Zitat von Nora im Beitrag #45 Nun, wenn ich mit wem räumlich zusammen bin (egal ob Beziehung, Freundschaft, Kind), bin ich eigentlich permanent auf „Empfang“. Ich rechne quasi permanent mit „kommunikativen Einschlägen“. Kann ich das grad nicht brauchen, kündige ich das an - „Leute, ich muß noch an meiner Dissertation arbeiten/dieses Perlmusterstück stricken etc./in idiotischer Situation ausparken, bitte in Ruhe lassen!“ Und das ist umgekehrt auch kein Problem.
gekürzt von mir
Ich empfinde das tatsächlich auch, als einen sehr hohen Anspruch. Und ich habe Respekt vor dir, dass du bei Personen mit denen du Zusammenlebst durchweg auf Empfang stehst.
Für mich wäre es eine Qual, wenn ich mein Ruhebedürfnis immer 'anmelden' müsste. Aber da kommen wir wieder auf die gegensätzlichen Einstellungen. Ich würde mich nicht gewertschätzt und gesehen fühlen, wenn mein Partner meine introvertierten Phasen nicht erkennt und ich jedes Mal ankündigen müsste, um die andere Person nicht zu verletzen.
Zitat von ZeroZero im Beitrag #49 Ich meinte damit, mein Partner lebt sein deutlich kleineres Kommunikationsbedürfnis eben fast nur mit mir aus. Ich dagegen nur einen kleineren Teil von meinem, weil es größer ist. Es wäre ihm sonst zu viel und er hat ziemlich enge Interessen, im Gegensatz zu mir. So passt es für jeden.
Die Partner/„Interessenten“ hatten im Außenverhältnis kein geringes Kommunikationsbedürfnis. Daher verblüfft mich dieses „nicht so miteinander reden“ - Verhalten dann so.
Ich bin nicht „im Spektrum“. Aber mein EQ ist tatsächlich etwas niedrig.
Ich fände eine "Jederzeit miteinander reden-Breitschaft", die von mir erwartet würde, als Zwang. Für den Weniger-Reder ist das nämlich nicht der Zwang zum Reden, sondern eher der zum " du musst mir jederzeit zuhören, wenn ich das will." Und egal, welches Thema. Ich will, dass mein Partner auch darauf Rücksicht nimmt, ob und worüber ich gerade reden möchte. Beispiel: ich arbeite noch, mein Partner nicht mehr. Wenn ich nach einem stressigen Bürotag heimkomme, möchte ich nicht beim anschliessenden Abendessen sofort ein schwieriges Thema verhandeln - was auch Dinge beinhaltet, die ich tun sollte oder müsste. Gesollt und gemusst habe ich vorher schon den ganzen Tag. Ich möchte es dann nicht hören, auch wenn es ihm gerade durch den Kopf geht. Es gibt schliesslich auch andere Themen, über die ich mich in dieser Situation stressfrei unterhalten kann... Das war ein Lernprozess, aber es hat funktioniert.
Zitat von Aen im Beitrag #33Missverständnis. Das Bedürfnis sehr viel zu reden, mag "auf der Skala" nicht "regelbar" sein - so Deine Behauptung. Es ist aber auf einer Skala verortbar. Das war mein Punkt. Und dass diese Erkenntnis dann im weiteren hilfreich sein kann, war meine Idee aus Erfahrung.
Ich habe das Wort "skalierbar" gelesen, das bedeutet ja, hoch oder runterfahren.
Und: "Verhaltensweisen, Leistungen o. Ä. in einer statistisch verwendbaren Skala von Werten einstufen" :-) Aber das Missverständnis konnten wir ja inzwischen gut klären.
ZitatDu meintest aber, den Ist-Zustand im Vergleich zur Mehrheit aufnehmen, ich verstehe. Genau das versucht Nora ja hier und auch im Freundeskreis.
Nein, das ist mein Eindruck gerade nicht.
ZitatNora, ich hatte tatsächlich keine Probleme zugewandte Partner zu finden.
