Wer von euch nimmt am "Hausarztprogramm" teil und wie wichtig war das euren behandelnden Hausärzten?
Nach meinem Umzug habe ich mir eine neue Hausarztpraxis gesucht. Diese ist in Sachen "Hausarztprogramm" genauso lästig wie die alte, sogar noch hartnäckiger:
Bereits bei meiner (persönlichen) Terminvereinbarung wurde ich aufgefordert, zu unterschreiben. Ich bestand aber darauf, den Arzt wenigstens vorher kennen lernen zu wollen. Zudem wollte mir die MFA weismachen, dass ich das Programm jeden Monat kündigen kann (die Kündigungsfrist verschwieg sie).
Einige Stunden nach meinem Ersttermin im März hat mich die MFA sogar Zuhause angerufen: ich solle doch morgen noch mal vorbei kommen, um meinen Impfausweis abzugeben (Impfen wurde beim Erstgespräch nicht thematisiert) und die Teilnahme am Hausarztprogramm zu unterzeichnen.
Ich bin gespannt, wie lange ich mich verweigern kann. Seit März war ich nicht mehr dort und kann es noch nicht einschätzen.
Schlimmstenfalls kann dieser Hausarzt die weitere Behandlung ablehnen.
Nicht wegen des Nichtunterschreibens des Programmes (das darf er nicht), aber er könnte einen anderen Grund vorschieben (gestörtes Vertrauensverhältnis).
Übrigens gehe ich seit einigen Jahren nur noch selten zum Hausarzt und bin somit auch keine zeitintensive Patientin.
Meine Hausarztpraxis war da letztes Jahr auch sehr penetrant, zum Glück bin ich in einer KK die das gar nicht anbietet. Für mich tatsächlich ein guter Grund bei der Kasse zu bleiben.
@Polgara: Das wäre auch eine Möglichkeit, um dieser Penetranz zu entkommen (zumindest so lange, bis es nicht für alle Patienten eingeführt wird).
Meine Krankenkasse hat auf ihrer Seite Folgendes geschrieben:
"Die Teilnahme am TK-Hausarztprogramm (auch Hausarztmodell oder Hausarztvertrag genannt) ist freiwillig. Auch wenn Sie nicht an diesem Programm teilnehmen, werden Sie hausärztlich behandelt. Sie haben keine medizinischen Nachteile. Wenn Sie von Ihrer Praxis gedrängt werden, die Teilnahme-Erklärung zu unterzeichnen, melden Sie uns dies bitte an ...."
Ich kenne das tatsächlich gar nicht. Das heißt mir wurde noch nie das Hausarzt Programm angeboten oder gar auf genötigt. Kann das am BL liegen? Hydra ich würde den neuen Arzt direkt darauf ansprechen, dass du nicht teilnehmen möchtest. Damit wäre das ein für alle Mal geklärt. Falls das nicht akzeptiert wird ist er eh nicht der richtige. Ein Vertrauensverhältnis besteht bis dato ja noch gar nicht, nach einem Besuch. Gibt es bei dir so wenige Hausärzte die noch neue Patienten aufnehmen? Hast du keine Wahl?
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert.
Ja, leider gibt es kaum noch Hausärzte, die neue Patienten aufnehmen. Und ein Hausarzt sollte einigermaßen in der Nähe sein.
Bei der letzten Hausärztin hatte ich mich zu diesem Programm nötigen lassen und kam erst 2 Jahre später raus (ich hatte die Kündigungsfrist versäumt).
Für jede Überweisung (und manche waren am Quartalsanfang nicht absehbar, sonst hätte ich es alle drei Monate bündeln können) musste ich in diesen 2,5 Jahren mit dem ÖPNV hin fahren. Kostete mich jedes Mal 7 Euro.
Einmal musste ich sogar zwei Mal fahren, weil sie meine E-Mail mit dem Überweisungswunsch übersehen haben und spontan keine Überweisungen ausstellen.
Für neue Facharztrichtungen musste ich natürlich vorher mit der Hausärztin sprechen und zunächst bei ihr einen Termin vereinbaren.
Ich nehme am Hausarztprogramm teil und habe nur Vorteile davon, aufgrund einer chronischen Erkrankung habe einmal im Quartal eine Labor Kontrolle und alle 6 Monate eine spezifische Untersuchung. Ich kann die Termine dafür rechtzeitig vereinbaren und komme dann auch pünktlich dran. Befunde kann ich bei Bedarf in einer telefonischen Sprechstunde klären und Rezepte sowie Überweisungen erhalten ich schnell.
