Zitat von Analuisa im Beitrag #18Niemals, niemals die Kinder, weder verbal noch nonverbal, mit den eigenen Sorgen um sie belasten. Sich immer wieder klar machen, dass sie es sind, die die Krankheit, die Schmerzen, die Ängste haben und dass das reicht. Dass sie nicht auch noch die Ängste der Mutter/ des Vaters zusätzlich tragen können.
Das ist für mich der ganz zentrale Punkt, auch bei gesunden Kindern. Meine Mutter hat das leider überhaupt nicht hinbekommen. Die Gründe dafür kann ich in Teilen nachvollziehen und ich glaube auch, dass man es nie ablegen wird, sich um seine Kinder zu sorgen oder Ängste zu haben, aber man hat es sehr wohl in der Hand, wie man damit umgeht und vor allem auch, wie sehr man die Kinder damit belastet. Diese ständige "mach bitte nicht dieses oder jenes, damit ich keine Angst um dich haben muss" war ganz schlimm für mich. Leider habe ich das seinerzeit nicht gänzlich durchschaut und mich davon oft in meinem Tun und Lassen bestimmen lassen.
Am Ende hat das dazu geführt, dass ich zu meiner Mutter zwar ein durchaus gutes, aber kein enges oder tiefes Verhältnis habe. Ich erzähle ihr vieles einfach nicht mehr, dann kann sie mich auch nicht damit bejammern, dass sie sich jetzt schon wieder Sorgen machen muss.
This is a broken world and we live with broken hearts and broken lives but still that is no alibi. (Leonard Cohen)
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https://www.plum-partner.de/Inhalte/uebe...Grundgesetz.pdf Da ist für mich wirklich was dran. Das deckt sich so ziemlich genau mit meiner Lebenseinstellung und meinen Erfahrungen bisher. Im Moment ist das Thema bei mir tatsächlich sehr aktuell (Stichwort Eltern). Ich versuche, bei allem, was gerade zu tun ist, mir meine Gelassenheit und meinen Humor zu bewahren. Nicht immer einfach, aber nur so geht's für mich.
Angst klopfte an. Vertrauen öffnete. Niemand stand draußen. (Chinesische Weisheit)
Zitat von kenzia im Beitrag #24 Es muss doch einen Weg geben, der einen selbst bewahren kann UND man sich um all das kümmert. Und sicher gibt es Akutzeiten, da ist es dann eben so, aber wenn es länger dauert- wo bleibt man dann?
Wenn es länger dauert und sogar, wenn man weiß, bis ans Lebensende, dann werden plötzlich Kräfte frei, von denen man vorher keine Ahnung hatte. Voraussetzung: man nimmt die Situation an, wie sie ist, übernimmt bewusst die Verantwortung und richtet sich in ihr ein. Ich mache das seit vielen Jahren, kümmere mich wirklich um alles, aber eben auch um mich, und das klappt gut. Ansonsten lasse ich alles auf mich zukommen, und das rate ich anderen auch. Planbar ist das Leben nur bedingt. edit Das Kölsche Grundgesetz finde ich klasse !
Mit den Jahren verdichtet sich mein Verdacht, dass der Homo Sapiens eine Schnapsidee der Schöpfung war.
Zitat von Wendy im Beitrag #53Voraussetzung: man nimmt die Situation an, wie sie ist, übernimmt bewusst die Verantwortung und richtet sich in ihr ein.
Ich schätze, da findet sich ein wesentlicher Kern des Themas- WELCHE Verantwortung habe ich? Ich denke, das ist sehr schwierig zu definieren. Wo endet meine Verantwortung? Womöglich ein guter Ansatz- sich einmal klar zu werden, wo man loslassen könnte- oder wo eben nicht.
Zitat von Wendy im Beitrag #53Ansonsten lasse ich alles auf mich zukommen, und das rate ich anderen auch. Planbar ist das Leben nur bedingt.
