Liebe Anemone, ich würde mich gerne denen anschließen, die schreiben, dass es auch ganz andere Gründe haben kann. Alles ganz harmlos sein kann.
Aber Du kennst Deinen Mann am besten, und wenn Du Dich durchgerungen hast, hier über die Problematik zu schreiben, dann glaube ich, dass Du (außerhalb von dem, was Du hier so geschrieben hast) schon so einiges bemerkt hast, was Dir da Sorgen macht. Ich habe diese Erfahrung nicht mit dem Ehepartner gemacht, sondern eher mit meinen Kindern. Dass ich da gewisse "Diagnosen" schon parat hatte, vor der offiziellen Bestätigung, einfach weil ich sie gut kannte und gut beobachtet hatte - auch wenn das Umfeld eher abwiegelte und 1000 Gründe fand, warum bestimmte Dinge so waren, wie sie waren.
Ich erlebe das gerade bei meiner Schwiegermutter, wo innerfamiliär nicht die Diskussion ist, ob eine Demenz da ist, sondern wie stark sie ist und ob und wie stark sie sich verschlechtert. Da kommt von meinem Mann oft "könnte mir auch passieren", aber das stimmt dann eben nur bedingt. Das ist dann so ein "könnte mir in meinem jetzigen Leben passieren", in dem beruflich und teilweise auch privat einfach an viele Dinge zu denken ist - da kann man schon mal konfus sein. Aber wenn man was vergisst, was mit einem Termin zu tun hat, auf den man tagelang gewartet hat, und ohnehin inzwischen ein sehr "ruhiges" Leben führt, ist das was anderes als im allgemeinen Trubel des tobenden Familien- und Berufslebens was zu vergessen. Nur als Beispiel.
Ich kann ansonsten aber nicht viel dazu sagen. Würde es glaube ich auch so machen wie die Mingararin. Und dann versuchen irgendwie hinzubekommen, dass er das Thema anspricht, so in der Art "diese und jene Vergesslichkeit ist aufgefallen, kann das mit zu wenig Trinken / Medikamenten / etc. zu tun haben?" Das bringt er vielleicht leichter über die Lippen als einen Demenzverdacht.
Je intelligenter ein Mensch ist, desto länger kann er Demenz verbergen. Meine hochgradig demente Mutter bekam keine Pflegestufe -erst der Zweitgutachterin fiel es auf. Da wusste sie schon nicht einmal mehr die Namen ihrer Enkel und die Anzahl ihrer Kinder.
Zu dem was Caramac schreibt, fällt mir noch ein, was ich bei meiner Schwiegermutter beobachte: vor allen Dingen sind es die Dinge, die jemand ein Leben lang gemacht hat, die noch gut funktionieren. Also Spiele, die man immer gespielt hat. Haushaltstätigkeiten, die sie seit Jahrzehnten verrichtet. Waschen, kochen, einkaufen (mit Zettel) klappt super. Was nicht klappt - dran zu denken, dass man noch Reste irgendwo im Kühlschrank hat, oder dass man die Tomaten, weil die nicht in den Kühlschrank sollen, in den Küchenschrank gelegt hat. Denn: "ich will Salat machen" bedeutet "Kühlschrank auf und alles rausholen, was ich dafür brauche." Wegen anderer Dinge hat sie sich viel mit Aufschreiben beholfen. Da war glaube ich schon länger mehr Demenz, als wir dachten.
Liebe Anemone, mein Ex ist dement und hat MSbedingte kognitive Defizite. Ganz schlimm die Wortfindungsstörungen, alles ist "Dings".
Sehr auffällig auch die Orientierungsdefizite, statt rechts abbiegen links oder den falschen Weg nehmen. Oder nicht wissen, auf welcher Seite der Fluss oder der See ist.
Das kombiniert mit Altersssturheit ist sehr mühsam für mich, ich bin früher oft hinterhergerannt und habe gerufen, daß der Weg falsch ist, aber er hat sich nicht abbringen lassen. Ich war dann fix und foxi, weil ich erst kilometerlang den falschen Weg zurück nehmen musste und dann nochmal den richtigen Weg.
Ganz ganz wichtig - ein Hörverlust muss ausgeglichen werden, denn dieser fördert die Demenz.
