Hallo, bin seit 2 Jahren Mitglied bei Verdi und wollte fragen, ob jemand von euch da Mitglied ist und Erfahrungen teilen kann. Bisher haben sie mich nur sehr schlecht, also eher oberflächlich beraten bei einem arbeitsrechtlichen Vorgang. Man kann sich wohl auch bei der Steuererklärung helfen lassen. Sie bieten auch Fortbildungen an, aber die muss man wohl selbst bezahlen. Ich frage mich, ob eine Mitgliedschaft Sinn macht. Ich habe zusätzlich noch eine Rechtsschutzversicherung und frage mich, ob ich nicht besser kündigen sollte.
Die organisieren doch immer die tollen Streiks, die alles lahm legen für die Bevölkerung. Kaum ist ein Streik ausgestanden, wird wieder dazu angestachelt, Unzufriedenheit erzeugt, mit "viel zu wenig Geld", Urlaub ist natürlich auch bedauernswert wenig. Ich finde es immer wieder eine Frechheit, ob die zu was anderen gut sind weiss ich nicht.
Dann solltest Du Deine Bildungslücke bzgl Arbeitnehmermitbestimmung eigenständig schliessen.
@Taubenblau- bzgl einer arbeitsrechtlichen Beratung, mit der Du nicht zufrieden bist, kannst Du Dich an den DGB wenden, es gibt ja nicht nur einen Rechtsberater bei Ver.di.
Es kommt m.E. darauf an, welche Motivation hinter deinem Entschluss, Verdi-Mitglied zu werden, steht. Ist es der Gedanke, die Interessenvertretung der Arbeitnehmer stärken zu wollen oder interessiert dich nur die kostenlose Rechtsberatung?
@SASAPI Kann ich mich denn an den DGB wenden, bzw. bin ich da automatisch Mitglied, wenn ich bei Verdi bin?
Und hat hier vielleicht jemand Erfahrungen damit, wie die Kosten bei den Fortbildungen gehandhabt werden - vielleicht hab ich das ja falsch verstanden?
Und nein, politisch motiviert war mein Beitritt nicht in erster Linie, ich hatte Interesse an kostenloser Rechtsberatung, Steuerberatung und kam erst kürzlich darauf, dass die ja auch Fortbildungen anbieten.
Ich bin selbst nicht Mitglied, aber habe viele Kollegen erlebt, die es waren, teilweise auch aktiv. Manche sind wieder ausgetreten. Unisono sagen alle, dass hinsichtlich der Beratungsqualität ein unglaublicher Niedergang/Verschlechterung stattgefunden hat. Kam früher ein Vertrauensmensch direkt in die Dienststelle, beriet und begleitete das von Mobbing,Ungleichbehandlung etc.betroffene Mitglied zu allen Gesprächen, so muss man heute die Verdi-Stelle "Beratung und Recht" etliche km entfernt inkl. mühseliger Terminfindung, Anfahrt, Parkgebühren...aufsuchen und die Beratung ist gefühlt (O-Ton Kollegen) allgemeines BlaBla, was man selbst googeln kann und längst nicht mehr so hilft wie die persönliche Hilfe und Betreuung früher direkt am Arbeitsplatz. OK das Streikgeld ist vllt für diejenigen interessant, die auch tatsächlich streiken.
Ansonsten ist bei mir am Arbeitsplatz die einhellige Meinung, dass man das Geld inzwischen leider!!! besser in eine Arbeitsrechtsschutzversicherung investiert.
Wirklich gute Fachanwälte arbeiten eher auf eigene Rechnung als als Gewerkschaftsjurist (auch O-Ton Kollegen mit wehmütigem Gedenken an die alten Hoch-Zeiten gewerkschaftlicher Unterstützung).
