Zitat von Iphigenie im Beitrag #1 Und könnte das auch bei uns in Deutschland passieren, denn Frankreich ist unser Nachbarland und die Proteste sind schon nach Lüttich in Belgien "übergeschwappt"! Auch unsere Schulen hier im Land sind vielfach marode und auch unser Schulsystem ist nicht gerecht und wir kennen hier all jene Probleme, gegen die dort protestiert wird, an unseren Schulen ja auch schon länger ???
Ja, wir sollten unbedingt aus den Geschehnissen in Frankreich lernen und wieder eher linke Parteien wählen.
Dann stehen die Interessen der Bevölkerung auch wieder mehr im Fokus.
Verantwortlich gemacht werden medial allerdings besonders die Schüler*innen, die eigentlich schwächste Gruppe bislang in dieser Entwicklung, denn sie haben die Verpflichtung, sich diesen Zuständen auszusetzen, ohne selbst über Ausweich- oder Veränderungsmöglichkeiten zu verfügen.
Zitat von Nicolo im Beitrag #50Bevor ich mich ins wahre Leben stürze, lasse ich euch noch dies da: In Frankreich besuchen 17-20% der SchülerInnen Privatschulen, die natürlich Einiges kosten. In Deutschland sind es (noch nur) 9%. Mal sehen, ob irgendwer auf Ideen kommt, worin wohl der größere Zusammenhang zwischen diesen Zahlen und den immer weiter kaputtgesparten staatlichen Schulen in Frankreich sowie der offenbar mittlerweile sehr großen Wut der Betroffenen besteht.
Zitat von sprachlos im Beitrag #35[...]solche Sachen passieren eben, [...]
Solche Aussagen finde ich furchtbar.
Wenn man zur Tankstelle marschiert und sich für eine Protestveranstaltung mit Benzin eindeckt, dann ist das nichts, was "passiert". Das sind sehr planvolle Handlungen. Und man nimmt billigend in Kauf nimmt, dass Menschen schwerste Verletzungen, unaushaltbare Schmerzen, monatelange Folter erleiden. Es gibt kaum etwas Schlimmeres als Verbrennungen.
Und man erzähle mir jetzt nicht, dass da Leute mit Benzin hantieren, denen der Zusammenhang zwischen Brandbeschleuningern, Bränden und Verbrennungen nicht klar ist.
Zitat von verveine-citron im Beitrag #42💕 Merci beaucoup, @print für #36 für jedes Wort deines Posts - Du nahmst mir die Worte. aus der Feder!
@ Iphigenie : Du warst anscheinend noch nie in einer normalen! 🇫🇷 oder 🇧🇪 Schule: leider kein Vergleich mit einer vernachlässigten 🇩🇪 Schule, die es ja ebenfalls gibt. Du weisst nichts, außer künstliche Aufregung ‘bei jeder neuen Sau im Dorf’ 🥱
Doch, tatsächlich war ich und das schon öfter in den letzten Jahrzehnten!
Denn ich hatte ein "Bonuskind" in Frankreich und das hat dort seine komplette Schulzeit absolviert und war insgesamt auf ca. 6 Schulen. "Unser Schulkind" war dort ab Kindergartenalter und hatte Migrationshintergrund und erstmal keine perfekten Sprachkenntnisse. Sie hat wegen Umzügen dann auch mehrfach die Schulen gewechselt und es war ein ganz schönes hin und her.
Aber, was ich so mitbekommen habe, war es zwar anstrengend aber ich dachte eigentlich oft: besser als in Deutschland.
Man kümmert sich intensiver, hat besseres Feedback, Trimesterberichte, Zeugnisse die mehr aussagten, ein vielfältiges sportliches Angebot, Schulkantinen, die selber kochten, usw. Ich fand die Lehrer dort oft recht engagiert ... so mein pers. Eindruck! Eher ländliche Region!
Studiert hat die Tochter meines Mannes dann aber nicht mehr in Frankreich. Das wollte sie nie!
Außerdem dachte ich, es kommen fast doppelt so viele Schüler zum franz. Abitur als z.B. vergleichsweise bayrische? Das franz. Schulsystem verhilft auch aktuell immer noch viel mehr Schülern zu höheren Schulabschlüssen als wir hier bei uns???
