Es läuft doch darauf heraus: Wie bei jedem Geschenk - jedes Geschenk ist schön - nur nicht für jeden.
Und gut gemeint ist häufig das Gegenteil von gut gemacht.
Ich versuche, zu schenken, was dem Beschenkten große Freude macht oder Entlastung schafft - und je persönlicher ein Geschenk ist, desto besser sollte man die beschenkte Person kennen.
(glaubt mir - ich walze nicht bei jedem herein und stelle eine Kiste vorgekochte Mahlzeiten auf den Tisch mit dem Satz: Freu Dich. Und ne - ich putze wahrlich nicht gerne - ich bin normalerweise froh, wenn ich meinen eigenen Haushalt einigermaßen auf Spur halte - das mach ich sicher nicht als Hobby, um andere mit der Nase drauf zu stoßen, daß deren Putzleistung ungenügend ist. (Da wäre in meiner Wohnung genug Potential für Kritik). Ich schenke Dinge oder eben "Erlebnisse", die im Idealfall sehr sehr speziell auf die beschenkte Person zugeschnitten sind, auf den Anlaß, auf den Zeitpunkt. Die ich in dieser Form vielleicht nie wieder verschenke.
Ein Geschenk ist für mich etwas, was im Idealfall nicht der Schenker für richtig hält, sondern der Beschenkte.
Ich habe von meinem Vater Geschenke bekommen, die ich abgrundtief gehaßt habe - weil er fand, daß ich sowas haben muß (nie werde ich vergessen, daß ich Trekkingstöcke zum Geburtstag bekam - weil ER gerne zum Trekking ging - und ich regelmäßig gesagt hatte, daß ich diesen Sport nicht ausstehen kann - selbst beim Kaufen hat meine Mutter ihn noch darauf hingewiesen - und er meinte "sie soll es mal ausprobieren - bestimmt mag sie es dann". Nein - mochte ich nicht. Andere Menschen hätten sich bestimmt über die Dinger total gefreut).
Ich habe auch letztens einen sehr sehr teureren (und ich erwähne es nochmal - SEHR TEUER) Blumenstrauß bekommen. Über den ich mich nicht besonders gefreut habe - so schön er war. Er war so groß, daß ich (und niemand im sehr erweiterten Freundeskreis) eine Vase gehabt hat, die groß genug für diesen Strauß gewesen wäre. Er stand - bis er verblüht war - in einem rosa 10 Liter-Putzeimer auf dem Tisch. Ich hätte mich zu dem Anlaß über einen "normal großen" Strauß und einen Buchgutschein weitaus mehr gefreut (und ja - derjenige weiß, daß ich gerne lese). So ein Geschenk ist mehr für den Schenkenden (sieh an, wie viel Geld ich ausgegeben habe für Dich) als für den Beschenkten. Da hat sich jemand null Gedanken gemacht.
Jede Aktivität oder Sache hat Menschen, die sie schätzen und andere, die damit nichts anfangen können. Die Kunst ist doch, das Richtige für den Empfänger zu schenken. Wir haben als Freunde auch schon einem anderen Freund zu seinem Geburtstag "Ruhe und Frieden" geschenkt, weil er es haßt, wenn Trubel ist und mit seiner Familie immer Trubel ist. Wir haben dann explizit NICHT angerufen, sind NICHT vorbeigekommen....
Zitat von kenzia im Beitrag #197Ich verstehe diesen Gedanken, aber das ist eben genau das, was ich meine- ich glaube, dass gar keiner SO detaillier darüber nachdenken würde!
Natürlich denkt da niemand so detailliert drüber nach. Ich glaube, das meiste davon läuft völlig unterbewusst ab und löst erst mal nur Ablehnung (also nicht nur "Nein, danke.", sondern "Warum fragt man das?") aus. Ich hab das jetzt nur so detailliert geschrieben, weil ja wenig recht wenig Verständnis für die Ablehnung da war und ich für mich selbst (auch im Gespräch mit meinem Mann und mit anderen Freunden, denen es so geht wie mir) ergründet habe, woher diese Abwehrhaltung kommt.
Zitat von kenzia im Beitrag #197also als Mann man womöglich auch nicht abgeneigt wäre, ein fertiges Essen nur warm machen zu müssen.
Also meinem geht es wie mir😅 Der freut sich wenn dann auch eher über andere Hilfe.
Zitat von kenzia im Beitrag #200Wieso sollte ich etwas "zurück erwarten" wenn ich jemandem helfe??? Das, was ich erwarte ist maximal ein "danke"- wobei auch das nicht zwingend ist.