Das könnte daran liegen, dass Du in einigen Schritten davor manches Wichtige über Dich, Dein Bedürfnis nach (kommunikativer) Verbindung, wie Du sagst, und Deine Ansprüche und wie Du sie möglicherweise im Umgang mit Menschen und möglichen Lebenspartnern statistisch nicht üppig vorfinden wirst, erfahren und erkannt hast.
Unter anderem das:
ZitatAber was ich nicht kann - mein gesamtes Kommunikationsbedürfnis mit einem Menschen ausleben. Das wird tatsächlich zu viel,
Darum geht's, finde ich. Zu wissen, wo ich mit meinem Bedürfnis nach xy stehe. Und wie ich es möglicherweise befriedigen kann. Und weshalb mir das absehbar nur dann / besser gelingt, wenn ich mich in einem Aspekt meines Seins verändere. Hm, vielleicht ist das für mich aber deshalb leichter so hinzukritzeln, weil ich kein Problem habe, Authentizität oder was ich für mein "wahres Sein" halte, immer mal wieder durchzulüften. Für mich ist da nichts Heiliges dran, eher manch Fragwürdiges an solchen Konzepten (wie etwa 'Authentizität') an sich.
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Halte Dir jeden Tag 30 Minuten für Deine Sorgen frei, und in dieser Zeit mache ein Nickerchen. (A. Lincoln)
Zitat von Nora im Beitrag #50 Natürlich, was sonst, denn es geht um mich? [... ] Das kann man kommunizieren, und muß es nicht „irgendwann“ raushauen, daß einen das nervt wie Bolle. [... ] Sind meine Worte so schwer zu lesen? Wenn noch andere Menschen in der Sauna sind, schweige ich.. Da rede ich nur, wenn nur mein „Objekt der Kommunikation“ mit drin ist.
"Objekt der Kommunikation"... sehr bezeichnend. Auch Deine Sauna-Begleitung könnte einfach nur saunieren wollen, ohne an Deinen Gedanken teilzuhaben.
Deinen Zeilen zufolge brauchst Du die mündliche Aussage, dass jemand in bestimmten Situationen nicht reden möchte. Ich denke viele Menschen spüren das einfach...
Zitat von Nora im Beitrag #52Die Partner/„Interessenten“ hatten im Außenverhältnis kein geringes Kommunikationsbedürfnis. Daher verblüfft mich dieses „nicht so miteinander reden“ - Verhalten dann so.
Ja, ich verstehe. Es kommt eben nicht auf wie viel, sondern auf Miteinander. Will man Kontakt aufbauen, durch Gedankenaustausch, oder will man zwar reden, aber eben nicht als Verbindung.
Dieses permanent auf Empfang sein wurde bei mir auch immer wieder angesprochen, dass es anstrengend ist. Aber als Tatsache, nicht als Vorwurf an mich. Ich kann mein Bedürfnis ja nicht abstellen. Dann ist es eben anstrengend, wenn man will, findet man einen Weg damit umzugehen. Wenn man nicht will, fängt man an, den anderen zu beschuldigen.
Zieh dir den Schuh nicht an, wer mit dir zusammen sein möchte, wird sich darauf einstellen, dass er etwas aufmerksamer sein muss, als vielleicht bisher gewohnt.
Zitat von Nora im Beitrag #45Nun, wenn ich mit wem räumlich zusammen bin (egal ob Beziehung, Freundschaft, Kind), bin ich eigentlich permanent auf „Empfang“.
Siehst du, ich nicht. Ich bin im Job die ganze Zeit auf Empfang. 8h am Stück, ohne Pause. Immer auf Empfang, immer mit der Aufmerksamkeit bei den kommunikativen Bedürfnissen anderer. Ohne Unterbrechung. Immer. Außer auf dem Klo, aber auch dazu ist nicht immer Zeit. (@ZeroZero: Da lässt sich auch an der Work-Life-Balance nichts drehen, das ist einfach so, und es bleibt auch so. Das sind Umstände, auf die man keinen Einfluss hat. Außer man ginge ins ALGII, aber das wollen aus verschiedensten Gründen wohl die Wenigsten.) Im Privaten muss ich abschalten können und mit meiner Aufmerksamkeit bei mir selbst bleiben könnnen/dürfen. Sonst franse ich total aus.
