Ich folge außer Konkurrenz der guten Hillie-Tradition und liefere auch einmal einen Reisebericht in mehreren Folgen ab. Ich hoffe, ihr habt Freude daran. Die ersten Tage waren sehr dicht, daher ist Teil 1 recht lang, anschließend wird es wahrscheinlich weniger zu berichten geben.
Unsere Rundreise mit Bahn und Bus durch Bulgarien
1. Tag - Anreise: Der Flug nach Sofia landete fast pünktlich kurz nach 20 Uhr und unser Gepäck lag auch relativ zügig auf dem Abholband. Dann ging es mit der Metro in die Innenstadt und nach ca. 20 Minuten Fahrt mit einem Umstieg kamen wir an unserem Ziel an. Die Metrozüge in Sofia wirken einfacher als die gewohnten, sind aber absolut sauber und fahren schnell. Unsere Vermieterin erwartete uns am Eingang zu dem Haus, in dem unser Apartment für die ersten drei Nächte in Bulgarien lag. Unsere Wohnung war sehr ansprechend und mehr als ausreichend ausgestattet.
2. Tag – Sofia: Am Morgen sind wir erst mal wieder Richtung Metrostation gegangen und haben überlegt, ob wir dort bei einem Bäcker frühstücken. Wir haben uns dann aber für einen Einkauf bei Billa entschieden und in unserer Wohnung gefrühstückt. Wie wir später erfahren haben, sind die großen Ketten in Bulgarien sehr präsent (Billa, Lidl, Kaufland, dm und andere), im Sortiment sind aber auch viele bulgarische Produkte, Kaufland hat zu 90% Waren aus Bulgarien. Bulgarische Supermarktketten haben oft kleinere Geschäfte. Für den Einkauf von Obst und Gemüse gibt es überall Märkte und einzelne Stande und dann viele kleine Läden, die jeweils eine Produktgruppe bedienen, wie Metzger, Bäckereien, Fischgeschäfte, Öl und Oliven, Käse und Milchprodukte, das Trockensortiment (Mehl, Zucker, Reis, Hülsenfrüchte usw.), Nüsse und Trockenobst usw.
Die Organisatorin unserer Rundreise, die Mitarbeiterin eines Reisebüros in Sofia, kam wie verabredet zu 10 Uhr zu unserem Apartment und übergab uns die Unterlagen für unsere Rundreise mit einigen Instruktionen. Anschließend führte Sie uns knapp zwei Stunden zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten im Zentrum von Sofia und gab uns einen kleinen Einblick in die Geschichte Bulgariens und der Stadt. Sie hat das sehr informativ und locker gemacht, so dass es richtig Spaß machte. Geführt mit teilweiser Innenbesichtigung wurden wir unter anderem zur Alexander-Nevski-Kathedrale (bis vor wenigen Jahren die größte orthodoxe Kirche auf dem Balkan und immer noch eine der größten auf der Welt), Banja-Baschee-Moschee aus der Zeit der osmanischen Besatzung, dem Alexander Vasov Theater und einer bis in die 60er Jahre betriebenen öffentlichen Badanstalt (mit Mineralwasser) gebaut Anfang des 20. Jhrts. in einer Mischung aus Jugendstil mit traditionellen bulgarischen Dekorelementen, zum Ensemble der Regierungsgebäude in stalinistischer Architektur mit entsprechenden Aufmarschplätzen und vielem mehr. Rund um einen großen U-Bahnhof sind sehr viele Ausgrabungen aus römischer Zeit frei zugänglich zu besichtigen. Sofia kann auf eine Geschichte von 8.000 Jahren zurückblicken (älteste Besiedlungsfunde) und zeitweise führten wichtige Verkehrswege durch das Gebiet.
Nach unserer Führung bummelten wir durch die einzige Fußgängerzone Sofias, aßen eine leider schlechte und dafür für bulgarische Verhältnisse sehr teure Pizza. Anschließend gingen wir weiter zum Nationalen Kulturpalast, der in einen Park eingebettet ist. Weil es anfing stark zu regnen, flüchteten wir in die U-Bahn und fuhren in Richtung unserer Unterkunft. Das Ticketsystem in Sofia ist genial gelöst. Bei jedem Besteigen eines Verkehrsmittels „checkt“ man mit seiner Bankkarte ein, jede Fahrt kostet 0,80€. Umsteigefahrscheine gibt es nicht, beim Umstieg zwischen Bus, Tram, O-Bus, U-Bahn werden jedes Mal erneut 0,80€ fällig. Allerdings werden die Fahrten aufgezählt und pro Tag maximal 3,20€, also die Kosten für vier Nutzungen, berechnet, ab dann fährt man gewissermaßen gratis. Nachts wird abgerechnet und der Fahrpreis vom Konto abgebucht.
Als wir an der Metro-Station nahe unserer Wohnung ankamen, war der Regen vorbei und daher besuchten wir noch den Frauen-Markt, den größten Markt für Obst und Gemüse in Sofia, es gibt nur wenige Stände mit anderen Produkten, aber rundherum viele von den kleinen Spezialläden. Dann kam der nächste Regenguss und trieb uns „nach Hause“. Mein Mann hatte für diesen Tag genug, daher bin ich dann nochmal allein losgezogen und habe mir im Rahmen der langen Nacht der Museen das Museum für Lokalgeschichte Sofias angeschaut, in dem überwiegend Exponate aus der Zeit von Mitte des 19.Jhts. bis 1940 gezeigt werden plus etwas mittelalterliches, Interessant fand ich eine kleine Sonderausstellung zum Frauenleben (Bereiche: Arbeit, privat, Mutter, Urlaub, Führungsapositionen) in den 1960er bis Anfang der 1970er Jahre. Auf dem Rückweg war ich dann noch in der ehemaligen großen und einzigen Markthalle Sofias, in der jetzt eine Kaufland-Filiale ist. Es gibt aber keinerlei Kaufland-Schriftzüge außen, so dass der prachtvolle Bau unverschandelt ist und trotzdem einer Nutzung zugeführt wurde.
Dann reichte es mir aber auch, mein Schrittzähler auf dem Handy zeigte gut 26.000 Schritte an.
Tag 3 – Sofia: Wir starteten mit einer Fahrt zum größten Park in der Stadt, dem Borisova Gradina, zu einem Drittel als Park im Stil der 1900er Jahrhundertwende gestaltet, zwei Drittel Wald mit ausgebauten Wegen. In den Park ist das größte Sportstadium Bulgariens sowie ein großer Sportkomplex mit einem weiteren Stadion und Sportplätzen und eine Freilicht-Arena für Konzerte etc. eingebettet. Er war gut von Familien und Freizeit-Sportlern besucht, aber überhaupt nicht überlaufen. Von dort ging es weiter zu einem in sozialistischen Zeiten mit Plattenbauten angelegten Wohnviertel. Sehr viele der Häuser sind noch im ursprünglichen Zustand, so wie ohnehin viele der Gebäude marode wirken. Hier spürt man deutlich, dass es in Bulgarien leider an Kapital fehlt. Die Neubauten und sanierten Häuser stechen richtig heraus. Erfreulich ist, dass Sofia eine grüne Stadt ist, mit vielen Bäumen und Grünflächen. Und immer wieder hat man einen Blick auf die Gipfel des vor der Hausstür gelegenen Vitosha-Gebirges (immerhin bis zu 2.000 m hoch).