Die Erde hat Musik für diejenigen, die zuhören. WS
Ich nehme am Hausarztprogramm teil und finde es gut. Mit meinen chronischen Erkrankungen brauche ich die Ärztin öfter und finde es okay, dass sie aufgrund des Programms ein paar Euro mehr bekommt.
Bei mir ergaben sich gerade deshalb zu oft Nachteile.
Es gibt akute Geschehnisse im Rahmen meiner chronischen Erkrankung, die möchte ich lieber zeitnah und ohne Umweg mit meinem Facharzt besprechen. Mit Fieber bin ich dann auch zu schlapp, um vorher zum Hausarzt zu tingeln. Hausärzte haben leider nie leitliniengerecht gehandelt und kennen sich mit meiner Vorerkrankung zu wenig aus. Das hat mir in der Vergangenheit schon zwei Mal einen stationären Aufenthalt mit Reserveantibiotika eingebracht.
Ich nehme nicht daran teil, und wusste bis eben gar nicht, was das ist. Meine Hausärztin hat es nie erwähnt. Im letzten halben Jahr war ich ohne ÜW bei vier Fachärztinnen.
Das, was Lemon beschreibt, gibt es in unserer Hausarztpraxis auch so.
Ich sehe nur Nachteile - und das Drängen und Nötigen geht gar nicht.
Zitat von Hydra im Beitrag #1 Schlimmstenfalls kann dieser Hausarzt die weitere Behandlung ablehnen.
Nicht wegen des Nichtunterschreibens des Programmes (das darf er nicht), aber er könnte einen anderen Grund vorschieben (gestörtes Vertrauensverhältnis).
Liebe Hydra, ich denke nicht, dass er das tun wird. Möglicherweise hat er auch einfach eine besonders beflissene MFA am Empfang, der (klingt jetzt ein bißchen böse) dies als Routine eingebläut wurde und die jedesmal gelobt wird, wenn .. (und ja, auch ich wünsche mir Anerkennung vom Chef).
Ich würde ihm das, was du weiter unten schilderst (akute Beschwerden oft ohne Möglichkeiten für die Überweisung herumzureisen) erklären, und vielleicht dazu (wieder bissl böse) mit treuem Augenaufschlag nachdrücklich sagen "ich vertraue Ihnen völligst".)
Ein bißchen ärztliche Empathie sollte doch vorhanden sein. Ich habe dieses Modell auch abgelehnt, bin nicht rausgeflogen. Aber auch bei mir vor dem check-up ein Anruf "bitte unbedingt Ihren Impfpass mitbringen" - "da steht nichts drin außer Corona" - "trotzdem".
@Hydra Ich verstehe dich gut. Ich werde auch ungerne zu etwas genötigt. Andererseits - die Sache mit den Überweisungen wird sich eh ändern, wenn die Gesundheitsreform durch ist. Da soll es dann nur noch bei bestimmten Fachärzten ohne Überweisung gehen.
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert.
@Timeless Das befürchte ich auch, dass noch in dieser Legislaturperiode ein verbindliches Primärarztsystem für alle eingeführt wird. Jedenfalls steht es weit oben auf der Agenda von Frau Warken und dann habe ich ohnehin keine Wahl mehr.
Ich gebe zu , dass ich trotz des Hausarztmodells zu bestimmten Fachärzten auch ohne Überweisung gehe. Wenn etwas dringend ist, will ich nicht vorher erst zum Hausarzt müssen.
Zum Gynäkologen und Augenarzt kannst du ja immer ohne Überweisung gehen, auch im Hausarztprogramm.
Und wenn du zu anderen Fachärzten ohne Überweisung gehst, kannst du aus dem Programm rausgeschmissen werden und meines Wissens nach kann deine Krankenkasse Honorare von dir zurückfordern.
Aber wenn das bei dir bisher nicht eingetreten ist, dann ist es vielleicht nur eine leere Drohung.
Aus diesem Grund bekomme immer am Quartalsanfang eine Überweisung für meinen Facharzt. Wenn ich ihn brauche kann ich somit gleich hingehen ohne erst zum Hausarzt zu müssen.
Die Erde hat Musik für diejenigen, die zuhören. WS
Wie funktioniert das, Lemon? Eine normale Überweisung gilt doch nur 2 Wochen.
Edit: erledigt, da scheint sich was geändert zu haben...
Es wäre schon viel geholfen, wenn jeder einfach "nur" seine Arbeit machen würde, aber die wirklich großartigen Dinge auf dieser Welt geschehen nur, weil jemand mehr tut, als er muss.
@Puls Nein, da gibt es keine Ausnahme. Ob du konsequent aus dem Programm rausgeschmissen wirst, wenn du ohne Überweisung gehst, weiß ich nicht. Ich hatte mich das nie getraut, als ich noch im Hausarztprogramm war.
