Am 17. 09. ist mein Vater gestorben. Er war 72 Jahre alt. Er war ein liebevoller Papa und Ehemann und unser Fels in der Brandung. Er hatte Spaß am Leben. Und jetzt ist er einfach nicht mehr da.
Er kam Mitte August ins Krankenhaus wegen starkem Schwindel. Er hat mich selbst übers Handy angerufen um mir zu sagen was los ist. Wir haben die ganze Woche auf WhatsApp geschrieben und telefoniert.
Meine Eltern wohnen in Bad Oeynhausen und ich in Bielefeld. Wenn ich sie besuchen wollte, hat mein Vater mich immer mit dem Auto abgeholt. Ich habe selber keinen Führerschein. Ich wäre auch mit dem Zug gekommen aber Papa hat jedesmal abgelehnt. Ich war aber auch ganz froh darüber, weil ich mit der Deutschen Bahn schon öfter gestrandet war.
Ich dachte, dass es vielleicht an der Hitze gelegen hat aber laut Papa konnten die Ärzte nicht rausfinden was los ist. Nach der zweiten Woche im Krankenhaus, in der die Ärzte immer noch keine Diagnose hatten bekam ich Angst. Papa, Mama und ich hatten die ganze Zeit Nachrichten geschrieben und telefoniert und beide schienen total gelassen. Ich erzählte meinem Chef was los ist (der vollstes Verständnis hatte), nahm eine Woche Urlaub und fuhr mit dem Zug zu meinen Eltern.
In dieser dritten Woche ging es mit Papas Gesundheitszustand plötzlich bergab. Ich kam am Freitag. Da war Papa sehr müde aber sonst normal. Er schlief immer mal wieder beim Reden ein. Sein behandelnder Arzt sagte uns dass die Erschöpfung durch Natriummangel verursacht wird und das irgendwas in seinem Körper das Natrium "frisst". Eine seiner Vermutungen war, dass Papa ein Lymphom haben könnte. Papa hat uns noch selbst getröstet. Er hat gesagt "Das ist noch kein Todesurteil."
In der nächsten Woche wurde Papa immer schwächer. Er schlief immer mehr. Am Mittwoch bekam er einen Sauerstoffschlauch. Am Donnerstag konnte er nicht mehr aufstehen. Als ich am Sonntag wieder zurück nach Bielefeld fuhr lag er nur noch schlafend im Bett mit Sauerstoffschlauch und Blasenkatheter und wenn er mal wach wurde wirkte er benommen.
In der Woche darauf bekam ich am Dienstag, 01.09., von Mama morgens die Nachricht das Papa auf die Intensiv Station verlegt wurde. Eine kleine Info zu mir: ich habe Depressionen und Papa im Krankenhaus zu sehen hat mich völlig fertig gemacht. Ich hatte in der Woche zuvor schon geplant, mich um einen Platz in der Psychiatrie zu kümmern. An diesem Tag konnte ich nicht mehr. Ich hatte zum Glück an diesem Tag einen Termin bei der Psychiatrischen Ambulanz und dort hat man mir eine Überweisung für die Klinik ausgestellt. Ich kam auf die Station zur Krisenintervention.
Ich habe jeden Abend mit Mama telefoniert und auf WhatsApp geschrieben. Papas Schwester [...] hat ihn auch regelmäßig besucht und Mama beigestanden. Ihre beiden Schwestern waren auch für sie da. Das war das einzige was mich etwas getröstet hat. Mama sagte mir dass Papa wegen einer Blutvergiftung auf der Intensiv Station liegt. Dass er eine Harnwegsinfektion gehabt hatte die er selbst nicht bemerkt hat (laut den Ärzten können die auch schmerzlos sein), sodass sich die Viren ausbreiten und eine Blutvergiftung verursachen konnten.
Am 15.09. sagte Mama mir am Telefon dass die Ärzte nichts mehr für Papa tun können und dass wir uns darauf gefasst machen sollen das er bald einschläft. Am 16.09. entließ ich mich selbst aus der Klinik. Ich musste zuerst das Personal davon überzeugen, dass ich mir nichts antun würde, was nicht einfach war, da ich mit den Nerven am Ende war. Sie haben mir geglaubt und ich durfte gehen. Zuerst in meine Wohnung um meine Sachen zu packen. Dann zum Bahnhof und zu meinen Eltern. Als ich zwischen vier und fünf zu Hause ankam war ich völlig erschöpft. Mama hat gefragt ob ich zu Papa will aber ich hatte keine Kraft mehr. Ich wollte nur eine Nacht schlafen und dann am nächsten Tag zu Papa. Am Morgen des 17.09. kam Mama zu mir ans Bett und sagte "Ich habe ganz schlechte Nachrichten." und ich wusste sofort was es war.