Mitten in dem Wohnviertel haben wir dann in einem Selbstbedienungsrestaurant landestypisch und schlicht gegessen: Schaschlik, gefüllte Paprikaschote, gebratene Kartoffeln und Krautkarottensalat. Das Essen war deutlich ehrlicher als die Pizza am Vortag. Auf der Speisekarte wird der Preis für jede Komponente pro 100 Gramm ausgewiesen, man sagt an, wann genug Kartoffeln, Gemüse etc. auf dem Teller ist, es wird gewogen und berechnet. Anschließend ging es zurück ins Zentrum in einen Park, in dem sich Schachspieler treffen, denen wollte mein Mann zuschauen und vielleicht auch eine Partie spielen. Da an diesem Sonntag ein hoher Feiertag in Bulgarien war, Tag der slawischen Literatur und Kultur (Einführung des kyrillischen Alphabets), gab es in dem Park eine Bühne mit unterschiedlichsten Vorführungen, teilweise professionelle Gruppen, Nachwuchs in professioneller Bühnenausbildung, aber auch Aufführungen von Schul- und Kindergartenkindern. So hatte ich auch mein Unterhaltungsprogramm. Als letzten Programmpunkt haben wir uns dann noch auf gut Glück in eine Straßenbahn gesetzt und hatten so noch eine kleine „Stadtrundfahrt“. An der Endstation, Wohnviertel mit Einkaufszentrum, sind wir noch ein wenig rumgebummelt und dann wieder zurückgefahren. Noch etwas Brot für's Abendessen eingekauft und dann hieß es, aus die Maus.
Morgen endet der Aufenthalt in Sofia und es geht weiter zur zweiten Station unserer Rundreise.
"Bescheidenheit ist die subtilste Form von Arroganz." Sprichwort
Bulgarien ist bestimmt ein interessantes Reiseland, wenn man sich weg von der Schwarzmeerküste ins Landesinnere begibt. Ich wünsche euch weitere tolle Eindrücke und werde interessiert weiterlesen 😀
******************************** Sagt es allen weiter - besonders den jungen Menschen: Werdet StammzellenspenderIn - rettet Leben! Spende geht oft über das Blut. * DKMS
Danke für deinen interessanten Bericht. Ich habe kürzlich einige TV-Bilder aus Bulgarien gesehen, ganz normale "Straßenszenen" und Landschaftsaufnahmen, weil die ersten drei Etappen des Giro d'Italia dort stattfanden, und dachte mir: Ob man da jemals nochmal hinkommt...?
Das hört sich super gut organisiert an und nach einer guten Mischung aus "Anleitung" und "selber erkunden".
Ich habe vor längerer Zeit mal eine Doku über Sofia gesehen, an deren Namen ich mich leider nicht erinnern kann. Was mir unter anderem im Gedächtnis geblieben ist: Das Vitosha-Gebirge ist wohl Naherholungs-Gebiet für die Städter und es gab einen tollen Aussichtspunkt, von dem aus man über die Stadt schauen konnte.
Wie kommt man denn dort sprachlich zurecht? Hände und Füße oder Englisch?
Weiter viel Spaß auf Eurer Reise und ich warte auch schon auf den nächsten Bericht...
Es wäre schon viel geholfen, wenn jeder einfach "nur" seine Arbeit machen würde, aber die wirklich großartigen Dinge auf dieser Welt geschehen nur, weil jemand mehr tut, als er muss.
Da unser Zug nach Belogradschik erst am Mittag abfuhr, wurde erstmal in Ruhe gefrühstückt und anschließend noch ein kurzer Spaziergang durch die kleinen Straßen rund um unser Apartment gemacht. Gegen 11 Uhr sind wir dann ganz gemütlich zu Fuß zum Hauptbahnhof gegangen, haben uns ein wenig Wegzehrung eingekauft und dann ging es auf die Minute pünktlich los. Zuerst fuhren wir eine Station mit einer Art Zubringerbahn zum eigentlichen Abfahrtsbahnhof Sofia-Sever. Der Umstieg dort sah schon ganz anders aus, als wir es aus Deutschland, ja West-Europa kennen. Die Plattform zwischen den zwei Zügen war ganz schmal, so dass kaum zwei Personen aneinander vorkamen. Und dann der Einstieg in unseren Zug. Der Wagenboden war in ca. ein Meter Höhe und musste über zwei Stufen plus Lücke zur Plattform erklommen werden. Für Menschen mit Einschränkungen unmöglich zu überwinden, würde ich denken. Im Zug war dann aber alles in Ordnung. Wir hatten Plätze in der 1. Klasse und damit ein bisschen mehr Freiraum um uns herum. Eine Klimaanlage gibt es nicht, aber durch die geöffneten Fenster kam ausreichender Luftzug in den 1. Klasse-Bereich mit insgesamt 18 Sitzplätzen. Wir hatten aber auch nur 20 bis 25 °C, im Hochsommer kommt man aber sicher ganz schön ins Schwitzen. Ansonsten war alles angenehm, die Mitreisenden ruhig und der Zug zwar älter, aber sauber und gepflegt.
Zunächst verlief die Bahnlinie in nördlicher Richtung durch das vom Iskar tief in das Balkangebirge eingeschnittene Tal. Mal hatten wir den Fluss rechts von uns, mal links, mal breit und gemächlich fließend, dann wieder schmal und reißend. Es ging an dichten Mischwäldern und Steilwänden vorbei, durch kleinere Tunnel und dort, wo das Tal mal etwas breiter wurde, lagen dann auch kleinere Orte, rechts und links am Flussufer und häufiger durch Fußgänger-Hängebrücken verbunden. Dann ging es ab Wraca in westlicher Richtung weiter durch eine große Ebene. Ich muss zugeben, dass es mir nicht gelungen ist, herauszufinden, wie diese Ebene eigentlich heißt. Ob das schon zur Donauebene gehört, obwohl diese doch noch recht weit weg ist? Ab Wraca hielt der Zug ca. alle Viertelstunde an einem Bahnhof, mal ganz, ganz kleinen ohne Beschriftung, mal etwas größeren.
Nach gut vier Stunden Fahrt kamen wir auf die Minute pünktlich an unserem Ziel Oreschez an. Dort wurden wir bereits von einem Fahrer erwartet, der uns mit dem Auto ins 12 km entfernte Belogradschik brachte. Wir checkten in unserem Hotel ein, tranken einen Kaffee und bummelten dann eine Runde durch den kleinen Ort. Belogradschick liegt auf rund 500 Metern Höhe zwischen zwei Gebirgszügen und an einem Felsgebiet mit vielen spitzen Felstürmen. Stellenweise sehr malerisch. Direkt vor unserem Hotel ist an besonders exponierter Stelle ein Aussichtsbereich mit vielen Bänken angelegt. Sehr einladend, um einfach mal in die Weite zu schauen und Figuren in die Felsenformationen hineinzuinterpretieren.
Da unsere Suche nach einem offenen Restaurant im Ort bis auf einen Hot Dog-Stand ergebnislos verlief (keine Saison, Feiertag, Montag?), haben wir dann das Hotelrestaurant aufgesucht. Tja, das bisherige Fazit ist, dass die Küche in Bulgarien sättigend, bodenständig und frei von Raffinesse ist. Ich bin gespannt, ob wir noch das Gegenteil erfahren werden. Den Abend haben wir dann ganz für uns allein in den tiefen Sofas der Hotel-Lobby verbracht, weil mein Mann gern ein Fußballspiel anschauen wollte und das Internet-Signal in unserem Zimmer im 5. obersten Stockwerk nur schwach ankam. Unser Hotel ist aber eindeutig das beste am (kleinen) Platz. Unser Zimmer ist sehr schön, großzügig und mit Fenstern in zwei Richtungen, die Einrichtung eher gediegen.