Eine Frage, die ich mir schon oft gestellt habe. Wo lasse ich laufen- wo bringe ich meine Energie hinein?
Zitat von Wendy im Beitrag #53Voraussetzung: man nimmt die Situation an, wleie sie ist, übernimmt bewusst die Verantwortung und richtet sich in ihr ein.
Ich schätze, da findet sich ein wesentlicher Kern des Themas- WELCHE Verantwortung habe ich? Ich denke, das ist sehr schwierig zu definieren. Wo endet meine Verantwortung? Womöglich ein guter Ansatz- sich einmal klar zu werden, wo man loslassen könnte- oder wo eben nicht.
Es kommt auf den individuellen Fall an, in dem man Verantwortung übernehmen kann/möchte/muss. In meinem Fall musste ich nicht überlegen, es gab und gibt einfach keine Alternative.
Zitat von Wendy im Beitrag #53Ansonsten lasse ich alles auf mich zukommen, und das rate ich anderen auch. Planbar ist das Leben nur bedingt.
Zitat Eine Frage, die ich mir schon oft gestellt habe. Wo lasse ich laufen- wo bringe ich meine Energie hinein?
Das lässt sich nicht so leicht beantworten, zumindest nicht pauschal. Bei mir ergab es sich, war irgendwann mal klar. Was die Zukunft in Bezug auf weitere Entscheidungen bringt und wie ich dann gefordert werde, weiß ich nicht. Aber genau das lasse ich auf mich zukommen.
Mit den Jahren verdichtet sich mein Verdacht, dass der Homo Sapiens eine Schnapsidee der Schöpfung war.
Zitat von kenzia im Beitrag #54 [...] WELCHE Verantwortung habe ich? Ich denke, das ist sehr schwierig zu definieren. Wo endet meine Verantwortung? Womöglich ein guter Ansatz- sich einmal klar zu werden, wo man loslassen könnte- oder wo eben nicht.
Möglicherweise ein Ansatz könnte sein, sich zu fragen, wieviel man selbst von seiner eigenen Tochter erwarten würde. Die meisten Eltern würden mit Sicherheit nicht wollen, dass sich die eigenen Kinder für sie aufreiben, es wäre sicher der Wunsch da, die Kinder mögen ihr eigenes Leben leben und wenn sie sich um das eine oder andere bzgl. Heim kümmern würden und gelegentlich vorbeischauen, dann wäre das schön.
Zitat von kenzia im Beitrag #54 [...] WELCHE Verantwortung habe ich? Ich denke, das ist sehr schwierig zu definieren. Wo endet meine Verantwortung? Womöglich ein guter Ansatz- sich einmal klar zu werden, wo man loslassen könnte- oder wo eben nicht.
Möglicherweise ein Ansatz könnte sein, sich zu fragen, wieviel man selbst von seiner eigenen Tochter erwarten würde. Die meisten Eltern würden mit Sicherheit nicht wollen, dass sich die eigenen Kinder für sie aufreiben, es wäre sicher der Wunsch da, die Kinder mögen ihr eigenes Leben leben und wenn sie sich um das eine oder andere bzgl. Heim kümmern würden und gelegentlich vorbeischauen, dann wäre das schön.
Ich würde auch nichts anderes von meinen Kindern erwarten, aber mich eher vom Acker machen, als in ein Heim zu gehen. Never ever!
Mit den Jahren verdichtet sich mein Verdacht, dass der Homo Sapiens eine Schnapsidee der Schöpfung war.
