Ich lese interessiert mit und stolpere jedes Mal über den ganz unpassenden Strangtitel.
Die erste Generation verdient Geld, die zweite verwaltet das Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte und die vierte verkommt vollends. (Ulf Poschardt, Shitbürgertum)
Zitat von Schreckgespenst im Beitrag #37 Nicht-Reden ist aber auch eine legitime Handlungsoption. ……. Wenn der Betroffene den unausweichlichen Tod lieber ignorieren und übers Wetter reden möchte, dann hat er aus meiner Sicht jedes Recht dazu…
👍 Das ist auf jeden Fall so! Sterben ist ein sehr intimer und persönlicher Prozess und auch als Sterbender kommt man ja nicht automatisch aus seinen Rollen und Wesenszügen raus. Ich hatte eine recht lange Sterbebegleitung eines noch nicht alten Mannes um die 60, der in seiner guten Lebenszeit ein echter „Macher“ war - er ist mit seinem kleinen Privatflugzeug durch die Welt geflogen, hat Aufträge angenommen, seinen Job gemacht und seiner Familie ein wunderbares Leben ermöglicht - 4 Kinder, die Ehefrau nicht berufstätig. Er war also immer der Starke und hätte niemals über Ängste oder Unsicherheiten mit seinen Liebsten sprechen können - diese Rolle hat er bis zu seinem Tod beibehalten. Mir gegenüber konnte er sich öffnen, wir haben geweint und getrauert, er durfte ganz schwach sein und ich bin so dankbar, dass ich ihm das ermöglichen konnte!!
Also, viele sehen das schon als medzinisch an. Wenn z.B. mit allen Mitteln versucht wird, jemanden am Sterben zu hindern, weil man der Meinung ist, der Betroffene könne sein Leiden mithilfe der Medizin noch weiterhin aushalten, ob er will oder nicht.
Zitat von Cynara im Beitrag #54Also, viele sehen das schon als medzinisch an. Wenn z.B. mit allen Mitteln versucht wird, jemanden am Sterben zu hindern, weil man der Meinung ist, der Betroffene könne sein Leiden mithilfe der Medizin noch weiterhin aushalten, ob er will oder nicht.
Genau das finde ich das Schlimmste, unmenschlich und gnadenlos. Darüber spreche ich oft, da ich es bereits zweimal in der Familie so erlebt habe. Jeder soll wissen was ich davon halte damit niemand für mich so entscheidet.
——————————————————————————————————— Die Dinge sind nie so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht. (Jean Anouilh)
So geht es mir auch Annilein! Und ich halte es für wichtig, das Bewusstsein über den Prozess des Sterbens auch den Menschen zu erklären. Viele denken, dass einem quasi einfach das Licht ausgeknipst wird (gibt es auch, aber eher selten), aber der Sterbeprozess kann sich ja über Tage oder Wochen ziehen, und der Körper und vor allem das Gehirn haben da ihre eigenen Mechanismen, die zu durchlaufen nicht unwichtig ist, denn es werden Schmerzen und Angst gelindert. Viel zu häufig wird diese Prozess unterbrochen, um medizinisch zu intervenieren, insbesondere weil Angehörige nicht loslassen können oder wollen
Das war ein wenig Absicht, mit dem provokanten Titel.
Ich hab den Satz auf einer Webseite eines Hospizes gelesen. Sterben ist gerade in der westlichen Welt häufig (nicht immer!) etwas, das steril im KH stattfindet, so wie @Cynara es auch schon in #54 schreibt. In dem Moment, wo absehbar ist, dass der Mensch sterben wird, wird aus dem medizinischen Ereignis (ich hab das englische Wort 'Event' aus dem Artikel so frei übersetzt) eines, das auf mitmenschliche, emotionale und fürsorgliche Weise in Gemeinschaft begleitet werden sollte. In Hospizen, zB oder zuhause, wenn möglich. Sterben ist nicht nur die Flatline an Ende, es ist schon die Zeit davor.
Hier ist noch ein älterer Artikel aus UK, der das Thema aufgreift.
"We can, in fact we must, continue to fight to make everything about society better, without destroying what's already great." Carrick Ryan, Australian political commentator
"We are all just walking each other home." Ram Dass, writer
Zitat von Rübezahl im Beitrag #57 Viel zu häufig wird diese Prozess unterbrochen, um medizinisch zu intervenieren, insbesondere weil Angehörige nicht loslassen können oder wollen
Das wurde mir von der Palliativschwester im KH, als meine Mutter im Sterben lag, auch sehr nahe gelegt. Nicht, dass ich es überhaupt in Erwägung gezogen hätte, aber sie wies mich eindrücklich drauf hin, meine Mutter nicht durch irgendwelche Äusserungen zurückzuhalten. Sie hatte da wohl schon so Einiges erlebt.
