Aufgrund dieses Themas hier bin ich in meinem realen offline Leben nun ein bisschen sensibilisierter bzw höre offenbar das Thema Einsamkeit öfter mal heraus.
So habe ich mich heute mit einer Frau aus dem betreuten Wohnen in meiner Nachbarschaft unterhalten, die mit ihrem kleinen Hund dort eingezogen ist. heute hatte sie zwei hundis dabei, und ich habe sie verwundert darauf angesprochen. Der zweite Hund allerdings sei nur ein Pflege, sagte sie. Ich habe es lobend hervorgehoben, dass sie ihren Hund mit ins betreuten Wohnen nehmen durfte, und sie erzählte, das ist einerseits ein ziemlicher Kampf gewesen sei, aber andererseits könne man doch nicht alten Menschen ihre Tiere wegnehmen, denn gerade alte Menschen leiden doch unter Einsamkeit, und man wisse doch inzwischen, wie wichtig Tiere seien, wenn Menschen schon so einsam seien.
Stimmt.
Und wenn ich könnte, hätte ich einen Hund. Denn abgesehen davon, das Hunde in der Regel menschenbezogen sind, kommt man mit Hunden draußen beim Spazierengehen schnell in Kontakt mit anderen Menschen. Ich kenne viele Leute, die sich zufällig oder absichtlich inzwischen zusammen zum Spazierengehen treffen mit ihren Hundis dabei.
Und dann ist mir noch aufgefallen, also an mir persönlich, wie der mein Gefühl von Einsamkeit oder meine mein Leid auch davon abhängt, ob ich mich gerade gesundheitlich wohlfühle oder nicht. Ich hatte jetzt ziemlich lange eine ziemlich heftige Bronchitis, die mich zusätzlich noch quasi ans Haus und ans Bett gefesselt hat, und das hat mein Einsamkeitsgefühl noch verstärkt. Leute, die direkt ihre Familie quasi im Haus haben, haben , wenn sie Glück haben, jemand der sie ein bisschen betüttelt, und das fällt bei mir natürlich komplett weg.
Wo ich das lese, wollte ich auch noch eine Geschichte hierlassen:
Vor ein paar Tagen saß ich nachmittags in einem Café bei uns in der Innenstadt, ich hatte gut Zeit bis zu einem Folgetermin und wollte bei einem Kaffee ein paar Seiten in meinem Buch lesen. Es war recht voll, da fragte eine ältere Dame, ob sie sich zu mir setzen dürfe. Ja, natürlich. Das führte dazu, dass sie anfing, ohne Punkt und Komma zu reden und mir in relativ unzusammenhängenden Sätzen ihr halbes Leben zu erzählen. Sie war 81, ihr Mann lebte nicht mehr, die Familie wohnte nicht in der Nähe, offenbar waren da auch einige familiäre Probleme, die sie immer wieder andeutete. Es war, als sei ich in einen Strudel gefallen, sie redete und redete. Ganz offensichtlich war sie einsam und wusste nicht so richtig, was sie mit ihrer Einsamkeit anfangen sollte. Sie wolle in ihrem Alter keinen Mann mehr, das sagte sie noch ein paar Mal. Aber je nachdem, ob ihre Bekannten selbst noch Ehemänner hatten, war das mit dem Kontakthalten wohl auch nicht immer leicht. Sie redete etwa 40 Minuten, dann sagte sie ziemlich abrupt "Tschüss" und ging. Ich musste mich erst mal erholen.
Diese Frau hat mir leid getan. Ich spürte auch, wie sehr mir dieses einseitige Zugeschwalltwerden Energie zog. Ich konnte nichts tun, als ihr zuzuhören, was immer das geholfen hat, und das habe ich getan, aber diese Frau hatte so viel Aufgestautes in sich, was könnte man da tun? Sie hatte offenbar keine Kapazitäten mehr für Gegenseitigkeit in einem Austausch - sie hat mir nicht eine Frage gestellt oder mich länger zu Wort kommen lassen als ein paar kurze "Hm", "Ja". Das war wirklich anstrengend und hat mir auch sozial wenig zurückgegeben. Schwierig.