Reagiert er noch auch Anrufe und Nachrichten am Handy?
Achso, und wegen Deiner Angst - es ist wirklich eine große Belastung für den Partner und kostet viele Nerven.
Ganz wichtig und bald zu erledigen: schau zu, daß Du alle Vollmachten beschaffst. Konto, Krankenkasse, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Immobilienvollmacht, Aktiendepots.
Bei notariellen und Bankvollmachten macht der Notar im Verdachtsfall vor der Ausstellung Tests, er fragt z.B. nach Datum des Hochzeitstag, Deinem Geburtstag, Namen des Bürgermeister und ähnliches. Deswegen besser früher wie später!
Solange er keine offizielle ärztliche Diagnose "Demenz", bekommst Du keine Hilfe, von niemanden. Und das ist die schlimmste Zeit, denn natürlich sträuben die Patienten sich dagegen. Wenn die Diagnose da ist, bekommt man sofort Pflegegrad 2 und damit Entlastung.
Ich will Dir keine Angst machen, vermutlich ist es nur Zerstreutheit bei Deinem Partner. Aber wenn man weiss, was auf einen zukommt, reduziert das Angstgefühle.
Zitat von Tigerente im Beitrag #28 Da war glaube ich schon länger mehr Demenz, als wir dachten.
Das war bei meinen Großmüttern auch so.
Bei der einen, die früh eine vaskuläre Demenz bekam, ist es tatsächlich der Hausärztin aufgefallen. Meine Mutter wunderte sich länger nur darüber, dass die Oma, die eine gute und begeisterte Köchin war, immer dasselbe Gericht kochte, wenn wir sie besuchten. Dieses war wahllweise verpfeffert, versalzen oder angebrannt. Ich weiß da nicht mehr viel, ich war da erst 13.
Bei der anderen (Typ Alzheimer), die schon ca. 88 war, als wir es bemerkten, dachten wir anfangs, sie sei halt ein bissl wunderlich. Bis dann die typischen Anzeichen (Aggression, Verzweiflung, Ausbrechen, Wahnhaftiges ...) überhand nahmen. Da kann ich mich an alles erinnern, denn ich war hauptsächlich in charge.
-------------------------- Zwischen Reiz und Reaktion liegt die Freiheit.
So, ein paar STunden später und ich bin ein bisschen runtergekommen, sozusagen. Wir hatten eben ziemlich komplizierte Zeitorganisationsdiskussionen, Terminierungen etc. Alltägliches, Urlaub etc. Alles paletti. Keine Lücken, keine Aussetzer.
Und bei dem Arzttermin hat er eine Menge erfragt und diskutiert, halt nur nicht diese speziellen Behandlungen. OK, über den ganzen Diskussionen über die Kassenleistungen bezügl. Knochendichtemessungen ist halt ein Aspekt untern Tisch gefallen. Fast kann ich es nachvollziehen. Überein gekommen sind wir, bei so wichtigen Terminen sich einen Spickzettel anzufertigen. Wir beide im Grunde. Was die Untersuchungen beim Hausarzt angeht, da ist alles sehr gut überwacht, da mein Mann noch zusätzlich unter einen chronischen Autoimmunkrankheit leidet, die regelmäßig strikte Überwachungen erfordert. Hausärztlich und rheumatologisch in Fachklinik. Daher würde sicherlich auch schnell was auffallen.
Bleiben die Wortfindungsstörungen und klar auch das Bauchgrummeln wegen der vergessenen Themen beim Arzt. Sicherlich schiebe ich deshalb auch so schnell Panik, weil ich so eine Heidenangst davor habe, in die Situation der betreuenden Ehefrau zu kommen. Wenn ich selber betroffen bin.. keine Ahnung, dafür reicht irgendwie die Fantasie nicht.
Organisieren von Geld und Gesundheitsdingen etc, also der ganze Kram einer gemeinsamen Haushaltsführung und Ehe, ist eher meine Sache, ich bin für alles bevollmächtigt und wir sind da gut organisiert. Wir wohnen in einer praktischen Mietwohnung in Ortsmitte, alles schnell erreichbar, also unsere Lebensumstände sind gut.
