Ich hatte heute morgen Tagesschau 24 an. Heute ist offizieller Organspende Tag und dann kam das Thema in Dauerschleife. In Spanien haben sie weniger Probleme, also wird ein spanisches Krankenhaus gezeigt. Es gibt eine vorbildliche Koordinatorin, die sich kümmert. Das sieht so aus, dass sie zu jedem Sterbenden eilt, um ihn zu befragen. Danach saß eine Tochter im Wartezimmer und meinte, sie hätte nicht gedacht, dass sie die Organe ihrer Mutter nehmen, weil sie an Krebs gestorben ist. In Deutschland werden keine Organe Verstorbener genommen sondern nur die von Hirntoten. Ich habe anschließend einen Artikel auf Focus gelesen, dass 4 Menschen, die Organe einer krebskranken Frau erhielten, ebenfalls bald danach an Krebs gestorben sind. Man will die Spendenbereitschaft erhöhen, aber so ein Artikel wie im Fernsehen bringt da doch nichts. Es sterben weniger junge Leute im Straßenverkehr und die Versorgung der Verletzten ist auch besser geworden - es wird weiterhin weniger Organe geben.
Ich spende unter gar keinen Umständen Organe und habe dem aktiv auf einem Kärtchen widersprochen, das ich leider zu selten bei mir trage.
Weil ich keine auf meine Organe wartenden Transplant-Geier an meinem Sterbebett haben will. Alleine die Vorstellung, dass mein noch warmer Leib ausgeweidet wird, entsetzt mich, tot hin oder her.
Eigentlich belügt man doch die Menschen, die dringend ein neues Organ brauchen. In Spanien reicht der Herztod, bei uns eben nicht. Zinn, wenn Du keine Hirnblutung hast, passiert da nichts.
In D wird aus Sicherheitsgründen bisher der Herztod ausgeschlossen, denn sobald die Zirkulation nicht mehr funktioniert, also das Herz nicht mehr schlägt, werden die Organe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt.
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Zitat von Zinn im Beitrag #2Das mit den verkrebsten Organen ist furchtbar. :/
Der Vollständigkeit halber aus dem erwähnten Focus-Artikel noch das hier:
Es passiere so selten, dass es kaum Statistiken, sondern nur einzelne Fallbeschreibungen dazu gäbe. Lediglich in Großbritannien analysierten Forscher einmal die Werdegänge von 30.000 Transplantationspatienten. Das Risiko, dass Tumorgewebe an die Empfänger weitergegeben werde, lag den Ergebnissen zufolge bei 0,01 Prozent.
Deine Hirnfunktion muss ausgefallen sein. Das ist eben eher selten. Normalerweise sterben Menschen nach Krankheiten den Herztod. Da ist nach kurzer Zeit nichts mehr zu gebrauchen.
BBlue Velvet, mir ist diese Sendung so aufgestoßen, dass ich den Strang eröffnet habe. Ich finde es schon sachlich, dass in Spanien nach dem Herztod transplantiert wird und in Deutschland eben nicht. Und darüber wurde nicht gesprochen.
angesichts des sensiblen Themas bitte ich um eine angemessene Wortwahl.
Danke für's Beachten,
Analuisa, Moderation
Virginia, Gisèle, Collien, danke für euren Mut! 🌹
************************************ Moderatorin in der Pandemie und Politik, bei der Nachhaltigkeit, beim Sozialen Engagement und den Festen, bei Klatsch & Tratsch, im Persönlichkeits-, Erziehungs-, Baby-, Familien- und Trauerforum, im Glücklicher leben, bei den Angehörigen, in der allg. Gesundheit, der Kindergesundheit und bei den Krebserkrankungen, in den Krisenbeziehungen, bei den Hobbies, der Photographie und bei den besonderen Ernährungsformen.
@Zinn, zu deiner Befürchtung und deiner Frage in #6: Bei einer sachlichen Diskussion zu diesem Thema sollte das in Deutschland geltende Transplantationsgesetz beachtet werden, das sich von den in Spanien geltenden Regelungen erheblich unterscheidet.
Dazu findest du in diesem Strang: Ausweitung der Todesdefinition einige Informationen, dort wird auch der Unterschied zwischen "Hirntod" und "Herztod" erläutert.
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Zitat von Zinn im Beitrag #2 Ich spende unter gar keinen Umständen Organe und habe dem aktiv auf einem Kärtchen widersprochen, das ich leider zu selten bei mir trage.