Mir hilft immer am besten, den normalen Alltag zu gestalten, soweit es halt möglich ist. Kommen zwischendrin die Gedanken und Sorgen, dann versuche ich mir vorzustellen, dass die Gedanken wie Schmetterlinge davon fliegen und ich sehe ihnen noch kurz nach, wie sie am Himmel verschwinden. Funktioniert nicht immer. Beten hilft mir auch, ich bin in Krisensituationen praktisch ständig im Zwiegespräch mit dem lieben Gott. Als ich selbst 14 war ist mein kleiner Bruder lebensgefährlich verletzt worden. Er lag fast ein Vierteljahr zwischen Leben und Tod, dem Tod oft näher als dem Leben. Er hatte immer wieder Gehirnblutungen und wachte sehr lange aus dem Koma nicht mehr auf. Meine Mutter wirft uns heute noch vor, dass wir sie in dieser Zeit nicht unterstützt hätten. Und außerdem hätten wir unser Leben weiter gelebt. Aber was hätten wir denn für eine Alternative gehabt? Mein Vater musste irgendwann wieder zur Arbeit gehen, mein anderer Bruder und ich mussten zur Schule. Wenn wir zu Hause gesessen hätten, hätte das die Situation auch nicht verbessert.
Meine Mutter war nicht berufstätig und klar saß sie verzweifelt daheim. Es war eine so belastende Situation, dass ich heute manchmal noch davon träume. Wochen- und monatelang Angst um einen geliebten Menschen zu haben ist wirklich eine der schlimmsten Sachen, die es gibt. Wir standen ja praktisch immer unter Stress, jederzeit hätte ein Anruf kommen können, dass mein Bruder verstorben sei. Ich bin manchmal in mein Zimmer, wenn das Telefon geklingelt hat und hab mir die Ohren zu gehalten. Ich wollte es nicht hören.
Er hat es zum Glück überlebt, allerdings mit Behinderungen. Auch das ist furchtbar, dass man so lange nicht weiß, wie jemand aus so einer Situation wieder heraus kommt. Er hätte ja durchaus auch ein Pflegefall werden können für den Rest seines Lebens.
Komischerweise wächst man trotzdem in die Situation hinein und auch das Furchtbare wird irgendwann Normalität. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt richtig ausgedrückt habe. Man wird ja in etwas hinein geworfen, von dem man nie gedacht hätte, dass es einem trifft.
Zitat von Fels im Beitrag #58 Komischerweise wächst man trotzdem in die Situation hinein und auch das Furchtbare wird irgendwann Normalität. Ich weiß nicht, ob ich das t richtig ausgedrückt habe. Man wird ja in etwas hinein geworfen, von dem man nie gedacht hätte, dass es einen trifft.
Du hast es genau richtig ausgedrückt . Die Situation mit meinem Mann als Pflegefall ist für mich Alltag und Normalität. So empfinde ich. Auch ich wurde vor fast 14 Jahren mit einer Situation konfrontiert, die ich nie im Leben erwartet hatte und von der ich nicht geglaubt hätte, ich könnte sie bewältigen, geschweige denn dabei noch Lebensfreude empfinden zu können. Natürlich bin ich anfangs durch das Tal der Tränen gegangen, das bleibt nicht aus. Aber irgendwann war das vorbei, und ich richtete mich ein in der veränderten Lebenssituation.
Mit den Jahren verdichtet sich mein Verdacht, dass der Homo Sapiens eine Schnapsidee der Schöpfung war.
Zitat von Fels im Beitrag #58 Meine Mutter wirft uns heute noch vor, dass wir sie in dieser Zeit nicht unterstützt hätten. Und außerdem hätten wir unser Leben weiter gelebt. Aber was hätten wir denn für eine Alternative gehabt? Mein Vater musste irgendwann wieder zur Arbeit gehen, mein anderer Bruder und ich mussten zur Schule. Wenn wir zu Hause gesessen hätten, hätte das die Situation auch nicht verbessert.
Das tut mir sehr leid für Dich, @Fels - mir erscheint der Vorwurf sehr unangebracht.
Hast Du sie mal gefragt, was sie sich konkret als Unterstützung von Dir in Deinem Alter damals erwartet hatte?
Ich finde es traurig, wenn jemand, der genau so unter dieser Situation gelitten hat, dann noch Vorwürfe bekommt.
