Das Bistum MÜnster hat eine Missbrausstudie in Auftrag gegeben, an der nicht, wie z. B. in Köln, Jurist/innen beteiligt waren, sondern Hiistoriker/innen der Uni Münster. Laut der gestrigen Pressekonferenz zur Veröffentlichung der Studie sind geschätzt bis zu 6 000 Kinder und Jugendliche zwischen 1945 bis 2020 im Bistum Münster Opfer sexueller/sexualisierter Gewalt geworden, im sogenannten Hellfeld wurden 610 Opfer ermittelt. In manchen Zeiten habe es im Bistum durchschnittlich zwei Missbrauchsfälle pro Woche gegeben. Quelle
Darüber hinaus sind aber auch Versäumnisse der Verantwortlichen im Bistum und vor allem erstmals die Strukturen untersucht worden, die Vertuschungen, Verharmlosungen und Untätigkeit bis zum Verjährungsdatum ermöglicht haben. Wie sehr "die Hütte brennt", zeigt m. E. der Artikel im Nachrichtenportal der katholischen Kirche, der endet mit:
Sexueller Missbrauch und Machtmissbrauch seien noch lange nicht zu Ende in der Kirche, schließt die Studie: "Es sind der Zentralismus der Institution und die Sakralisierung ihrer Machtstrukturen, es ist die Vorstellung vom Priester als “heiligem Mann und es sind die Unwahrhaftigkeit, Bigotterie und die internen Sprachblockaden, die aufgrund einer zunehmend lebensfremden Sexualmoral im Katholischen Einzug gehalten haben und damit den Missbrauch ermöglichen wie auch Vertuschung begünstigen. Wer die Betroffenen nur bemitleidet, ihnen lediglich Geld als Form der Anerkennung zur Verfügung stellt, sich in ebenso pathetischen wie unkonkreten Schuldbekenntnissen übt, ansonsten aber diese strukturellen Bedingungen als unabänderlich und von Gott gegeben sakralisiert, wird den Skandal des sexualisierten Machtmissbrauchs in der katholischen Kirche nicht im positiven Sinne aufarbeiten, sondern auf Dauer stellen."
Mir stellt sich die Frage, ob und wie der Staat endlich darauf reagiert, wie unverfroren sich Kirchen-Obere über Recht und Gesetz hinweggesetzt haben. Einem Verein, dessen Vorstand so agiert, würde vermutlich umgehend die Gemeinnnützigkeit entzogen. Für die katholische Kirche aber treibt der deutsche Staat weiterhin die Kirchensteuern ein und bezahlt seit langem u.a. deren Bischöfe und Domkapitulare. Also auch die, die trotz besseren Wissens Kinder und Jugendliche nicht vor kriminellen Tätern geschützt haben, obwohl sie die Möglichkeiten dazu gehabt hätten.
Im Religionsstrang gibt es bereits einen Strang zum Missbrauch in der katholischen Kirche, dort geht es allerdings um die Einstellungen der Gläubigen und deren eventuellen Konsequenzen. Hier ist m. E. der richtige Platz um über die politischen Dimensionen und deren mögliche Auswirkungen zu diskutieren.
Wenn wir die Würde anderer Menschen nicht achten, indem wir sie gegen Geld in irgendwelche Drittstaaten weiterreichen, so wie unseren Plastikmüll, dann verletzen wir auch unsere eigene Würde.
Wahrscheinlich habe ich auf einer Insel der Glückseligen gelebt, denn ich habe davon als Kind und Jugendliche nichts mitbekommen. Die Pastoren, die ich hatte und konnte, waren langweilig oder okay, aber immer mit einem gesunden Distanzverhältnis zu uns.
Mir tun die Kinder Leid, die das erdulden mussten.
Jeder Bericht übereinzelne Fälle oder deren "Aufklärung/Aufarbeitung" macht mich fassungslos und wütend. Ich verstehe es einfach nicht - einzelne Fälle nicht, das Massenphänomen schon gar nicht und letztlich auch nicht den Umgang mit diesen Verbrechen und Verbrechern.
Ich kann mir auch nicht so erklären, warum der Staat hier nicht mit seinen Organen aufklärt, durchgreift und Strafen verhängt wie bei allen anderen Tatvorwürfen. Warum? Die Taten erfolgten auf deutschem Territorium, Geistliche haben keinerlei Sonderstellung vor dem Gesetz - oder habe ich irgendetwas nicht kapiert zu diesem Rechtssystem?
