Buchtipp zum Thema: Petra Bock, Nimm das Geld und freu dich dran - ist, glaube ich, nur noch antiquarisch zu bekommen - aber so kostet es auch kein Vermögen ;-)
Ich habe es vor vielen Jahren gelesen und den Inhalt nicht mehr präzise im Kopf, aber ich erinnere mich, dass es viel darum ging, alte Glaubenssätze aufzuspüren und aufzulösen, die sich darum drehen, dass man (finanzielle) Sicherheit und Sorglosigkeit (nicht im Sinn von Leichtsinn, sondern von sich keine Sorgen machen) nicht verdient hat, weil man einfach nie gut genug ist.
"Verdienen" ist ein Wort mit mehr als einer Bedeutung, es ist auch mit "leisten" verknüpft, das ähnlich mehrdeutg ist. Diese Verknüpfung von sich etwas verdienen durch Leistung könnte auf eine hilfreiche Spur führen.
Zitat von Sternblau im Beitrag #70 @Jorinde: was du ansprichst, nämlich die Mutter, die ständig mit deinem scheitern rechnet - das hat bei mir auch ein paar ungute Erinnerungen ausgelöst. Möglicherweise muss ich da mal tiefer graben.
Tiefer graben? Hm, das tust Du doch bereits, indem Du den/die Auslöser benennen kannst.
Erkenntnis alleine reicht oft nicht, weil sich das Problem nicht auf der rationalen Ebene lösen lässt.
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert.
Zitat von schafwolle im Beitrag #78Wichtig ist es jedoch, bewusst eigene Erfahrungen zu machen, die den Prägungen widersprechen.
Sehe ich auch so.
Wenn ich schon weiß, woher das kommt, kann ich doch gezielt entgegenwirken. Das wird nicht zu 100 Prozent von Anfang an klappen, aber jeder Fortschritt bringt einen weiter. Und selbst, wenn man letztlich "nur" eine finale Verbesserung von 40 oder 50 Prozent erzielt, ist es dennoch ein Erfolg.
Die Chance klopft öfter an als man meint, aber meistens ist niemand zu Hause. (Willi Rogers)
Ich denke schon, dass man solche Prägungen zuminest teilweise auflösen kann durch Erkennen des Musters, Erkennen woher es kommt und dann aktiv auf den Prüfstand stellen, ob die eigenen aktuelle Situation noch zu dieser Prägung passt.
Ich bin trotz Fluchtgeschichte in der Familie ganz anders geprägt. Das mag daran liegen, dass meine Präfung sehr heterogen ist, weil die Personen meiner Familie selbst alle sehr unterschiedliche Prägungen von zuhause und durch ihre Geschichte mitbekommen haben, ich tauge daher vermutlich nicht so richtig als Ratgeberin. .... Was mich natürlich nicht davon abhält trotzdem eine Meinung zu haben. ;-)))
Ich würde vermutlich einfach so im Alltag ein kleines Büchlein (oder die Notizfunktion meines Handys) nutzen und wenn ich in typischen Konsumsituation dann einen Gedanken habe, warum ich das jetzt (doch) nicht kaufe oder warum dieses und nicht jenes, kurz notieren, was mir durch den Kopf geht. Und dann in einer stillen Stunde (oder auch mit Freund:innen gemeinsam - oder auch hier) mir mal ansehen, was genau meine Gedanken sind und nachspüren, wo sie herkommen.
Egal ob "ich bin es nicht wert soviel Geld für so etwas auszugeben", "ist völlig übertrieben ein Markenshirt zu kaufen zu einem Preis von vier normalen", "das lohnt in meinem Alter doch nicht mehr", "es ist unökologisch, drei davon zu haben", "es ist im Unterhalt viel zu teuer" tbc ....
Und natürlich gibt es gute Gründe nur zehn Paar Schuhe zu besitzen und nicht fünfhundert, es gibt auch gute Gründe ein altes Paar Schuhe neubesohlen zu lassen, statt neue zu kaufen. Es gibt hingegen nicht viele gute Gründe mit löchrigen Schuhen herum zu laufen oder mit Schuhen, die nicht wirklich zu den Füßen passen ... auch wenn sie günstig waren.
Noch zur Illustration, wohin eine Prägung einen bringen kann und was ich als sehr abschreckendes Beispiel empfunden habe.
Ich habe in den letzten Jahren ein wirklich abschreckendes Beispiel von es sich nicht wert sein erlebt, das war bei der Mutter einer Freundin von mir. Ich habe die Mutter erst kennengelernt, als sie schon über achtzig war. Sie hatte eine sehr gute Rente und eine günstige Wohnung, es gab keine materielle Not, sie ist letztes Jahr mit einem sehr vollen Konto verstorben.