Es ist sehr schwierig, mit ihr darüber zu reden. Sie geht jetzt auf die 90 zu, ist noch sehr fit und rüstig, aber ich habe mich entschieden, nicht mehr über diese Dinge zu sagen oder zu fragen. Sie hat uns (meinem Vater, meinem Bruder und vorallem mir) immer wieder, auch nach Jahrzehnten, vorgeworfen, wir hätten sie in der damaligen Situation völlig allein gelassen. Ihr wäre es ganz schlecht gegangen und keiner hätte sie unterstützt. Dass wir dazu aber gar nicht in der Lage waren, dass wir selber in größter Sorge und in Stress waren, das hat sie immer ausgeblendet. Wir Kinder waren 14 und 15. Ich saß mal in der Schule, wurde nach vorne gerufen und sollten für eine Note Fragen beantworten. Ich bekam kein Wort heraus. Die Lehrerin wurde sauer und wollte mir eine 6 eintragen. Nur durch Intervention meiner Freundinnen sah sie davon ab.
Das habe ich daheim natürlich nicht erzählt, ich wollte meine Mutter ja nicht noch mehr belasten. Im Sommer ging ich immer in ein heiß ersehntes Ferienlager. Obwohl mein Bruder da weitestgehend über dem Berg war, wollte sie nicht, dass ich auf das Lager gehe. Sie wollte mich noch am Morgen des Abfahrens davon abhalten. Ich ging trotzdem, hatte aber das ganze Lager durch ein schlechtes Gewissen, obwohl es mir andererseits gut getan hat, mal von ihr weg zu kommen und die Situation etwas hinter mir zu lassen.
Sie wollte auch nicht, dass mein älterer Bruder und ich auf den Jahrmarkt gehen. Aber wir waren jung, wir konnten ja nicht jeden Tag nur zu Hause sitzen und meine Mutter "unterstützen". Zumal sie immer mal wieder andeutete oder auch deutlich sagte, dass das falsche Kind verunglückt wäre.
Keine Ahnung, wie ich als Mutter reagiert hätte. Aber Kindern, die selbst in dieser schrecklichen Situation waren (und wir haben meinen kleinen Bruder sehr geliebt), solche Dinge vorzuwerfen und sie so unter Druck zu setzen, das finde ich bis heute nicht in Ordnung. Später hätte sie vielleicht mal drauf kommen können, dass sie da Fehler gemacht hat. Kam sie aber nicht drauf, hat die Vorwürfe immer wieder mal wiederholt.
Aber diese Geschichte sprengt hier wohl den Rahmen. Vielleicht eröffne ich mal einen Strang, bei dem Geschwisterkinder erzählen, wie es ihnen mit einem kranken, behinderten oder verstorbenen Geschwisterchen gegangen ist, welche Stellung man da in der Familie hatte usw.
Wenn du magst, Fels, eröffne den Strang gerne. Es ist auch meine Erfahrung, dass Geschwister in solchen Situationen häufig übersehen werden oder man ihnen eine Rolle überträgt oder mit Erwartungen belastet, die sie gar nicht erfüllen können oder sollten.
"We can, in fact we must, continue to fight to make everything about society better, without destroying what's already great." Carrick Ryan, Australian political commentator
"We are all just walking each other home." Ram Dass, writer
Liebe @Fels , falls Dir danach ist, eröffne gern einen Strang dazu. Wenn ich Deine Zeilen lese, möchte ich Dich am liebsten in eine warme Decke hüllen.
Zitat von Fels im Beitrag #61Zumal sie immer mal wieder andeutete oder auch deutlich sagte, dass das falsche Kind verunglückt wäre.
Das ist einfach nur schlimm ... Ich finde es bemerkenswert, dass Du anscheinend dennoch Kontakt zu ihr hältst.
Liebe Fels, mich erschüttert das, was du über deine Mutter schreibst. Ganz, ganz furchtbar so ein Verhalten, vor allem das hier:
Zitat von Fels im Beitrag #61Zumal sie immer mal wieder andeutete oder auch deutlich sagte, dass das falsche Kind verunglückt wäre.
