben...ich habe die Sehnsucht nach Rasen unter den Füßen schon länger...ließ sich aber bisher nicht umsetzen.
Am Sinn des Lebens habe ich nie gezweifelt. Auch nicht am Sinn meines ganz einfachen Lebens ohne "besondere Leistungen". (...) Aber ich sehe auch in den Herausforderungen eines "ganz normalen Lebens" Sinn
Ich kann es nicht so gut fassen gerade, aber ich finde, das ist eine andere Interpretation von "Sinn". Ich empfinde mein persönliches Leben auch nicht als sinnlos für mich, eher im Gegenteil, ich mag mein Leben, hänge dran und genieße es sehr. Auf der Ebene meiner eigenen Person ist es sinnvoll. Also für mich. Musik, Lesen, Genießen, Natur, Familie & Freunde, Teil eines Ganzen zu sein. Einen höheren kosmischen Sinn in allem vermute ich trotzdem nicht.
Menschen wie Mandela haben darüber hinaus noch ein Leben geführt, dass für die gesamte Gesellschaft einiges verändert hat. Die Leben vieler beeinflusst hat. Sie haben etwas Außergewöhnliches geleistet und sicherlich für sich darin viel Sinn gefunden. Einen "höheren Sinn" aka eine Art göttlichen Plan dahinter vermute ich dennoch nicht.
Zitat von Morcheeba im Beitrag #189Der Zustand oder die Verfassung der ewigen Glückseligkeit impliziert, dass ich das Unbehagen, das ich jetzt bei dem Gedanken daran empfinde, nicht mehr hätte.
Ja, perfekt, danke - kurz und knackig. Ich war mir übrigens eher nicht sicher, ob ich dich richtig versteh, nicht unbedingt umgekehrt
Zitat von Morcheeba im Beitrag #189Doch mich beschleicht noch ein ganz anderer Gedanke - würde ich sicher wissen oder auch nur fest damit rechnen, dass mich dieser Zustand am Ende meines Lebens erwartet, wäre es dann nicht tatsächlich sinnlos?
Zitat von print im Beitrag #197Guter Punkt. Machte für mich nur Sinn (!) wenn das Leben eine Generalprobe oder Bewährungsstufe wäre oder so.
Zitat von Avada im Beitrag #175Eine interessante Frage ist ja auch, was es mit einem macht, wenn man sich versucht auf den Gedanken einzulassen, dass nichts einem höheren Sinn folgt (dass man einen persönlichen Sinn darin findet schließt das ja nicht aus). Also schätzt man dann das Leben weniger oder wertet schlimme Ereignisse als schwerwiegender? Kommt einem das Leben dann sinnlos (haha) vor?
Das find ich als konträre Ansätze sehr interessant. Entweder das Leben ist sinnlos, weil danach nix kommt, oder es ist sinnlos, weil das Wesentliche erst danach beginnt. Na servas - bei euch kann man nicht gewinnen *g*
Ich fänd's eigentlich so oder so recht trostlos, wenn man das, was man nun mal hat - egal ob Sinn oder nicht oder erst später Sinn oder 'nur' Generalprobe - nicht einfach trotzdem als nettes Geschenk betrachten könnt, das man doch recht weit mitgestalten könnt (ich red naturgemäß jetzt nicht von Leuten, die in die untersten Schichten/tiefste Armut/ärgste Hungersnöte geboren wurden - aber gerade _weil_ ich eine weiße Normalbürgerin bin, kann ich ja doppelt und dreifach überlegen, worüber ich mich wirklich beschweren muss).
Ich vermute aber, dass man, selbst wenn man keinen 'höheren' Sinn darin sieht, das Leben deswegen nicht weniger schätzen muss - wenn dieses Schätzen in einem konkreten Sinn und/oder im Sinne von Genießen-/Sich-drüber-freuen-können gemeint ist.
Zitat von Mediterranee im Beitrag #202Ich hatte schon was dazu geschrieben, print, glaube ich, auch.