Zitat von Sariana im Beitrag #43print, auch von mir vielen Dank. Ich kenne das französische Schulsystem nur in Teilen durch eine befreundete, nun pensionierte Lehrerin aus Frankreich. "Staatsdienerin" mit über Jahre hinweg befristeten Anstellungen, die Delegierungen gerne mit 50 km Anfahrtstrecke einfach. Unterrichtsmaterial aus eigener Tasche bezahlt, Austauschfahrten und Praktika in Eigenregie organisiert, inklusive Klinkenputzen.
In Frankreich hat das Schuljahr begonnen – für 12 Millionen Schüler:innen und 850.000 Lehrkräfte. Ihre Bezahlung ist Wahlkampfthema. Der Konservative Édouard Philippe verspricht Gehaltserhöhungen von 20 %, Raphaël Glucksmann, Kandidat der Linken, 10 %. Kritik von Gewerkschaften gibt es schon lange. In Frankreich verdienen Lehrkräfte oft nur halb so viel wie in Deutschland. Quelle
Oft werden in den deutschen Medien "weniger" Pflichtstunden erwähnt, die das geringere Gehalt in F begründen sollen. Dann sollte man mal die Stunden betrachten, die unbezahlt sind und dennoch erbracht werden müssen: Für jedes Trimester "Zeugnisse", Zeugniskonferenzen, Korrekturen und Unterrichtsvorbereitung, Pflege der digitalen Klassenbücher und sonstigen Informationsquellen. Für "unterrichtsfreie Zeit" (in D Sommerferien) wird kein Gehalt bezahlt.
Edit: ergänzt
Da beschreibst du aber auch den Berufsalltag vieler dt. Lehrer und Lehrerinnen nach dem Referndariat. Die werden oft ja auch nur befristet eingestellt und so die ein Gehalt über die Sommerferien wünschen, müssen sie sich extra drum kümmern und bekommen dann vorab weniger ???
Zitat von verveine-citron im Beitrag #42💕 Merci beaucoup, @print für #36 für jedes Wort deines Posts - Du nahmst mir die Worte. aus der Feder!
@ Iphigenie : Du warst anscheinend noch nie in einer normalen! 🇫🇷 oder 🇧🇪 Schule: leider kein Vergleich mit einer vernachlässigten 🇩🇪 Schule, die es ja ebenfalls gibt. Du weisst nichts, außer künstliche Aufregung ‘bei jeder neuen Sau im Dorf’ 🥱
Jou. Empörungskultur at it's best.
Kennen wir ja schon.
Man darf aber schon noch Emotionen haben, so man mitbekommt, dass da gerade minderjährigeSchüler ihre Lehrer mit Benzin bespritzen ... in einer Atmosphäre wo Chaos herrscht und Feuerwerkskörper gezündet werden? Wie abgebrüht und herzlos müsste man wohl sein, um da nicht irgendwie "menschlich" und mit Gefühlen zu reagieren?
Schülerproteste in Frankreich laut Pariser Polizeichef „außer Kontrolle“:
Faure appellierte auch an die Verantwortung der Eltern. Außerdem hätten sich – so wörtlich – „professionelle Randalierer“ unter die Demonstranten gemischt. Bei den Protesten waren in dieser Woche mehr als 5.000 Menschen festgenommen worden. Die Behörden berichten von rund 600 verletzten Einsatzkräften. Innenminister Nuñez sprach von einer „Welle hemmungsloser Gewalt“ rund um die Schulen und machte unter anderem soziale Netzwerke sowie den Einfluss der linkspopulistischen Partei La France Insoumise (LFI) für die Mobilisierung mitverantwortlich. https://www.deutschlandfunk.de/schuelerp...trolle-108.html
Sorry, aber ich kann von mir tatsächlich sagen, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie solche extremen Bilder und Schlagzeilen rund um Schüler und Jugendliche und Schulen gelesen und gesehen habe. Nie! Never ever!
Ich finde diese Entwicklung wirklich bestürzend und sehr dramatisch ... für Frankreich.
Ich hoffe, wir sehen das nicht demnächst auch hier bei uns im Land - denn wir kennen all diese beschriebenen Missstände an dt. Schulen ja auch. Ich habe selbst auch noch ein Schulkind. Eines das sich seit Jahren sehr engagiert an der Schule und Ehrenämter übernimmt.