Es tut mir sehr Leid, dass du solch eine Bürde für dein Leben mitbekommen hast!
Ich fände es gut, wenn du einen solchen Strang eröffnen würdest, wie von dir angedacht - ich habe ein zwar anders gelagertes, aber auch ein Geschwisterthema, das mich schon fast mein ganzes Leben begleitet. Und es hat sicher auch meine Neigung zum Sorgenmachen geprägt.
@kenzia, ich möchte mich bei dir nochmal für den Strang bedanken. Gerade aktuell habe ich ein neues Sorgenmachthema eins meiner Kinder betreffend (also eigentlich zwei, die aber beide dasselbe Kind betreffen), und ich führe mir gerade mehrmals am Tag vor Augen, dass ich mit meinem Gegrübele niemandem helfe, sondern mich nur selbst fertigmache. Das zu erkennen ist schon mal ein wichtiger Schritt, nun müsste ich es nur noch abstellen können.
Du schreibst eingangs, dass die Situation mit deinem Vater bzw. deine Gedanken um ihn Anlass für diesen Strang waren. Magst du näher beschreiben, was es genau ist, was dich vorrangig besorgt (ja, ich habe deine ersten Beiträge nochmal nachgelesen) - eher die Richtung, die Agathe meint, also die Sorge darum, ob er angemessen betreut ist, oder mehr allgemein, die Beunruhigung darüber, dass sein Leben zuende geht? Gibt es denn Möglichkeiten für dich, das Leben deines Vaters positiv zu beeinflussen? Gibt es noch Dinge, die du deinem Vater gegenüber noch ansprechen willst (sofern das möglich ist, ich weiß nicht, ob eine Demenz eine Rolle spielt) ?
Es gibt erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche. D. Bonhoeffer
************************************ Moderatorin in der Pandemie und Politik, bei der Nachhaltigkeit, beim Sozialen Engagement und den Festen, bei Klatsch & Tratsch, im Persönlichkeits-, Erziehungs-, Baby-, Familien- und Trauerforum, im Glücklicher leben, bei den Angehörigen, in der allg. Gesundheit, der Kindergesundheit und bei den Krebserkrankungen, in den Krisenbeziehungen, bei den Hobbies, der Photographie und bei den besonderen Ernährungsformen.
Liebe Fels, ich fühle mit dir. Dass ich ein unerwünschtes Kind war, habe ich schon früh mitbekommen, und auch meine Mutter war blind und taub meinen Bedürfnissen gegenüber. Sie sagte oft, sie hätte keine Kinder bekommen dürfen. Da stimmte zwar, aber das äußerst man doch nicht dem Kind gegenüber! Nie im Leben würde ich meinem ältesten Sohn sagen, ich hätte ihn nicht gewollt, dass ich unglücklich die ganze Schwangerschaft über war und dass ich ihn anfangs nicht hatte lieben können. Bis heute, fast 62 Jahre später, habe ich ihm gegenüber ein schlechtes Gewissen! Warum erkennen diese mordsdämlichen Mütter nicht, dass nicht nur sie eine Rolle spielen? Noch etwas. Wenn deine Mutter klar bei Verstand und auch sonst noch gut zuwege ist, dann sag es ihr deutlich, was sie an dir versäumt hat. Eines Tages wird es zu spät sein! Das habe ich meiner Mutter aus purer Feigheit nämlich nie gesagt, und darüber ärgere ich mich heute noch.
Mit den Jahren verdichtet sich mein Verdacht, dass der Homo Sapiens eine Schnapsidee der Schöpfung war.
Ich danke euch allen für eure Worte. Wendy, es tut mir leid, dass dur dich so unerwünscht gefühlt hast und es wohl offensichtlich auch warst. Ich hoffe, du hast in deinem Leben noch Menschen gefunden, die dich lieben können, so wie du bist. Ich werde tatsächlich einen Strang eröffnen zu dem Thema "Geschwister, die im Vordergrund stehen" oder so ähnlich. Ich glaube, man nennt deren Geschwister "Schattenkinder".