Für mich persönlich muss das Leben keinen Sinn haben außer dem, den ich ihm gebe. Ich empfinde es dennoch als sehr wertvoll, denn Sinn und Wert sind für mich ganz verschiedene Dinge.
Schlimme Ereignisse sind für mich nicht schwerwiegender als für jemanden, der glaubt, dass alles einen Sinn hat. Sie sind halt sinn-loser.
Das ist auch ein wichtiger Punkt - die Unterscheidung zwischen Sinn und Wert, vor allem wenn noch dieser Punkt dazukommt:
Zitat von Kambara im Beitrag #206Das gälte vielleicht für bestimmte Menschen wie z. B. Alexander Fleming, der das Penicillin erfunden hat oder andere Persönlichkeiten ohne deren Existenz es grundlegende, positive Auswirkungen auf die nachfolgenden Generationen nicht gegeben hätte. Aber für Otto und Ottilie Normalverbraucher, so wie mich, eher nicht.
Also - ich hoffe ja mal nicht, dass wir Wert an Leistung festmachen - oder überhaupt an sonstwas. Eigentlich mag ich den Begriff in Zusammenhang mit Leben überhaupt nicht und das hat noch nicht mal mit der, muss ich jetzt klarerweise ansprechen, semantischen Nähe zur NS-Ideologie zu tun; an die dachte ich dabei gar nicht (erstens hatten die da sowieso andere Kriterien und zweitens haben sie ja die Sache mit der Wertung auch nicht erfunden, sondern nur auf die grausige Spitze getrieben).
Klar gibt's Leute, die uns lieber sind als andere und solche, die wir am liebsten auf den Mond schießen würden - aber das ist eben _unsere persönliche_ Wertung im Sinne von Empfinden und sagt doch nix über den Wert des (einzelnen) Lebens an sich aus.
Und klar bin ich dankbar, dass uns der Fleming das Penicillin erfunden hat - aber ist er damit mehr 'wert'? Gegen wieviele andere, die nix erfunden haben, könnt man ihn dann tauschen? Wäre eine schräge Marktwirtschaft, denk ich ...
Ich vermute aber, dass man, selbst wenn man keinen 'höheren' Sinn darin sieht, das Leben deswegen nicht weniger schätzen muss - wenn dieses Schätzen in einem konkreten Sinn und/oder im Sinne von Genießen-/Sich-drüber-freuen-können gemeint ist.
Ich nehme das Zitat mal als Aufhänger für einen Gedanken, der schon in ähnlicher Weise öfters im Strang geschrieben wurde. Ist "Sinn" nur dann ein "Sinn", wenn man persönlich davon profitiert? Ist "Sinn" nicht auch "Sinn", wenn man selbst nicht viel davon hat, dafür aber andere?
Das wäre ja wieder Zweck. Sinn ist für mich etwas allegmeineres, umfassenderes. Es geht dabei mMn überhaupt nicht darum, ob ich davon etwas "habe", auch nicht, ob "es zu etwas gut ist".
Signatur:
Gib dem Leben Farbe, bring dich ein mit einem Wort, einem Lächeln.
"Kein Ziel und keine Ehre, keine Pflicht, sind's wert, dafür zu töten und zu sterben" (R. Mey)
Zitat von Distanzia im Beitrag #248Ich nehme das Zitat mal als Aufhänger für einen Gedanken, der schon in ähnlicher Weise öfters im Strang geschrieben wurde. Ist "Sinn" nur dann ein "Sinn", wenn man persönlich davon profitiert? Ist "Sinn" nicht auch "Sinn", wenn man selbst nicht viel davon hat, dafür aber andere?
Hm, gute Frage. Ich würd die Deutungshoheit schon den unmittelbar Betroffenen überlassen.
Drastisches Beispiel: Wenn jemand bei einem Autounfall stirbt und die Organe werden an andere Leute gespendet, die somit weiterleben können?
Wie man das Ganze sieht, hängt vermutlich stark davon ab, wessen Angehörige du bist.