Diese immer noch bestehende Verquickung von Kirche und Staat ist ein Zusatzthema, bei dem mir die Galle hoch kommt - warum diese Serviceleistungen (z.B. beim Kirchensteuer-Eintreiben) durch den Staat? Ist es ein "staatliches schlechtes Gewissen", weil die Kirche dem Staat viele soziale Aufgaben abnimmt? Oder etwas anderes? Ich wiederhole mich: Ich verstehe es nicht.
Zitat von Puls im Beitrag #4... Ich kann mir auch nicht so erklären, warum der Staat hier nicht mit seinen Organen aufklärt, durchgreift und Strafen verhängt wie bei allen anderen Tatvorwürfen. Warum? Die Taten erfolgten auf deutschem Territorium, Geistliche haben keinerlei Sonderstellung vor dem Gesetz - oder habe ich irgendetwas nicht kapiert zu diesem Rechtssystem? ...
Wenn eine Straftat nicht innerhalb der Verjährungsfrist angezeigt wird, haben Polizei und/oder Staatsanwaltschaft keinerlei Handhabe. Und dafür haben die Kirchenoberen gesorgt, wenn sie nicht sogar Tätern geholfen haben, sich den Behörden durch Flucht ins Ausland zu entziehen.
Wenn wir die Würde anderer Menschen nicht achten, indem wir sie gegen Geld in irgendwelche Drittstaaten weiterreichen, so wie unseren Plastikmüll, dann verletzen wir auch unsere eigene Würde.
Zitat von mono im Beitrag #2Die Politik hat da aktiv wegeguckt,die wusste das auch.
Wer ist in dem Fall "die" Politik und woher genau beziehst du dieses Wissen? Nicht, dass ich das für unvorstellbar halte, aber solche Vorwürfe sollten m. E. schon belegt werden.
Wenn wir die Würde anderer Menschen nicht achten, indem wir sie gegen Geld in irgendwelche Drittstaaten weiterreichen, so wie unseren Plastikmüll, dann verletzen wir auch unsere eigene Würde.
Mit dem Kirchenrecht hat der Staat eine Parallelgesellschaft mit eigener Gesetzgebung ermöglicht.
Als ich eben eure Meinungen gelesen habe, dachte ich, das die Haltung der Politik ein gutes Beispiel dafür ist wie das Vertuschen ging. Geht, davon bin ich überzeugt. Geistliche haben eine solche Autorität über Otto Normalverbraucher - und die Politiker sind schlicht und ergreifend Menschen, die sich dieser Autorität auch gebeugt haben.
Sich von der Kirche distanzieren wäre in der Bevölkerung vor ein paar Jahren nicht gut angekommen. Eine solche Partei war unwählbar für viele. Es hätte über das Bundesverfassungsgericht laufen müssen.
Eben im TV (report?) gesehen, dass ein einschlägig bekannter Bischof plötzlich nach Ecuador verschwunden ist und so manch andere, die angezeigt wurden, dort auch aufgenommen hat. Ganz tolle Priester! ...
Zitat von Anemone im Beitrag #8Eben im TV (report?) gesehen, dass ein einschlägig bekannter Bischof plötzlich nach Ecuador verschwunden ist und so manch andere, die angezeigt wurden, dort auch aufgenommen hat. Ganz tolle Priester! ...
Habe ich auch gesehen (ja, war Report München, Das Erste). Diese Aktionen, die Täter dann einfach in andere Orte/andere Länder zu schicken - unglaublich! Diese Verschleierungstatik - jeder vernünftige Mensch kann sich doch denken, dass das Problem damit nicht beseitigt, sondern nur verlagert wird - und am neuen Arbeitsplatz bekommt derjenige sicher wieder neuen Vertrauensvorschuss und kann wiederum längere Zeit unbehelligt missbrauchen!
Es nützt doch nichts, wenn diejenigen anderweitig Gutes für die Gemeinde geleistet haben.