@Bri-Eule Eine Überweisung gilt für ein Quartal. Unter bestimmten Umständen sogar quartalsübergreifend.
@Lemon In meinem Fall ist das Problem, dass Hausärzte oft selbst behandeln wollen statt zu überweisen und ich dann diskutieren muss, dass ich mit einer Nierenbeckenentzündung (Folge meiner chron. Erkrankung) besser bei einem Urologen aufgehoben bin.
Vielleicht lag es neben der Unkenntnis über die Leitlinie auch an der Budgetierung, dass ich mit drei verschiedenen Hausärzten bereits die Erfahrung machen musste, dass sie vor der Antibiose nicht mal ein Antibiogramm in Auftrag geben wollten und mir als kalkulierte Antibiose nur ein Single-Shot-Antibiotikum andrehen wollten.
(2025 wurde übrigens die Budgetierung bei Hausärzten aufgehoben: einen Rahmen gibt es noch, aber Hausärzte haben nun mehr Möglichkeiten....vielleicht verändert sich dann einiges zum Positiven)
Bei den üblichen Vorsorgeuntersuchungen (Gesundheits-Check-up) beim Hausarzt habe ich irgendwann keinen Sinn mehr gesehen. Wenn bestimmte Werte auffällig waren, oft auch wiederholt, hieß es immer: das hat man schon mal.
Wer im Hausarztmodell ist, kann erweiterte Vorsorgeprogramme in Anspruch nehmen - und der Hausarzt kann öfter abrechnen. Aber für mich als Patientin sollte es einen Nutzen haben und nicht nur eine oberflächliche Einordnung nach sich ziehen.
Es wäre schon viel geholfen, wenn jeder einfach "nur" seine Arbeit machen würde, aber die wirklich großartigen Dinge auf dieser Welt geschehen nur, weil jemand mehr tut, als er muss.
Hier eine Stimme fürs Hausarztprogramm. Ich bin drin und hab nur positive Erfahrungen. Und ich bezweifle stark, dass der HA während des Gesprächs/Behandlung weiß, ob Frau Hydra nun im HA Programm ist oder nicht.
@Genny Das sieht der Arzt in seiner Praxissoftware. Ich weiß nicht, wie es bei deinen Ärzten ist, aber meine sitzen während des Gespräches immer an ihrem Bildschirm und tippen direkt mit. Bei Freitextdiagnosen werden direkt Codierungen vorgeschlagen.
Und natürlich ist in der Software auch hinterlegt, ob der Patient im Hausarztprogramm ist, inklusive Teilnahmebeginn.
Zitat von Hydra im Beitrag #18@Puls Nein, da gibt es keine Ausnahme. Ob du konsequent aus dem Programm rausgeschmissen wirst, wenn du ohne Überweisung gehst, weiß ich nicht. Ich hatte mich das nie getraut, als ich noch im Hausarztprogramm war.
Danke, @Hydra - das würde mich auch nerven, obwohl ich grundsätzlich die Hausarzt-Idee gut finde und ohne das Programm weitestgehend praktiziere.
Vielleicht gehst Du erst einmal weiter so zu dem Arzt und schaust, wie er so drauf ist? Ich hatte erst überlegt, ob man ggf. ein paar frankierte Umschläge dort abgibt für die Zusendung der Überweisungen, aber die brauchen ja die Chipkarte ...
Zitat von Genny im Beitrag #20Hier eine Stimme fürs Hausarztprogramm. Ich bin drin und hab nur positive Erfahrungen.
Ja, ich auch. Wir besprechen immer, ob sie zunächst die Behandlung übernehmen soll, oder ob ich gleich zum Facharzt will. Und ich bekomme sehr schnell Termine bei neuen Fachärzten mit ihrer Hilfe. Ich habe auch den Eindruck, dass ich, wenn ich mal ohne Termin komme, recht schnell drankomme. Ich sehe bislang jedenfalls keine Nachteile.
Zitat von Hydra im Beitrag #1 Einige Stunden nach meinem Ersttermin im März hat mich die MFA sogar Zuhause angerufen: ich solle doch morgen noch mal vorbei kommen, um meinen Impfausweis abzugeben (Impfen wurde beim Erstgespräch nicht thematisiert) [...]
Das ist DEIN Impfausweis - von wegen abgeben! Den kannst Du beim nächsten Mal mitbringen und durchschauen lassen, ob etwas fehlt bzw. aufgefrischt werden sollte. Ich nehme den immer durekt nach dem Termin wieder mit.