Tag 5: Belogradschick
Nach unserem Frühstück à la carte, weil für ein Buffet zu wenige Gäste im Hotel übernachteten, brachen wir um 9:30 Uhr mit Edi, einem privaten Fahrer/Führer zur Magura Höhle auf. Unterwegs wurden wir von der Grenzpolizei angehalten, die Grenze zu Serbien, also die EU-Außengrenze, ist nur zehn Kilometer entfernt, daher gibt es in dem Gebiet regelmäßig an wechselnden Stellen Kontrollen.
Die Magura ist ein ausgedehntes Höhlensystem. Besonders bemerkenswert sind die dort entdeckten Höhlenmalereien aus unterschiedlichen Zeiten. Die ältesten sind ca. 12.000 Jahre alt, besiedelt wurden die Höhlen aber schon viel länger. Die Motive legen nahe, dass es sich um Matriachate handelte, die Frauenfiguren sind deutlich größer dargestellt als die Männer. Dazu gibt es Zeichnungen der damaligen Tierwelt, unter anderem europäische Giraffen. Es gibt auch die Zeichnung eines Sonnenkalenders mit einer Einteilung in 30 Monate und 366 Tage. Die Malereien können aus konservatorischen Gründen nicht besichtigt werden, aber es gibt Tafeln mit Nachzeichnungen. In den Höhlen gab es auch Funde von Hütten/Häusern, die hineingebaut wurden. Ansonsten sind es Höhlen von teilweise beeindruckender Größe mit einigen Stalamiten und Stalaktiten, bewohnt von acht Fledermausarten. Am Boden sind dicke Schichten von Fledermaus-Guano, der auch für die Höhlenmalereien genutzt wurde. In den Höhlen kann im Sommer geheiratet werden (Matriachat = Omen für das Eheleben?), es gibt manchmal Konzerte und es reift Sekt und Wein zu vergleichbaren Bedingungen wie in der Champagne. Der Sekt schmeckte sehr gut! Unsere Führung dauerte ca. eine Stunde, wir waren die einzigen Besucher und wurden begleitet von einem bulgarischen Höhlenführer, einem Höhlenführer in Ausbildung und Edi, der die Erläuterungen sogar ins Deutsche übersetzte, sonst hätte der junge Nachwuchsführer fur uns ins Englische übersetzt. Am Ausgang standen wir dann vor einem großen, ca. 35 Meter tiefen, aus Grundwasser gespeisten See. Bis zum Ausgangspunkt war dann ca. ein Kilometer zu gehen.
Danach ging es für ein Mittagessen in ein Panorama-Restaurant mit – natürlich – bulgarischer Küche. Ich habe mich für Tarator und mit dem bulgarischen Weißkäse (Sirene) und Ei gefüllter Paprikaschote entschieden, was ich auch hin und wieder zu Hause zubereite. Mein Mann wird mit dem authentischen Essen bisher so gar nicht warm und fand seine mit Reis und Fleisch gefüllten Paprikaschoten furchtbar und meine Variante noch schlimmer. Für mich wäre sein Essen auch in Ordnung gewesen. Ich vermute, sein Kopf bremst ihn aus, weil das Essen einfach auch ungewohnt aussieht.
Nach dem Essen fuhr uns Edi off road zu den sehr besonderen Felsformationen, für die Belogradschick berühmt ist. Weil er unsere Kondition für ausreichend einschätzte, schlug er eine Besteigung vor. Nun gut, wir vertrauten ihm und haben es auch mit Ach und Krach, teils auf allen Vieren, teils auf dem Hintern rutschend, rauf und wieder runter geschafft. Die Ausblicke waren es aber auf jeden Fall wert und wir waren sehr stolz auf uns und Edi dankbar, dass er es uns zugetraut hat. Er ist eigentlich selbstständiger Ballonfahrer und bietet Fahrten über die Felsen an. Wir haben das Angebot aber abgelehnt.
Nach einer kurzen Pause in unserem Hotel, in der auch gleich die verschwitzten T-Shirts und von der feuchten Höhle und staubigen Felsen verschmutzten Hosen gewaschen wurden, und einer Einkehr in die Eisdiele, stand unser letzter Programmpunkt an, den wir aber allein absolvierten. Es ging über viele, viele Stufen hinauf zur namensgebenden Festung über Belogradschick. Belo = weiß, Grad = Burg. Es handelt sich um eine große, mehrfach erweiterte Festungsanlage, bei der teilweise die natürlichen Felstürme als Festungsmauern genutzt wurden. Belohnt wurden wir von weiteren großartigen Ausblicken auf sattes Grün und Felstürme.
Zusammengefasst war es ein ausgefüllter, uns körperlich fordernder Tag mit vielen Glücksmomenten.
Zum Abendessen reichte uns dann ein Hot Dog aus der schon am ersten Tag entdeckten Bude und gerade jetzt ein Absacker-Wein bzw. Bier im Bar-Bereich des Hotelrestaurants, das heute auch von mehr Personen besucht ist. Morgen heißt es wieder Aufbruch und weiter in den nächsten Ort.
"Bescheidenheit ist die subtilste Form von Arroganz." Sprichwort
Wow, Lea. Das hört sich richtig spannend an. Und es werden bestimmt noch viele unvergessliche Eindrücke folgen. Ich wünsche euch weiterhin eine gute Reise!
Wir sind vor ca. 10 Jahren mit der Rhodopenbahn gefahren. Es war ein überwältigendes, unvergessliches Erlebnis. Uns gegenüber saß ein taubstummer älterer Bulgare, der uns mit Händen und Füßen erklärte, wir müssten unbedingt von seinen mitgebrachten Kornelkirschen probieren!
Nach unserem sehr aktiven Tag gestern, folgte ein ganz und gar fauler Tag. Das war aber auch der Temperatur geschuldet, das Thermometer zeigte bis zu 32°C an.
Nach unserem Frühstück in Belogradschick, diesmal als ein Buffet mit einer guten Auswahl, checkten wir aus. Weiter ging es mit dem Linienbus ins rund 50 Kilometer entfernte Vidin, einer Grenzstadt zu Rumänien an der Donau. Viertel vor neun waren wir an der Abfahrtsstelle, wo der kleine Bus mit 22 Sitzplätzen schon wartete. Wir kauften unsere Fahrscheine beim Fahrer (5 Euro pro Person) und plauschten ein wenig mit ihm. Unserer Gepäck wurde im Heck verstaut und dann ging es um Punkt 9 Uhr los. In Bulgarien muss man sehr pünktlich an den Abfahrtsstellen sein.
Nach ca. einer Stunde kamen wir in Vidin an, Da es für das Einchecken ins Hotel noch zu früh war, stellten wir dort erst einmal nur unser Gepäck ab und verbrachten dann den Vormittag im Park an der Donaupromenade. Zu Mittag fanden wir dann nahe unserem Hotel ein etwas versteckt gelegenes Café, wo wir ein leichtes Mittagessen, panierten Kashkaval und Salat, bestellten.
