Um dieses Unterforum mal - abseits von Religion bzw. Religionsphilosophie - etwas zu beleben und aktuellere Themen einzuführen: wie haltet ihr es mit der Philosophie des Geistes? Welches sind eure Positionen und, wie geht ihr mit den Problematiken der jeweiligen Position um? Klassischer Substanz-Dualismus (Descartes), Eigenschaftsdualismus (Chalmers), Epiphänomenalismus (Jackson) oder doch eher Monismen, sei es die Identitätstheorie (Smart) oder der Funktionalismus (Putnam)… wenn Materialismus, dann nichtreduktiv oder eliminativ? Was interessiert euch mehr, die ontologischen, erkenntnistheoretischen oder sprachphilosophischen Fragestellung zum Thema?
Ich zumindest bewege mich zwischen Funktionalismus und nichtreduktiven Materialismus/Emergenztheorien. Im Bewusstsein, dass die die offen stehenden Fragen zu Qualia, Intentionalität bzw. mentaler Verursachung ungelöst bzw. problematisch bleiben. Aber das Problem gibt es zu den anderen Ansätzen ja auch. The „hard problem“ (Davis Chalmers) halt…
Vielleicht etwas advanced für dieses Forum, aber zum Einstieg für Interessierte gibt es ja den gar nicht mal sooooooo schlechten, leider nur etwas stehengebliebenen Wikipedia-Artikel zur PdG. Die vom Fach tummeln sich natürlich eher auf plato.stanford.edu …:)
Haben sich die genannten Positionen nicht durch die Fortschritte in den Neurowissenschaften der letzten 50 Jahre weitgehend überlebt? Für mich ist die dort erklärte Wechselwirkung zwischen Geist und Körper beim Produzieren von Gefühlen plausibel.
Gerne würde ich diese Diskussion um den Aspekt "Seele" erweitern, nachdem mein Reinkarnationsstrang in der Bri ohne Resonanz geblieben war. Ich weiß jetzt allerdings nicht, ob das noch unter PdG fällt, und überlasse daher die Entscheidung Dir.
Zitat von Galah im Beitrag #2Haben sich die genannten Positionen nicht durch die Fortschritte in den Neurowissenschaften der letzten 50 Jahre weitgehend überlebt? Für mich ist die dort erklärte Wechselwirkung zwischen Gehirn und Körper beim Produzieren von Gefühlen plausibel.
sehe ich auch so
und die Erkenntnisse der Quantenphysiker sollten auch nicht außer Acht gelassen werden....
Die Philosophie des Geistes? Ein kompliziertes Thema. Und ein jeder hat eine eigene Vorstellung davon, die alten Schriftsteller, die sich seit Jahrhunderten darüber Gedanken machten und die Neuzeitmenschen, die das Ganze aus der Perspektive des modernen Menschen betrachten. Die Philosophie des Geistes ändert sich mit jedem neuem Tag, den wir beginnen. Oder sogar mit jeder Sekunde, die voranschreitet.
Zitat von Galah im Beitrag #2Haben sich die genannten Positionen nicht durch die Fortschritte in den Neurowissenschaften der letzten 50 Jahre weitgehend überlebt? Für mich ist die dort erklärte Wechselwirkung zwischen Gehirn und Körper beim Produzieren von Gefühlen plausibel.
sehe ich auch so
Ich auch. Aber das Schwurbeln ist gleich geblieben
Zitat von Galah im Beitrag #2Haben sich die genannten Positionen nicht durch die Fortschritte in den Neurowissenschaften der letzten 50 Jahre weitgehend überlebt?
Nein, eher ist das Gegenteil der Fall.