So viele gequälte Kinderseelen, die zudem meist nicht einmal Gehör bei ihren engsten Bezugspersonen (z.B. Eltern) fanden, es tut mir so leid für diese Kinder und Jugendlichen ... 😢
Wenn wir die Würde anderer Menschen nicht achten, indem wir sie gegen Geld in irgendwelche Drittstaaten weiterreichen, so wie unseren Plastikmüll, dann verletzen wir auch unsere eigene Würde.
Wenn man den aktuellen Vorwürfen glauben darf, hat Stehle ja nicht nur "geholfen" , die Priester verschwinden zu lassen, sondern sogar Möglichkeiten für weiteren Missbrauch geschaffen. Stehle war ja offenbar selbst sexuell gewalttätig gegen Frauen und Mädchen. Klingt für mich nach einem Netzwerk. Dass sich pädophile Herren in die Kirche "verirren" wäre schließlich auch gut nachvollziehbar.
Nicht nachvollziehbar ist für mich, warum der Staat nicht schon seit Jahren eingreift, offenbar sind Beziehungen in der Kirche so eng gestrickt, dass sie aufgrund der Strukturen nicht in der Lage sind damit angemessen umzugehen.
Was braucht es denn rechtlich für ein Eingreifen des Staates - will man nicht oder kann man nicht?
- "Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts zu seinem Reichtum hinzu, sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen." - Epikur von Samos
Bis 2010, als die Straftaten am Canisius-Kolleg bekannt wurden, haben von hohen Würdenträgern bis zu Gemeindegliedern alle eine Mauer des Schweigens aufgebaut und dafür gesorgt, dass "Einzelfälle" nicht bei staatlichen Behörden angezeigt wurden. Danach würde eine Salamitaktik angewandt, bei der nach und nach die Taten zugegeben wurden, die längst verjährt waren. Das System wird m. E. In dem verlinkten Artikel auf katholisch.de nachvollziehbar erklärt.
Wenn wir die Würde anderer Menschen nicht achten, indem wir sie gegen Geld in irgendwelche Drittstaaten weiterreichen, so wie unseren Plastikmüll, dann verletzen wir auch unsere eigene Würde.
Was mich viel mehr erschüttert - ich verwende dieses Adjektiv sehr selten - ist, dass aus diesem Filz aus Mauern, Verschleiern, Vertuschen keine Konsequenzen gezogen werden. Was wird denn jetzt und heute getan, damit solche Strukturen sich nicht wieder manifestieren, dass wirklich dieser ganze Filz auseinandergenommen wird und sich nicht wieder bilden kann?
Es kann immer wieder mal passieren, dass sich da, wo mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet wird, Menschen finden, die ihre Position und Macht missbrauchen. In der Folge kamen ja auch viele Beispiele aus dem (Leistungs)sport ans Tageslicht. Auch hier wurden junge Menschen von ihren Trainern, Verbandsgrößen o. ä. missbraucht. Jedoch gab und gibt es hier nicht dieses Netzwerk aus Helfern, die die Täter schützen, zumindest nicht in diesem Ausmaß.
Wir können und sollen uns über jeden einzelnen Fall empören, nicht dass ich hier falsch verstanden werden. Jede einzelne Tat ist schrecklich und es ist schlimm genug, dass sie teilweise wegen Verjährung nicht mehr gesühnt werden können. Dass die Opfer gegen Wände laufen und teilweise bis heute mit "hab dich doch nicht so, warum kommst du jetzt, nach so vielen Jahren damit daher?", abgespeist werden.
„Um die Staatsanwaltschaften zu Ermittlungen zu veranlassen gegen die Kirche, brauche ich eine saubere Strafanzeige von Opfern, gepaart mit einer sachlichen Berichterstattung in den Medien, um einfach rechtspolitischen Druck gegenüber den Staatsanwaltschaften auszuüben, damit die ihren gesetzlichen Verpflichtungen entsprechen.“ Allerdings, meint Dost-Roxin, sind die Aussichten schlecht. Das enge Bündnis von Staat und Kirche stehe den Ermittlungen gegen die Diözesen und ihre Priester im Wege. „Die Frage ist ja nur, inwiefern die Strafverfolgungsbehörden konsequent die bestehenden strafrechtlichen Normen, insbesondere auch das Strafprozessrecht, gegenüber den Kirchen anwenden. Ich kann mich also nicht erinnern, in den letzten 20 Jahren jemals gehört zu haben, dass eine Kirche durchsucht worden ist.“ https://www.deutschlandfunk.de/missbrauc...-leben-100.html
Das ist für mich der Skandal in dem Skandal. Und dagegen wird im Grunde nichts getan. Alle Systeme bleiben bestehen, es wird viel geredet, weniger gesagt und so gut wie nichts getan.