Nach dem Einchecken ins Hotel bummelten wir durch den Stadtteil um unser Hotel herum, das eher durch kleine Geschäfte, die Gebäude der Administration und einfache Lokale/Cafés/Take aways geprägt ist. Immer wieder landeten wir an der Donaupromenade und dann im „Park auf dem Graben“, angelegt auf dem zugeschütteten Teil des Grabens vor der ehemaligen Stadtmauer. Von der Stadtmauer sind noch viele der insgesamt 13 Tore erhalten. Den Stadtteil hinter der Mauer hoben wir uns bewusst für Tag 2 in Vidin auf.
Vidin hat große wirtschaftliche Probleme. Die ganze Region im Nordwesten Bulgariens ist die ärmste des Landes und eine der abgehängtesten in der ganzen EU. Während andere Städte dort kontinuierlich zumindest geringe Zuwächse an Kaufkraft verzeichnen können, stagniert Vidin seit Jahren. Die Bevölkerung hat sich seit 1990 halbiert und Firmen, die sich ansiedeln wollen, nehmen davon Abstand, weil sie wegen der Abwanderung keine qualifizierten Arbeitskräfte finden. Entsprechend sind schon viele Gebäude und Straßenzüge traurig anzuschauen, obwohl die Stadt sich sichtbar viel Mühe mit Verschönerungen gibt. Vidin kann auf eine lange, sehr wechselhafte Geschichte zurückblicken, war aber nie (länger) von herausragender Bedeutung.
Der schöne laue Sommerabend lud dann zu einem Picknick an der Donau ein, das wir aus dem Sortiment des hiesigen Billa improvisierten. Auf der Promenade an der Donau war dann richtig was los, jede Bank besetzt, die Terrassen der Lokale knüppelvoll und lange Schlangen vor den Imbiss-, Getränke- und Eisständen.
Obwohl wir uns heute wegen der Hitze gefühlt nur von einer Parkbank zur nächsten bzw. zum nächsten Getränkestand oder Café bewegt haben, zeigte mein Schrittzähler überraschend über 19.000 Schritte an. Ich war mir gar nicht bewusst, dass wir doch wieder soviel zu Fuß unterwegs waren.
Unser Hotel in Vidin hat bulgarischen Drei-Sterne-Standard. Heißt, kleines Zimmer mit Bett, Nachtkonsölchen, Schreibbord mit Hocker, Schrank mit drei Bügeln auf der Kleiderstange, aber ohne Fächer, Minikühlschrank, Fernseher und Decken- und Leseleuchten mit gefühlt 100 Watt-Lampen (aber keine Neonleuchten mehr). Im Bad halt Waschbecken, WC, Duscharmatur an der Wand und Abfluss im Boden. Föhn kann an der Rezeption ausgeliehen werden und die Rezeptionistin gibt auf Wunsch auch Getränke aus. Für uns ist das aber absolut ausreichend und stellt uns voll zufrieden.
Tag 7 – Vidin
Unser erstes Ziel heute war die Festung Baba Vida am Donauufer in Vidin, einer großen, sehr gut erhaltenen mittelalterlichen Festungsanlage (Hauptbauzeit zwischen dem 10. bis 14. Jht.) mit späteren Umbauten, die auf den Fundamenten einer römischen Burg errichtet wurde. Über viele Stein- und Holztreppen konnte man die Wachtürme erklimmen, in Lagerräume und das Gefängnis hinabsteigen, die verschiedenen Höfe und Umgänge erkunden. Es gab historische Erläuterungen und einige Exponate, wie Ritterrüstungen, Kleidung der Edelleute, Waffen zu besichtigen. Für Menschen mit Geheinschränkungen wäre das wieder nichts gewesen und viele der Treppen wären so in Deutschland nie für Besucher freigegeben werden. Nach einer Stunde hatten wir genug Burg.
Kurz hinter der Festung hörten die Befestigungen zum Hochwasserschutz auf und so schlossen wir einen kleinen Spaziergang durch die bewaldeten Donauauen an. Leider hatten wir uns nicht präpariert, daher trieben uns die Mücken ziemlich schnell zurück in die Stadt. Zunächst ging es durch ein Gebiet mit Einfamilienhäusern, dann durch ein Plattenbauviertel, bis wir wieder in den, teilweise, herausgeputzteren Straßen und Parkanlagen ankamen.
Mein persönliches Highlight war dann der Besuch der Synagoge, die eigentlich eher ein Ausstellungsgebäude ist. Es handelt sich um einen Neubau, der 2023 fertiggestellt wurde. Vidin hatte bis Mitte der 40er Jahre ein sehr lebendiges jüdisches Leben. Trotz des Anschlusses an Hitler-Deutschland setzte sich der Antisemitismus in der Bevölkerung und auch der Administration nicht durch, es gab keine Deportationen und verordnete Einschränkungen wurden oft bewusst sehr nachlässig umgesetzt. Die große Auswanderungswelle nach Israel folgte dann zwischen 1947 bis 1949. In der Synagoge gab es drei Ausstellungsbereiche, die sehr gut entsprechend der heutigen Museumskultur gestaltet waren. Einmal die Geschichte der alten Synagoge, von der nur nach einige, wenige „Steine“ übrig sind. Dann gab es eine kleine Einführung in die jüdischen Bräuche (einschließlich Kochvideos) sowie einen historischen Überblick zum Leben der jüdischen Bevölkerung in Vidin mit Schwerpunkt auf der Nazizeit. Der größte Teil des Ausstellungsbereichs war dem expressionistischen, jüdischen Maler, Zeichner und Karikaturisten Jules Pascin (1885 bis 1930) gewidmet, der aus Vidin stammte, dann aber als Kosmopolit auf der Welt unterwegs und schon zu Lebzeiten ein erfolgreicher Künstler war.
Das Mittagessen gab es dann für uns in einem großen Restaurant an der Donau mit internationalem Speiseangebot. Dann holten wir uns unsere Lektüren aus dem Hotelzimmer und chillten auf einer Bank im Donaupark. Nach einem Kaffee trödelten wir durch einige uns noch unbekannte Straßen im insgesamt kleinen Stadtzentrum und entdeckten noch so einiges. Zuletzt gab es für jeden ein Stück bulgarische Pizza (dickerer Boden und Belag aus heimischen Zutaten) auf die Hand, Leute gucken im Park, Beobachten der Angler an der Donau und des Ablegemanövers eines Flusskreuzfahrtschiffes, bevor wir uns ins Hotelzimmer zurückzogen.
Tag 8 – Vidin -> Sofia
Den Vormittag vertrödelten wir noch in Vidin, schlenderten an der Donau entlang in die Richtung, die wir bisher vernachlässigt hatten, weil dort der gesamte Promenadenpark neu gestaltet wird und von einem Bauzaun umgeben ist. Auf dem Rückweg kamen wir noch an der Vidiner „Mall“ vorbei, die Bezeichnung ist etwas großartiger als das Warenangebot der vielleicht 15 Geschäfte auf vier Ebenen. Wir fanden es gut, dass wir uns für die kleine Stadt soviel Zeit genommen haben und etwas vom alltäglichen Leben gesehen haben.
Um 12:30 Uhr fuhr unser Zug zurück nach Sofia wie üblich auf die Minute pünktlich ab. Es ist dieselbe Strecke wie auf unser Hinfahrt mit Ziel Belogradschik, nur diesmal die Gesamtstrecke vom Einsetzen des Zuges bis Endstation, Fahrzeit rund fünf Stunden Stunden. Das ließ sich fahrtechnisch nicht anders gestalten. Der Zugtyp war diesmal ein anderer, der Einstieg bequemer, die 1. Klasse ein Großraumabteil mit Klimaanlage. Bei der Zubringerbahn von Sofia-Sever zum Hauptbahnhof Sofia haben wir dann mal einen Zugstandard erlebt, den man niemanden empfehlen kann. Ein uralter, verdreckter, ungut riechender Zug mit durchgesessenen Sitzbänken und Fenstern, die sich entweder nicht öffnen oder nicht schließen ließen. Es waren für uns nur fünf Minuten Fahrt, aber mit so einer Bahn würde ich wirklich nicht gern durchs Land reisen.