Zitat von Nora im Beitrag #45Ich rechne quasi permanent mit „kommunikativen Einschlägen“.
Wenn das bei mir im Privatleben, zusätzlich zum Job, auch so wäre, wäre ich nach 6 Wochen im Burnout und in der Psychosomatischen Reha. Meine Mutter, die den selben Beruf ausgeübt hat, wie jetzt ich, und deren Mutter in ihrer Abwesenheit den Haushalt geführt hat, hat häufig Folgendes beschrieben: Wenn ich nach einem anstrengenden Tag nachhause kam, den ganzen Tag über zugehört und geredet habe, die ganze Zeit über Ansprechpartnerin war, für alle, nur kommuniziert habe und mich auf andere konzentriert habe, dann wollte ich erstmal meine Ruhe. Nichts mehr reden, und vor allem nicht mehr zuhören. Aber die Oma war den ganzen Tag mit dir alleine gewesen, ohne Ansprache, höchstens mal im Supermarkt, und sie hatte dann natürlich Mitteilungsdrang. Das hat mich total fertig gemacht. Ich habe ihr irgendwann gesagt: Bitte nicht jetzt, ich brauch jetzt Ruhe. Das hat sie nie verstanden.
Man braucht Aufmerksamkeit für sich selbst. Man muss selbst den Fluss seiner Aufmerksamkeit steuern dürfen, sonst wird man bekloppt. Davon bin ich überzeugt. Wenn Leuten das nicht zugestanden wird, werden sie genervt oder, im schlimmsten Fall, irgendwann krank. Ich stelle es mir vor, wie ein Tank, ein Vorratsbehälter, immer einen gewissen Füllstand haben muss. Ich kann mir auch vorstellen, dass es da individuelle Unterschiede gibt, wie hoch der Pegel bei jedem normalerweise ist, von der Konstitution her, oder von den Lebensumständen bedingt. Aber das Prinzip ist bei jedem Menschen gleich, bin ich von überzeugt.
ZitatDie zwei Sachverhalte sind nicht vergleichbar.
Doch, ich finde schon. Wieso nicht?
Wie lange dauert Dubrovnik? (Frage in einem Online-Reiseforum)
Zitat von Aen im Beitrag #54Darum geht's, finde ich. Zu wissen, wo ich mit meinem Bedürfnis nach xy stehe. Und wie ich es möglicherweise befriedigen kann. Und weshalb mir das absehbar nur dann / besser gelingt, wenn ich mich in einem Aspekt meines Seins verändere.
Wie meinst du das, mich in einem Aspekt des Seins verändere? Das tue ich ja nicht, ich pasee nur Aspekte meines Tuns an. Nicht des Seins.
Aber ja, es ist sehr wichtig sich selbst und seine unverhandelbare Bedürfnisse zu kennen. Und sich nicht beschuldigen lassen, man wäre falsch oder kaputt, weil man diese Bedürfnisse hat.
Zitat von Aen im Beitrag #54Hm, vielleicht ist das für mich aber deshalb leichter so hinzukritzeln, weil ich kein Problem habe, Authentizität oder was ich für mein "wahres Sein" halte, immer mal wieder durchzulüften.
Je mehr man sich zeigt, wie man wirklich ist, desto eher zieht man passende Menschen an.
Mein Freund hat mich beim Kennenlernen in einer größeren Gruppe von Menschen sofort als die Einzige wahrgenommen, die Offenheit ausgestrahlt hat. Bedürfnis nach menschlichem und seelischen Kontakt. Viele sind verschlossen, auch wenn sie viel reden.
Nora, du brauchst einen offenen Menschen, der sein Herz und seine Seele auf der Zunge trägt. Und genau das Gleiche von dir möchte. Die Quantität ist dabei irrelevant. Deswegen sagt die Tatsache, dass jemand beruflich viel redet, nicht viel aus. Du musst diese Offenheit und Sehnsucht nach seelischem Kontakt wahrnehmen.