Und ich kann mir kaum vorstellen, wie sich in Frankreich nun aktuell an vielen Schulen Schüler und Lehrer noch weiterhin begegnen sollen, wie dort jetzt künftig gemeinsam Unterricht miteinander gemacht werden soll? Ich halte es für problematisch und denke, dort ist jetzt viel Angst und Belastung und Stress im zu erwartendem Schulalltag, nach solchen Vorkommnissen. Das stelle ich mir für alle Beteiligten nicht mehr einfach vor!
Du magst es Empörungskultur nennen, aber ich habe immerhin einen Strang über ein aktuelles Tagesgeschehen in das Forum gestellt, den viele User gerne angenommen haben! Hier wird jetzt geschrieben und diskutiert, weil ich mich ins Forum mit diesem Thema eingebracht habe und meine Fassungslosigkeit zum Ausdruck bringen wollte.
Zitat von Iphigenie im Beitrag #1 Und könnte das auch bei uns in Deutschland passieren, denn Frankreich ist unser Nachbarland und die Proteste sind schon nach Lüttich in Belgien "übergeschwappt"! Auch unsere Schulen hier im Land sind vielfach marode und auch unser Schulsystem ist nicht gerecht und wir kennen hier all jene Probleme, gegen die dort protestiert wird, an unseren Schulen ja auch schon länger ???
Ja, wir sollten unbedingt aus den Geschehnissen in Frankreich lernen und wieder eher linke Parteien wählen.
Dann stehen die Interessen der Bevölkerung auch wieder mehr im Fokus.
Auch wenn es eine linke Partei ist, die in der Kritik steht, diese Unruhen auch noch anzufeuern?
Ich pers. bin mir nicht sicher, ob nicht sogar Russland auf social media mitmischt und im Hintergrund hetzt und agiert und ein Interesse daran hat, Frankreich zu destabilisieren.
Den Gedanken mit Russland (und anderen) hatte ich auch. Frankreich ist eine der ältesten Demokratien der Welt. Und momentan gibt es auf dieser Welt leider viele Mächte, die ein großes Interesse daran haben, Demokratie zu destabilisieren, wo immer sie sie treffen können. Zumal Frankreich in meinen Augen nicht nur für Demokratie steht, sondern seit jeher auch für ein liberales, offenes Staatswesen, in dem das Individuum und seine persönlichen Freiheiten und Rechte im Alltag einen hohen Stellenwert genießen. Also das genaue Gegenteil von autokratischen Systemen.
Unterschiede zeigen sich besonders deutlich bei der Jugendarbeitslosigkeit. Nach den aktuellen verfügbaren Daten Unterschiede lag die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen in Frankreich im 2. Quartal 2026 bei 21,6 %. In Deutschland lag sie nach Eurostat bei 7,2 %.
Perspektivlosigkeit sollte m.E nicht unterschätzt werden. Auch Schüler haben Zukunftsängste.
@Iphigenie Ich zitiere noch einmal aus einem von dir eingestellten Link:
Zitat von Dordogne im Beitrag #5 Zu den Protesten in Frankreich: Aus einem der von dir zitierten Artikel: Vertreter der Gymnasiasten distanzierten sich von der Gewalt. "Es gibt Szenen der Gewalt, die absolut widerlich sind", sagte Nathanaël Combray von der Organisation "Renouveau Lycéen" nach einem Gespräch mit Bildungsminister Édouard Geffray. Combray rief die Gymnasiasten dazu auf, sich verantwortungsvoll zu verhalten. Sie sollten sich keiner Bewegung anschließen, die der eigenen Sache schade, sagte Combray mit Blick auf Unruhestifter.Louis Letoublon von der Organisation "Les Lycéens" sagte, die Taten würden nicht von Gymnasiasten, sondern von externen Personen begangen. Justizminister spricht von "gewalttätiger Minderheit"Justizminister Gérald Darmanin sagte gegenüber RTL Radio, die Proteste hätten sich zu einem Problem für die öffentliche Ordnung entwickelt. An den Ausschreitungen sei eine "aktive und gewalttätige Minderheit" beteiligt. Teilweise sei unklar, ob es sich überhaupt um Schüler handle.“ https://www.tagesschau.de/ausland/europa...kreich-100.html
Du schreibst:
Zitat von Iphigenie im Beitrag #57 Man darf aber schon noch Emotionen haben, so man mitbekommt, dass da gerade minderjährigeSchüler ihre Lehrer mit Benzin bespritzen ... in einer Atmosphäre wo Chaos herrscht und Feuerwerkskörper gezündet werden? Wie abgebrüht und herzlos müsste man wohl sein, um da nicht irgendwie "menschlich" und mit Gefühlen zu reagieren?