Ich bin völlig fertig. Es fällt mir immer noch schwer zu glauben das das tatsächlich passiert ist. Es kam einfach aus dem Nichts. Papa ist einfach in ein paar Wochen gestorben. Ich verstehe nicht, wie die Ärzte die Harnwegsinfektion selber nicht bemerkt haben wenn sie laufend Tests gemacht haben um herauszufinden was mit Papa los ist. Röntgen, CT, Magenspiegelung, Darmspiegelung, Abnahme von Blut und Flüssigkeit aus dem Rückenmark. Wie können die nicht gemerkt haben was los ist?
Im Moment versuche ich nur irgendwie die Tage rumzukriegen. Nachts werde ich meistens ruhiger. Ich halte mich dann wach, einfach um eine kleine Pause zu haben. Tagsüber weiß ich nicht was ich machen soll. Ich bin seit Papas Tod krank geschrieben und bei meiner Mutter. Tagsüber sitze ich meistens nur herum oder gehe spazieren. Es ist eine kleine Erleichterung wenn es dunkel wird. Ich weiß nicht wie ich damit klar kommen soll.
ich weiss, wie du leidest und wie weh dir im Inneren alles tut.
Es kenne nichts, was dich jetzt trösten könnte, ich kann dir nur schreiben, dass ich ahne, wie es dir im Moment geht
Es ist ja ganz furchtbar traurig, dass dein Papa gestorben ist. Ich habe mitgeweint, als ich deinen Bericht gelesen habe und schicke dir meine tiefste Anteilnahme für deinen grossen Verlust.
Auch kann ich gut verstehen, dass du jetzt erstmal nicht mehr weisst, wie es weitergeht und wie du mit dem Verlust klarkommen sollst. Ich habe damals recht lange abends nach der Arbeit geweint, als mein Papi gestorben ist, obwohl er noch älter war als dein Papa.
Eigentlich gibt es gar keine Worte, die dir die Trauer um deinen geliebten Papa leichter machen könnten, doch ich kann mit dir mitfühlen und mich sehr gut daran erinnern, wie es bei mir war, als geliebte Menschen mich verlassen haben.
Für mich fühlte es sich damals so an, als würde ich nie mehr aus dem tiefen Loch rauskrabbeln können ... und dann habe ich geschrieben ...damals noch im Brigitte Forum ... jeden Tag und über alles, was ich dachte, fühlte, was mir so zu schaffen machte und mir schwer auf der Seele lag. Irgendwie hat mir das geholfen, die erste Trauerzeit zu überstehen, und ich bekam von lieben Mitschreibenden Trost, Mut und Kraft geschickt und zugesprochen.
Mehr kann ich im Moment nicht schreiben, mir fehlen weitere Worte ... innerlich bin bei dir und wenn du es möchtest, umarme ich dich und du lässt die Tränen fliessen, sie laufen ja sowieso ... man sagte mir damals: weine soviel du kannst, Tränen reinigen die Seele ...
Liebe Ramona, aus deinen Zeilen spricht sehr viel Liebe und Verzweiflung. Wenn ein Vater stirbt, zu dem man ein gutes Verhältnis hatte, zieht es einem erstmal den Boden unter den Füßen weg. Gib dir die Zeit, die du brauchst, Trauer ist wichtig! Du bist bei deiner Mutter, ich denke, das tut euch beiden gut.
Du mekst schon, so wirklich weiß ich nicht, was ich dir sagen soll. Aber ich möchte dich wissen lassen, dass du mit deinen Gedanken und deinen Gefühlen, die du vielleicht noch gar nicht mal so richtig einordnen kannst, nicht alleine bist. Viele fühlen mit dir.
Ich wünsche dir Mut, Kraft und Liebe und gebe dir noch ein Zitat mit auf den Weg. Der Verfassen ist leider unbekannt:
"Es gibt ein Leid, das fremden Trost nicht duldet, das sanft nur heilt die Zeit!"
Alles Gute für dich!
Die Toleranz wird ein solches Niveau erreichen, dass intelligenten Menschen das Denken verboten wird, um Idioten nicht zu beleidigen. (Dostojevski)
Liebe Ramona, danke, dass du deine Geschichte und deinen Papa hier mit uns teilst. Man spürt eure Verbundenheit deutlich. Es tut so weh, einen lieben Menschen zu verlieren, vor allem auch so unerwartet. Gib dir Zeit, alles muss nicht gleich verstanden werden. Aufschreiben hilft, erzählen hilft. Oder in den Wald gehen und schreien.
Alles Liebe und viel Mut.