Mein größter Horror inzwischen wäre wohl ein Mann, der beim Sex redet. Vorher, als Verbal-Petting, gern. Aber dann muss mal Schluss sein.
Das produziert lustige Bilder bei mir im Kopf. Rokeby nimmt ein Pflaster... Jedenfalls wird sie sehr resolut.
ah naa.
Ich hätte dann halt nachdem der Mann auch bei der dritten Aufführung für meinen Geschmack in die Szenen labert (@Nora "labert, labert, labert" ) den Eindruck, dass es nicht passt mit uns, und würde ihn nicht weiter daten.
Das sind ja Sachen, die man recht schnell wahrnimmt.
@Nora ich denke, zwischen uns würde es tatsächlich nicht passen. Als Freundin evlt. dann wärst du halt eine, die das braucht viel zu reden, Gedanken teilen muss um sie so richtig auskosten zu können und die das auch stabilisiert im Alltag. So lese ich deine Selbstbeschreibung zumindest.
Wenn du mir sonst interessant und liebenswert genug wärst - kein Problem! Dann toleriere ich den anderen Stil, finde ich evtl. sogar liebenswert und so.
WENNNN! Du das mir und meinem Stil auch zubilligen würdest.
Bei Lebenspartnern ist das anders. Da könnte ich mit einem Erwachsenen, den es oft in der Sauna schon nach 7,5 Minuten zerreißt weil er unbedingt+dringend+irgendwas* sagen muss, nicht leben. Passt halt nicht.
*ich gehe einfach davon aus, dass dir in der Sauna jetzt keine nobelpreisträchtigen Erkenntnisse kommen, die die Menschheit seit 30.000 Jahren schmerzlich vermisst hatte. Sondern so "normale alltägliche Gedanken- und Gefühlsgänge, die jeder hat, aber nicht jeder laut hören muss um sie richtig fühlen zu können.
Und, sicher gibt es Männer, die genauso ticken wie du beim reden! Ich kenne da mehrere. Ob die allerdings zu dir passen aufgrund dieses Features ist nochmal eine andere Frage oder? Gefallen müssen Sie dir ja auch und du Ihnen.
Zitat von MightyQuince im Beitrag #58Ich bin im Job die ganze Zeit auf Empfang. 8h am Stück, ohne Pause. Immer auf Empfang, immer mit der Aufmerksamkeit bei den kommunikativen Bedürfnissen anderer. Ohne Unterbrechung. Immer. Außer auf dem Klo, aber auch dazu ist nicht immer Zeit. (@ZeroZero: Da lässt sich auch an der Work-Life-Balance nichts drehen, das ist einfach so, und es bleibt auch so. Das sind Umstände, auf die man keinen Einfluss hat. Außer man ginge ins ALGII, aber das wollen aus verschiedensten Gründen wohl die Wenigsten.) Im Privaten muss ich abschalten können und mit meiner Aufmerksamkeit bei mir selbst bleiben könnnen/dürfen. Sonst franse ich total aus.
Somit hast du deine Prioritäten klar gesetzt, die Arbeit kommt zuerst, die Mitmenschen kriegen deine Aufmerksamkeit nicht mehr ab, weil die Kapazitäten erschöpft sind.
Du brauchst dafür Mitmenschen, die ähnlich ticken.
Nora braucht einen Partner, der sich im Beruf nicht so verausgabt, dass er sich in der freien Zeit nur noch regenerieren muss und keine Kapazitäten mehr für Mitmenschen hat.
Warum wird ihr denn unterstellt, sie wäre egoistisch, falsch, nur auf ihre Bedürfnisse fixiert? Das Gleiche kann man doch über die sagen, die ihre ganze Energie für ihren Job verwenden und den Partner am langen Arm verhungern lassen, weil sie fix und fertig sind.
Jeder trifft Entscheidungen für sein Leben und setzt Prioritäten. Man muss nur Menschen mit übereinstimmenden Prioritäten finden. Und heutzutage geht die Tendenz zum Glück dazu, sich nicht mehr für den Job vollständig aufzuopfern. Also stehen die Chancen doch gut.