Jetzt muss ich erst mal lernen, mit mir ins Reine zu kommen und mit meinen Ängsten, was könnte sein und so weiter und so fort, umzugehen. Von daher war es vielleicht übereilt, dieses Thema zu eröffnen, aber ich war nun wirklich getriggert...
Solche Ängste können aufkommen. Das ist normal und sollte man auch zulassen. Besser als sie zu verdrängen, denke ich. Beobachte das mal und wenn es sich verschlechtert kannst du versuchen ihn dazu zu bewegen das er sich daraufhin untersuchen lässt 🍀
Ich hatte den Eindruck, dass etwas kippt. Es ist nicht nur so, dass man sich Gedanken und Sorgen um den Partner macht, sondern, dass man auch so vieles übernimmt. Man sorgt für den anderen mit. Ich war zwei in eins.
Und es nahm von mir ganz viel an Kraft, aber auch an selbst bestimmtem Leben.
******************************** Sagt es allen weiter - besonders den jungen Menschen: Werdet StammzellenspenderIn - rettet Leben! Spende geht oft über das Blut. * DKMS
Ich kriege das gerade hautnah bei meinen Eltern mit. Bei meiner Mutter wurde endlich vor einem Jahr die Diagnose Demenz gestellt, vorher wurde das immer nur mit "Tüddeligkeit" und altersbedingter Vergesslichkeit attestiert. Meine Mutter war da 87. Seit 2020 hat sie selbst die Vergesslichkeit bemerkt und ist daraufhin zum Neurologen gegangen. Der Verfall ist in den letzten vier Jahren und gerade in den letzten Monaten enorm voran geschritten.
Ich habe mal meinen Vater gefragt, ob sie jemals über die Möglichkeit gesprochen haben. Nein, das Thema sei immer tot geschwiegen worden, obwohl es genügend Beispiele im Freundeskreis gab.
Und da würde ich ansetzen. Durch das akute Beispiel direkt vor der Nase mache ich mir viele Gedanken, wie ich mit meiner Diagnose, so sie mich denn trifft, umgehen wollen würde. Ich spreche viel mit meinem Mann darüber, dass ich dieses Ende meiner Mutter nicht will. Einen Mann, der sich aufreibt, Kinder, die vor der Aufgabe stehen "was wird mit Mutti". Das alles würde ich ihnen gern ersparen. Mein Plan ist noch nicht ausgereift. Bisher stelle ich mir vor, dass ich bei den ersten Anzeichen in ein betreutes Wohnen wechseln würde. Es gibt Einrichtungen, sogenannte Wohndörfer, die einen niedrigschwelligen Einzug bieten. Das ist mal so meine Idee für mich.
Mein Mann hat sich dazu noch nicht geäußert. Ich bin mir völlig im Klaren darüber, dass ich ihn nicht pflegen werde. Ich bin sonst immer die Kümmerin gewesen, aber in Bezug auf ihn ist mein Potenzial verbraucht. Er ist seit drei Jahren gesundheitlich eingeschränkt und ich bin das die ganze Zeit mitgegangen. Nach seiner letzten Reha voriges Jahr kam die ganz große Krise, aus der wir noch nicht raus sind. Ich bin seitdem arbeitsunfähig und soll nun selbst zur Reha.
Von daher bin ich mitten drin im Thema und finde das sehr wichtig. Wir werden immer älter und damit können Krankheiten kommen, aber es ist ja generell so, dass man sich Gedanken über das "Später" machen sollte.
Bei meinem Mann hatte ich auch über einige Jahre verschiedene Anzeichen beobachtet und war mir über die Diagnose Demenz schon fast sicher. Erst als mehr körperliche Symptome kamen, erfolgte eine genaue Untersuchung beim Neurologen und eine vollkommen andere Diagnose.
Ich will damit sagen, dass man sich vielleicht etwas Zeit lässt mit dem Verrücktmachen bis es überhaupt feststeht.
——————————————————————————————————— Die Dinge sind nie so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht. (Jean Anouilh)
Nur der Vollständigkeit halber: man kann nicht alle Demenzformen sicher durch Untersuchungen nachweisen, beispielsweise durch Liquor-Untersuchungen und/oder MRTs. Prominentes Beispiel ist der US-amerikanische Schauspieler Robin Williams, bei ihm konnte erst posthum Lewy-Körper-Demenz festgestellt werden.