"We can, in fact we must, continue to fight to make everything about society better, without destroying what's already great." Carrick Ryan, Australian political commentator
"We are all just walking each other home." Ram Dass, writer
auch ich möchte dir mein Beileid und gute Wünsche dalassen. Dass du von dem plötzlichen und frühen Tod deines Vaters geschockt bist, ist nur zu verständlich.
Aus allen deinen Zeilen spricht deine Liebe für deinen Vater, und die wird dir bleiben. Auch die Erinnerung an ihn und alles, was er für dich und eure Familie getan hat, wird dir immer bleiben.
Wenn es dir gut tut, schreibe hier hin und wieder. Manchmal hilft das in Worte fassen des Kummers beim Verarbeiten.
Alles Liebe für dich. 🪻
Virginia, Gisèle, Collien, danke für euren Mut! 🌹
************************************ Moderatorin in der Pandemie und Politik, bei der Nachhaltigkeit, beim Sozialen Engagement und den Festen, bei Klatsch & Tratsch, im Persönlichkeits-, Erziehungs-, Baby-, Familien- und Trauerforum, im Glücklicher leben, bei den Angehörigen, in der allg. Gesundheit, der Kindergesundheit und bei den Krebserkrankungen, in den Krisenbeziehungen, bei den Hobbies, der Photographie und bei den besonderen Ernährungsformen.
Liebe Ramona! Das tut mir wirklich sehr leid für dich. Es ist auf jeden Fall ein Schock, wenn ein sonst gesunder Mensch in so kurzer Zeit so abbaut und dann verstirbt. Wahrscheinlich gibt es für dich gerade wenig, was dich trösten könnte. Vielleicht hilft es dir, an die guten Zeiten mit ihm zu denken und dafür dankbar zu sein, auch wenn es unendlich weh tut, dass er jetzt nicht mehr da ist.
Bist du gläubig? Aus dem Glauben heraus kann man ja auch oft Trost und Zuversicht ziehen, alleine aus dem Gedanken heraus, dass der geliebte Mensch nicht einfach weg ist, sondern an einem guten Ort und man ihn wieder sehen darf an einem fernen Tag.
Mein Vater ist letztes Jahr im September gestorben. Er war zwar deutlich älter und hatte mind. 2 Stoffwechselkrankheiten, hatte aber auch Lebensfreude. Nach 4 Wochen Krankenhausaufenthalt war er tot. Ich habe insofern eine Idee, wie es Dir gerade ergehen muß. Die ersten Monate fühlt man sich erschlagen und wie im falschen Film. Irgendwann wird es etwas leichter. Ich wünsche Dir guten Zusammenhalt in der Familie, es tut schon auch gut, sich gemeinsam an schöne Erlebnisse mit dem Verstorbenen zu erinnern.
ich denke auch an Dich und Deine Familie. Herzliches Beileid für Euch alle zum Tod Deines Vaters. Letztes Jahr mussten wir uns von meinem Vater verabschieden, auch bei ihm ging es letztendlich schnell (allerdings war er älter und hatten erhebliche Vorerkrankungen inkl. Demenz). Ich trauere immer noch und merke, wie stark mich das ganze erschöpft hat. Trauer kann und darf dauern. Pass dabei auch auf Dich und Deine Gesundheit auf, Du bist sowieso schon angeschlagen.
Vielen vielen Dank für eure lieben Worte. Es hilft zu wissen dass ich nicht allein mit meinen Schmerzen bin.
Es ist immer noch sehr schwer. Sich wie im falschen Film zu fühlen ist eine sehr gute Beschreibung. Ich komme immer noch nicht damit klar wie plötzlich und schnell alles passiert ist. Mein Vater war nur etwas über 5 Wochen im Krankenhaus. In der Woche bevor er ins Krankenhaus kam, habe ich meine Eltern noch übers Wochenende besucht. Papa hat mich am Sonntag Abend zu meiner Wohnung gefahren. Es schien alles in bester Ordnung zu sein. Ich verstehe es einfach nicht.
Heute war ich in Bielefeld um mal in meiner Wohnung nach dem rechten zu sehen und um bei meinem Arbeitsplatz und meiner Hausärztin vorbei zu schauen. Ich hatte eigentlich einen Termin in der Psychiatrischen Ambulanz aber der wurde abgesagt. Ich bin trotzdem gefahren aus den genannten Gründen und auch so ein bisschen als Testlauf für mich selbst. Ich hab alles geschafft was ich schaffen wollte und ich war den ganzen Tag so ruhig. Ich war immer noch traurig aber nicht so sehr wie sonst. Die letzten drei Wochen war ich immer kurz vor dem heulen und heute nicht und das irritiert mich total. Es fühlt sich falsch an. Überhaupt fühlt sich alles komplett falsch an. So als ob ich in einer komischen Parallelwelt bin.