Es gibt schon ziemlich viele Leute, die das tun. Und ich für mich kann auch sagen: Ich erwarte nicht unmittelbar etwas zurück, aber wenn ich einer Person viel helfe und von der so gar nichts zurückkommt, bin ich auch wütend/frustriert. Und genau aus diesen beiden Gründen setzt mich manche (nicht jede!) Form der Hilfe bzw. Hilfsangebote auch unter Druck
Zitat von Tabea57 im Beitrag #203Ich glaube auch, dass mein Mann sich seine Konzertkarte selbst kaufen kann. Ich mache das trotzdem, weil ich ihm etwas Schönes schenken will. Ich glaube, dass meine Freundinnen sich selbst Plätzchen backen können. Aber trotzdem verschenke ich an sie selbstgebackene Plätzchen. Als Zeichen meiner Wertschätzung.
Das sind für mich erst mal zwei Paar Schuhe. Ein Geschenk macht man ja um des anderen Willen. Also überlegt man sich, womit man dieser Person eine Freude machen könnte. Ja, damit kann man mal danebenliegen - schreibst du ja selbst. Und ich denke, ein normaler Mensch ist da dann auch nicht nachtragend oder sonst was. Ich hab meiner Mutter die Essensangebote auch nicht übelgenommen - sie wusste ja, dass ich nicht gern koche. Würde sie heute, nach unzähligen Ablehnungen, immer noch fragen, dann wäre es etwas anderes Die Leute, die auf die Idee kämen, mir Hilfe anzubieten, kennen mich in der Regel auch gut genug, um zu wissen, in welche Richtung es für mich (bzw. uns) am besten passt. Und, wie gesagt: Das spielt sich ja nicht wortwörtlich so in meinem Kopf ab.
Zitat von Malaita im Beitrag #207Ich kenne Familientreffen bei mir nur so, dass abgesprochen wird, was dieser oder jener zum Besuch mitbringt (wenn er/sie das will). Einen Kuchen, eine Beilage zum Essen oder was auch immer. Warum soll nur die besuchte Familie die ganze Arbeit haben? Ob Babybesuch oder nicht.
Bei Familientreffen kenne ich das auch so. Aber das ist für mich auch noch mal was anderes. Weil es eben ein Familientreffen ist und nicht ich Besuch einlade und Gastgeber bin.
Zitat von Tabea57 im Beitrag #214Muss ja nicht nur Essen sein. Die Nachbarin, die als zweites Kind Zwillinge bekommen hat, freut sich auch darüber, wenn jemand sich den Kinderwagen schnappt und eine Runde mit den Kleinen geht. Das fällt für mich in die gleiche Kategorie.
Das sind für mich zum Beispiel zwei verschiedene Dinge. Wenn die eine Nachbarin mit dem Baby (oder von mir aus den beiden Großen) eine Runde gehen würde, würde ich das eher annehmen als Essen.
Zitat von Stina im Beitrag #215st nicht wörtlich zu nehmen, natürlich müssen die wenigsten Frauen nach einer Geburt wochenlang im Bett liegen
Da würde ich auch wahnsinnig werden😂
Zitat von kenzia im Beitrag #216Ich als Nachbarin kenne aber meine Nachbarn zB nicht gut- man quatscht mal auf der Straße, tauscht sich im kurzen Blabla des Alltags aus. Das hat aber mit kennen nichts zu tun. Dennoch nehme ich Anteil- als das Baby der Nachbarn geboren wurde, beim Versterben einer anderen Nachbarin.
Zitat von Convallaria im Beitrag #217Ich habe nochmal nachgedacht, und ich glaube, mir wäre das irgendwie auch zu "nah", zu aufdringlich/einmischend in mein Leben, wenn jemand damit ankäme, und ich denke weiter, dass das eine Typfrage ist.
Ich pack diese beiden Zitate mal zusammen, weil es mir geht wie Convallaria. Es wäre mir einfach zu persönlich, wenn der "halten ab und an mal Smalltalk"-Nachbar mir Essen anbieten würde. Selbst bei meiner Familie wäre es mir zu nah, aber besser als bei "irgendwem" den ich nur flüchtig kenne.
Zitat von Nordsee im Beitrag #220Von ungefragtem Essen mitbringen habe ich nichts gelesen (das hat meines Wissens auch niemand befürwortet) sondern es ging um ein ANGEBOT.
Ich hatte die Eingangsfrage als ein allgemeines "Essen mitbringen, egal ob mit oder ohne Nachfrage" verstanden, wobei aber von Anfang an ein ziemlicher Konsens übers Nachfragen herrschte. Bei einigen Berichten z. B. von der verwitweten Tante (?) war ich mir allerdings unsicher, ob da jeder gefragt hat.
Zitat von Larifari im Beitrag #224Ausnahme: die Leute, die aber bitte erst gar nicht gefragt werden wollen … (verflixt, die hätte ich ja beinahe vergessen - die gibst hier ja auch!)