Zitat von Aen im Beitrag #54Darum geht's, finde ich. Zu wissen, wo ich mit meinem Bedürfnis nach xy stehe. Und wie ich es möglicherweise befriedigen kann. Und weshalb mir das absehbar nur dann / besser gelingt, wenn ich mich in einem Aspekt meines Seins verändere.
Wie meinst du das, mich in einem Aspekt des Seins verändere? Das tue ich ja nicht, ich pasee nur Aspekte meines Tuns an. Nicht des Seins.
Okay, wenn die Möglichkeit der "Anpassung von Aspekten Deines Tuns" immerschon in Dein Verständnis Deines Seins gehörte, dann hast Du nichts verändert.
Mein Eindruck in diesem Thread bislang war, dass eine derartige Anpassung unter "Verbiegen" läuft und zum jetzigen Threadverlauf eben nicht im Pott aller denkbaren Lösungsoptionen liegt.
ZitatAber ja, es ist sehr wichtig sich selbst und seine unverhandelbare Bedürfnisse zu kennen. Und sich nicht beschuldigen lassen, man wäre falsch oder kaputt, weil man diese Bedürfnisse hat.
Das genau ist nicht Sinn und Zweck einer Skala. :-) Und ich frage mich gerade, warum Du mir das schreibst.
Zitat von Aen im Beitrag #54Hm, vielleicht ist das für mich aber deshalb leichter so hinzukritzeln, weil ich kein Problem habe, Authentizität oder was ich für mein "wahres Sein" halte, immer mal wieder durchzulüften.
ZitatJe mehr man sich zeigt, wie man wirklich ist, desto eher zieht man passende Menschen an.
Mein Freund hat mich beim Kennenlernen in einer größeren Gruppe von Menschen sofort als die Einzige wahrgenommen, die Offenheit ausgestrahlt hat.
Na, aber dieser intuitiv wahrnehmende Zugang war ja genau der, der Nora schon des öfteren in die Irre geführt hat, wie sie sagt. Der Mann, den sie kennenlernte, wirkte "auf den ersten Blick" authentisch kommunikativ beim Kennenlernen - oder auch, wenn Dritte im Spiel waren oder sind. Er zeigte sich so. Aber unklar bleibt ja, "wie er wirklich ist". Denn derselbe Mann sagte ihr zu einem anderen Zeitpunkt, dass ihr starkes Kommunikationsbedürfnis ihn stört / nervt usw.
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Halte Dir jeden Tag 30 Minuten für Deine Sorgen frei, und in dieser Zeit mache ein Nickerchen. (A. Lincoln)
Zitat von Aen im Beitrag #62Okay, wenn "Anpassung von Aspekten Deines Tuns" immerschon in Dein Verständnis von Dir selbst gehörte, dann hast Du nichts verändert.
Mein Eindruck in diesem Thread bislang war, dass eine derartige Anpassung unter "Verbiegen" laufen würde.
Ich meinte, ich suche einen Partner, der diese Zugewandtheit hat und ich dosiere die Quantität, indem ich sie über mehrere Menschen verteile.
Ich verändere aber nicht mein Sein, mein Wesen. Sondern suche Rahmenbedingungen, unter denen ich es ausleben kann.
Zitat von Aen im Beitrag #62Das genau ist nicht Sinn und Zweck einer Skala. :-) Und ich frage mich gerade, warum Du mir das schreibst.
Das war eine Bestätigung an dich, dass man die Skala dafür braucht, um sich von anderen nicht verunsichern zu lassen. Man ist nicht kaputt, nur weil man nicht in der Mitte der Skala ist. Es war nicht gemeint, dass du jemanden verunsichern würdest. Sondern nur Aufgreifen deines Gedankens.
Zitat von Aen im Beitrag #62Na, aber dieser intuitiv wahrnehmende Zugang war ja genau der, der Nora schon des öfteren in die Irre geführt hat, wie sie sagt. Der Mann, den sie kennenlernte, wirkte "auf den ersten Blick" authentisch kommunikativ beim Kennenlernen - oder auch, wenn Dritte im Spiel waren oder sind. Er zeigte sich so. Aber unklar bleibt ja, "wie er wirklich ist". Denn derselbe Mann sagte ihr zu einem anderen Zeitpunkt, dass ihr starkes Kommunikationsbedürfnis ihn stört / nervt usw.