Jetzt habe ich gerade nicht so viel Zeit, aber der Strang kommt, ich denke, es gibt schon einen Bedarf an Austausch.
Im Moment machte ich mir viel Sorgen um meinen Sohn, der mit 36 von einem Tag auf den anderen in einen richtigen Burn-out rutschte. Er war immer die coole Socke in unserer Familie, wuppte anscheinend alles mit links: Hauskauf, Renovierung, 2 kleine Kinder mit lebhaftem Temperament, führende Position mit Verantwortung usw.
Dann ging plötzich nix mehr. Das hat mich sehr mitgenommen. Wir sind uns aber über dieses Thema noch näher gekommen, als wir uns sowieso schon immer waren. Er hat sehr viel meinen Rat gesucht, den ich ihm natürlich gerne gegeben habe, er musste aber auch Hilfe von außen annehmen, was er tat und worüber ich sehr froh bin.
Ich habe festgestellt, dass junge Männer heute einfach anders sind, diesmal im positiven Sinne. Er ging von Anfang an offen damit um, sagte frei, dass es ihm psychisch nicht gut ginge, thematisierte das auch bei guten (männlichen Freunden) und bekam von überall her Hilfe und Unterstützung.
Vor 20 oder 30 Jahren hätten gerade Männer über so ein Thema wohl noch kaum so offen geredet. Sie haben einen Kreuzbandriss: kein Problem, wird bis ins Detail erzählt. Sie haben etwas Psychisches: um Gottes Willen, ja nicht darüber sprechen oder sich das eingestehen.
Dass er so frei darüber reden konnte und sich auch gleich Hilfe gesucht hat, hat mich sehr beruhigt. Es geht ihm noch nicht Bombe, aber zunehmend besser. Meine Sorgen waren groß, ich dachte, jetzt haben sie sich gerade erst ein altes Häuschen gekauft, viel Geld rein gesteckt, er hat 2 Kinder und viele Verpflichtungen und nun ist er krank.
Ich grübelte schon viel, überlegte auch, wie ich helfen könnte. Man kann ja nicht frei und fröhlich sein Leben führen, wenn es dem eigenen Kind nicht gut geht. Da sind wir einfach Mütter, egal wie alt das Kind ist, das habe ich jetzt auch wieder gemerkt. Das legt man nie ab.
Liebe Fels, wir haben gerade mit unserem älteren Sohn eine ganz ähnliche Situation. Er ist jetzt 37 Jahre alt und seit einigen Jahren in einer Führungsposition, die immer sein Traum war, aber auch enorm viel Engagement erfordert und ihm viel abverlangt. Ich habe schon seit Jahren gedacht, dass er viel zu viel arbeitet, auch an den Wochenenden, und sich schwer tut, Dinge zu delegieren oder auch mal nein zu sagen zu bestimmten Dingen.
Zudem ist er seit ca 12 Jahren verheiratet mit einer Frau, die genau so lange schon schwer depressiv ist, deshalb nicht arbeitet und sich im Grunde fast nur mit sich selbst und ihren Problemen beschäftigt , dabei in den letzten Jahren keine Behandlungen mehr in Anspruch nimmt.
Das bedeutet für unseren Sohn natürlich enorm viel an Rücksichtnahme und er muss selber viel zurückstecken.
Seit ein paar Wochen erzählt er immer wieder, dass er Schlafstörungen hat und es ihm nicht so gut geht. Ich habe gerade kürzlich noch mal mit ihm telefoniert und ihm vorgeschlagen, ob er nicht mal eine Kur in einer Kurklinik machen möchte, um sich ärztlich durchchecken und behandeln zu lassen und um mal zur Ruhe zu kommen. Bisher hat er alles in dieser Richtung abgewehrt.