Diesmal übernachten wir in Sofia in einem sehr zentral gelegenen Hotel, internationaler 3-Sterne-Standard. Wir haben ein Zimmer zum Hof und bei geschlossenem Fenster hört man nichts vom Verkehr. Gegessen haben wir in einem nahegelegenen Restaurant im absoluten Zentrum und einer Mischung aus internationaler und modernisierter, bulgarischer Küche. Die Preise waren an der Kaufkraft der Touristen orientiert, aber es hat sehr gut geschmeckt. Nach der Fahrt waren wir doch ganz schön müde und so ging es früh ins Hotelzimmer. Morgen früh geht es dann schon weiter.
"Bescheidenheit ist die subtilste Form von Arroganz." Sprichwort
Zitat von mytholon im Beitrag #16Wir sind vor ca. 10 Jahren mit der Rhodopenbahn gefahren. Es war ein überwältigendes, unvergessliches Erlebnis. Uns gegenüber saß ein taubstummer älterer Bulgare, der uns mit Händen und Füßen erklärte, wir müssten unbedingt von seinen mitgebrachten Kornelkirschen probieren!
Die Rhodopenbahn kommt für uns noch!
"Bescheidenheit ist die subtilste Form von Arroganz." Sprichwort
Das im Zimmerpreis enthaltene Frühstück gab es in Sofia im angrenzenden Café, gewählt wurde à la carte. Mein Avocado-Toast und der Lachs-Toast meines Mannes waren eher ausgewachsene Lunch-Gerichte. Ich bin da flexibel und freute mich über üppigen Salat, Kichererbsen und etwas kernigeres Brot, mein Mann fühlte sich von seiner Mayonnaise-Lachs-Creme plus Salat zum Frühstück überfordert, gab schnell auf und holte sich dann später lieber ein Pain au chocolat beim Bäcker nebenan. Kaffee war bei diesem Arrangement aber limitiert, nur eine Portion nach Wahl (Espresso, Americano, Cappuccino usw.) pro Person. Ich hatte Glück, da mein Mann einen Tee trank, bekam ich eine zweite Tasse Americano. Natürlich hätten wir gegen Bezahlung mehr Getränke bekommen.
Dann ging es zum Busbahnhof. Da wir ja inzwischen erfahrene Metro-Nutzer waren und der Weg zwar nicht weit, aber über sehr unebenes Pflaster führte, fuhren wir die eine Station bequem mit der U-Bahn. Ein bisschen suchten wir dann noch nach dem „Sektor 32“, wo unser Bus nach Bansko abfuhr. Der Bus stand wie üblich schon bereit, das Gepäck wurde eingeladen und wir nahmen unsere bequemen Sitzplätze in dem modernen Reisebus ein. Da es dann aber bei anderen Mitreisenden wohl Probleme mit der Sitzplatzreservierung gab, kam noch eine Mitarbeiterin von der Busgesellschaft zur Klärung dazu. Der Fahrer wurde ziemlich grantig, als die Abfahrtszeit heranrückte, mit fünf Minuten Verspätung ging es dann aber los. Der Fahrer musste sich gleich mal seine erste Zigarette anzünden, der während der dreistündigen Fahrt noch so einige folgten. Wir saßen zwar ganz vorn, aber durch das offene Fahrerfenster und die gute Lüftungsanlage im Bus, störte sein Rauchen nicht. Radio Energy war da schon manchmal schwerer auszublenden ;-), war aber auch nichts, was unsere Laune trüben konnte.
Es ging dann in Richtung Süden aus Sofia heraus und weiter mit Ausblicken auf schneebedeckte Gipfel des Vitoscha-Gebirges, des Rila-Gebirges und dann des Pirin-Gebirges. Der Bus kam superpünktlich in Bansko an und wir gingen rund dreißig Minuten (mit einem kleinen Irrweg) zu unserer Unterkunft. Diesmal wohnten wir in einem kleinen familienbetriebenen Hotel mit dem großen Namen „Königshof“, bei uns würde man wohl eher Pension dazu sagen. Die Wirtsleute erwarteten uns schon und wir wurden in unser „Familienzimmer“ über zwei Etagen geführt. Unten gibt es eine Liege/Einzelbett, Bad und Balkon mit Blick, über Hausdächer hinweg, auf den Gipfel des Todorka mit 2.746 Metern. Oben auf der Galerie unter dem Dach stehen ein Doppelbett, ein Schlafsessel und ein weiteres Bad zur Verfügung. Die Einrichtung ist zweckmäßig, der Zustand okay und das Bett sehr bequem. Wir hatten übrigens bisher immer zwei Bettdecken, obwohl in Bulgarien durchaus auch die gemeinsame „Eheleute“-Variante üblich ist. Einzig, die Bodenabflüsse in den Badezimmern, die beide penibel sauber waren, strömten einen etwas unangenehmen Geruch aus. Wohl ein baulicher Mangel bei den Geruchsverschlüssen, ist mir aus anderen Ländern nicht unbekannt.
Nach unserem ersten Eindruck waren wir die einzigen Gäste, was sich am nächsten Tag beim Frühstück bestätigte. Ich hatte ein klein bisschen darauf gehofft, hier mal eine Waschmaschine nutzen zu können, aber das ging leider nicht. Also Handwäsche und die mitgebrachte Leine auf dem Balkon gespannt, kein Ding, war so eingeplant.
Wir machten einen ersten Rundgang durch's Zentrum/Altstadt von Bansko. Der Ort ist stark vom Tourismus geprägt, je nach Jahreszeit Wintersport, Wandern und Bergsteigen, Sommerurlaub mit gemäßigten Temperaturen oder Kuraufenthalt, da es auch warme Mineralwasserquellen gibt. Der Ort hat ca. 7.000 ständige Einwohner, rd. 3.000 Menschen haben hier Häuser oder Wohnungen, leben aber woanders, und dazu kommen mindestens 15.000 Gästebetten. Die Unterkünfte aller Art und Kategorie reihen sich aneinander, dazu kommt viel Gastronomie und Geschäfte und Unterhaltungs-, Wellness-Angebote mit allem, worauf Urlauber vielleicht Lust haben könnten. Es gibt Fußgängerzonen, nett angelegte Wege mit Wasserläufen, aber auch gänzlich unbefestigte Straßen und Hühner-Gegacker hört man auch hin wieder. Viele der Häuser in der Altstadt wirken sehr urig mit Wänden aus Natursteinen und viel Holz. Insgesamt macht der Ort einen gepflegteren, wohlhabenderen Eindruck als die bisher besuchten. Nachtrag: Da gerade keine Saison ist, sind viele der Geschäfte und Lokale geschlossen, einen geöffneten Bäcker haben wir gar nicht gefunden und nur einen offenen Supermarkt mit Vollsortiment (Billa, was sonst). Am Sonntag fand dann noch ein kleiner Gemüsemarkt statt. Dafür muss hier im Winter die Hölle los sein, wenn man die Zahl der Skiverleihe und Skischulen, Groß-Restaurants und Clubs rund um die Gondelbahn-Station so anschaut. Jetzt ist es sehr ruhig hier und wenn man nicht gerade durch die Stadtbereiche mit den großen leeren Hotelanlagen und Apartmenthäusern geht, sehr beschaulich.