Linaya bei solchen Personen, die mich nir zuschwallen habe ich für mich entschieden dass ich dacden Kontakt mitten im Gespräch abbreche. Das Umsetzen fällt mir noch schwer, aber da muss ich zu meinem Selbstschutz Grenzen ziehen lernen. Die längste Zeit die ich das ertragen habe war der
Besuch einer Frau bei mit ein abgesprochener Besuch - die mich von 14.00 bis 22.00 mit ihrer schlechten Ehe und dass sie wartet bis Ihr Mann in Rente ist und dass sie dann die scheidung einreicht zugeschwallt hat. Witzigerweise hatte ich schon als sie sagte, sie würde vorbeikommen das Gefühl, dass das kein Besuch ist , der mit mir auf Augenhöhe reden will der ein nettes Gespräch will sondern so etwas in die Richtung in der der Besuch sich danach entwickelt hat. Klar ich kannte die Frau auch schon einige Jahre.
Warum ich das mitgemacht habe - ich hatte den Traum wir könnten gute Bekannte mit gegenseitigen Besuchen werden…..
Wo ich inzwischen eine andere Haltung habe und damit eine Verbesserung spüre - ich rede bei Vorträgen mit den Nachbarn links und rechts - höre aber auch auf damit - redecwenn es hinterher einen kleinen Snack gibt aber immer wieder mit Aufhören. Das ist - für mich ist die Entscheidung wi htih - kein raus aus Einsamkeit - das braucht engere Kontakte - aber ein gewisses bewusstes in einer Gruppe ni ht alleine sein. Und mit der hier angefeuteten Möglichkeit nach irgendeiner Veranstaltung nich irgendwohin auf einen kaffee oder einen Wein zu gehen da bin ich jetzt grundsätzlich dazu bereit und achte darauf ob sich etwas ergibt. Hätte ich vor einigen Wochen einer Spaziergangsteilnehmerin auch vorgeschlagen aber unser Kontakt endete mit meiner Frage ob sie jetztvsuch nach x gehe wie ich .Tat sie nicht. Aber Ich habe zumindest mal daran gedacht und ich hätte bei einer Vernissage auch ein Gespräch weitergühren können aber das hat mit einen gewissen Touch von zugeschwallt werden angefangen und da fühlte ich mich nicht ganz wohl.
Wobei: kann denn jede von euch versichern, nicht auch versehentlich jemand anderen zuzuschwallen, wenn man quasi überläuft? Auch wenn solche Leute anstrengend ist, würde ich sie nicht verurteilen wollen.
Ist das jetzt so rübergekommen, als verurteilte ich die Frau? Das tue ich nämlich nicht. Ich fand es einfach anstrengend, und ich war hinterher auch ratlos, wie man solchen Situationen gut begegnen kann, im Sinne von: Verständnis zeigen, ohne Energie zu verlieren.
Auf die Frage, ob ich ausschließen könne, andere zuzuschwallen: Das kann ich nicht, aber ich versuche, aufzupassen, dass ich nicht zu viel rede, und dass ich die Verbindung zu meinem Gegenüber nicht verliere. Auf keinen Fall würde ich 40 Minuten schwallen. Auch keine fünf.
Menschen die ohne Punkt und Komma reden haben meiner Erfahrung nach überhaupt kein Gespür für Grenzen, geschweige denn, dass sie das Gegenüber und ein Austausch tatsächlich interessiert.
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert.
Zitat von Linaya im Beitrag #480Ist das jetzt so rübergekommen, als verurteilte ich die Frau? Das tue ich nämlich nicht. Ich fand es einfach anstrengend, und ich war hinterher auch ratlos, wie man solchen Situationen gut begegnen kann, im Sinne von: Verständnis zeigen, ohne Energie zu verlieren.
Auf die Frage, ob ich ausschließen könne, andere zuzuschwallen: Das kann ich nicht, aber ich versuche, aufzupassen, dass ich nicht zu viel rede, und dass ich die Verbindung zu meinem Gegenüber nicht verliere. Auf keinen Fall würde ich 40 Minuten schwallen. Auch keine fünf.
Ach entschuldige, nein, ich habe das nicht so verstanden, dass du sie verurteilst.
