als ich das das erste Mal hörte, musste ich zweimal nachfragen, weil ich dachte- ich hab mich verhört- es gibt pro-russische Demonstrationen!
Ich bin in der Thematik leider viel zu wenig drin, lese im Putin-Strang interessiert mit, weil hier soviel Wissen zusammengetragen wird und ich schon viel darüber erfahren konnte. Vielleicht wurde das Thema auch schon aufgegriffen, ich schaffe es nicht, lückenlos mitzulesen.
Aber da es mich sehr beschäftigt, wollte ich es mal offen hier hin bringen- diese Ausrichtung von Denken. Ich selbst kann das nicht nachvollziehen, frage mich aber, ob es möglicherweise Wissen gibt- was ich nicht weiß oder weniger bekannt ist?? Wer pro-russisch demonstriert ist dann für Krieg in der Ukraine? So empfinde ich es und möglicherweise, ist das aber gar nicht so gemeint?
Wie denkt ihr darüber? ist vielleicht jemand hier, der sich dazu gehörig fühlt und seine Sichtweise dazu schreiben könnte?
Falls du dich auf z.B. den Autokorso in Berlin beziehst, da meinten die Veranstalter nachher sinngemäß, sie protestierten dagegen, dass Russen im Ausland angefeindet wurden. Zitat Berliner Zeitung: Die prorussische Aktion stand unter dem Motto: „Gegen Volksverhetzung, Mobbing und Diskriminierung der russischen Bevölkerung“.
Was ich sogar noch nachvollziehen kann, und ich bin ja auch dagegen, ein ganzes Volk in Sippenhaft zu nehmen (hate the game, not the players, wie's immer so schön heißt) - aber zu einem Zeitpunkt, wo die Nachrichten voll von den Gräueltaten in Butscha waren, mit russischen Fahnen im Kreis herumzuhupen - da muss man schon ein bisserl seeeehr verpeilt sein, um nicht zu kapieren, dass das eventuell die falsche Botschaft sendet, oder?
Man könnt ja auch stattdessen Schilder schreiben "Wir sind Russen und entsetzt über das, was passiert" - und sich einer anderen Bildersprache bedienen. Wobei ich da auf Anhieb auch nix wüsste - beide Landesfahnen mit Handshake?? nur die ukrainische Flagge? Herzerln?? Friedenstauben in den jeweiligen Landesfarben? Alles im Grunde eher unangebracht, unpassend und vor allem in so manchem Fall leicht missverständlich. Meine begrenzte Fantasie soll aber kein Hindernis sein, ich denke halt: in diesem Fall wären Worte der Solidarität mehr angebracht. Und wesentlich wirksamer und heilender.
Ansonsten - realistischerweise betrachtet werden wohl viele tatsächlich _für_ den Krieg sein und das dergestalt zum Ausdruck bringen. Entweder ohne Wissen um die Faktenlage (also unter Einfluss der russischen Propaganda) - oder, noch schlimmer - im Wissen darum und scheißdrauf weil wir machen das jetzt so. Tja. Ungarisches Sprichwort: Gottes Tiergarten ist groß.
Wenn man den Reportagen und Interviews glaubt, dann sind viele auf diesen Demonstrationen ganz eindeutig für Putin und für den Krieg. Ich habe dazu schon folgendes im Demokratie-Strang geschrieben:
"Ich frage mich, ob mein Verständnis von Demokratie so weit geht, dass wir wirklich tolerieren müssen, dass demokratiefeindliche Gruppierungen in unserem Land ihr Recht auf Demonstrationsfreiheit ausüben dürfen.
Innenpolitisch während Corona aus meiner Sicht noch ein klares Ja. Jetzt aber die Anhänger Putins, die zwar in einem demokratischen Staat leben wollen und hier demonstrieren, aber damit eigentlich zum Ausdruck bringen, dass sie uns abgrundtief hassen. Denn ich für meinen Teil sehe in Putins Attacke auf die Ukraine einen Angriff auf die Demokratie, den Versuch ein demokratisches Bündnis zu verhindern, einen Angriff auch auf uns und unsere Werte. Dass gerade diese Werte jetzt zulassen sollen, dass hier in Deutschland für einen Krieg, der auch gegen uns gerichtet ist, demonstriert wird, fühlt sich einfach falsch an."