Am Abend gab es für uns dann im Rahmen der organisierten Aktivitäten ein Abendessen in einem gehobenen Restaurant mit bulgarischer Küche. Wir hatten Brot, Schopska-Salat, geschmorte Pilze, ganz lang und butterweich geschmorten Rinderbraten mit Kartoffeln und als Dessert Torte, Wasser, Rotwein und Kaffee. Um durch das Menü durchzukommen, haben wir von allem jeweils nur eine Portion bestellt, dadurch blieben nicht zu viele Reste auf den Tellern. Der Service war exzellent, unaufdringlich aufmerksam und zugewandt. Das Essen war gut, aber es hat sich wieder bestätigt, dass man es mit Gewürzen hier nicht so hat. Bei der Rechnung gab es dann eine kleine Irritation, weil man uns alles berechnete. Aber das ließ sich dann schnell klären und wir zahlten nur unsere Getränke.
Tag 10 – Bansko Für unser Frühstück waren zwei Vierertische zusammengeschoben und auf einem Tisch nur für uns eine reichhaltige Auswahl an Speisen aufgebaut, von der Vielfalt her nahezu ein Buffet und natürlich viel zu viel. Am Abend wird im Haus für uns gekocht werden. Ich versuchte zu erklären, dass sie bitte nicht zu große Mengen zubereiten sollen, weil wir das gar nicht essen können. Aber ich fürchte, das wird nichts, und wir werden immer wieder beteuern müssen, dass alles gut schmeckt, wir aber einfach satt sind. Davon später mehr.
Um neun Uhr wurden wir abgeholt und mit dem Auto ging es von rd. 1.000 Meter üN hinauf auf knapp 2.000 üN. Auf dem Weg gab es einen Stop an der Bajkuschewa-Pinie, einem 1.300 Jahre alten, imposanten Baum mit mächtigem Stamm und Ästen und noch immer voll ausgebildeter Krone sowie einigen kaum jüngeren Nachbarn drumherum. Das Gebiet steht jetzt unter Schutz, bis vor kurzem wurde gern mal ein Baum dort gefällt und das wertvolle Holz verkauft. Dann ging es weiter zu einer Berghütte, von wo aus wir Flachland-Tiroler mit unseren Turnschuhen zu einem ca. einstündigen geführten Spaziergang über Felshänge, kleine Wasserläufe und durch Schneereste hinauf zum Okoto-See, einem der vielen Bergseen, aufbrachen (und dann wieder hinab kamen). Wir wurden aber gut über den auch markierten Weg geleitet und waren nicht die einzigen, die dort unterwegs waren, die anderen allerdings irgendwie angemessener bekleidet. Und natürlich gab es jede Menge grandiose Ausblicke hinauf zu Gipfeln und hinab in Täler, Krokuswiesen und plätschernde Bergbäche. Der See war noch zu großen Teilen mit einer Eisschicht bedeckt und es herrschte dort absolute Stille. Unser Führer war ein vielleicht 30jähriger einheimischer Mann, der Winter- und Bergsport liebt. Zum Wandern und Klettern ist er meist privat unterwegs, selten als Führer. Im Winter arbeitet er als Ski- und Snowboardlehrer mit der höchsten Lizenz, wie er uns mit Stolz erklärte. Nach einigen Jahren in Sofia ist er nach Bansko zurückgekehrt und führt die Familientradition weiter. Sein Vater war auch schon Skilehrer, er ist also gewissermaßen schon mit Skiern an den Füßen geboren worden. Er war aber sehr nett und höflich zu uns, obwohl wir uns stellenweise bestimmt total dusselig angestellt haben.
Am frühen Nachmittag gab es in einem Café dann noch für jeden von uns eine Waffel mit Eiscreme und dann eine Ruhepause, teils im Zimmer liegend, teils auf dem Balkon sitzend, bis es Zeit für unser Abendessen wurde.
Serviert wurde im Speiseraum, in dem wir auch unser Frühstück einnahmen. Der Raum wird in der Saison auch als Restaurant geöffnet, das jetzt aber geschlossen war. Also saßen dort wieder nur wir zwei beide und der Wirt kam immer mal aus der Küche, um zu schauen, ob schon der nächste Gang serviert werden konnte. Als Vorspeise gab es Caprese, mit den richtig guten, sehr schmackhaften Tomaten, die wir auch auf unserem Frühstückstisch hatten, und den üblichen Schopskasalat. Dann folgte ein Kawarma aus Schweinefleisch mit Champignons und mit Käse überbacken sowie Ratatouille. Und siehe da, die Speisen waren mit Kräutern und Gewürzen abgeschmeckt, es geht also doch! Zum Dessert gab es dann noch einen Schokoladenbisquit mit Bananencreme, eindeutig selbst gemacht, da sich in der Obstschale im Speiseraum deutlich weniger Bananen befanden als am Morgen. Es hat sehr gut geschmeckt. Und wir waren sehr froh, dass uns aktiv keine alkoholischen Getränke angeboten wurden und wir uns einfach Wasser aus dem Wasserspender nehmen konnten. Alkohol am Abend stört leider unseren Schlaf empfindlich, wie wir hier im Urlaub deutlich bemerkt haben.
Wir haben dann noch erfahren, dass die vermeintlichen Wirtsleute die Schwester und der Schwager des Hotelbesitzers sind, die für unsere Versorgung vertretungsweise eingesprungen sind. Die Betreiber sind gerade selbst verreist. Ein bisschen wird ja manchmal mit unserer Eins zu Eins-Betreuung übertrieben ;-)) Ein ganzes Hotel für uns allein mit drei Personen als Personal (Schwester, Schwager und Reinigungskraft) hätte es nun wirklich nicht gebraucht. Oder sehen wir das etwa falsch und die drei sind eigentlich Pflegepersonal aus der Nervenheilanstalt, die auf die Verrückten, die ohne not freiwillig mit dem Zug durch die Gegend reisen wollen, aufpassen?
Tag 11 – Bansko Heute hatten wir einen freien Tag ohne geplantes Programm. Und so pilgerten wir zuerst in Richtung Norden zu der Gondelbahn-Station und schauten uns das Ski-Zirkus-Ambiente an. Dann ging es nach Osten zu einem off road-Spaziergang unter der Führung von Lea, die meinte anhand eines nicht maßstabsgetreuen Ortsplans den Weg zu einem kleinen See finden zu können. Es begann an einem Feldweg, ging weiter einen Trampelpfad entlang und dann querfeldein mal über Wiesen, mal über Felder, mal unter Elektrozäunen hindurch über Tierkoppeln, mit Überwindung von Wassergräben und morastigen Stellen tatsächlich bis zu einem der (sehr bequemen) Wege zu dem See. Bis dorthin war es uns dann aber zu weit. Also wurde beigedreht und auf dem Weg zum Hotel war dann noch überraschend die örtliche Mülldeponie von außen zu besichtigen. Im Hotel wechselte mein Mann erstmal seine vom Morast verdreckten und nassen Schuhe und Socken. Lea war hinter ihm gegangen und ist dank Umwegen nahezu trockenen Fußes durchgekommen. Sie hat dann aber als Wiedergutmachung das Sockenwaschen übernommen.