Ja und genau da muss man ran. Kann es sein, dass man von der Quantität und Flüssigkeit des Redens ungerechtfertigt auf die kommunikative Zugewandtheit schließt. Oder umgekehrt, kann es sein, dass man ruhigere Menschen deswegen ausschließt, obwohl sie zugewandt wären.
Zitat von ZeroZero im Beitrag #61 Und heutzutage geht die Tendenz zum Glück dazu, sich nicht mehr für den Job vollständig aufzuopfern. Also stehen die Chancen doch gut.
gekürzt von mir
Ich habe keinen Job für den ich mich 'aufopfere'. Ich habe einen Job, bei dem ich jeden Tag neues menschliches Leid erfahre, darüber nachdenken und es einsortieren muss, bei Problemen helfe, es durch Krisengespräche versuche zu lösen. Der Job macht mir Spaß, fordert mich, ist abwechslungsreich und eben für meine 'Kunden' auch von hoher Wichtigkeit.
Hätte ich einen Partner oder eine Partnerin, der das nicht 'sehen' könnte, nicht annehmen könnte, dass ich an manchen Tagen mit 'Problemen' voll bin und abends nicht noch 2 Stunden Krisengespräch führen kann, empfände ich als extrem empathielos. Aber ich muss sagen, dass mein Freundeskreis und auch meine (ex-) Partner zumindest aus vergleichbaren Bereichen kommen und somit da mit mir voll auf einer Wellenlänge schwimmen. Freiheit geben und zugewandt sein schließen sich für mich nämlich nicht aus, sondern bedingen sich.
Zitat von ZeroZero im Beitrag #61Warum wird ihr denn unterstellt, sie wäre egoistisch, falsch, nur auf ihre Bedürfnisse fixiert? Das Gleiche kann man doch über die sagen, die ihre ganze Energie für ihren Job verwenden und den Partner am langen Arm verhungern lassen, weil sie fix und fertig sind.
Das wird ihr nicht unterstellt. Über ihre Work-Life-Balance oder ihren Job wissen wir hier auch nichts. Auch nicht darüber, ob ihr Partner sie am ausgestreckten Arm verhungern lässt, oder sie ihn, oder whatnot.
Was wir wissen: Freundinnen und Kolleginnen geben Nora die Rückmeldung, dass sie "anstrengend" ist. Partner oder Expartner wünschen sich von ihr, dass sie weniger redet, dass sie von ihr mehr "in Ruhe" gelassen werden.
Wie lange dauert Dubrovnik? (Frage in einem Online-Reiseforum)
Zitat von Aen im Beitrag #62Okay, wenn "Anpassung von Aspekten Deines Tuns" immerschon in Dein Verständnis von Dir selbst gehörte, dann hast Du nichts verändert.
Mein Eindruck in diesem Thread bislang war, dass eine derartige Anpassung unter "Verbiegen" laufen würde.
Ich meinte, ich suche einen Partner, der diese Zugewandtheit hat und ich dosiere die Quantität, indem ich sie über mehrere Menschen verteile.
Ja, und das ist in meinem Verständnis ein hochgradiges Anpassungsvermögen - das von einfühlender Beobachtung und Selbsterkenntnis nicht zu trennen ist. Und es wäre aus meiner Sicht genau die Art von Lösung, die den Knoten für Nora durchschlagen könnte.
ZitatAber ja, es ist sehr wichtig sich selbst und seine unverhandelbare Bedürfnisse zu kennen. Und sich nicht beschuldigen lassen, man wäre falsch oder kaputt, weil man diese Bedürfnisse hat.
Zitat von Aen im Beitrag #62Das genau ist nicht Sinn und Zweck einer Skala. :-) Und ich frage mich gerade, warum Du mir das schreibst.