Gibt es einen Beleg dafür, dass „minderjährige Schüler“ die Täter waren? Das ist für mich eine Behauptung, die ich - angesichts früherer Randale in den Banlieus für möglich, aber nicht für bewiesen halte. Hat aber mit Randale, nicht mit Schülerprotesten zu tun. Und ich denke, dass es jeden graust, der davon liest. Der oben von mir zitierte Text zeigt, dass Vertreter der Schülerorganisationen sich davon distanzieren und es nicht bewiesen ist, dass Schüler die Täter sind. Das Zitat oben stammt übrigens aus einem deiner Links.
Du schreibst:
Zitat von Iphigenie im Beitrag #57 Ich hoffe, wir sehen das nicht demnächst auch hier bei uns im Land - denn wir kennen all diese beschriebenen Missstände an dt. Schulen ja auch. Ich habe selbst auch noch ein Schulkind. Eines das sich seit Jahren sehr engagiert an der Schule und Ehrenämter übernimmt.
Und ich kann mir kaum vorstellen, wie sich in Frankreich nun aktuell an vielen Schulen Schüler und Lehrer noch weiterhin begegnen sollen, wie dort jetzt künftig gemeinsam Unterricht miteinander gemacht werden soll? Ich halte es für problematisch und denke, dort ist jetzt viel Angst und Belastung und Stress im zu erwartendem Schulalltag, nach solchen Vorkommnissen. Das stelle ich mir für alle Beteiligten nicht mehr einfach vor!
(Hervorhebungen von mir)
Ich möchte dir die Erfahrungen deiner Schulbesuche aus Frankreich nicht absprechen. Allerdings ignorierst du @verveine-citrons Erfahrungen aus Belgien und viele Artikel, die Erfahrungen aus Frankreich berichten. Das Zitat unten zu den fehlenden Tischen und zusammenbrechenden Stühlen habe ich in verschiedenen Artikeln gefunden, Gegendarstellungen dagegen nicht.
„Lehrer solidarisieren sich bei Protesten in Frankreich mit Schülern
Die Lehrer verurteilen dieses Vorgehen und solidarisieren sich mit ihren Schülern, indem sieinzwischen mit ihnen auf die Straße gehen. Eine Lehrerin des Lycée Paul Eluard im Banlieue Saint Denis im Norden von Paris sagte der Tagesschau: „Uns fehlen Tische. Stühle brechen jeden Tag zusammen, es gibt ein riesiges Gefühl der Ungleichheit gegenüber den Schulen im Pariser Stadtzentrum. Aber wir streiken auch, weil es so krasse Polizeigewalt gegen unsere Schüler gegeben hat. Wir sind heute hier, um sie mit unserer Präsenz physisch zu schützen.“ https://www.fr.de/panorama/schuelerprote...r-94517054.html
Zitat von Lilith10 im Beitrag #60 Unterschiede zeigen sich besonders deutlich bei der Jugendarbeitslosigkeit. Nach den aktuellen verfügbaren Daten Unterschiede lag die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen in Frankreich im 2. Quartal 2026 bei 21,6 %. In Deutschland lag sie nach Eurostat bei 7,2 %.
Perspektivlosigkeit sollte m.E nicht unterschätzt werden. Auch Schüler haben Zukunftsängste.
@Lilith10 Unterschiede, ja Zwischen Deutschland und Frankreich, aber auch zwischen den benachteiligten Vorstädten und den gut ausgestatteten Schulen in den Stadtzentren. Die Benachteiligung beschränkt sich dabei nicht auf die Schulen.
Zitat von Lilith10 im Beitrag #60 Unterschiede zeigen sich besonders deutlich bei der Jugendarbeitslosigkeit. Nach den aktuellen verfügbaren Daten Unterschiede lag die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen in Frankreich im 2. Quartal 2026 bei 21,6 %. In Deutschland lag sie nach Eurostat bei 7,2 %.