@Anemone, die Begebenheit hat dich sicher erschreckt, aber so eine Art Blackout beim Arzt gibt’s ja schon mal. Ich hatte immer ein gutes Gedächtnis und stelle auch immer mehr fest, dass das nachlässt. Auch bei meinem Mann, aber da hab ich immer das Gefühl, er hört sowieso nur halb zu Ich drücke dir die Daumen, dass alles harmlos ist und bleibt.
Wenn ich so richtig Lust auf Schokolade habe, esse ich anstatt der Schokolade eine Banane. Dann eine Paprika, einen Apfel, Reiswaffeln, Naturjoghurt, eine Gurke und dann die Schokolade.
Zitat von Mendo im Beitrag #30Achso, und wegen Deiner Angst - es ist wirklich eine große Belastung für den Partner und kostet viele Nerven.
Ganz wichtig und bald zu erledigen: schau zu, daß Du alle Vollmachten beschaffst. Konto, Krankenkasse, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Immobilienvollmacht, Aktiendepots.
Bei notariellen und Bankvollmachten macht der Notar im Verdachtsfall vor der Ausstellung Tests, er fragt z.B. nach Datum des Hochzeitstag, Deinem Geburtstag, Namen des Bürgermeister und ähnliches. Deswegen besser früher wie später!
Solange er keine offizielle ärztliche Diagnose "Demenz", bekommst Du keine Hilfe, von niemanden. Und das ist die schlimmste Zeit, denn natürlich sträuben die Patienten sich dagegen. Wenn die Diagnose da ist, bekommt man sofort Pflegegrad 2 und damit Entlastung.
Ich will Dir keine Angst machen, vermutlich ist es nur Zerstreutheit bei Deinem Partner. Aber wenn man weiss, was auf einen zukommt, reduziert das Angstgefühle.
Und ich will Dir auch keine Angst machen, aber ich erlebe es komplett anders als Mendo. Weder Notar, noch Arzt, noch Pflegestufe, noch Hilfe!
Erst mal musst Du den Feind kennen. Dann kannst Du mit ihm umgehen. Überlastung führt zu ähnlichem Verhalten und Vorfällen wie beginnende Demenz. Ich hoffe, dass es bei Euch auch nur Vergesslichkeit ist.
ich mach die ganze Diagnostik gerade mit meiner Mutter (72) durch. Zum Glück haben wir einen Professor im Freundeskreis der sich genau auf dieses Thema spezialisiert hat. So konnten wir rasch den ersten Termin in einer Memory-Klinik bekommen. Wie es der Zufall will werden wir Heute die Diagnose erfahren.
Was ich dazu sagen kann, wenn der Familie/Partner etwas auffällt kann man sicher sein, dass da auch etwas ist. Lasst es abklären, nicht immer muss es Demenz oder Alzheimer sein. ABER je früher man es weiss desto eher kann man mit Medikamenten die Lebensqualität so lange als möglich erhalten und den Verlauf verlangsamen.
Ich hatte gestern wenig Zeit, daher meine sehr kurze Antwort. Meine Erfahrung ist, dass einen das Bauchgefühl nicht trügt und man eher zur Verdrängung neigt. Wenn Du schon Wortfindungsstörungen bemerkst und der Vorfall beim Arzt Dich erschreckt hat, solltest Du das nicht abtun. Das sind klare Warnzeichen. Es gibt viele Formen von Demenz und natürlich auch andere Ursachen. Ihr solltet es zeitnah abklären lassen. Meine Mutter war im hohen Alter dement und erst nach ihrem Tod sind mir Dinge eingefallen, die mich schon früher hätten stutzig werden lassen. Vorfälle, die Jahre zurücklagen. Demente Menschen sind in der Lage sich mit Tricks durchzumogeln. Nutze die Zeit solange Dein Mann noch Einsicht zeigen kann. Ich will Dir keine Angst machen und natürlich können seine kognitiven Probleme auch andere Ursachen haben, aber gerade so eine Situation wie beim Arzt, wo Erklärungen/Ausreden gesucht werden (die ja auch plausibel klingen), würden mich sehr hellhörig machen.