Ich war als Kind und Teenager mal gläubig aber irgendwann habe ich meinen Glauben einfach verloren. Ich finde das jetzt selbst ein bisschen schade. Ich bezeichne mich selbst als Agnostikerin. Ich will nicht dass Papa weg ist. Ein paar mal habe ich mit ihm gesprochen. Ich habe, wenn ich besonders traurig war, ausgesprochen was ich gedacht habe und mir vorgestellt das Papa zuhört. Ich habe jetzt einfach für mich beschlossen dass es ein Leben nach dem Tod gibt und Papa dort ist.
Das ist ja alles noch viel zu frisch, deine Gefühle und Gedanken sind total normal. Mach dir keinen Druck, wie du zu fühlen hast oder solltest.
Meine Mutter kam vor einigen Jahren Ende April ins Krankenhaus und starb Anfang Juni, nachdem es ihr erst besser ging. Das war Achterbahn hoch drei für alle Beteiligten, mit vielen Nachwehen.
Trauer ist ein weites Feld, ist für Jeden anders und verändert sich ständig. Ich vergleiche es immer mit einer Welle, die plötzlich ankommt und die ich dann surfen muss. Tränen sind nicht immer wichtig, du hast ihn ja nicht weniger lieb oder vermisst ihn nicht weniger, wenn du nicht weinst. Manchmal muss der Körper sich auch ausruhen.
Schreiben und Reden ist eine gute Idee. Ich glaube auch, dass er dir zuhört.
"We can, in fact we must, continue to fight to make everything about society better, without destroying what's already great." Carrick Ryan, Australian political commentator
"We are all just walking each other home." Ram Dass, writer
Ich muss euch einmal etwas fragen: Ich bin noch bis morgen krank geschrieben und muss mir dann eine neue Krankschreibung holen. Wie lange kann ich mich noch krank schreiben lassen? Ich will noch etwas Zeit in der Wohnung meiner Eltern verbringen. Ich will Mama nicht alleine lassen. Ich weiß nicht ob ich schon alleine in meiner Wohnung sein kann.
Ich weiß selber nicht wie viel Zeit ich brauchen werde. Ich kann es einfach nicht sagen. Wisst ihr wie lange ich die Krankschreibung verlängern lassen kann?
Zitat von Ramona im Beitrag #14Ich muss euch einmal etwas fragen: Ich bin noch bis morgen krank geschrieben und muss mir dann eine neue Krankschreibung holen. Wie lange kann ich mich noch krank schreiben lassen? Ich will noch etwas Zeit in der Wohnung meiner Eltern verbringen. Ich will Mama nicht alleine lassen. Ich weiß nicht ob ich schon alleine in meiner Wohnung sein kann.
Ich weiß selber nicht wie viel Zeit ich brauchen werde. Ich kann es einfach nicht sagen. Wisst ihr wie lange ich die Krankschreibung verlängern lassen kann?
Erstmal mein aufrichtiges Beileid 🌹 Bist du denn irgendwo fest angestellt ? Es liegt im Ermessen des Arztes wielange er dich arbeitsunfähig schreibt. Vielleicht empfiehlt er dir auch wieder in die Klinik zu gehen. Dort bist du in einem geschützen Raum. Um deine Mama brauchst du dir sicherlich keine Sorgen machen.
ich arbeite wegen meiner Depression in einer Werkstatt für behinderte Menschen. Ich war am Dienstag schon einmal da und habe mit meinem Vorgesetzten dort gesprochen. Er hält mich selbst noch nicht für arbeitsfähig. Ich habe aber keine Ahnung, ob er mir irgendwie helfen kann, wenn ich nicht mehr krank geschrieben bin.
In die Klinik möchte ich nicht zurück, weil man mir dort nicht helfen konnte. Ich muss aber dazu sagen, dass ich in der Abteilung für Krisenintervention war. Da waren viele Borderline Patienten. Ich hatte ein Therapie Gespräch in der Woche und sonst nur Entspannungskurse. Ich hab mehrmals gefragt ob ich auf die Station für Depression verlegt werden kann und wurde darauf hingewiesen dass die eine Warteliste hat. Ich könnte aber schon mal ein Vorstellungsgespräch dort machen und dann halt warten.
Das einzige andere was mir gerade einfällt ist, in der Psychiatrischen Ambulanz nachzufragen. Die haben mich während einer Krise vor drei Jahren schon einmal für mehrere Monate krank geschrieben. Ich werde morgen auch da anrufen.
Ja, mach das. Geh hin und Schilder denen das es dir schlecht geht und du um Hilfe bittest. Es ist viel Wert wenn du von dir aus Hilfe suchst. Ich drück dir die Daumen 🍀