Mittags besuchten wir ein winziges italienisches Restaurant, bei dem uns am Vortag im Vorbeigehen die Speisen auf den Tellern sehr gut gefallen hatten. Es hat sich dann auch wirklich gelohnt. Es gab eine ganz kleine Karte und wir nahmen eine Pizza und einmal Lasagne und fühlten uns in der kleinen Gasse mit Ausblick auf Berggipfel wie in Oberitalien. Der Ínhaber/Koch des guten Essens war dann, liebe Bulgaren, es tut mir leid, ein Italiener (mit einer bulgarischen Ehefrau), der optisch auch noch an eine Pizza-Bäcker-Karikatur erinnerte. Runder Bauch, Schürze und rote Kochmütze verwegen schräg auf den schwarzen Locken.
Danach schlenderten wir nach Süden zum Bahnhof, um den Weg am nächsten Morgen besser einschätzen zu können und weiter Richtung Westen in den Stadtpark. Mein Eindruck ist, dass man in Bulgarien Parks liebt und diese daher sehr ansprechend anlegt. Wir haben es uns dann eine Zeitlang auf einer schattigen Parkbank mit Blick auf die Springbrunnen im künstlich angelegten See gut gehen lassen. Dann über noch unbekannte Straßen zum Billa, eine Kleinigkeit für's Abendessen eingekauft und anschließend ab auf's Zimmer bzw. noch eine Runde auf den Balkon. So haben wir den Ort an diesem Tag nahezu vollständig von Norden bis Süden und von Osten bis Westen durchquert, gut 13 Kilometer waren's, sagt die allzeit zählende App.
Morgen ziehen wir wieder weiter.
"Bescheidenheit ist die subtilste Form von Arroganz." Sprichwort
Teil 5 Tag 12 Bansko → Plovdiv Heute stand der Höhepunkt unserer Fahrten mit der Bahn an: Die Fahrt mit Rhodopenbahn, einer Schmalspurbahn durch Gebirgslandschaft. Bansko ist der dritte Bahnhof ab Streckenbeginn und wir fuhren 119 Kilometer der insgesamt 125 Kilometer langen Strecke und waren viereinhalb Stunden unterwegs. Kurz vor der Abfahrtszeit lief der Schrankenwärter vom Bahnhof zu der größeren Straße, die die Schienen überquerte, und kurbelte die Schranken herunter. Den Handbetrieb hatten wir auch schon auf unseren vorherigen Bahnfahrten beobachtet.
Dann fuhr der Zug wie üblich auf die Minute pünktlich ein. Fünf Waggons hingen an der Diesel-Lok und in Bansko stiegen ca. 20 Menschen ein, von denen der Großteil gleich am nächsten Bahnhof wieder ausstieg. Es gab also jede Menge Platz, in unserem Waggon waren nie mehr als sechs Fahrgäste und der Zugbegleiter. Genutzt wurde die Bahn von Touristen, wir haben aber nur bulgarisch gehört, und Anwohnern, die nur Teilstrecken fuhren, wohl überwiegend für Einkäufe. Die Waggons waren mit bequemen Sitzen ausgestattet, die zwar schon nicht mehr neu, aber immer noch in gutem Zustand waren, man saß also bequem mit hoher Rücken- und Armlehnen. Zunächst hatte man in der Ferne noch die Gipfel des Pirin im Blick, dann wurde die Strecke richtig idyllisch. Dichte Nadelwälder, später Misch- und Laubwälder zogen sich Berghänge hoch, davor saftige, blühende Wiesen, mal rosa, mal weiß, mal gelb gefärbt. Hin und wieder sah man Pferde auf den Weiden, seltener Kühe oder Schafe. Der Zug hielt häufiger und fast jedes der Dörfer auf dem ersten Teil der Strecke hatte eine Moschee. So zog sich die Strecke für vielleicht zwei Stunden ganz entschleunigt dahin. Nach und nach wurden Halte seltener. Dann begann das Klettern in vielen Kurven und Kehren auf am Ende über 1.200 Meter. Wir saßen im ersten Wagen und es war witzig, immer wieder die hinteren Wagen im Blick zu haben. Oder ganz überraschend einen Schienenstrang zu sehen, der die Strecke unterhalb kreuzte. Man hat das gar nicht so recht wahrgenommen, wie die Kehren übereinander lagen. Irgendwann ging es natürlich auf ähnliche Art und Weise wieder nach unten. Dieser Abschnitt war der dramatische Teil der Strecke mit teils Steilwänden auf der einen Seite und Abhängen auf der anderen. Oder es ging unten im schmalen Tal neben einem breiten Fluss mit häufigen Stromschnellen entlang. Bei manchen Haltepunkten konnte ich nichts anderes als Wegweiser für Wanderwege entdecken oder vielleicht eine schmale Hängebrücke, die wohl zu irgend einem uns verborgenen Ort führen wird. Es gab nur wenige, größere Orte an der Strecke. In Septemvri endete die Fahrt mit der Rhodopenbahn dann. Ein wirklich beeindruckendes Erlebnis.
Ab Septemvri ging es dann ganz unspektakulär mit einem anderen Zug in einer halben Stunde nach Plovdiv. Da mir der Weg vom Bahnhof zu unserem Hotel recht weit und teilweise beschwerlich erschien und ich keine Lust hatte, mich gleich auch noch mit dem Bussystem in Plovdiv zu beschäftigen, gönnten wir uns ein Taxi. Die Fahrt dauerte knapp 15 Minuten mit relativ langen Stehzeiten an Ampeln und kostete bescheidene 6,74 Euro.
Wir wohnen direkt im Zentrum der Altstadt von Plovdiv, die auf einem der sechs Hügel der Stadt liegt (es waren tatsächlich einmal sieben) und ist über steile Straßen oder Treppen erreichbar. Eine Hauptverkehrsstraße wird in einem Tunnel auf die andere Seite des Hügels hindurchgeführt. Dieser Stadtbereich ist sehr herausgeputzt und es gibt auf allerengstem Raum zahllose Museen, Galerien, Ausgrabungen aus aus römischer Zeit, zu besichtigende prachtvoll ausgestattete Wohngebäude aus der ersten Hälfte des 19. Jhts., Reste einer großen Festung, Kirchen, eine Moschee ... Dazwischen Hotels, Restaurants, Souvenir- und Kunstgewerbeläden. Zwei Häuser von unserem Hotel entfernt ist eine Musik-Akademie und wir konnten durch das geöffnete Fenster einer Opernsängerin beim Einüben einer Arie mit ihrem Lehrer zuhören. An die Altstadt grenzt dann gleich eine sehr lange Fußgängerzone mit vielen Geschäften und einem großen Park an einem Ende und dem Fluss Maritsa mit Grünflächen am anderen Ende. Unser Hotel wurde in 2019 eröffnet und ist in eine restaurierte Ruine hineingebaut. Ich würde meinen, es ist ein Neubau und höchstens die Fassade weist noch Teile der alten Bausubstanz auf.
