Heute, mitten im Abendessen hatte ich sowas wie eine Erleuchtung.
Ich habe eine (wusste gar nicht, dass ich eine habe) große Urangst. Nämlich meinen Partner von einem Moment auf den andren zu verlieren. Indem er zB sagt, ich will mich trennen oä.
Es gibt dazu überhaupt keinen Anlass, und doch war mir auf einmal klar, davor fürchte ich mich insgeheim zutiefst. Dass ich nichts gemerkt, gespürt habe.
Kennt das noch jemand?
Menschen können nicht irgendein Leben führen, sondern nur ihr eigenes. Remo Largo
Als meine Ehe langsam und schleichend in die Brüche ging, hatte ich Angst davor, wieder alleine sein zu müssen - damals mit 2 Kindern, die 8 und 12 Jahre alt waren. Ich hatte Angst, es alleine nicht zu "schaffen".
Als ich meinen 2. Ehemann kennenlernte und mit ihm nach einer kleinen Weile auch zusammenkam, also als ich mich dann doch auf ihn einließ, hatte ich ganz diffuse Ängste, dass ihm etwas passiert, dass er einen Unfall hat oder ähnliches und dass er dann plötzlich nicht mehr da ist und wieder alleine bin. Es dauerte lange (1,5 - 2 Jahre?), bis dass ich innerlich ruhiger wurde und für mich das Vertrauen entwickeln konnte, dass eben nicht unbedingt was passiert.
Am Ende meiner 2. Ehe bin ich in eine "fette" Erschöpfungsdepression "gerasselt", in dessen Folge ich unter anderem auch meine "Elterngeschichte" aufgearbeitet habe. Da kamen dann Erinnerungen aus meiner Kindheit hoch. Ich erinnerte mich daran, dass ich bereits als Schulkind große Angst hatte, dass meiner Oma oder auch meinem Vater etwas passieren könnte. Zu meinem Vater hatte ich bis zu meiner ersten Ehe einen sehr guten Draht, aber meine Oma war ein Stück weit mein gefühltes "Zuhause". Heute weiß ich, dass diese Ängste alle ihre Ursachen hatten, ich komme aus einem etwas seltsamen Elternhaus mit etlichen verschleppten Traumata (oder sollte ich sagen "posttraumatische Belastungsstörungen" und einer daraus resultierenden eingeschränkten Bindungsfähigkeit?) seitens meiner Großeltern und Eltern.
Ich hatte immer Angst vor dem Alleinsein und weiß heute auch, dass diese Angst auf einem nicht gut entwickelten "Urvertrauen" beruht. Da ist bei mir im Baby- und Kleinkindalter das eine oder andere nicht gut gelaufen.
Aber erst nachdem ich noch einmal wirklich "bedingungslos" vertraut und entsprechend massiv auf die Nase gefallen bin UND es trotzdem geschafft habe, haben sich diese Ängste gegeben. Heute habe ich diese Angst nicht mehr.
Auch wenn ich es überhaupt nicht mag, alleine zu leben, weiß ich heute, dass ich es kann. Nicht gut, und es geht mir damit auch nicht gut, aber es geht, es ist auszuhalten.
Kannst du mit deinem Partner über deine Angst sprechen oder ist er damit eventuell überfordert?
Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben aber muss man es vorwärts (frei nach Sören Kierkegaard)
Zitat von Hobbitfrau im Beitrag #1Heute, mitten im Abendessen hatte ich sowas wie eine Erleuchtung.
Gab es denn einen Anlass? Zum Beispiel etwas, das Dein Partner gesagt hat? Was Du eventuell falsch interpretiert hast?
Ein paar Eckdaten wären hilfreich. Seid Ihr schon lange zusammen/verheiratet? Gab es in der Vergangenheit Gründe, ihm nicht (mehr) zu vertrauen?
Meinst Du, Du würdest Dich ohne den Partner wertlos fühlen?
Eine stark ausgeprägte Verlustangst zeigt sich ja auch durch entsprechendes Verhalten, dessen man sich vielleicht gar nicht so bewusst ist.