Weil ich keine auf meine Organe wartenden Transplant-Geier an meinem Sterbebett haben will. Alleine die Vorstellung, dass mein noch warmer Leib ausgeweidet wird, entsetzt mich, tot hin oder her.
OMG, wie kommt's, dass dich eine so ausufernde Horror-Phantasie plagt, die mit der Realität nichts zu tun hat?
In Deutschland (fast 84 Mio Einw.) warten rd. 10.000 (schwer)kranke Menschen auf eine Organspende. Seit 1963 wurden rd. 146.000 Organe verpflanzt (z.T. Lebendspenden). Quelle 2024 gab es in Deutschland rd. 1 Mio. Todesfälle. Da braucht man schon sehr viel negative Phantasie für die Befürchtung, dass bei gesundheitlichen Kalamitäten bereits ein Chirurg mit gewetztem Messer bereitsteht, um so schnell wie möglich mit der Ausweidung zu beginnen.
Ich vermutlich schon zu alt und ggf. zu krank (-> viele Medikamente) für eine Organspende, trotzdem: wenn es einem kranken Menschen hilft: gerne. Niemals werde ich die junge Frau vergessen, die mit blauen Lippen und blauen Fingerkuppen auf ein Herz wartete. Mir Glückspilz konnte mit einer OP geholfen werden.
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Ich habe sowohl den Organspendeausweis als auch in der Patientenverfügung vermerkt, dass, wenn es noch hilfreich sein sollte, ich im Falle meines Ablebens Organe spende. Ob das bei mir nunmehr im Alter noch relevant ist, werden die zuständigen Ärzte befinden. Ein Bekannter lebt nur noch, weil er vor etwa 10 Jahren eine Niere implantiert bekam.
Schwer ist es, die rechte Mitte zu treffen: Das Herz zu härten für das Leben, es weich zu halten für das Lieben. (Jeremias Gotthelf)
Zitat von Zinn im Beitrag #2Weil ich keine auf meine Organe wartenden Transplant-Geier an meinem Sterbebett haben will. Alleine die Vorstellung, dass mein noch warmer Leib ausgeweidet wird, entsetzt mich, tot hin oder her.
Als Ärztin, die auch selbst schon am Organspendeprozess beteiligt war: Es gibt keine "Transplant-Geier" am Sterbebett. Eher das Gegenteil: Die Angehörigen von potentiellen Spendern ohne Ausweis werden oft gar nicht erst gefragt. Und jährlich gehen hohe Zahlen von Organen von willigen Spendern verloren, weil ihre Patientenverfügung dem Ausweis widerspricht. Organentnahmen dürfen nur in bestimmten Krankenhäusern vorgenommen werden. Dort gibt es dann auch Transplantationsbeauftragte, die u. a. auch für die Begleitung der Angehörigen zuständig sind. Es muss auch überhaupt erst die Chance auf Hirntod geben, damit irgendetwas in Gang kommt.
Solche Beiträge und auch so eine Berichterstattung ärgert mich massiv, weil sie unnötige Ängste schürt, ein falsches Bild vermittelt und letztendlich nur dazu beiträgt, dass die Bevölkerung schlecht informiert ist.
Was es braucht sind solide, verlässliche Informationen und Vertrauen ins System. Das ist auch der Grund, warum Spanien so viele Organspenden hat.
Ich auch. ich vertraue den deutschen Kliniken und Ärzten. sollte man später etwas von meinen Organen brauchen können: herzlich gern! und wenn es nur die Hornhaut ist oder die Iris oder das Ohrläppchen oder ein Stück Nase.....
Nicht zu Vergessen die mit dem " irreversiblen Herzstillstand ", den dürften wohl alle schwerkranken Menschen haben, wenn sie sterben. Das sind wesentlich mehr als Hirntote, die wird es auch in Spanien nicht so häufig geben.
Zitat von Timeless im Beitrag #17Der Hauptgrund in Spanien dürfte die Widerspruchslösung sein.