Perspektivlosigkeit sollte m.E nicht unterschätzt werden. Auch Schüler haben Zukunftsängste.
@Lilith10 Unterschiede, ja Zwischen Deutschland und Frankreich, aber auch zwischen den benachteiligten Vorstädten und den gut ausgestatteten Schulen in den Stadtzentren. Die Benachteiligung beschränkt sich dabei nicht auf die Schulen.
Absolut. Überall auf der Welt kam und kommt es zu Gewalt und Exzessen, wenn zu große Ungleichheit herrscht.
Die landesweiten Demonstrationen richten sich gegen jahrelange Unterfinanzierung und geplante Budgetkürzungen der Regierung von Präsident Emmanuel Macron. Laut dem Haushaltsentwurf für 2027 soll das Bildungsbudget nur um 1,7 Prozent steigen, was unter der Inflationsrate liegt.
Das trifft dann alle. Nicht nur die, die eh schon lange betroffen sind.
Zitat von Iceman im Beitrag #59Den Gedanken mit Russland (und anderen) hatte ich auch. Frankreich ist eine der ältesten Demokratien der Welt. Und momentan gibt es auf dieser Welt leider viele Mächte, die ein großes Interesse daran haben, Demokratie zu destablilisieren, wo immer sie sie treffen können.
Und nach meiner Einschätzung schwinden die Abwehrkräfte der westlichen Demokratien, gegen solche Destabilisierungsversuche.
Die politische Mitte erodiert und es bleiben die extremen Ränder. Überspitzt: Ich glaube, dass die extreme politische Linke in den demonstrierenden Jugendlichen nicht viel mehr als nützliche Idioten sieht. Und dem Front National kommen Bilder von gewalttätigen Protesten ohnehin wie gerufen. Dann wird nach Härte und dem Knüppel gerufen und die verschreckte Bevölkerung nickt mit dem Kopf.
@luciernago Die Ausschreitungen haben dort begonnen. Der eingestellte Artikel zur Ausstattung der Schulen beschreibt die Situation dort, nicht im Zentrum, nicht in einer beschaulichen Kleinstadt. Randale begannen in den letzten Jahren oft in den Banlieus.
Übrigens: Die Schüler streiken auch, weil der Unterrichtsausfall so massiv ist. Ein Jahr kein Matheunterricht vor dem Abitur.
@Schreckgespenst Ja, die Politik möchte die Proteste instrumentalisieren. Bald sind Wahlen.
"Zumal Frankreich in meinen Augen nicht nur für Demokratie steht, sondern seit jeher auch für ein liberales, offenes Staatswesen, in dem das Individuum und seine persönlichen Freiheiten und Rechte einen hohen Stellenwert genießen."
Das ist die Theorie. Ich habe in einem Job ( bis 2013) die praktische Umsetzung in der Pädagogik von französischen Muttersprachlerinnen beobachten dürfen und mich gewundert. Eine beliebte Methode war 'auswendig lernen und repetieren können' und auch strenge Disziplin. Der ( ganz ruhig gesprochene) Satz 'Ich bin sicher, dass ihr nicht wollt, dass ich anfange, wütend zu werden/mich aufzuregen' reichte, um die Kinder stocksteif gerade sitzen zu lassen und still zu sein.
Und alle Kinder - ausnahmslos - erzählten mir von 'des claques' in der Erziehung durch die Eltern
Für mich passte das wenig zu 'fraternite, egalite und liberte'
Neustart, ich meinte es eher allgemein, nicht auf das Schulsystem bezogen. Also die individuelle Freiheit im Alltag, leben und leben lassen, und eine Kultur des ausgeprägten Individualismus.
Aber auch des "Ich lasse nicht alles mit mir machen!" Demos und Proteste haben in F eine lange Tradition, ich habe so einiges davon mitbekommen, da ich nahe der Place de la République wohnte, wo sehr oft die Abschlusskundgebungen der Demos stattfanden. Damals war es zwar laut und lebhaft, aber weitgehend friedlich.
Und zumindest das Unisystem habe ich ja auch mal ein Jahr erleben dürfen, insofern stimme ich dir zu.