Zitat von skribifax im Beitrag #13Was mich viel mehr erschüttert - ich verwende dieses Adjektiv sehr selten - ist, dass aus diesem Filz aus Mauern, Verschleiern, Vertuschen keine Konsequenzen gezogen werden. Was wird denn jetzt und heute getan, damit solche Strukturen sich nicht wieder manifestieren, dass wirklich dieser ganze Filz auseinandergenommen wird und sich nicht wieder bilden kann? ...
Im Bistum Münster gibt es in den Gemeinden für die Mitarbeiter/innen der Einrichtungen (die ausnahmslos, also auch die ehrenamtlichen, ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen müssen) verpflichtende Schulungen und Präventionskonzepte. Leider erst seit zwei oder drei Jahren.
Ich denke dass die Bewegung Maria 2.0 dazu beigetragen hat, dass auch in der letzten Amtsstube angekommen ist, dass ein "weiter so" unmöglich geworden ist. Die Frauen haben vom Bischofssitz bis in die kleinen Gemeinden auf dem platten Land reichlich Wellen geschlagen.
Die katholische Kirche wird wissen, warum sie über Jahrtausende hinweg gerade Frauen unterdrückt hat...
Wenn wir die Würde anderer Menschen nicht achten, indem wir sie gegen Geld in irgendwelche Drittstaaten weiterreichen, so wie unseren Plastikmüll, dann verletzen wir auch unsere eigene Würde.
Versteh mich nicht falsch, dass Menschen, die mit Kindern arbeiten, ein sog. erweitertes Führungszeugnis vorweisen müssen ist doch das Pferd von hinten aufgezäumt. Ja, das ist das Mindeste, das verlangt werden kann (und im öffentlichen Dienst seit Jahrzehnten Gang und Gäbe ist, nicht nur an den Stellen, die mit Kindern zu tun haben). Aber auch das garantiert doch nicht, dass jemand übergriffig wird. Das Problem ist doch, dass die Straftäter geschützt werden. Was wird dagegen getan? Es kann doch nicht sein, dass der Staat, die Strafverfolgungsbehören die Hände in den Schoß legen, darauf warten, dass "die Kirche" kooperiert und ihre originäre Aufgabe, Strafen zu verfolgen in einem kirchlichen Umfeld nur sehr rudimentär nachkommen?
Man muss auch noch bedenken, dass die Kinder ja nicht einmal zu Hause Gehör fanden! Das hohe Ansehen, welches die "Würdenträger" inne hatten, hat dazu geführt, dass viele Menschen sie für unfehlbar hielten und lieber ihren Kindern verboten, so etwas "zu erfinden"! Dazu kam, dass es für viele äußerst wichtig war, nicht ins"Gerede" zu kommen. Und die gepredigten Worte waren/sind mitunter auch sehr einschüchternd - das ist meine Sicht von außen (ich gehöre und gehörte keiner Kirche an).
Die Mauer des Schweigens innerhalb der Kirche wurde also auch von außen noch unterstützt.
Immerhin darf man annehmen, dass in den Familien heute die Sensibilität dafür äußerst hoch ist.
Da widerspreche ich dir gar nicht. Hier hat sich doch aber viel geändert. Es wird Kindern geglaubt, man achtet auf Zeichen, ob Missbrauch vorliegen könnte. Hier werden auch viele sensibilisiert. Es heißt nicht mehr, dass es "sowas" nicht gibt, Kinder werden gehört. Nur werden die Kinder, die in Heimen sind, weniger gehört als andere. Das ist immer noch so. Darum geht es mir aber nicht, denn das ist ja alles bereits geschehen. Was wird wirklich und wahrhaftig getan, um diese Strukturen zu durchbrechen? Was wird getan, damit die Kirche die zumindest gefühlte Insel der Seeligen nicht mehr ist?