Es kann auch etwas anderes sein. Wie ist denn seine Stimmung allgemein ? Konzentrationsfaehigkeit ? Das ganze kann auch eine Depression sein. Beobachte das mal weiter, und wenn sich nichts tut sprech ihn darauf an.
Zitat von Mendo im Beitrag #30 Bei notariellen und Bankvollmachten macht der Notar im Verdachtsfall vor der Ausstellung Tests, er fragt z.B. nach Datum des Hochzeitstag, Deinem Geburtstag, Namen des Bürgermeister und ähnliches. Deswegen besser früher wie später!
Klasse, wenn das bei dir bekannten Notar so ist, ist mir noch nie begegnet. Und darauf würde ich mich auch nicht verlassen.
Selber erlebt: Notar hat beurkundet und in einem späteren Verfahren, welches als Inhalt das Notardokument hatte, kam duch Gutachten raus, die betreffende Person war bereits am Tag der Beurkundung dement.
Der Notar hatte nur Name abgefragt, nach dem Motto, Sie sind Person x und wollen yz beurkunden lassen. Die betreffende Person hat das abgenickt.
Der Gutachter hat auch im Prozess bestätig, das Abläufe, Wissen, etc. welches man sein ganzes Leben angewendet hat, noch sehr lange vorhanden ist (so wie es Tigerente ? geschrieben hat). Das kann sich für Außenstehende dann so darstellen, als wäre die Person noch ganz klar im Kopf.
Ich würde an Deiner Stelle auch mal antreten, ob er zB eiin neues Kartenspiel erlernen kann oder Dir den Inhalt eines Buches erzählen lassen, das er gerade gelesen hat. Bei dementen Menschen funktionieren erlernte Mechanismen noch gut, Neues bleibt aber nicht mehr hängen. Meine Mutter war nicht mehr in der Lage UNO zu begreifen. Ein Kartenspiel, das jeder 4Jährige beherrscht. Und das war Jahre, bevor uns die Drmenz richtig auffiel. Und auch das konnte sie überspielen. Dass einem ein Name oder ein Begriff nicht einfällt, kommt auch in jüngeren Jahren vor, klar. Aber Du sprichst von Alltagsworten und nicht vom Namen des Niedersächsischen Ministerpräsidenten. Bleib aufmerksam.
Zitat von Baslerin im Beitrag #39ich mach die ganze Diagnostik gerade mit meiner Mutter (72) durch. Zum Glück haben wir einen Professor im Freundeskreis der sich genau auf dieses Thema spezialisiert hat. So konnten wir rasch den ersten Termin in einer Memory-Klinik bekommen. Wie es der Zufall will werden wir Heute die Diagnose erfahren.
Was ich dazu sagen kann, wenn der Familie/Partner etwas auffällt kann man sicher sein, dass da auch etwas ist. Lasst es abklären, nicht immer muss es Demenz oder Alzheimer sein. ABER je früher man es weiss desto eher kann man mit Medikamenten die Lebensqualität so lange als möglich erhalten und den Verlauf verlangsamen.
Gruss Baslerin
Ich hoffe, dass Euch geholfen werden kann, Deiner Mutter die richtigen Medikamente verabreicht werden können. Wie wurde die Diagnostik denn durchgeführt? Tests, MRT oder auch Liquor-Messung?
Was mir am Herzen liegt, ist gar nicht der Verdacht oder die Diagnose der Demenz. Mir ist wichtig, mit meinem Angehörigen vorher die Wünsche zu besprechen. Das, was ich jetzt mit meinem Partner versuche, habe ich leider bei meinen Eltern nicht erfragt. Eine Vorsorgevollmacht ist da, aber die haben meine Eltern beim Notar abgeschlossen, ich war da nicht involviert. Das sagt sich ja so einfach: wenn es nicht mehr geht, wird die Vollmacht gezückt. Wann ist der Zeitpunkt gekommen? Auch der demente Patient hat das Recht auf Verwahrlosung zum Beispiel. Unser Neurologe sagte letztens, tja, wenn der Patient nicht will, wird es darauf hinauslaufen, dass es zum Oberschenkelhalsbruch kommt, Krankenhaus usw. Aus meiner Erfahrung nun mit meiner Mutter kann ich erst diese Fragen stellen.