Zitat von Lilith10 im Beitrag #68ot Wenn sich alle Parteien in die Mitte quetschen, treten sie sich dort nur gegenseitig auf die Füße. Das fällt Ihnen gerade auf ebendiese.
Jo. Und wenn man irgendwann ein Parteienspektrum hat, das überwiegend die Ränder bedient, dann steht am Ende eine Politik der Polarisierung, von der 2 - 4 % der Bevölkerung profitieren. Das ist zwar elitär und exklusiv, aber nicht wirklich hilfreich.
Zitat von Schreckgespenst im Beitrag #65 Die politische Mitte erodiert und es bleiben die extremen Ränder.
ot Wenn sich alle Parteien in die Mitte quetschen, treten sie sich dort nur gegenseitig auf die Füße. Das fällt Ihnen gerade auf ebendiese.
Ich empfinde es eher so, dass die Mitte von den Rändern getrieben wird. Für mich ist "Mitte" kein Punkt, sondern auch ein Spektrum - eines, in dem man noch zusammen kommen kann im Interesse der Sache. Es ist allerdings immer mehr Kompromisslosigkeit eingezogen, nicht nur in der Politik. Das wirkt sich dann überall in der Gesellschaft aus bzw. die Politik ist nur ein Spiegel.
Darauf kochen sich dann alle möglichen Interessengruppen ihr Süppchen und irgendwann eskaliert es. Das muss nicht einmal so gewollt sein aber die Dinge entwickeln irgendwann eine Eigendynamik.
Zitat von Schreckgespenst im Beitrag #65 Überspitzt: Ich glaube, dass die extreme politische Linke in den demonstrierenden Jugendlichen nicht viel mehr als nützliche Idioten sieht.
Das lässt aber Rückschlüsse auf den Erfolg des aktuellen Bildungs- und Erziehungswesen in Frankreich zu.
Kinder, die sich derart manipulieren lassen bzw. unkritisch in Extreme und Gewalt abgleiten, habe keine gute Bildung und Erziehung.
Das, was da in Frankreich gerade geschieht, zeigt auch auf, dass und wo vielfach Werte in einer Gesellschaft komplett verloren gegangen sind und die Jugend wirklich idiotisch und ohne Sinn und Verstand agiert!
Und ich meine damit selbstverständlich jetzt nicht diejenigen, die friedlich für mehr und gesicherte Mathestunden u.ä. demonstrierten ...
Zitat von Iphigenie im Beitrag #73Das, was da in Frankreich gerade geschieht, zeigt auch auf, dass und wo vielfach Werte in einer Gesellschaft komplett verloren gegangen sind und die Jugend wirklich idiotisch und ohne Sinn und Verstand agiert!
Und ich meine damit selbstverständlich jetzt nicht diejenigen, die friedlich für mehr und gesicherte Mathestunden u.ä. demonstrierten ...
Dann versuch doch, stärker zwischen "der Jugend", "den Schülern", "den Gewalttätern" und "den friedlichen Demonstranten" zu differenzieren.
Ich finde es wirklich nicht hilfreich, wenn das permanent munter durcheinandergeworfen wird.
Dass Menschen anfällig für Manipulation sind, zieht sich durch die Geschichte. Sonst hätten wir im vergangenen Jahrhundert nicht zwei Weltkriege gehabt.
Die Phase der Stabilität, die wir nach dem zweiten Weltkrieg in Europa hatten, ist menschheitsgeschichtlich ziemlich einmalig. Und ich fürchte manchmal, dass diese Stabilität immer mehr ins Wanken gerät.
Aber: ich versuche das wirklich und nun schon seit 3 Tagen!
Es gelingt mir angesichts der Bilderflut auf YouTube nicht wirklich, denn es scheint ineinander überzugehen. Die Gruppen sind nicht klar definiert und fließen ineinander über!
Ich sehe tausende von Jugendlichen der Generation X Frankreichs in den großen Metropolen ... und ein völlig entgleistes Demonstrationsgeschehen das eher an Straßenschlachten erinnert. Ich sehe Teenager ( junge Gesichter) die Hass brüllen und Feuerwehrleute anzünden und in Gruppen Polizisten treten und Sachbeschädigung begehen. Die Schäden gehen in die Millionen und es gibt hunderte von Verletzten ... Ich kann das live streamen und es bereitet mir tatsächlich Angst und Sorgen.