Fragst Du immer wieder nach, ob er Dich noch liebt? Siehst Du bei Dir Kontrollverhalten, indem Du genau wissen möchtest, was er gerade macht? Vermeidest Du bewusst Streit und Auseinandersetzungen, um keine Trennung zu riskieren?
Zitat von Teetante im Beitrag #3 Kannst du mit deinem Partner über deine Angst sprechen oder ist er damit eventuell überfordert?
Ich persönlich denke nicht, dass es eine gute Idee ist, den Partner damit zu konfrontieren.
Würde nämlich bewirken, das er sich ständig in der Pflicht fühlt, ihr zu versichern, dass ihre Ängste völlig unbegründet sind. Das stelle ich mir anstrengend vor, geradezu ein Liebes-Killer. Und es wäre immer eine Momentaufnahme, denn echte Garantie gibt's nun mal nicht.
Viel effektiver: wirklich am Selbstvertrauen arbeiten, eventuell mit therapeutischer Unterstützung.
@Teetante du wirst lachen, als mir das durch den Kopf ging, überlegte ich kurz, sag ich gleich was? Und dann aber auch schnell, nein, das wäre jetzt nicht passend. Aber prinzipiell könnte ich es schon, wenn es mir wichtig wäre, ich kann ihm alles sagen.
@schafwolle nein, wie geschrieben, es gab keinen Anlass, das schoss mir so einfach durch den Kopf. Vielleicht war ich auch deswegen so durcheinander. Wir sind 35 Jahre verheiratet und ich fühle mich absolut geborgen bei ihm. Deine Fragen kann ich alle verneinen.
Deshalb wundere ich mich über mich, was da plötzlich über mich kommt. Es hat mich nichts Konkretes getriggert. Auch bei heutigem Drübernachdenken spüre ich, ja, da ist so eine Grundangst, dass plötzlich das Aus kommt und ich gar nichts machen kann, dem ausgeliefert bin.
Ich bin eher die Unruhige und er der ruhende Pol, aber anscheinend arbeitet es da im Unterbewusstsein.
Menschen können nicht irgendein Leben führen, sondern nur ihr eigenes. Remo Largo
Vielleicht kannst Du die "Urangst" auch ein klein wenig als Chance sehen, nach dem Motto "hope for the best but prepare for the worst"?
Wenn Du Dir den schlimmstmöglichen Fall vorstellst, der passieren kann (z.B.Tod Deines Mannes) - wärest Du finanziell abgesichert? Könntest Du die Wohnung/das Haus halten? Falls ja, alles gut. Falls nein, wäre jetzt noch Zeit für maßgebliche Absicherungen!
Diffuse Ängste können ja den positiven Zweck haben, Dich wachzurütteln, um für Deine Unabhängigkeit vorzusorgen. Wenn Deine Partnerschaft dann noch weitere glückliche Jahrzehnte andauert, um so besser, ich wünsche es Dir!
Zitat von Hobbitfrau im Beitrag #1Heute, mitten im Abendessen hatte ich sowas wie eine Erleuchtung.
Ich habe eine (wusste gar nicht, dass ich eine habe) große Urangst. Nämlich meinen Partner von einem Moment auf den andren zu verlieren. Indem er zB sagt, ich will mich trennen oä.
Es gibt dazu überhaupt keinen Anlass, und doch war mir auf einmal klar, davor fürchte ich mich insgeheim zutiefst. Dass ich nichts gemerkt, gespürt habe.
Kennt das noch jemand?
Ich kenne das leider auch - und es ist passiert. Der GAU ist eingetreten, mein Lebensmensch ist gestorben.
Wir waren lang zusammen und ich hatte diese Angst im Hintergrund immer. Nicht, dass er mich verlassen könnte, aber dass er krank wird oder einen Unfall hat und stirbt.