Nachts, wenn ich nicht schlafen kann, habe ich mir auf Youtube Berichte angesehen. Ich sag mal so, da werden nur so "heitere Fälle" gezeigt. Die liebe Omi, der liebe Opi, die frohen Mutes in die Tagespflege gehen, die aufgeräumt und gut gelaunt im Seniorenheim singen. Bei meiner Mutter habe ich ganz andere Erfahrungen gemacht.
Ich sage meinen Kindern jetzt, dass sie mich bitte bitte in ein Heim bringen sollen, wenn ich den Absprung nicht selbst geschafft haben sollte. Ich werde sie beschimpfen, das solle ihnen egal sein. Habe ich ihnen auch schriftlich gegeben.
der erste Teil bestand aus diversen Tests.. Uhrentest usw. Fragen nach Wochentagen.. was so in der Zeitung steht.. was in der Welt so passiert. Sie musste von 100 in 7er-Schritten rückwärts zählen. Was gar nicht mehr funktioniert hat. Und meine Mutter war bis vor einem Jahr echt noch fit im Kopfrechnen. Dann musste ich als Angehörige einen Fragebogen ausfüllen.
beim zweiten Teil wurde dann geschaut wie gut meine Mutter noch zu Fuss unterwegs ist. Wie gut das Gleichgewicht noch ist. Blut hat man natürlich auch abgenommen.
Zitat von Caramac im Beitrag #43Ich würde an Deiner Stelle auch mal antesten, ob er zB ein neues Kartenspiel erlernen kann oder Dir den Inhalt eines Buches erzählen lassen, das er gerade gelesen hat. Bei dementen Menschen funktionieren erlernte Mechanismen noch gut, Neues bleibt aber nicht mehr hängen. Meine Mutter war nicht mehr in der Lage UNO zu begreifen. Ein Kartenspiel, das jeder 4Jährige beherrscht.
Ja, das sind so die Auffälligkeiten. Im Nachhinein waren es bei meiner Schwiegermutter die Schwierigkeiten mit Telefon, Fernseher und so nach dem Tod ihres Mannes, durch die wir hätten hellhörig werden müssen. Immer weggewischt mit "mit Technik hatte ich es ja noch nie". Mein Mann zog später dann immer heran, wie gut sie noch Doppelkopf spielte. Eines ihrer Lieblingskartenspiele, ihr ganzes Leben. Sie fing aber in letzter Zeit an, falsch zu bedienen. Er wischte es weg mit "sie sieht schlecht, da kann man Pik und Kreuz schon mal verwechseln". Eine Zeitlang haben wir dann viel Kniffel mit ihr gespielt. Das ging gut, bis dann der Block alle war und wir auf einen Yatzy-Block wechseln mussten, wo alles anders hieß und anders angeordnet war. Jetzt wieder Kniffel-Block besorgt, sogar in extra groß - sie lässt jetzt meinen Mann schreiben und verliert oft den Überblick, auf was sie gerade hinwürfelt. Ja, und Uno, das konnte sie schon, ist aber kein Spiel, das sie so intensiv gespielt hat wie Doppelkopf, Canasta oder Rommee, da kann sie sich auch nicht mehr merken, was sie genau tun muss. An solchen Dingen beobachte ich als "unbeteiligte" Beobachterin, die die Person aber gut kennt, dann schon auch, wie es fortschreitet.
Zitat von Baslerin im Beitrag #45Es gab total drei Untersuchungen.
der erste Teil bestand aus diversen Tests.. Uhrentest usw. Fragen nach Wochentagen.. was so in der Zeitung steht.. was in der Welt so passiert. Sie musste von 100 in 7er-Schritten rückwärts zählen. Was gar nicht mehr funktioniert hat. Und meine Mutter war bis vor einem Jahr echt noch fit im Kopfrechnen. Dann musste ich als Angehörige einen Fragebogen ausfüllen.
beim zweiten Teil wurde dann geschaut wie gut meine Mutter noch zu Fuss unterwegs ist. Wie gut das Gleichgewicht noch ist. Blut hat man natürlich auch abgenommen.
und dann hat man noch ein MRT gemacht.