Ich lese nur manchmal so etwas durch, wie anstrengend und wie nervig und wie fürchterlich Leute sind, die andere zuschwallen. Das denke ich ja auch, und gleichzeitig weiß ich nicht, ob ich nicht auch manchmal jemanden zuschwalle, weil ich so voll bin und kein Ventil habe, loszuwerden, was ich loswerden möchte.
Insofern bemühe ich mich, tolerant zu sein, zu ertragen. Ist auch nicht optimal, weiß ich, aber....
Diese Frau hat mir leid getan. Ich spürte auch, wie sehr mir dieses einseitige Zugeschwalltwerden Energie zog. Ich konnte nichts tun, als ihr zuzuhören, was immer das geholfen hat, und das habe ich getan, aber diese Frau hatte so viel Aufgestautes in sich, was könnte man da tun? Sie hatte offenbar keine Kapazitäten mehr für Gegenseitigkeit in einem Austausch - sie hat mir nicht eine Frage gestellt oder mich länger zu Wort kommen lassen als ein paar kurze "Hm", "Ja". Das war wirklich anstrengend und hat mir auch sozial wenig zurückgegeben. Schwierig.
Du hast sehr viel getan und es hat ihr in gewisser Weise bestimmt auch geholfen. Insofern hast du ihr etwas gegeben.
Ich kenne sowas aus meinem früheren Ehrenamt. Dort wurde uns für solche Fälle gesagt: ihr könnt entscheiden, ob ihr das "Gespräch" abbrecht oder für eine Weile (!) aushaltet. Genau das wäre dann die Gabe. Empfehlung war: maximal 30 Minuten, sonst geht es an die Substanz.
Suchen oder gezielt unterstützen muss man das aber nicht, finde ich. Wenn man es nicht will, kannst du nicht mehr tun als dich selbst aus der Situation begeben denn es ist ja kein Dialog, in welchem das Gegenüber auf dich reagiert.
Einerseits ist es natürlich ganz subjektiv, was man darunter versteht oder was man empfindet. Für die einen sind fünf Minuten einer temperamentvollen Ansprache schon zu viel, andere können auch 30 Minuten ertragen und haben vielleicht sogar Spaß daran. (Ich selbst bin eine "Geschichtenerzählerin" und weiß, dass ich beim Erzählen viele Worte mache, weswegen ich auch immer wieder frage, ob ich zu viel rede, denn ich möchte keinem die Luft nehmen. Habe ich bislang nicht, oder zumindest haben meine Gegenübers mir nicht gesagt, dass es reicht.)
Andererseits ist das, was wir so modern als Abgrenzung empfinden, auch das, was in die Einsamkeit treibt. Ich glaube, früher hat man viel eher Leute gelassen, wie sie waren, man hat sie ertragen und reden lassen und vielleicht ein zwei Worte gewechselt, als der heiligen Kuh der Abgrenzung zu huldigen.
Abgrenzung versus Einsamkeit – es sind zwei Seiten einer Medaille.
@-franzi- Du hast Recht, es ist immer eine Frage der beteiligten Personen. Manche wollen anderen nicht 20 Sekunden zuhören, manche wollen sich mit nichts auseinandersetzen, das sie nicht unmittelbar selbst angeht. Manche haben Geduld und können sich auf lange Erzählungen einlassen. Wobei es da auch noch auf Thema, Ton etc. ankommt. Hätte diese Frau mir nun 40 Minuten lang etwas über ihr Hobby Puppenkleidung sticken (fiktiv, ich habe nur etwas ausgewählt, was mich so gar nicht interessieren würde) erzählt und begeistert die Muster die sie ausführt, beschrieben, dann hätte ich mich ein wenig auf ihre Welt einlassen können. Das wäre Verbindung gewesen. Keine Verbindung ist ohne Punkt und Komma unzusammenhängend über irgendwas zu reden, was einem gerade in den Sinn kommt. Dann könnte gegenüber auch ein Pappkarton stehen.
@print das mit der Abgrenzung nehme ich mal mit, diese Situation dauerte mir nämlich zu lange.