Und- für Hilfe bei der Steuererklärung oder rechtliche Beratung lohnt sich ein Eintritt in eine Gewerkschaft grundsätzlich nicht, unabhängig davon, um welche Gewerkschaft es geht. Für die Steuererklärung gibt es mittlerweile genügend Apps und PC Programme und für die Kosten einer anwaltlichen Beratung Versicherungen.
Edit: Ich habe mir den Seminarfinder von Ver.di angesehen- soweit ich das überblicken konnte, war bei noch nicht ausgebuchten Seminaren grundsätzlich der Hinweis dabei, dass diese für Mitglieder kostenfrei sind.
Ich habe heute bei verdi gekündigt. Nur bei einigen Seminaren stand dabei, dass diese für Verdi-Mitglieder kostenlos sind. Die meisten Seminare scheinen sich an Personalratsmitglieder zu wenden. Mich interessiert speziell Mobbing, und das ist ausgebucht oder jwd.
Oft bieten (vermutlich eher große Unternehmen) auch anonyme Beratungsleistungen durch einen externen Dienstleister an, an den man sich mit verschiedenen Problemen wenden kann - sogar mitunter mit Themen/Problemen, die nicht direkt etwas mit dem Arbeitplatz zu tun haben. Ggf. könntest Du dich dazu auch informieren (Intranet o.ä.), ob es das bei Dir gibt.
Ich bin ausgetreten, weil ich ehrlich gesagt, den Beitrag auch hoch fand....und es außer den Streiks auch keine Angebote gab....
Als ich dann vor der Trennung mit dem Arbeitgeber stand und auch noch Stress mit der Krankenkasse hatte, musste ich mir eh einen Anwalt nehmen und war froh, dass ich eine Rechtsschutzversicherung hatte.
Sicher: Ohne Gewerkschaften gäbe es keine Arbeitnehmervertretung und die Konzerne wären noch mächtiger....aber für mich persönlich hatte die Kosten-Nutzen-Abwägung zu einem Austritt geführt.
Ich bin in meiner Gewerkschaft in allererster Linie, weil diese meinen Tarifvertrag aushandelt. Je mehr Mitglieder, desto besser fällt dieser aus. Wenn bei einem Streikaufruf das schlimmste, was passieren kann, ist, dass der Arbeitgeber vor Lachen vom Stuhl fällt, dann wird er dementsprechend ausfallen.
Außerdem habe ich bei den Betriebsratswahlen die Liste der Gewerkschaft gewählt. Die Betriebsräte sind dann auch die, die mich bei Problemen, z.B. Mobbing, vor Ort beraten und vertreten können. Damit diese das können, bietet die Gewerkschaft für diese Schulungen an.
Die Gewerkschaft ist eine Solidargemeinschaft.
Aber anscheinend haben sie immer mehr das Problem ihre Message an die Arbeitnehmerschaft zu bringen. Nicht nur in der Politik spielen deren Interessen immer weniger eine Rolle. Ich sehe das mit großer Sorge.
Danke, Fritzi64. Genau das ist der Grund, warum ich Mitglied bei verdi bin. Auch jetzt noch, obwohl ich, da in Rente, in meinem Leben nicht mehr streiken und deshalb auch von Streikgeld nicht mehr profitieren werde.
Die Fragestellung "habe ich ganz persönlich Vorteile von einer Mitgliedschaft" ist für mich, wenn es um Gewerkschaften geht, irgendwie die Falsche.
Virginia, Gisèle, Collien, danke für euren Mut! 🌹
************************************ Moderatorin in der Pandemie und Politik, bei der Nachhaltigkeit, beim Sozialen Engagement und den Festen, bei Klatsch & Tratsch, im Persönlichkeits-, Erziehungs-, Baby-, Familien- und Trauerforum, im Glücklicher leben, bei den Angehörigen, in der allg. Gesundheit, der Kindergesundheit und bei den Krebserkrankungen, in den Krisenbeziehungen, bei den Hobbies, der Photographie und bei den besonderen Ernährungsformen.