Das war eine Bestätigung an dich, dass man die Skala dafür braucht, um sich von anderen nicht verunsichern zu lassen. Man ist nicht kaputt, nur weil man nicht in der Mitte der Skala ist. Es war nicht gemeint, dass du jemanden verunsichern würdest. Sondern nur Aufgreifen deines Gedankens.
Ah okay.
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Halte Dir jeden Tag 30 Minuten für Deine Sorgen frei, und in dieser Zeit mache ein Nickerchen. (A. Lincoln)
Zitat von Aen im Beitrag #67Ja, und das ist in meinem Verständnis ein hochgradiges Anpassungsvermögen - das von einfühlender Beobachtung und Selbsterkenntnis nicht zu trennen ist. Und es wäre aus meiner Sicht genau die Art von Lösung, die den Knoten für Nora durchschlagen könnte.
Ok, ich verstehe es, glaube ich. Verändern des Seins in Bezug auf die Selbstreflexion und Einfühlen in die anderen. Nicht in Bezug auf "ich verringere das Bedürfnis".
Zitat von Avada im Beitrag #65Ich habe keinen Job für den ich mich 'aufopfere'. Ich habe einen Job, bei dem ich jeden Tag neues menschliches Leid erfahre, darüber nachdenken und es einsortieren muss, bei Problemen helfe, es durch Krisengespräche versuche zu lösen. Der Job macht mir Spaß, fordert mich, ist abwechslungsreich und eben für meine 'Kunden' auch von hoher Wichtigkeit.
"Aufopfern" bedeutet doch nur, dass man so viel von seiner Energie reinbringt, dass man danach nicht mehr für die eigenen Mitmenschen da sein kann. Weil man keine Energie mehr hat.
Genau das ist bei mir der Grund, warum ich mich gegen die berufliche Veränderung Richtung Psychotherapie entschieden habe - ich wäre danach viel zu ausgelaugt.
Wenn die Mitmenschen darunter nicht leiden, weil sie ähnlich wenig Bedürfnis nach Kommunikation in der Freizeit haben, dann passt es ja.
Aber hier wird von Mitmenschen erwartet, dass sie sich selbstverständlich anzupassen haben und gefälligst nicht auch noch mit ihren Problemen stören sollen. Und wenn sie es tun, wird ihnen Empathielosigkeit vorgeworfen.
Verkehrte Welt für mich, weil gerade von der Arbeit erschöpfte Menschen keine Empathie für ihre Mitmenschen mitbringen, die mit ihnen in Kontakt treten möchten.
Beide Seiten müssen Wege finden, Bedürfnissen der anderen gerecht zu werden. Nicht nur eine Seite muss still sein und sich anpassen und somit verbiegen.
Zitat von Aen im Beitrag #67Ja, und das ist in meinem Verständnis ein hochgradiges Anpassungsvermögen - das von einfühlender Beobachtung und Selbsterkenntnis nicht zu trennen ist. Und es wäre aus meiner Sicht genau die Art von Lösung, die den Knoten für Nora durchschlagen könnte.
Ok, ich verstehe es, glaube ich. Verändern des Seins in Bezug auf die Selbstreflexion und Einfühlen in die anderen. Nicht in Bezug auf "ich verringere das Bedürfnis".
Hmja, wobei: was auf diesem Weg mit (m)einem Bedürfnis wird, das ich im Moment als untrennbar mit mir verbunden begreife, also ob es sich verringert oder überhaupt irgendwie verändert, finde ich an der Stelle sogar nachrangig. Warum nicht einfach mal im beschriebenen Sinne loslaufen und schauen, was passiert?
Mein Eindruck ist nur, dass für Nora das Gefühl oder die Befürchtung hat, dass bereits darin eine Gefahr liegen könnte, das sie diese Art der Selbstreflexion und Einfühlung in andere *irgendwie* von sich *selbst* wegführen würde. Es liegt da ein, hm, Verdacht drüber, den ich (noch) nicht begreife. Als würde sie, veränderte sie ihre Idee von "jederzeit miteinander reden können", damit ihr Konzept von Intelligenz verraten oder von sozialer Kompetenz oder emotionaler Intelligenz oder ... keine Ahnung.