Nein, daran liegt es nicht. Zum einen praktiziert Spanien de facto eine Zustimmungslösung. Zum anderen zeigt sich das im Vergleich mit anderen Ländern. Lettland, Zypern oder Bulgarien liegen in Europa trotz Widerspruchslösung hinten was die Spenden angeht. Demgegenüber haben die USA und Großbritannien trotz Zustimmungslösung auch ziemlich hohe Zahlen. Die NHBD-Regelung spielt auch eine Rolle. Für Spanien habe ich keine Zahlen gefunden, aber in der Schweiz in einem Artikel war die Schweiz als eine Art "Paradebeispiel" aufgeführt, wo der Anteil bei 11 % liegt.
Spanien ist anders - besser - organisiert als Deutschland. Im anderen Thread zum Thema habe ich das schon mal ausführlicher dargestellt.
Zitat von Hattima im Beitrag #19Nicht zu Vergessen die mit dem " irreversiblen Herzstillstand ", den dürften wohl alle schwerkranken Menschen haben, wenn sie sterben. Das sind wesentlich mehr als Hirntote, die wird es auch in Spanien nicht so häufig geben.
Die Schwerkranken sind in der Regel eh nicht als Spender geeignet. Das ist etwas, das ganz offensichtlich nicht in die Köpfe reingeht. Keine Transplatationsmafia wartet am Bett der alten kranken Großmutter, bis sie ihren letzten Atemzug tut.
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Warum höre ich dann heute in den Medien ständig man solle es in D am Besten so wie in Spanien machen d.h mit einer Widerspruchslösung? Demnach ist jeder Spender sofern er nicht widerspricht.
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert.
Zitat von Cynara im Beitrag #18Das könnte auch bedeuten, dass sich viele Spanier gar nicht klar darüber sind, dass sie Organspender sind.
Dort findet keine Entnahme ohne Zustimmung der Familie statt. Also selbst falls es den Menschen nicht bewusst sein sollte: Der Familie wird aktiv die Möglichkeit zum Widerspruch gegeben.
Zitat von Katelbach im Beitrag #21Die Schwerkranken sind in der Regel eh nicht als Spender geeignet. Das ist etwas, das ganz offensichtlich nicht in die Köpfe reingeht. Keine Tranmsplatationsmafia wartet am Bett der alten kranken Großmutter, bis sie ihren letzten Atemzug tut.
Danke! Selbst die meisten Spendewilligen sterben, ohne dass eine Entnahme überhaupt in Frage kommt.
Zitat von Timeless im Beitrag #22Warum höre ich dann heute in den Medien ständig man solle es in D am Besten so wie in Spanien machen d.h mit einer Widerspruchslösung?
Weil die Medien nicht vernünftig informiert sind. Im Ärzteblatt war dazu mal ein kurzer Artikel (Link). Was Spanien hat ist: Vertrauen ins System, wenige Kliniken mit spezialisiertem und qualifiziertem Personal, ein gutes System. Sie haben vor einer Weile das System komplett umgekrempelt und dadurch sind die Zahlen hochgegangen. Generell hängt die Spendebereitschaft an sehr vielen verschiedenen Faktoren (soziopsychologisch, ökonomisch, kulturell, organisatorisch). Das lässt sich nicht einfach durch "Widerspruchslösung" oder "NHBD-Regelung" auflösen. Aber ich vermute, dass das für viele einfach zu komplex ist und man die scheinbar einfache Lösung nimmt.
Zitat von Katelbach im Beitrag #21Die Schwerkranken sind in der Regel eh nicht als Spender geeignet. Das ist etwas, das ganz offensichtlich nicht in die Köpfe reingeht. Keine Tranmsplatationsmafia wartet am Bett der alten kranken Großmutter, bis sie ihren letzten Atemzug tut.
Da scheint ein Umdenken stattzufinden: Vor einigen Monaten ging durch die Presse: "Leber von Neuzigjährigem erfolgreich transplantiert."
Zitat von Katelbach im Beitrag #21Die Schwerkranken sind in der Regel eh nicht als Spender geeignet. Das ist etwas, das ganz offensichtlich nicht in die Köpfe reingeht. Keine Transplatationsmafia wartet am Bett der alten kranken Großmutter, bis sie ihren letzten Atemzug tut.
Da scheint ein Umdenken stattzufinden: Vor einigen Monaten ging durch die Presse: "Leber von Neuzigjährigem erfolgreich transplantiert."
Ich schrieb "... am Bett der alten kranken Großmutter ...". Alt heißt aber nicht unbedingt krank. Das Konzept "old to old" gibt es schon länger. Funktionieren muss das Organ aber auch für einen alten Empfänger.
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