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Bei meinem Schwiegervater war es eine Ärztin, die ihn unnötig lange am Leben hielt. Gegen unseren Willen. Eine Qual, die sie vehement als Lebensrettung bezeichnete. Das sei ein Unterschied zur Lebensverlängerung, die er in seiner Patientenverfügung ausgeschlossen hatte. Ich habe ihn als Versuchskaninchen erlebt, menschenwürdig ist das jedenfalls nicht. Ich hoffe ich kann selbst bestimmen, wenn ich weitere Behandlungen ablehne und die Entscheidung sollte dann auch von meinen Angehörigen akzeptiert werden.
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Meine Schwiegermutter hatte keine Patientenverfügung, aber wir konnten im Arztgespräch sehr deutlich machen, was sie gewollt hätte und wir für menschlich fanden. Eine rein sedierende palliative Medikation, unter der sie friedlich eingeschlafen ist.
Zitat von frangipani im Beitrag #47Borghild, bitte. Könnten wir hier bitte ohne Angriffe diskutieren? So habe ich Wendys Post nicht aufgefasst. Sie sagt ja selbst, dass es natürlich jeden treffen kann. Aber mit über 80 sieht man sich im Allgemeinen wohl rein durch die Natur der Sache dichter am Tod als in jüngeren Jahren. Vor allem wenn man in jüngeren Jahren gesund ist oder im Umkreis noch nicht viel mit dem Tod in Berührung gekomen ist.
So ist es. Ich habe in den letzten Jahren viele Menschen verloren, und das liegt einfach am Alter. Denn das Umfeld altert mit, und viele Menschen werden gar nicht mehr 80. Als ein "Privileg", wie hier gesagt wurde, betrachte ich es weiß Gott nicht. Es ist leider traurige Realität.
Mit den Jahren verdichtet sich mein Verdacht, dass der Homo Sapiens eine Schnapsidee der Schöpfung war.
Zitat von Genny im Beitrag #62Meine ist sehr kurz : keine lebensverlängernden Maßnahmen. Also rechtlich abgesichert im Format, aber das ist das Fazit.
Problem ist wohl auch, dass die Definition einer lebensverlängernden Maßnahme nicht immer eindeutig ist. Ich bekomme gerade den Fall mit, bei dem eine 97jährige sehr fortgeschritten demente Dame laut Angehörigen nur noch schläft und palliativ betreut wird. Sie bekommt von den Ärzten aufgrund ihres Hustens Codein (ein Opiat), die Tochter möchte, dass sie ein Antibiotikum bekommt. Mehrere Ärzte haben ihr gesagt, dass sie unter diesen Umständen die Gabe eines Antibiotikums nicht für sinnvoll erachten und sie die PV beachten und umsetzen, die Tochter will das nicht einsehen.
Wie formuliert man sowas in einer Patientenverfügung? Da muss man ja immer die ganze Situation betrachten. Wäre die Mutter 20 oder 30 Jahre jünger, sähe es uU anders aus, auch, wenn sie nicht dement wäre.
Wenn ich so richtig Lust auf Schokolade habe, esse ich anstatt der Schokolade eine Banane. Dann eine Paprika, einen Apfel, Reiswaffeln, Naturjoghurt, eine Gurke und dann die Schokolade.
Zitat von Genny im Beitrag #62Meine ist sehr kurz : keine lebensverlängernden Maßnahmen. Also rechtlich abgesichert im Format, aber das ist das Fazit.
Problem ist wohl auch, dass die Definition einer lebensverlängernden Maßnahme nicht immer eindeutig ist. Ich bekomme gerade den Fall mit, bei dem eine 97jährige sehr fortgeschritten demente Dame laut Angehörigen nur noch schläft und palliativ betreut wird. Sie bekommt von den Ärzten aufgrund ihres Hustens Codein (ein Opiat), die Tochter möchte, dass sie ein Antibiotikum bekommt. Mehrere Ärzte haben ihr gesagt, dass sie unter diesen Umständen die Gabe eines Antibiotikums nicht für sinnvoll erachten und sie die PV beachten und umsetzen, die Tochter will das nicht einsehen.
Wie formuliert man sowas in einer Patientenverfügung? Da muss man ja immer die ganze Situation betrachten. Wäre die Mutter 20 oder 30 Jahre jünger, sähe es uU anders aus, auch, wenn sie nicht dement wäre.
Da könnte man wohl wirklich nur vermerken, dass im Falle einer fortgeschrittenen Demenz und in Anbetracht des Alters und einer wahrscheinlich nur noch kurzen Lebenszeit nur noch eine Behandlung erlaubt wird, die das Leiden mildert und keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr erwünscht sind. Das lässt sich sicher weniger verschwurbelt ausdrücken.
Es ist aber auch eine knifflige Situation, die Entscheidung zwischen symptomlindernder und der möglicherweise den Sterbeprozess verlängernder Wirkung des AB auszuarbeiten. Falls man das überhaupt kann. Die Tochter argumentiert vielleicht damit, dass das AB die Leiden mildert, im Sterbeprozess. Der Husten ist ja nicht ausschlaggebend für ihren Gesamtzustand, oder?
"We can, in fact we must, continue to fight to make everything about society better, without destroying what's already great." Carrick Ryan, Australian political commentator
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