Heute morgen kam nun eine Nachricht von ihm, dass es ihm seit ein paar Wochen nicht gut geht, wahrscheinlich wegen Stress und einer Angststörung. Er hätte gestern einen ersten Termin bei einer Psychotherapie gehabt. Er bittet uns, von Anrufen, Ratschlägen, Nachfragen usw abzusehen, weil ihn das noch mehr stressen würde. Da er weit weg wohnt, können wir uns auch nicht oft treffen.
Dies hat mich sehr betroffen gemacht, aber ich bin auch erleichtert, dass er nun offenbar selber Schritte unternimmt und sich Hilfe holt.
Konkret etwas tun geht natürlich nicht, und das fällt mir schwer. Aber alles, was ich bzw wir tun können ist nun, uns zurück zu halten. In Gedanken bin ich aber bei ihm...
Wir haben ihm auf seine Nachricht alle drei (ich, mein Mann und unser jüngerer Sohn) nur geantwortet mit "alles Gute) und er hat als Antwort zwei rote Herzen geschickt. Ich denke, er weiß, dass wir für ihn da sind, wenn er das möchte.
Liebe Fels, ich wünsche Dir und Deinem Sohn alles Gute!
Liebe Harfe! Das tut mir sehr leid für euch und für deinen Sohn. Er hat ja ein ganzes Päckchen zu tragen! Eigentlich wundert es einem da ja nicht, wenn dann der Burn-out kommt. Vor ein paar Jahren habe ich therapeutisch in einer psychologischen Privatklinik gearbeitet, da waren die Patienten aus dem Beamten- oder freiberuflichen Bereich. Meist verdienten sie recht gut, hatten aber auch oft sehr viel Stress und Verantwortung.
Wir hatten alle möglichen psychischen Erkrankungen, aber auch sehr häufig Burn-out oder Angststörungen. Damals habe ich mich noch gewundert, dass die Leute, die es betrifft, immer jünger werden, oft waren sie 40 oder darunter. Jetzt hat es meinen Sohn und auch deinen, Harfe, auch in diesem Alter getroffen. Ich denke, die jungen Leute legen alles in eine Waagschale. Sie wollen beruflich aufsteigen, sind ehrgeizig (was ja auch erstmal kein Problem ist), dazu kommt der normale Lebensaufbau mit Familie gründen, vielleicht Eigentum erwerben usw.
Wenn dann auch noch die Partnerschaft schwierig ist oder scheitert, reißen oft alle Dämme ein. Bei meinem Sohn ist es so, dass seine Frau sehr aktiv ist. Aktiv in dem Sinne, dass sie einfach nicht mal nichts machen kann. Sie arbeitet selbst 65 %, die Kinder sind noch im Kleinkindalter, aber jede freie Minute muss verplant sein. Die Kinder sind in verschiedenen Aktivitäten angemeldet, Musikschule, Tanzen, Turnen usw.
Jedes passende Kindertheaterstück muss besucht werden, jedes Event wird mitgenommen. Die Kinder sollen gefördert werden, wir haben aber gerade bei de Älteren oft das Gefühl, dass alles einfach zu viel ist, sie zieht sich oft schon länger in ihr Zimmer zurück und spielt dort alleine, wenn sie denn mal dazu kommt.
Es ist wie ein Leben auf der Überholspur. Pausen gibt es quasi nicht. Klar, mein Sohn hat das bisher mitgemacht. Dann hat er aber gemerkt, dass ihm alles zuviel wird. Er muss ja auch mal durchatmen können, in Ruhe kochen oder den Haushalt erledigen, sich mit Freunden zum Fußballschauen treffen usw. Das sieht sie nicht ein, das geht bei ihr alles nebenher, manchmal ist sie aber maximal gestresst und erwartet dann von ihm, dass er mehr übernimmt, anstatt mal einen Gang runter zu schalten.
Irgendwie glaube ich, war das Leben schon immer anstrengend, gerade in den jüngeren Jahren, wenn man sich alles aufbaut. Aber den zusätzlichen "Freizeitstress" machen sie sich heute sicherlich mehr als früher.