Sie hat noch in der gleichen Einrichtung gelebt, wie bei Einzug in die Wohnung 1970 und ja das betraf auch die Tapeten und die Teppichböden, die Küchenausstattung und die Matratzen. Ich habe geholfen die Wohnung nach ihrem Tod auszuräumen und war vorsichtig gesagt entsetzt. Sie war im Berufleben wohl immer eine sehr gepflegte und gutaussehende Frau, aber quasi mit Eintritt in die Rente hat sie die Auffassung vertreten "das lohn doch in meinem Alter nicht mehr ...." das betraft sowohl die Neuanschaffung von Kleidung, das nicht renovieren der Wohnung und vieles andere mehr. Sprich sie hat die letzten 25 Jahre ihres Lebens nichts mehr in sich oder ihre direkte Umgebung investiert, weil "es lohnt ja nicht mehr".
Mir blutet heute noch das Herz, wie nett sie es sich hätte machen können, wenn sie einen Bruchteil ihres Geldes in einem neuen Teppichboden oder insgesamt die Renovierung der Wohnung investiert hätte ....
Ich hab' dran gearbeitet, mir geht es gut. Die Geschichte habe ich deswegen erzählt, weil solche seltsamen Ängste ja irgendwoher - oder von irgendwem - kommen. Und die Leute mit den Exceltabellen solle man als Therapeuten auch nicht unterschätzen - gut, dass es Nocturna hier im Forum gibt. Sie hat mir durch ihre Beiträge und mal durch einen direkten Austausch (anderer Nick), den Schubs gegeben, mich ernsthaft mit meinen Finanzen zu befassen. So ist aus dem vagen Gefühl "es reicht mir zum Leben und für ein paar Rücklagen" eine halbwegs vernünftige Planung geworden. Hilft auch gegen plötzliche Panik - man muss das Problem von verschiedenen Seiten angehen.
Ich habe wenig in meinem Leben arbeiten können wegen Krankheiten. Entsprechend komme ich kaum mit der Rente aus.
Etwas für das Alter zurückzulegen ging gar nicht.
Nun bin ich über 70 und schaue mit Grausen darauf, dass die Umstände immer schlechter werden. Mein Kaffee kam mal 3,33 im Angebot, inzwischen ist er kaum mal für den doppelten Preis zu bekommen...
Mein kleiner, sich gelegentlich ergebender Job ab und an führt mich in eine Millionärsvilla mit allem Schickimicki. Das Ambiente ist nett, neidisch bin ich nicht. Zumal ich sehe, da wird auch nur mit Wasser gekocht, nur mit teureren Töpfen.
Aber ich habe auch eine Angst in mir, es wird nicht besser, Renten gleichen sich nicht entsprechend den steigenden Preisen an.
Ich habe mich entschlossen, doch noch einmal durchzustarten mit einer Begabung, womit ich gut verdienen könnte. Ich muss aber erst einmal einen Fuß in die Tür bekommen. Mein Freund will mir dabei helfen, aber im Moment liegen da noch Steine auf dem Weg. Klemmt noch.
Ohne diesen Gedanken, vielleicht wird es ja erfolgreich, würde ich im Moment verzweifeln.
Und ja, auch in meiner Familie bestand immer, wirklich immer eine Angst alles zu verlieren. Flucht in Kriegsjahren aus dem Osten, später Flucht aus der "Ostzone", nur mit 2 Koffern "rüber" in den Westen, mein Vater hat ein angespartes Vermögen verloren - an Betrüger. Ich sein Erbe ebenso. Das muss irgendwie in den Genen gespeichert sein. Sich wiederholende Dramen.
Und genau weil es solche Menschen wie dich gibt, schäme ich mich eigentlich für meine völlig unbegründeten Gefühle. Ich drücke dir die Daumen, dass dein Projekt ein Erfolg wird!
Wer im Regen nicht mit mir tanzt, wird im Sturm nie bei mir sein und wer im Sturm nicht bei mir ist, den brauche ich auch nicht bei Sonnenschein.
Zitat von Sternblau im Beitrag #83Und genau weil es solche Menschen wie dich gibt, schäme ich mich eigentlich für meine völlig unbegründeten Gefühle. Ich drücke dir die Daumen, dass dein Projekt ein Erfolg wird!
Martijntje, dass ich dir die Daumen ganz fest drücke, weißt du, und ich denke auch, dass du jede Aussicht auf Erfolg hast !
Mit den Jahren erhärtet sich mein Verdacht, dass der Homo Sapiens eine Schnapsidee der Schöpfung war.