Es ist jetzt auch nicht so, als ob ich beleidigt und nachtragend wäre, wenn mich jemand fragen würde. Außer, wenn er dann nicht akzeptiert oder zu 10 anderen Gelegenheiten wieder dasselbe anbietet. Generell finde ich auch "herabsetzend" und "übergriffig" zu hart als Beschreibungen, wie ich es empfinde. Mir persönlich wäre tatsächlich am liebsten, wenn man mich einfach fragen würde ob, und wenn ja wie man uns helfen kann.
Ich pack's jetzt nachträglich in den Spoiler, weil ich gerade den Edit gelesen hab ...
Zitat von Larifari im Beitrag #225Ich könnte mir vorstellen, dass sich vielleicht eher ein alter Mensch einsam fühlt, wenn er sich plötzlich nicht mehr so dringend gebraucht fühlt bei der jungen Familie?
Ich verstehe, was du meinst, aber ich kann mir in der Realität schwer vorstellen, dass jemand vereinsamt, weil Neueltern gekochtes Essen ablehnen. Denn: => meine Eltern und Schwiegereltern (Gut, die würden sich eh gegen die Bezeichung "alt" wehren), unsere Großeltern etc. werden schon seit Jahren nicht mehr von uns "gebraucht". Die Nachbarn wurden es noch nie. Extremsituationen mal ausgenommen, aber da werden sie auch weiterhin immer gebraucht, genauso umgekehrt. Es ist also nicht "plötzlich" und eben etwas, an das sie sich seit unserer Volljährigkeit gewöhnt haben. In der Regel also schon deutlich länger so der Fall als bei uns. => Wenn unsere Eltern und Großeltern wegen unserer Kinder plötzlich vereinsamen würden, dann würde gehörig etwas schieflaufen. Wir "brauchen" sie zwar nicht mehr als Menschen, die uns Dinge abnehmen, aber wir "brauchen" sie als Menschen, die in unserem Leben immer eine Rolle spielen und immer wichtig für uns sind. Wir sind durch die Kinder sogar häufiger dort als wir es vor den Kindern waren, weil uns die Enkel-(Ur-)Großelternzeit so wichtig ist. Auch wenn sie dabei keine Babysitter o. ä. sind.
Zitat von rahsil im Beitrag #227 => Wenn unsere Eltern und Großeltern wegen unserer Kinder plötzlich vereinsamen würden, dann würde gehörig etwas schieflaufen. Wir "brauchen" sie zwar nicht mehr als Menschen, die uns Dinge abnehmen, aber wir "brauchen" sie als Menschen, die in unserem Leben immer eine Rolle spielen und immer wichtig für uns sind. Wir sind durch die Kinder sogar häufiger dort als wir es vor den Kindern waren, weil uns die Enkel-(Ur-)Großelternzeit so wichtig ist. Auch wenn sie dabei keine Babysitter o. ä. sind.[/spoiler]
Damit triffst du auch meine Einstellung zu 100 Prozent.
Und ich würde mir wünschen, dass unsere Eltern sogar stolz darauf sind, uns zu selbstständigen Menschen erzogen zu haben, die nicht für alles Hilfe von außen "brauchen".
Zitat von rahsil im Beitrag #227 Und ich für mich kann auch sagen: Ich erwarte nicht unmittelbar etwas zurück, aber wenn ich einer Person viel helfe und von der so gar nichts zurückkommt, bin ich auch wütend/frustriert. Und genau aus diesen beiden Gründen setzt mich manche (nicht jede!) Form der Hilfe bzw. Hilfsangebote auch unter Druck
Also von "viel helfen" sind wir in unserem Beispiel ja weit weg, wenn ich einmal was zu essen bringen würde.
Ansonsten neigen wir dazu, aus einem Geschenk eine Verpflichtung der Gegenseitigkeit zu verspüren. Das ist ein Mittel für Manipulation und sehr bekannt- so funktioniert zB der Gratis-Stand im Geschäft mit Käse, den du eigentlich gratis bekommst......um dich später unbewusst dann doch für DIE Marke zu entscheiden- aus oben genannten Gründen. Also ja- eine gewisse Verbindlichkeit kann leicht entstehen, die man aber ja auch nicht als negativ werten muss- vor allem doch auch zu vernachlässigen, wenn man nur ein Mal etwas bekommt.
Zitat von kenzia im Beitrag #216Ich als Nachbarin kenne aber meine Nachbarn zB nicht gut- man quatscht mal auf der Straße, tauscht sich im kurzen Blabla des Alltags aus. Das hat aber mit kennen nichts zu tun. Dennoch nehme ich Anteil- als das Baby der Nachbarn geboren wurde, beim Versterben einer anderen Nachbarin.