Für mich weiterhin völlig unverständlich. Zum einen, dass es in einem Land mit Zugang zu allen möglichen Informationen allen Ernstes Menschen gibt, die auf Putins Propaganda reinfallen, aber eben auch, dass wir als Staat uns das bieten lassen.
Ich hoffe sehr, dass (nicht nur) dein Verständnis von Demokratie
Zitat von Jubidu im Beitrag #3so weit geht, dass wir wirklich tolerieren müssen, dass demokratiefeindliche Gruppierungen in unserem Land ihr Recht auf Demonstrationsfreiheit ausüben dürfen.
Ja, solche pro-Putin-Demonstrationen fühlen sich falsch an, aber das tun "Spaziergänge" mit rechtsextremer Beteiligung auch, weshalb Herkunft oder Nationalität der Teilnehmenden keine Rolle spielen darf. Es ist Aufgabe von Polizei und Ordnungsbehörden dafür zu sorgen, dass Straftatsbestände wie Volksverhhetzung, Beleidigungen, verbotene Symbole usw. konsequent verfolgt und geahndet (und nicht von quer-"denkenden" Beamt//innen beklatscht) werden. Und es ist m. E. die Aufgabe von Demokrat/innen auch hier Flagge zu zeigen, sich an Gegendemos zu beteiligen und/oder ihre Ablehnung auf anderen Wegen (Leserbriefe, Internetdiskussionen, Meinungsverschiedenheiten am Kaffeetisch usw.) deutlich zu machen.
Auch wenn es juristisch gesehen Sachbeschädigung ist, manchmal darf man sich m. E. aber auch mal klammheimlich freuen über matschige Tomaten und faule Eier, die auf Autos mit Z-Symbolenn landen.
Wenn wir die Würde anderer Menschen nicht achten, indem wir sie gegen Geld in irgendwelche Drittstaaten weiterreichen, so wie unseren Plastikmüll, dann verletzen wir auch unsere eigene Würde.
Auch ich bin entsetzt angesichts der pro-russischen Autokorsos. Ich sehe in diesem Zusammenhang auch die Rolle der AfD, deren Vertreter sich in diesen Tagen über jegliche Form der Destabilisierung unserer Demokratie und unserer staatlichen Ordnung freuen. Gerade AfD-Führungspolitiker waren schon oft gern gesehene Gäste in Moskau.Bei den Treffen in entspannter Atmosphäre mit Außenminister Lawrow bekamen sie sicher gute Insiderinformationen über Putins Vorhaben und vielleicht auch Anweisungen für ihr Tun in Deutschland. Kann aber auch sein, dass sie nur Unterricht aus erster Hand in Sachen "Lügenpresse" wollten, um diese dann bei Demonstrationen und für die zahlreichen Corona-Leugner auszupacken. An dieser Stelle https://www.fr.de/panorama/umfrage-ein-g...r-91479562.html lese ich, dass im Osten 45 Prozent der Meinung sind, dass wir in einer "Scheindemokratie" leben. Wenn diese Bürger aber das Grundrecht der Pressefreiheit für unverzichtbaren Luxus erachten, ahne ich, wie Meinungsfreiheit pervertiert wird.
Gegenprobe: Stell dir vor, dieser Autokorso würde in Moskau mit deutschen Fahnen auf den Autos stattfinden. Stell dir einen Autokorso mit Russischen Fahnen der durch Washington fährt vor.
Frage: Warum wäre das unvorstellbar? Antwort: Weil es in Deutschland mehr Freiheit gibt als in jedem anderen Land der Erde. Die deutsche Demokratie und die Bevölkerung halten einen solchen Autokorso aus und tolerieren ihn.
https://wirtschaft.com/verfassungsschutz...ungen-am-9-mai/ Verfassungsschutz fürchtet pro-russische Mobilisierungen am 9. Mai Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz hat vor prorussischen Aktionen am 9. Mai gewarnt. “An diesem Tag ist bundesweit mit pro-russischen Aktivitäten wie Auto-Korsos und Demonstrationen zu rechnen, bei denen möglicherweise auch das `Z`-Symbol der russischen Invasionsarmee in der Ukraine gezeigt wird”, sagte Thomas Haldenwang der “Welt am Sonntag”. Im Internet kursierten Gerüchte über angeblich geplante Anschläge auf pro-russische Personen und Veranstaltungen in Deutschland – “diese vermutlich bewusst gestreuten Gerüchte könnten auch der Vorbereitung sogenannter False-Flag-Aktionen dienen”.