So großartig die Fortschritte in den letzten 50 Jahren auch waren, speziell im Bereich der neuronalen Korrelate, riefen sie doch letztlich nur neue Fragestellungen auf. Zum einen auf der naturwissenschaftlichen Seite der Forschung: selbst Crick/Koch/v.d.Malsburg stolperten da z.B. über das Bindungsproblem, was bis heute nicht gelöst ist. Und das ist nur eines von vielen neu aufgetauchten Problemen. Neue Erkenntnisse - neue Fragen. Zum anderen auf der philosophischen Seite: die PdG ist - auch durch die damals z.T. sehr optimistischen bis naßforschen Äusserungen von Kognitions-/Neurowissenschaftlern quasi explodiert. Einige der berümtesten Aufsätze dazu sind gerade dadurch in den letzten 50 Jahren entstanden ("What Is It Like to Be a Bat?", Thomas Nagel, 1974, "Mind, Brain, Programs" [Das Chinesische Zimmer], John Searle, 1980, "Mary", F. D. Jackson, 1982, "Philosophische Zombies", [The Conscious Mind], David Chalmers, 1996, das Konzept der Supervenienz, Donald Davidson[Mental Events, 1970], Jaegwon Kim, Invertierte Qualia, usw. usf.). Es war, so mein Eindruck, auch ein massiver Booster für die Modallogik (als Protagonist: Saul Kripke)
Des weiteren erinnere ich an die massiven Auseinandersetzungen im deutschsprachigen Feuilleton in den Jahren 2004/2005, wo, nach erheblicher Kritik, Neurowissenschaftler wie Gerhardt Roth und Paul Singer letztlich zurückrudern mussten - zumindest auf den Ebenen der Implikationen die sich vermeintlich aus ihren Erkenntnissen ergäben (Willensfreiheit z.B.).
Das die Forschung immer mehr auf einen Materialismus/Physikalismus hinausläuft, wird zumindest bei der überwiegenden Meinung der Philosophen auch anerkannt. Dennoch bleiben halt die massiven Probleme (Qualia, Intentionalität, Mentale Verursachung).
Sicherlich sind manche Positionen wie z.B. der Okkasionalismus (Malebranche) oder der Psychophysischer Parallelismus (Leibnitz) heute extrem randständig. Aber, wie immer in der Philosophie, es gibt die erstaunlichsten Revivals (siehe den Objektiven Idealismus von Vittorio Hösle). Neue sind hinzugekommen (Donald Davidsons Anomaler Monismus )
Zitat Für mich ist die dort erklärte Wechselwirkung zwischen Geist und Körper beim Produzieren von Gefühlen plausibel.
Gerade das ist (auch für erklärte Dualisten) bis heute ungeklärte ungeklärte Problem. Wann, wo, wie, Überdetermination, Kategorienwechsel etc.
Zitat Gerne würde ich diese Diskussion um den Aspekt "Seele" erweitern, nachdem mein Reinkarnationsstrang in der Bri ohne Resonanz geblieben war. Ich weiß jetzt allerdings nicht, ob das noch unter PdG fällt, und überlasse daher die Entscheidung Dir.
Natürlich fällt das – im weitesten Sinne – noch unter PdG (was fiele eigentlich nicht darunter?). Aber, so meine Erfahrung in Foren wie diesen, führen die von dir angeführten Aspekte wieder in Richtung Spiritualität und, erfahrungsgemäß, religiöses Fahrwasser, was in diesem thread eigentlich nicht das Thema ist. Vielleicht wäre da ein eigener thread sinnvoller.
Zitat von addia im Beitrag #1 Ich zumindest bewege mich zwischen Funktionalismus und nichtreduktiven Materialismus/Emergenztheorien. Im Bewusstsein, dass die die offen stehenden Fragen zu Qualia, Intentionalität bzw. mentaler Verursachung ungelöst bzw. problematisch bleiben. Aber das Problem gibt es zu den anderen Ansätzen ja auch. The „hard problem“ (Davis Chalmers) halt…
Da halt ichs meist wie Einstein "Probleme können nicht auf der gleichen Ebene gelöst werden , auf der sie entstanden sind. Liegt zwar nahe, von letzterem auszugehen; Funktionalismus auf intakten Ebenen wohl eine notwendige Einstellung um mit Lösungen arbeiten zu können. Was kann man mit was anfangen, was will man erreichen und wie verhalt man sich dann wirklich. Für den Alltagsgebrauch wird man seltener eine philosophisch geistige Haltung in jeder Angelegenheit halten können um weder arrogant zu wirken noch eingeschüchtert zu werden oder mit unverständnis zu kollidieren. Sondern einfach nur verstanden zu werden, warum sich etwas so verhält und anderes anders. Für Philosophie braucht man ein gemeinsames Thema.
Es bedeutet ja nicht grundsätzlich in jeder Angelegenheit "united wie stand - devided we fall"
@addia Keine Lust und Laune mehr zu philosophieren? Wars das schon? Darf ich dich fragen, was du mit Philosophie zu tun hast. Ist es reines Interesse, hat du schon was veröffentlicht?