Zitat von Jorinde im Beitrag #81Sie hat mir durch ihre Beiträge und mal durch einen direkten Austausch (anderer Nick), den Schubs gegeben, mich ernsthaft mit meinen Finanzen zu befassen. So ist aus dem vagen Gefühl "es reicht mir zum Leben und für ein paar Rücklagen" eine halbwegs vernünftige Planung geworden.
@Jorinde Uiih, es freut mich zu lesen, dass meine Beiträge positiven Einfluss ausüben. Frauen sind mindestens so schlau wie Männer, aber noch immer sehr zögerlich, was ihre Finanzen angeht. Dabei sind wir, statistisch bewiesen, erfolgreicher als Männer mit Wertpapierdepots, weil wir kaum riskantes Anlageverhalten zeigen.
@Martijntje Ich drücke ebenfalls die Daumen für dein Projekt. Finanzielle Sicherheit und Krankheit lassen sich leider kaum vereinbaren, wenn man schon in frühen Jahren gesundheitliche Einschränkungen hat, aber du bist eine Kämpferin. Respekt.
Zitat von Sternblau im Beitrag #83Und genau weil es solche Menschen wie dich gibt, schäme ich mich eigentlich für meine völlig unbegründeten Gefühle.
Äh nein. Niemand muss sich schämen. Von diesem Gedanken würde ich mich sofort verabschieden. Man kann unbegründete Ängste entwickeln, aber man kann mit Logik und einem Plan immer wieder dagegen halten, selbst wenn eine diffuse Angst bleibt. Aber nichts ist bei einem Beamten planbarer als seine finanzielle Zukunft, wenn man mal die Mindestpension erreicht hat und eine Versorgungsauskunft kannst du dir auch geben lassen.
Du bist deinen Ängsten nicht ausgeliefert, Tabelle machen und an den Kühlschrank hängen. Jeden Tag draufschauen. Das wirkt. Weil du mal von Spinnenphobie gesprochen hast. Habe ich bestmöglich überwunden, indem ich eine Plastikspinne an meine Schreibtischlampe gehängt habe, sehr lebensecht. Ich habe eine Woche lang fast jedes Mal einen Herzinfarkt bekommen, als mein Blick drauffiel, besonders abends mit Schattenwurf. Danach sind wir Freunde geworden. Auch eine Tabelle kann dein Freund werden, egal woher die Ängste rühren. Du musst ihr nur Zeit geben Wirkung zu zeigen.
Die Chance klopft öfter an als man meint, aber meistens ist niemand zu Hause. (Willi Rogers)
Angst vor Armut ist ja nicht nur ein möglicherweise unrationales Gefühl - es kann ja durchaus auch eine Motivation sein.
Ich kenne aus meinem Leben durchaus Situationen, in denen Geld superknapp war - ich komme aus einem klassischen "Arbeitermilieu" - von Großelternseite teilweise wirklich "Tagelöhner" - als mein Opa in einer Firma irgendwann eine Festanstellung als eine Art Hausmeister bekommen hat, galt das schon als gesellschaftlicher Aufstieg - und meine Oma (Jahrgang 1906) hat Zeitungen ausgetragen - und in (für damals seltener weiser Voraussicht - sie war finanziell klug) darauf bestanden, soviele Zeitungen "zugeteilt" zu bekommen, daß sie "Rentenmarken" kleben konnte.
Meine Großeltern haben beide Kriege erlebt - mit so ziemlich allen negativen Begleiterscheinungen. Gestartet wurde nach WW II also bei Null.
Meine Eltern waren beide die Sparsam-wie-ein-Eichhörnchen-Variante - sicher auch aufgrund der Erfahrungen aus dem Elternhaus. Geld war ein kostbares Gut - interessanterweise wurde sowas aber von uns Kindern nicht fern gehalten - wir wuchsen auf mit relativ klarem Wissen, was z.B. bei uns für Einkaufen oder Miete ausgegeben wurde. Nicht pfenniggenau - aber die finanzielle Großwetterlage war uns bekannt - unsere Eltern haben uns teilhabe ermöglicht (Schulreisen, Sportverein, Instrument, an Ausbildung wurde nie gespart), aber es wurde sparsam gewirtschaftet und unbewußt haben wir selten etwas "gefordert", von dem wir wußten, daß es eine Extrabelastung gewesen wäre.
Mein Vater legte Wert darauf, daß wir Verträge sorgfältig vor Unterschrift lesen, wir mußten vom Ausbildungsgehalt ein Viertel als "Kostgeld" abgeben (und bekamen das dann als Startunterstützung, als wir ausgezogen sind). Angekommen ist die Information/Bildung sehr unterschiedlich bei uns Kindern. Ich bin eher die, die das verinnerlicht hat.