Tag 13 – Plovdiv
Heute haben wir uns von der Altstadt wegbewegt und die Maritsa über eine überdachte Brücke mit kleinen Geschäften rechts und links überquert. Nach einem längeren Bogen durch Wohn- und Straßen mit Geschäften des alltäglichen Bedarfs ging es über eine andere Brücke zurück und dann auf einen der anderen Hügel hinauf. Oben steht das weithin sichtbare Aljoscha-Monument, die Statur eines russischen Soldaten aus dem 2. Weltkrieg, das 1957 fertiggestellt wurde. Im Prinzip soll die Statur einen unbekannten Soldaten darstellen, der Bildhauer nutze aber das Foto eines Soldaten. Der ehemalige Soldat hat erst nach vielen Jahren erfahren, dass er so prominent verewigt wurde. Nach 1989 gab es mehrmals Überlegungen, das Denkmal abzureißen, bis der oberste bulgarische Gerichtshof entschied, dass es sich um ein Denkmal von nationaler Bedeutung handelt und stehen bleiben muss. Von oben hat man einen weiten Blick über Plovdiv und Umgebung.
Für den Tag stand dann noch eine von unserer Reiseleiterin organisierte Besichtigung des Hindliyan Hauses, eines der sogenannten Haus-Museen, an. Überraschend für uns erhielten wir dann auch noch eine (private) Führung von einem sehr kompetenten und engagierten Museumsmitarbeiter. Stepan Hindliyan war ein sehr reicher armenischer Kaufmann, der weit gereist war. In 1834-1835 ließ er sich in Plovidiv ein Wohnhaus mit allem (damaligen) Komfort errichten und die Innenräume und Außenfassade von Künstlern reichhaltig mit von seinen Reisen inspirierten Malereien und vielen Dekor-Elementen gestalten. Eine Besonderheit war, dass das Haus ein privates Bad/Hamam hatte, das Wasser/Dampf wurden in der danebenliegenden Küche erwärmt. Es gab sogar schon Wasserhähne für warmes und für kaltes Wasser. Obwohl reich, wurde trotzdem auf die Ausgaben geachtet. Der Personaltrakt hatte einen Durchgang zum Personaltrakt des Nachbarhauses, da man sich das Personal teilte! Der „Tresor“ = Lagerhaus für die teuren, importierten Waren, hauptsächlich Seide, hatte über ein Meter dicke Mauern, nur ein winziges, vergittertes hochliegendes Fenster und eine schwere Eisentür, die stilecht mit einem riesigen Schlüssel zu öffnen war und zusätzlich von innen mit Eisenstreben versehen war. Man konnte sich dort drinnen auch gegen Eindringlinge verschanzen. Wir erfuhren noch viele interessante Details. Die Familienlinie des Stepan Hindliyan lässt sich bis heute nachverfolgen und in Plovdiv gibt es nach wie vor eine starke armenische Gemeinde mit eigener Kirche und Schule, in der auf bulgarisch und auf armenisch unterrichtet wird.
Über den Tag trödelten wir noch durch etliche Straßen. Plovidv machte auf uns einen insgesamt wohlhabenderen Eindruck als Sofia, auf jeden Fall ist es eine sehr lebendige Stadt, an den zentralen Stellen sind viele Menschen unterwegs, die Cafés und Grünanlagen auch abseits der Touristen-Strecken sind gut besucht.
Tag 14 – Plovdiv -> Koprivshtitsa
Da wir erst kurz vor Mittag abreisten, spazierten wir nach dem Frühstück noch auf einen weiteren Hügel Plovdivs mit einem Uhrturm von Anfang des 17. Jhts. hinauf, das heutige Aussehen erhielt er Anfang des 19. Jhts. Wir haben von dort dann nochmal den Ausblick genossen, untermalt von einem Vogelkonzert. Dann ging es in 30 Minuten zu Fuß zum Bahnhof, den direkten und wahrscheinlich schöneren Weg haben wir leider verpasst, wahrscheinlich wegen einer größeren Baustelle. Also sahen wir noch ein paar nicht so schöne Stellen der Stadt entlang zweier Hauptverkehrsstraßen.
Wir fuhren mit einem einer Regionalbahn vergleichbaren Zug in eineinhalb Stunden nach Karlovo, wo wir umsteigen mussten. Der Zugbegleiter hat uns dann gleich noch gezeigt, wo unser Anschlusszug stand. Es war aber auch der einzige Zug, der bis zur Abfahrtszeit überhaupt fuhr. Es ging mit einer weiteren Regionalbahn in 45 Minuten zu unserem Zielort Koprivshtitsa. Um Karlovo herum sahen wir dann noch einige Rosenfelder, Bulgarien ist ja bekannt für die Gewinnung von Rosenöl. Die Rosen sind eher unspektakulär, kleine Büsche mit einfachen rosa-weißen Blüten. Da es stark regnete, lag auch kein Duft in der Luft.
Koprivshtitsa liegt im Sredna Gora-Gebirge, einem Mittelgebirge, dessen höchster Gipfel aber auch immerhin 1.600 Meter erreicht. Der Bahnhof ist neun Kilometer entfernt und wir wurden vom Inhaber unseres Hotels von dort mit dem Auto abgeholt. Die Kommunikation läuft bulgarisch-deutsch über das Übersetzungsprogramm auf dem Smartphone. Eine junge Kellnerin aus dem Restaurant spricht aber etwas englisch. Wir wohnen in einem urigen Gebäude mit einfach ausgestatteten, kleinen Zimmern. Die kleine Stadt liegt sehr idyllisch, wird von mehreren Bächen durchzogen und ist eigentlich ein bewohntes Museumsdorf. Viele der Häuser stammen aus der Zeit der nationalen Wiedergeburt nach der Befreiung aus der 500jährigen osmanischen Besatzung in der ersten Hälfte des 19. Jhts. und sind sorgfältig restauriert. Etliche sind Museen, andere Hotels und Gästehäuser oder Restaurants oder eben privat bewohnt. Viele pittoresque Ecken gibt es zu entdecken. Dazu kommt die Umgebung, die zum Wandern einlädt. Der Ort wird wohl auch gern bei Bus-Rundreisen als Übernachtungspunkt angesteuert. Auf dem zentralen Parkplatz standen drei Busse und eine französische Gruppe ist zum größten Teil in unserem Hotel untergebracht. Für alle hat das Haus zu wenige Zimmer. Ich vermute aber, dass die ganze Gruppe im Hotelrestaurant zu Abend essen und frühstücken wird.
Wir hoffen nun, dass sich morgen das trockene Wetter durchsetzt, die Wetterberichte sind sich etwas uneinig. Bei starkem Regen, so wie zeitweise heute, könnte es offen gesagt etwas öde werden.
"Bescheidenheit ist die subtilste Form von Arroganz." Sprichwort
Danke Lea. Mal eine Frage (gerne Antwort auch als PN): wie heißt das Reiseunternehmen, über das ihr gebucht habt? Das scheint ja alles sehr gut zu klappen. Mich hält die doch teilweise deftige Kost noch von einer Bulgarienreise ab.
"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein."
Ja, die Küche ist deftig und die Auswahl oftmals überschaubar. In größeren Orten gibt es natürlich auch Restaurants mit gehobener nationaler und internationaler Küche. Wir sind zwar in touristisch erschlossenen Regionen unterwegs, versuchen aber bewusst uns auch viel dort zu bewegen, wo das alltägliche Leben stattfindet. Wobei mein Mann beim Essen vorsichtiger ist, da er schneller Probleme gerade mit fettem Essen bekommt. Und das andere ist, dass man doch ganz gut zu Fuß sein muss, weil die Wege, auch in den Ortschaften, oft beschwerlich zu gehen sind (unebene Wege, loses Pflaster, steile Treppen und Straßen usw.). Wir denken manchmal, dass es ganz gut ist, dass wir die Reise jetzt machen, wo wir noch relativ fit sind.
"Bescheidenheit ist die subtilste Form von Arroganz." Sprichwort