Zum Glück hat sich dein Sohn ja jetzt auch Hilfe geholt. Dass er im Moment nicht darauf angesprochen werden möchte, verstehe ich. Meiner hat mit mir darüber geredet und ab und zu ein "Up-date" in die Familengruppe geschrieben. Das hat ganz gut geklappt, man hat ihn erstmal in Ruhe gelassen und war trotzdem informiert.
Liebe Fels, ich danke Dir für Deine Nachricht und für Dein Mitgefühl.
Dein Sohn hat ja auch unheimlich viel an Belastungen auf allen Gebieten und das empfinde ich schon beim Lesen Deiner Schilderung als sehr anstrengend.
Ich denke, bei Stress und Überlastung in beruflicher Hinsicht ist es immer noch vergleichsweise leichter, etwas zu ändern, als auf privatem Gebiet. Es hört sich für mich so an, als würde Dein Sohn nicht so viel Verständnis bekommen von seiner Frau und dass so ein volles Freizeitprogramm anstrengend ist, kann ich mir vorstellen. Man nennt diese Phase von Familiengründung, Hausbau, Karriere machen usw. nicht zu Unrecht "die Rushhour des Lebens".
Bei unserem Sohn haben wir schon lange die Befürchtung gehabt, dass er womöglich irgendwann einen Burnout bekommen könnte, aber er hat alles, was von meiner Seite kam, abgewehrt.
Ich denke, sein Beruf bzw sein Fachgebiet, die Mathematik, ist seine Leidenschaft, und diese Position jetzt hat er sich immer gewünscht.
Ich denke nur, dass er mehr zu delegieren lernen sollte, nicht alles hundertprozentig machen sollte und bei bestimmten Anfragen auch eher mal nein sagen könnte.
Ich hoffe, dass er solche Dinge in der Therapie besprechen kann.
Wie es nun mit seiner Frau gehen wird, kann ich mir gar nicht vorstellen. Vermutlich wäre es gut, wenn er sich mehr abgrenzen würde, aber wie das bei ihr ankommen würde, weiß ich nicht...
So einen Familienchat mit uns Eltern und den beiden Söhnen haben wir auch und ich denke, er wird sich auch wieder melden, wenn er ein bisschen mehr seinen Weg vor sich sieht.
Dieser Strang geht ja um das Sich Sorgen machen und mein Mann und ich sind aktuell ein bisschen im Urlaub, da kommen mir in der Urlaubsruhe immer wieder Gedanken hoch. Es hilft ihm natürlich nicht, wenn wir uns Sorgen machen, aber ich habe mal von einer Studie gelesen, wo Nonnen gebeten wurden, für jeweils eine unbekannte fremde Person zu beten. In der Studie gab es zwei Gruppen von erkrankten Probanden und für die eine Hälfte wurde gebetet und für die andere Hälfte nicht. Ich habe es nicht mehr genau im Kopf, aber ich glaube, dass es nach einiger Zeit denjenigen, für die gebetet wurde, vergleichsweise besser ging als den anderen.
Ich denke mir, wenn ich unserem Sohn in Gedanken Liebe und gute Wünsche schicke, dass das hoffentlich eine gewisse Wirkung hat. Ich empfinde das irgendwie "produktiver" als mich in heftigen Sorgen selber aufzureiben. Das klingt sicher etwas esotherisch, aber für mich ist es wie eine Art "Strohhalm", an den ich mich versuche zu halten.
Liebe Fels, ich wünsche Dir und Deinem Sohn alles Gute!
Danke liebe Harfe! Das mit dem esoterischen verstehe ich gut. Ich bete auch in kritischen Situationen. Zudem mache ich Reiki, das kann man auch nicht direkt machen, man schickt dann die Energie auf eine betimmte Situation oder zu einem bestimmten Menschen. Mir hilft so etwas auch sehr, man fühlt sich nicht ganz so hilflos und ausgeliefert.