Ja, die Tests kenne ich von meiner Mutter auch. Die Liquor-Messung sah man als notwendig an um herauszufinden, welche Art von Demenz es ist und ob und welche Medikamente gegeben werden könnten. Meine Mutter wollte das aber nicht mehr. Sie bekam gar keine Medikamente wegen Demenz, die haben wohl auch verschiedene Nebenwirkungen.
Bei meiner Schwiegermutter gibt es noch keine "offizielle" Demenz-Diagnose, weil niemand das angestoßen hat und ihre Kinder meinen, eine offizielle Diagnose bräuchte es nicht. Ich sage da lieber nichts zu. Aufgrund eines MRT, das nach einem vermutlichen Schlaganfall gemacht wurde, und dem zugehörigen Befund ist aber klar, dass es eine arterielle Demenz ist. In ihrem Fall besteht die Medikation "nur" in dem, was bei vielen Menschen in ihrem Alter "Standard" ist - Blutdrucksenker, etwas Blutverdünner, was gegen das erhöhte Cholesterin.
Das kommt also schon auch drauf an, was für eine Art der Demenz das ist.
Nochmal zum Thema "Vergesslichkeit": das kann man immer am besten beurteilen, wenn man die Person gut kennt.
Wenn das danach ginge, wäre mein Mann schon immer "dement". Er ist (wie auch mein älterer Sohn) so ein Mensch, der sich Dinge nur merkt, wenn sie in seiner Einschätzung a) für ihn wirklich wichtig sind und b) in naher Zukunft wichtig sind.
Wenn das nicht der Fall ist, schiebt er das erst gar nicht ins Langzeitgedächtnis. Oder, falls es ein Termin in der nächsten Woche ist, den er aber für sich nicht für wichtig hält, auch nicht ins Kurzzeitgedächtnis. Seine Fähigkeit, bei Filmen, die er mittelmäßig bis langweilig fand, komplett zu vergessen, dass er die überhaupt jemals gesehen hat, ist legendär.
Macht natürlich die Diskussionen um die Demenz seiner Mutter schwierig, weil auf fast alle Auffälligkeiten, die man anspricht, als Antwort kommt "könnte mir auch passieren". Dass es da aber Unterschiede gibt, erstens zwischen "könnte mir auch passieren" und "passiert ständig" und zwischen einem inzwischen sehr ereignisarm gewordenen Rentnerleben im Vergleich mit vielfältigen Dingen, an die man so denken muss im Berufs- und Familienleben, will er nicht wahrhaben. Wenn er also mal dement werden sollte, wird das auch ein hartes Stück Arbeit, ihn davon zu überzeugen, dass es nicht mehr seine "normale" Vergesslichkeit ist.
Ich kam nur gerade drauf, weil er mich eben zum wiederholten Male gefragt hat, wann gleich unsere Putzfrau kommt und wann sie geht. Seit 2 Jahren kommt sie immer am selben Tag immer zur selben Uhrzeit für den gleichen Zeitraum. Aber: er ist an dem Tag normalerweise nicht da. So ca. alle 2 Monate mal. Trotzdem denke ich mir immer, so was kann man sich doch mal merken. Nee, er nicht. Er ist ja fast nie da an dem Tag, und wenn er mal da ist, dann kann er mich ja fragen. Wozu also Gedächtnis damit belasten.
Mein Schwiegervater hat sich einige Standardfloskeln angeeignet ( das kann man so oder so sehen, z.B), die in vielen Altagssituationen gepasst haben. Als mein Mann mit ihm zum Neurologen gegangen ist war das Ergebnis wesentlich heftiger als erwartet. Uns sind schon Kleinigkeiten aufgefallen, aber er hatte auch viele Ausreden und war sehr findig, Probleme zu vertuschen.
Wie schon vielfach geschrieben: das muss ja auf eure Situation nicht zutreffen, liebe Anemone. Aber gerade auch die nächsten Bezugspersonen sind oft Meister im verdrängen, weil nicht sein kann was nicht sein darf