Gerade nach dem Scheitern einer Beziehung (wohlgemerkt eine friedliche Trennung - auch in Geldangelegenheiten) war dann meine finanzielle Situation trotzdem unglaublich angespannt. Wohnung, Kaution, Einrichtung ergänzen. Das hat mich innerlich sehr belastet. Aber auch motiviert nie wieder mich darauf zu verlassen, daß eine Beziehung eine finanzielle Garantie wäre. Und fand mich durchaus in der "Eichhörnchen-Situation" wieder - zumal mir auch klar war, daß eventuell die Lebensdauer meines Arbeitsgebers nicht unbedingt deckungsgleich mit meinem Renteneintritt ist und unter Umständen eine Zeit zu überbrücken sein wird, der nicht durch ALG 1 abgefedert sein wird.
Der Klassiker - für ALG 2 qualifiziere ich mich vermutlich inzwischen nicht mehr - weil ich ja ein Polster angespart habe. Ich muß also im schlechtesten Fall meinen Lebensunterhalt samt der Krankenversicherung komplett selbst aus Ersparnissen bestreiten bis zum Renteneintritt. Denn auf dem Arbeitsmarkt bin ich dann vielleicht auch nicht unbedingt begehrt - mit wenigen Arbeitsjahren bis zur Rente - so jemanden will man nicht mehr einarbeiten.
Die Vorausschau auf diesen möglichen/wahrscheinlichen Geldbedarf läßt mich durchaus sehr vorsichtig sein bei Ausgaben. Es ist nicht so, daß ich mir gar nichts gönne - aber ich vermeide unnötige Ausgaben sehr. Ich muß echten Mehrwert für mich sehen - "shoppen als Freizeitbeschäftigung" gehört dazu z.B. definitiv nicht.
Ich denke schon, daß diese Ausgabe-Hemmung aus Erfahrungen kommt - aus Großeltern/Elternhaus und auch aus eigener Erfahrung.
Aber ich denke, diese Vorsorge läßt mich inzwischen auch ruhig schlafen - ich kenne meinen Geldbedarf, mein Ausgabeverhalten und blicke zuversichtlich in die Zukunft.
Zitat von Antje im Beitrag #88Der Klassiker - für ALG 2 qualifiziere ich mich vermutlich inzwischen nicht mehr - weil ich ja ein Polster angespart habe. Ich muß also im schlechtesten Fall meinen Lebensunterhalt samt der Krankenversicherung komplett selbst aus Ersparnissen bestreiten bis zum Renteneintritt.
Dass es ein nennenswertes Schonvermögen gibt, ist dir aber bewusst?
ZitatDenn auf dem Arbeitsmarkt bin ich dann vielleicht auch nicht unbedingt begehrt - mit wenigen Arbeitsjahren bis zur Rente - so jemanden will man nicht mehr einarbeiten.
Kommt auf den Job an. Das hat sich schon gedreht und wird es vermutlich künftig noch mehr, angesichts der demographischen Entwicklung - so jedenfalls mein Eindruck.
Zitat von Antje im Beitrag #88Der Klassiker - für ALG 2 qualifiziere ich mich vermutlich inzwischen nicht mehr - weil ich ja ein Polster angespart habe. Ich muß also im schlechtesten Fall meinen Lebensunterhalt samt der Krankenversicherung komplett selbst aus Ersparnissen bestreiten bis zum Renteneintritt.
Dass es ein nennenswertes Schonvermögen gibt, ist dir aber bewusst?
Zum Rest Zustimmung.
Ja - ich kenne das Schonvermögen. Eine längere Arbeitslosigkeit vor der Rente würde ja letztlich auch eine geringere Rente bedeuten - ich hab einfach versucht, langfristig zu denken und Plan A, Plan B und auch C und D zu haben. Wenn man in einem Kleinunternehmen arbeitet in einer Branche mit sehr schwankender Auftragslage, ist das sicher nicht das Dümmste.
Und es ist ja weder das eine noch das andere "Schreckensszenarium" akut - aber mich beruhigt es, daß es für mich eben keine sind - weil ich mich darauf vorbereitet fühle. Vielleicht kann ich ja bis zum Renteneintritt einfach ganz normal arbeiten und habe dann einfach einen netten Puffer im Alter zusätzlich zur gesetzlichen Rente.