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@Nora - ich kann dich gut verstehen und bin da ähnlich wie du, ich brauche auch viel Kommunikation, ich merke auch immer, dass ich während ich kommuniziere Gedanken entwickle und weiter spinne - ich kann besser denken, wenn ich dabei rede und ja das ist für mein Gegenüber anstrengend, das weiß ich.
Aber es gibt Menschen, die können damit gut umgehen und andere die brauchen das genauso, ja auch Männer. Aber auch ich war lange Single, bis ich jemanden gefunden habe, der mit meiner Art zu kommunizieren kann.
Was bei mir aber auch eine Rolle spielt, das sich einen Job habe, in dem ich nicht soviel mit anderen kommuniziere, in Zeiten, in denen das anders war, war beim Ruhebedürfnis im Privaten auch größer, da habe ich auch lieber mal was allein gemacht oder vor mich hingesumpft - bei meinem ersten Job nach dem Studium war ich sogar froh, dass ich drei Monate auf meinen Telefonanschluss warten musste, weil ich gefühlt einen Overkill an Kommunikation (und lauter neuen Themen, Menschen und Situationen) am Arbeitsplatz hatte, das hat sich mit der Gewöhnung und Einarbeitung dann relativiert.
Und mein Kommunikationsbedürftnis hält mich mich nicht davon ab in bestimmten Situationen und mit mir besonders nahestehenden Personen auch gemeinsam schweigen zu können .... mit weniger nachestehenden Personen hingegen empfinde ich Schweigen eher als ungut und als "Nichtverstehen" oder schlicht bekomme das Gefühl, wir haben uns nichts zu sagen.
Und ja am Nichtmiteinanderreden sind bei mir auch schon Beziehungsanbahnungen gescheitert - was gut ist, dann das hat einfach nicht gepasst.
Zitat von Aen im Beitrag #71Warum nicht einfach mal im beschriebenen Sinne loslaufen und schauen, was passiert?
Aber dafür bräuchte es doch erst den passenden Menschen, den sie als Single nicht hat? Wie heißt es so schön, eine Beziehung ist eine Menschen-Entwicklungsmaschine. Man wird gezwungen, sich mit sich selbst und seinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen, damit die Beziehung funktioniert.
Wie kann sie als Single loslaufen? Das war für mich die Phase des Analysierens der Vergangenheit und vielleicht von zufälligen Begegnungen.
Zitat von ZeroZero im Beitrag #70 Aber hier wird von Mitmenschen erwartet, dass sie sich selbstverständlich anzupassen haben und gefälligst nicht auch noch mit ihren Problemen stören sollen. Und wenn sie es tun, wird ihnen Empathielosigkeit vorgeworfen.
gekürzt von mir
Nein. Ich schrieb, dass ich es empathielos fände, wenn mein Partner mein Bedürfnis nichts sehen würde und ggf. mich dabei auch übergeht indem er von mir verbale direkte Kommunikation erwartet. Andersherum ist das natürlich genauso der Fall, aber ich kann ja hier erstmal nur für meine Gefühle wie es bei mir ankommen würde, sprechen.
Ich habe ja bereits gesagt, dass ich glaube, dass ich mit jemandem wie Nora (und wahrscheinlich auch dir) nicht befreundet oder gar in Partnerschaft sein könnte. Es passt einfach nicht, wenn zwischen den Bedürfnissen so eine große Differenz liegt.
Zitat von Aen im Beitrag #71Warum nicht einfach mal im beschriebenen Sinne loslaufen und schauen, was passiert?
Aber dafür bräuchte es doch erst den passenden Menschen, den sie als Single nicht hat?
Wenn ich Nora richtig verstanden habe, ergibt sich diese Nichtpassung im Kommunikationsbedürfnis ja auch im Freundeskreis oder bei sehr guten Kollegen. Auch da bekommt sie hin und wieder die Rückmeldung, sie sei "anstrengend". Es lohnt sich ja nicht erst bei einem Mann, das Problem mal auf die Hörner zu nehmen. :-)
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