Es liegt in der Hand der Kirchen (!) hier Aufklärung zu betreiben. Der Täter ist gleichzeitig für die Strafverfolgung zuständig. Warum passiert hier nichts? Warum wird immer wieder ein Skandal nach dem anderen veröffentlich, diskutiert, verurteilt, ohne irgendwann mal tatsächlich zu versuchen, das System von Grund auf zu ändern, damit sich solche Dinge tatsächlich nicht mehr ereignen können?
Ja, es ist verwunderlich, dass Würdenträgr nicht selbst aufstehen und damit drohen ihr Amt niederzulegen, solange nichts getan wird. Wie ernst ist es mit der Nächstenliebe? Wo bleibt der Rechtsstaat? Weshalb ist er innerhalb der Kirchen ausgesetzt? Die Kirchen sind ganz offensichtlich nicht in der Lage das zu regeln.
Was passiert genau, wenn ein Opfer rechtzeitig Anzeige gegen einen Priester bei der Polizei erstattet?
- "Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts zu seinem Reichtum hinzu, sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen." - Epikur von Samos
Zitat von skribifax im Beitrag #13 Die Frage ist ja nur, inwiefern die Strafverfolgungsbehörden konsequent die bestehenden strafrechtlichen Normen, insbesondere auch das Strafprozessrecht, gegenüber den Kirchen anwenden. Ich kann mich also nicht erinnern, in den letzten 20 Jahren jemals gehört zu haben, dass eine Kirche durchsucht worden ist. https://www.deutschlandfunk.de/missbrauc...-leben-100.html
Das ist für mich der Skandal in dem Skandal. Und dagegen wird im Grunde nichts getan. Alle Systeme bleiben bestehen, es wird viel geredet, weniger gesagt und so gut wie nichts getan.
Vor allem macht es mich wütend, dass so vieles innerhalb der Kirche aufgeklärt werden soll. Sorry, aber wir überlassen es ja auch nicht dem Rotlichtmilieu, Fälle von Menschenhandel aufzuklären, oder?
Zitat von Klemenzia im Beitrag #18Ja, es ist verwunderlich, dass Würdenträgr nicht selbst aufstehen und damit drohen ihr Amt niederzulegen, solange nichts getan wird. Wie ernst ist es mit der Nächstenliebe? [...]
DAS verstehe ich schon lange nicht. Es gibt tausende Leute, die sicher Hervorragendes leisten in der Kirche. Die müssten doch ein riesiges Interesse daran haben, dass das aufgeklärt und geahndet wird UND dass alles getan wird, um neue Fälle zu verhindern.
Aber da wirken sicher immer noch extreme Machtstrukturen.
Ich habe immer noch den Eindruck, dass bei vielen neuen "Aufklärungen" das Image der Kirche im Vordergrund steht.
Naja, von jemandem, der aufgrund seines Glaubens an christliche Werte im Sinne der Kirche tätig wird und gerade wie Priester diese Werte nach extern vertritt, erwarte ich auch ein Eintreten für diese innerhalb der Kirche. Dass dies nicht für jeden Priester oder anderen Würdenträger relevante Gründe sind, mag sein aber ein paar Idealisten sollte es dort doch geben.
Dieses Schweigen macht die gesamte Kirche für mich unglaubwürdig. Ein Aufstehen und Einstehen alla Bonhoeffer, eine Bewegung innerhalb der Kirche, die sich nicht in Hinterzimmern trifft, sondern öffentlich für ihre Werte einsteht erwarte ich da.
- "Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts zu seinem Reichtum hinzu, sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen." - Epikur von Samos
Zitat von skribifax im Beitrag #17 ... Was wird wirklich und wahrhaftig getan, um diese Strukturen zu durchbrechen? Was wird getan, damit die Kirche die zumindest gefühlte Insel der Seeligen nicht mehr ist?
Es liegt in der Hand der Kirchen (!) hier Aufklärung zu betreiben. Der Täter ist gleichzeitig für die Strafverfolgung zuständig. Warum passiert hier nichts? Warum wird immer wieder ein Skandal nach dem anderen veröffentlich, diskutiert, verurteilt, ohne irgendwann mal tatsächlich zu versuchen, das System von Grund auf zu ändern, damit sich solche Dinge tatsächlich nicht mehr ereignen können?