Ich sehe es halt so: Aufs Beste hoffen, aufs Schlimmste vorbereitet sein. Und beides bereitet keine schlaflosen Nächte
Zitat von Nocturna im Beitrag #86… Weil du mal von Spinnenphobie gesprochen hast. Habe ich bestmöglich überwunden, indem ich eine Plastikspinne an meine Schreibtischlampe gehängt habe, sehr lebensecht. Ich habe eine Woche lang fast jedes Mal einen Herzinfarkt bekommen, als mein Blick drauffiel, besonders abends mit Schattenwurf. Danach sind wir Freunde geworden. Auch eine Tabelle kann dein Freund werden, egal woher die Ängste rühren. Du musst ihr nur Zeit geben Wirkung zu zeigen.
Du hast ja Ideen! 😀 Sowas gefällt mir sehr, so ein Pragmatismus!
Als ich aus der Stadt raus in eher ländlichere Gefilde gezogen bin, hab ich auch schnell festgestellt, dass die Spinnendichte hier wesentlich höher ist und mir die bisherige Methode, mit Spinnen fertig zu werden (iiiih kreischen, Füße hoch aufs Sofa und warten, bis sie jemand entfernt) nicht viel nützt, vor allem, wenn ich alleine im Haus bin. Dass ich in Deutschland keine Angst haben muss und Spinnen eigentlich nützliche Tiere sind, wusste ich ja schon. Also hab ich mich immer mehr überwunden und mir Spinnen intensiv angeschaut, wenn sie da waren. Oder im Garten draußen. Tatsächlich stellten sich Fortschritte ein und nach einiger Zeit konnte ich Spinnen mit einem Tuch wegtragen, wenn sie im Haus waren. Bei den BVB Spinnen, wie ich die Wespenspinne nenne, achte ich darauf, ihr Netz nicht zu zerstören, wenn ich was im Garten mache und schau sie mir oft fasziniert an.
Also, geht alles, wenn man es versucht. Sorry für OT, Sternblau, war eine Ausnahme.
Mein Psychologe meinte, ich solle spazierengehen, wenn ich wütend bin. Langer Rede kurzer Sinn: ich bin jetzt in Italien.
Da das Thema transgenerationales Trauma im Titel steht, stelle ich diesen Artikel hier ein.
Die Psychologie spricht hier von sogenannten "transgenerationalen Traumata", erklärt die Psychotherapeutin Nike Hilber im BR-Psychologie-Podcast "Die Lösung". Der Begriff sei in der Forschung vor allem im Zusammenhang mit Nachkommen von Holocaust-Überlebenden entwickelt worden. Grundsätzlich gehe es aber um alle schweren Erfahrungen: Krieg, Flucht, Not, Ängste oder Überforderungen. Angesichts der vielen Krisen und Kriege ein hoch aktuelles Thema.
Symptomatisch dafür sind Theresas scheiternde Beziehungen. In der psychodynamischen Psychotherapie spricht man hier von einem "Wiederholungszwang", erklärt Nike Hilber. "Bestimmte noch unverarbeitete Erfahrungen oder Konflikte werden in aktuellen Beziehungen oder Situationen hineininszeniert." So würden oft immer wieder die gleichen, manchmal auch traumatischen Muster wiederholt. Dahinter stecke die Hoffnung nach einem besseren Ausgang, so Hilber. Hier komme auch die Familiengeschichte ins Spiel: "Wir reinszenieren nicht nur uns selbst, sondern auch, was wir von unseren Eltern bewusst oder unbewusst kennen."
... Epigenetik: Narben im Erbgut
Einschneidende Erfahrungen sorgen aber nicht nur für Narben in der Seele, sondern auch im Erbgut, so fasst das der Depressionsforscher Florian Holsboer zusammen. Auch Nachkommen von Trauma-Überlebenden, die selbst keinen traumatischen Lebensbedingungen ausgesetzt waren, können mit einer Art genetischer Vorbelastung auf die Welt kommen, die sie zum Beispiel anfälliger für Stress machen können. "Wir sind also vulnerabler für die Entwicklung psychischer Erkrankungen", erklärt Nike Hilber diese epigenetischen Mechanismen. Die Epigenetik beschäftigt sich mit biologischen Mechanismen, die aufgrund von Umweltbedingungen wie extremer Stress in der Kindheit, Krieg oder auch wirtschaftliche Not oder auch Diskriminierung zu einer Veränderung der Genexpression führen können.
Mir ist bewusst, dass das Thema "Transgenerationale Traumata" in viele andere Stränge, in denen es um Beziehungen (Eltern, Kinder, Partnerschaft, Beruf) und Persönlichkeit geht, passen würde.
Schwer ist es, die rechte Mitte zu treffen: Das Herz zu härten für das Leben, es weich zu halten für das Lieben. (Jeremias Gotthelf)