Was mich zur "heiligen Kuh" Abgrenzung bringt. Ich persönlich (dafür kann man mich jetzt hauen) halte einiges von diesen Abgrenzungs-Rhetoriken, die so kursieren, für bequeme Aussagen, mit denen sich Unbequemes wegschieben lässt. (Nein, ich meine damit ausdrücklich nicht, dass es nicht wichtig sei, auf die eigenen Bedürfnisse zu schauen!) Ich meine eher so etwas: Ach, da ist die Sportbekannte, mit der habe ich lange nicht gequatscht, ach nee, heute nicht, ich muss da ja auf mich schauen. Da werden fünf Minuten Gespräch als Opfer empfunden, es wird lieber aufs Sofa gegangen und am Handy gesessen, als vielleicht ein Mal in der Woche fünf Minuten auf ein Gespräch mit Sportkameraden zu verwenden, das aber vielleicht ganz hilfreich wäre für Zusammenhalt, um mal gemeinsame Pläne anzustoßen oder einfach um Neues zu erfahren.
Zitat von Linaya im Beitrag #480Auf keinen Fall würde ich 40 Minuten schwallen. Auch keine fünf.
40 Minuten jemanden zuschwallen würde ich sicher nicht. Ich lege jetzt aber nicht die Hand dafür ins Feuer, dass ich nach 5 Minuten aufhöre zu dozieren .. da muss ich mal drüber nachdenken . .
Zitat von Linaya im Beitrag #480Auf keinen Fall würde ich 40 Minuten schwallen. Auch keine fünf.
40 Minuten jemanden zuschwallen würde ich sicher nicht. Ich lege jetzt aber nicht die Hand dafür ins Feuer, dass ich nach 5 Minuten aufhöre zu dozieren .. da muss ich mal drüber nachdenken . .
Luci
Ach kannst du das auch? Ich auch. wenn ich erstmal begonnen habe zu dozieren..... 😄
Ich finde, das kann man nicht allein an der Zeit festmachen.
Das von Linaya geschilderte Erlebnis ist auf verschiedenen Ebenen extrem. Noch bedeutender finde ich, dass ja davor überhaupt gar keine Beziehung zwischen den beiden bestand. Auch wie das endete: abladen und fertig. Allein deswegen fühlt man sich doch schon benutzt.
Kommunikation ist geben und nehmen, auch wenn es nicht immer zeitmässig Gleichstand gibt.
Franzi- du jast hiervgesagt, wer sich abgrenzt trägtvsein Teilchen dazu bei dass Einsamkeit wächst - in dervGesellschsft. Mich triggert das Thema denn das zugeschwalltcwerden, nicht gesehen werden nicht zum Wort kommen ist eine Zeilursache meiner Einssmkeit. Und ich war halt lebenslang immervwieder in der Situation der Pappdeckel zu sein der gürs zugeschwallt- werden benutzt wurde und dadurch immervwieder zu Boden gegangen ist.
Es ist etwas anderes wenn ein Mensch mit Greunden, mit Familienkontakten, mit einem sozialen Netz einmal in der Woche oder im Monat zugeschwallt wird. Ich habe das zu oft erlebt und kämpfe immer noch darum dieses benutzt werden auf ein für mich halbwegs erträglichrs Mass zu reduzieren.
Ich bin auch eine Geschichtenerzählerin und bin dafür im positiven Sinne bekannt
Desgleichen beim Zuhören
Und ich kann mich (zumindest in diesem Bereich des Lebens )gut abgrenzen, wenn man mich zuschwallt um bei dem Begriff zu bleiben
Ich kenne Situationen in denen meine Redezeit deutlich überwiegt und ebenso die des Gegenüber oder im vertrauten Kreis dass wir uns gegenseitig ständig ins Wort fallen vor Eifer
Somit bin ich eigentlich gut aufgestellt
Allerdings z.b in Leserunden ....wenn sich da eine TE wirklich ununterbrochen einbringt, weiß ich kaum weiter
Nützt nämlich nix darauf zu plädieren, Sprechzeit zu verteilen
Letztlich muss ich dann entweder gehen oder instinktiv und freundlich klarstellen dass diejenige leider doch nicht so gut in die Gruppe passt wie angenommen