Nach der Vorlage des Münsteraner Gutachtens zu behaupten, es werde nichts getan, kann ich nicht nachvollziehen. Ganz klar, es hätte viel früher viel mehr passieren müssen, aber jetzt wurden nicht lediglich die juristischen Fakten dargelegt, sondern erstmals die Strukturen untersucht und benannt, die das Schweigen und Vertuschen in diesem schlimmen Ausmaß ermöglicht haben. Die Wissenschaftler/innen haben ohne jegliche inhaltliche Vorgaben arbeiten können und Genn hat das Gutachten zum ersten Mal bei der öffentlichen Vorstellung zu Gesicht bekommen.
Schade, dass das erwähnenswert ist, aber das war Premiere - mensch erinnere sich nur an den Umgang des Kölner Bischofs mit dem dortigen Gutachten.
Wenn wir die Würde anderer Menschen nicht achten, indem wir sie gegen Geld in irgendwelche Drittstaaten weiterreichen, so wie unseren Plastikmüll, dann verletzen wir auch unsere eigene Würde.
Zitat von noBarbie im Beitrag #23 Nach der Vorlage des Münsteraner Gutachtens zu behaupten, es werde nichts getan, kann ich nicht nachvollziehen. Ganz klar, es hätte viel früher viel mehr passieren müssen, aber jetzt wurden nicht lediglich die juristischen Fakten dargelegt, sondern erstmals die Strukturen untersucht und benannt, die das Schweigen und Vertuschen in diesem schlimmen Ausmaß ermöglicht haben. Die Wissenschaftler/innen haben ohne jegliche inhaltliche Vorgaben arbeiten können und Genn hat das Gutachten zum ersten Mal bei der öffentlichen Vorstellung zu Gesicht bekommen.
Schade, dass das erwähnenswert ist, aber das war Premiere - mensch erinnere sich nur an den Umgang des Kölner Bischofs mit dem dortigen Gutachten.
Das stimmt natürlich. Ändert aber nichts von dem, was ich meine. Die Kirche hat beauftragt. SIE ist diejenige, die hier Einblicke gewährt hat. Das ist aller Ehren wert, keine Frage. Nur, das war jetzt EIN Bistum - von wie vielen? Dass strukturell in der Kirche vieles im Argen liegt, ist offensichtlich. Alles, was mit Glaube zu tun hat, muss die Kirche mit sich selbst klären, incl. inwieweit Frauen auch mal was zu sagen haben und Kirchenämter bekleiden dürfen. Alles was strafrechtlich relevant ist, gehört in meinen Augen aber keinesfalls in Kirchenhand. Jetzt gabe es ein Bistum, dass offensichtlich den Mut hatte, unbequeme, unangenehme und auch im Grunde unglaubliche Tatsachen zu veröffentlichen. Es ist anzunehmen, dass es dieses Gebaren nicht nur in Münster gab. Nur, was wird getan, um zu klären, ob solche Machenschaften auch woanders Gang und Gäbe waren?
Warum ist die Kirche nach wie vor federführend für die Aufklärung und warum ist es vom Wohl und Wehe einiger Kirchenfürsten abhängig, was an die Öffentlichkeit gelangen darf und was nicht? Was wird getan, um solche Machenschaften in Zukunft zu verhindern?
Es ist nur mein Eindruck, aber mir scheint es so als wäre der Priesterberuf gerade für Männer anziehend die gewisse Neigungen haben.
Keine Ehe (an Sexualität mit erwachsenen Partnern besteht ja auch kein Interesse), Zugang zu Kindern auf einer Basis des Vertrauens...., keine Kontrollen von außen/unabhängiger Seite. Offensichtlich haben sich in der Kirche auch Netzwerke dafür gebildet, und sei es nur zur Vertuschung. Die Unschuld des "Einzelfalls" ist schon lange vorbei, insbesondere im Bistum Münster, aber auch anderswo.
Ich möchte damit keinen Generalverdacht aussprechen, gerade auch für die guten Priester muss das schlimm sein, es werden sich aber alle einer wachsenden Skepsis ausgesetzt sehen, potentiell. Kein Täter zu sein kann immer noch bedeuten, Mitwisser zu sein (der natürlich nicht reden darf).
Es ist zudem ein strukturelles Problem: strenge Hierarchien, Geheimniskrämerei, Frauen haben nicht viel zu sagen vor allem wenn es um Veränderung/Entscheidungen geht.