Zitat von Convallaria im Beitrag #217Ich habe nochmal nachgedacht, und ich glaube, mir wäre das irgendwie auch zu "nah", zu aufdringlich/einmischend in mein Leben, wenn jemand damit ankäme, und ich denke weiter, dass das eine Typfrage ist.
Ich pack diese beiden Zitate mal zusammen, weil es mir geht wie Convallaria. Es wäre mir einfach zu persönlich, wenn der "halten ab und an mal Smalltalk"-Nachbar mir Essen anbieten würde. Selbst bei meiner Familie wäre es mir zu nah, aber besser als bei "irgendwem" den ich nur flüchtig kenne.
Ok- muss ich dann anders erklären. "flüchtig" ist jetzt auch nicht zutreffend, weil man sich seit über 30 Jahren kennt- man weiß letztlich schon einiges voneinander. Also die großen Aktionen allemal, Streben, Geburt, Schicksale- dennoch wird eine deutliche Trennlinie gezogen, in der man sich dann doch nicht ZU nah kommt. Man mag sich, man sieht sich- man erfährt auch das eine oder andere- aber näher geht es nicht.
Also nein- flüchtig würde ich das nicht nennen- man nimmt schon auch Anteil, aber hält doch auch eine Distanz, damit man sich eben nicht in die Töpfe schaut.
Zitat von Nordsee im Beitrag #220 Nur zur Klarstellung: Von ungefragtem Essen mitbringen habe ich nichts gelesen (das hat meines Wissens auch niemand befürwortet) sondern es ging um ein ANGEBOT.
Naja, bei Nachfragen gäbe es dann ja gar kein Problem mehr. Die einen würden jubeln und sagen: „oh ja gerne“ und andere würden mit den Worten ablehnen: „ nein danke, in dieser Hinsicht benötigen wir keine Hilfe, das erledigen wir schon selbst“. Letzteres sollte dann aber auch akzeptiert werden. Ausnahme: die Leute, die aber bitte erst gar nicht gefragt werden wollen … (verflixt, die hätte ich ja beinahe vergessen - die gibst hier ja auch!) ... okay, ich sehe schon, die Sache ist doch komplizierter, als ich im ersten Moment gedacht habe
Zitat von Heaven im Beitrag #223Und der Schluss, der hier gezogen wurde , dass man vereinsamen wird, wenn man diese Tradition ablehnt, finde ich zumindest fragwürdig.
Ich denke schon, dass der Strang gut war und auch viele Sichtweisen zusammen gekommen sind. Es zeigt doch auch nur die Vielfalt, wie Menschen sich verhalten, denken und handeln.
Ich glaube, es wäre viel gewonnen, wenn jemand nicht beleidigt oder verärgert ist, wenn ihm einer was zu essen bringen würde- vielleicht weil er hier gelesen hat, dass es viel positiver gedacht ist, als es vielleicht empfunden wird. Wie auch, dass Essens-Mitbringer besser nachfragen und damit eine größere Achtsamkeit zeigen.
Wir werden uns alle nicht wegen dem Strang verändern- das ist doch klar. Aber ein wenig vielschichtiger Hinschauen ist doch auch bereichernd und kann allen helfen.
Dass man vereinsamt, wenn man diese Tradition ablehnt, glaube ich zB so punktuell keineswegs.
Und was auch sein kann: vielleicht hätte ich als junge Mutter durchaus gerne einen Topf mit Essen. Aber absolut keinen Besuch. Weil ich viel Ruhe brauche, weil Baby und ich uns ungestört kennenlernen wollen, weil ich einfach nicht zum Duschen, Frisieren, Anziehen komme. Und ich höre schon: die Mutter oder beste Freundin darf man auch im Nachthemd empfangen. Kann sein, würde ich aber nicht wollen (ich möchte z.B.auch keinen Besuch im Krankenhaus, was einige Menschen unverständlich finden). Und das Essen bringen ist ja in der Regel mit einem Besuch verknüpft (" ich bleibe nur gaaanz kurz, nur mal das Baby sehen") Ich habe den Eindruck, dass man diese Aspekte (Essen bringen und Besuch, der vielleicht nicht gewollt ist) schlecht trennen kann. Noch weniger als das gut gemeinte Essen abzulehnen wird offenbar verstanden, wenn junge Eltern ein paar Wochen keine Besucher wollen, auch nicht Oma mit dem Suppentopf. Ich war damals anders, ich war so stolz auf meine Kinder und wollte sie gerne präsentieren. Aber trotzdem respektiere ich es selbstverständlich, wenn meine (Schwieger)Kinder es anders handhaben.