Angst vor dem Alleinleben hatte ich allerdings nie. Ich leben auch jetzt schon lang allein, das Gefühl einer Art Heimatlosigkeit oder Entwurzelung habe ich aber noch immer, auch wenn ich gut im Leben zurechtkomme und eigentlich sogar gern allein lebe.
-------------------------- Zwischen Reiz und Reaktion liegt die Freiheit.
Zitat von Hobbitfrau im Beitrag #5 Wir sind 35 Jahre verheiratet und ich fühle mich absolut geborgen bei ihm. Deine Fragen kann ich alle verneinen.
Ich denke, fast alle Menschen haben solche Gedanken-Flashs, die die Urängste (wie eben tiefgreifende Verluste) berühren. In so fern ist das normal und würde mich an Deiner Stelle nicht weiter beunruhigen.
Gerade wenn es einem wirklich gut geht, dann ist die Vorstellung, dass dieser Status irgendwie beendet werden könnte, ohne dass man selbst Einfluss darauf hat, wirklich nicht ungewöhnlich.
Wenn es Dir wirklich ein Bedürfnis ist, kannst Du es ja bei Deinem Mann ansprechen. Vielleicht sind ihm solche Gedanken ja selbst nicht fremd.
Aber wie auch immer - keiner kann schließlich dem anderen irgend etwas verbindlich zusichern. Auch wenn es dramatisch klingt ... aber das Leben ist vom ersten Tag an eine große Unsicherheit.
In diesem Sinne: freu Dich einfach, dass Ihr es so gut mit einander habt :).
"Deshalb wundere ich mich über mich, was da plötzlich über mich kommt. Es hat mich nichts Konkretes getriggert. Auch bei heutigem Drübernachdenken spüre ich, ja, da ist so eine Grundangst, dass plötzlich das Aus kommt und ich gar nichts machen kann, dem ausgeliefert bin." Zitat von Hobbitfrau
Ich kenne das. Es ist eine Form der Angst vor dem Tod. Der Zeitpunkt wird kommen, wie auch immer, an dem es unweigerlich "Aus" ist.
"Wenn Sie die Art und Weise ändern, wie Sie die Dinge betrachten, ändern sich die Dinge, die Sie betrachten." Max Planck - deutscher Physiker und Nobelpreisträger 1858-1947
"Es ist nicht wie es ist, sondern so, wie Du denkst, dass es ist. "bifi
Ich weiß nicht, direkt Angst vor dem Tod könnte ich es nicht nennen.
Aber das Thema Tod ist ist immer mal Thema. Seit letztem Sommer sind 3 Personen gestorben, darunter meine Mutter und die Schwiegermutter. Da denke ich schon immer wieder dran.
Und ebenso Thema ist das Alter bzw Älterwerden von uns beiden. Zuhause sind wir einige Renovierungen angegangen, beschäftige mich mit - wie können wir hier bleiben, Vorsorgeunterlagen usw. , mein alter Vater zeigt in Vielem, wie ich nicht sein möchte ...
Vielleicht spielt das alles in mein Seelenleben rein.
Menschen können nicht irgendein Leben führen, sondern nur ihr eigenes. Remo Largo
Ich verstehe dich. Die Ängste kenne ich auch immer wieder. Und, da ein Mann dreimal von der Schippe gesprungen ist und, wir auch zweimal kurz vor der Trennung standen,kann ich die beiden Ängste mittlerweile unterscheiden.
Also, die Angst vor dem Eintreten und die, wenn die Situation fast real wird.
Ich versuche bewusst zu leben und bei solchen Gedanke (Angst vor dem Eintreten) mir zu überlegen, was mir dann fehlen würde und entweder überlegen,wie würde ich etwas lösen, bzw. Das Ggf. Fehlende intensiv zu genießen. Wichtig ist mir daraus keine "letzten Male " zu machen. Das ist dann kein Genuss mehr. Mir hilft es wieder in den Alltag zu kommen.
Ich kann das schlecht beschreiben.
******************************** Sagt es allen weiter - besonders den jungen Menschen: Werdet StammzellenspenderIn - rettet Leben! Spende geht oft über das Blut. * DKMS