Hmnaja. Das sind dann aber nicht unbedingt zugelassene Medikamente.
Also: wenn eine Pharmafirma ein Medikament entwickelt, muss sie es von den Gesundheitsbehörden jedes Landes bewilligen lassen, um es in diesem Land vertreiben zu dürfen. Dazu reicht die Firma Daten aus klinischen Studien zu Sicherheit und zur Wirksamkeit ein. Wenn das Medikament sicher und wirksam ist, bekommt es die Zulassung. Das hat allerdings mit der Kostenübernahme nichts zu tun.
Die Kostenübernahme und der Preis werden in einem davon unabhängigen Verfahren festgelegt: Die Kostenübernahme für Medikamente durch die deutsche Krankenkasse erfolgt im Rahmen des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes: Nach der Markteinführung bewertet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Zusatznutzen eines Medikaments im Vergleich zur Standardtherapie. Anschließend verhandeln die Krankenkassen mit den Pharmaunternehmen über den Erstattungsbetrag.
Und der G-BA hat eben Übergewicht nicht als lebensbedrohliche Erkrankung, sondern als Lifestyle Problem eingestuft. Oder präziser: Medikamente zur Gewichtsreduktion als Lifestyle Medikamente eingestuft.
Das Verfahren zur Kostenübernahme ist in jedem Land ein bisschen anders, aber immer unabhängig vom Zulassungsverfahren durch die Gesundheitsbehörden.
Zitat von mytholon im Beitrag #402Aber es ist doch inkonsequent, Magen-OPs bei einem Lifestyle-Problem zu finanzieren, appetitzügelnde Medikamente aber nicht?
Und Semaglutid in Gestalt von Ozempic ist doch schon seit Jahren für Diabetiker zugelassen? Da scheinen die Nebenwirkungen also beherrschbar zu sein?
Als Diabetiker hast du ja keine Wahl als Medikamente zu nehmen, wenn du leben willst. Da haben Nebenwirkungen einen ganz anderen Stellenwert als wenn man das Medikament nur zum Abnehmen nimmst. Nur als im Sinne: es gibt noch andere Möglichkeiten und ja, an Adipotitas kann man (muß man aber nicht ) auch sterben. Kausalität ist eben eine andere.
Wobei für Abnehmen die Langzeitfolgen noch nicht wirklich bekannt sind. Und welche Folgen das hat für Menschen, die nur eben mal für den Urlaub so 5 Kilogramm abnehmen wollen, also auf eigentlich Normalgewichtige, ist auch noch nicht erforscht.
Das G-BA beurteilt den Zusatznutzen gegenüber Standardtherapien. Das Nutzen-Risikoprofil spielt zwar eine Rolle, aber im Grunde gehen Nebenwirkungen in diese Betrachtung nicht wirklich ein.
Nebenwirkungen spielen bei der Zulassung eine Rolle, aber die Zulassung haben die Medikamente ja.
Ich habe im beruflichen Umfeld einige Kolleg*innen, die mit wegovy abgenommen haben. Die sprechen darüber, aber das ist halt auch ein Umfeld voll neugieriger Wissenschaftler mit zumindest Basiskenntnissen.
Zitat von Genny im Beitrag #404Als Diabetiker hast du ja keine Wahl als Medikamente zu nehmen, wenn du leben willst.
Als Typ 2 Diabetiker*in hat man durchaus auch die Möglichkeit, mit Lebensstilveränderungen eine Besserung bis Heilung herbeizuführen. Im Grunde nicht anders, als bei Adipösen.
fettundlila ...irgendwann ist irgenwie ein andres Wort für nie... energy flows, where attention goes. .ʇɐq pǝʞooɔɹǝpun uɐ ǝʇɐ ɹǝʌǝu ʽpๅɹoʍ ǝɥʇ ǝᵷuɐɥɔ ʇ,uɐɔ uosɹǝd ǝuo pᴉɐs ɹǝʌǝoɥM
Wundert mich das sich keiner fragt was für „Nebenwirkungen „ aus jahrelangem Übergewicht resultieren. Da zahlen die Krankenkassen im Endeffekt viel mehr für Blutdruckmedikamente, Cholesterinsenker, Herzinsuffizienz, Kurzatmigkeit. Daraus resultiert dann Diabetes mit weiteren Folgen, Herzinfarkte und Schlaganfälle. Wäre es da nicht besser im Vorfeld ein sogenanntes Lifestyle Medikament zu finanzieren? Abgesehen davon haben auch alle anderen Medikamente ihre Nebenwirkungen.
Zitat von Borghild im Beitrag #409 Als Typ 2 Diabetiker*in hat man durchaus auch die Möglichkeit, mit Lebensstilveränderungen eine Besserung bis Heilung herbeizuführen. Im Grunde nicht anders, als bei Adipösen.
Wird dafür die Spritze allgemein eingesetzt? Meine Kenntnis diesbezüglich ist eher, dass da Tabletten und Diät angewandt wird.
Bin aber nicht drin in der Materie. Mein privater Fall lebt schon länger nicht mehr. Da war Diät und Pillen angesagt. Ich denke nicht, dass sie die Spritze bekommen hätte.
@Borgild Nicht jeder Mensch, der Diabetes Typ 2 bekommt , ist automatisch selber dran schuld.
Eine Kollegin hat nach 2 Jahren Wartezeit die Spritze Mounjaro gegen Diabetes erhalten, nachdem Metformin nach jahrelanger Einnahme nicht geholfen hatte.
Ja, soweit ich weiß, wird erst Metformin genommen und wenn das nicht hilft, werden andere Medikamente ausprobiert.
In der Behandlung von Diabetes ist Semaglutid (Ozempic) allerdings schon seit langem erprobt. Dadurch, dass die Patienten so gute Abnehmerfolge hatten, ist es ja überhaupt erst so populär geworden.
So hatte ich das auch verstanden. Es wurde verordnet, um einen schwer zu beherrschenden Blutzucker zu senken - und quasi als Zufallsfund stellte sich heraus, dass es den Hunger stoppt und die Leute abnehmen.
Ich kann nicht begreifen, dass die Nebenwirkungen bei einem Diabetiker anders oder harmloser sein sollen als bei jemandem, der "nur zu dick" und ansonsten gesund ist. Stattdessen wird ein gesunder Magen zerschnitten, und die Kassen zahlen anstandslos, ja man meint sogar, die OPs würden inflationär verordnet und bezahlt.
Dieses Phänomen ist für mich genauso unverständlich wie die Fruchtwasseruntersuchung, obwohl es längst (für Selbstzahler) einen ungefährlichen Bluttest gibt.
Mein (laienhafter) Eindruck: hier wird medizinischer Fortschritt nicht zeitnah an die Versicherten weitergegeben...warum?
Zitat von mytholon im Beitrag #416Ich kann nicht begreifen, dass die Nebenwirkungen bei einem Diabetiker anders oder harmloser sein sollen als bei jemandem, der "nur zu dick" und ansonsten gesund ist. Stattdessen wird ein gesunder Magen zerschnitten, und die Kassen zahlen anstandslos, ja man meint sogar, die OPs würden inflationär verordnet und bezahlt.
Mich wundert das auch. Zumal es ja nicht nur um die OP geht, die Nachwirkungen einer Magen OP wird man ja auch sein Leben lang spüren und die lassen sich, im Gegensatz zur Spritze, nicht einfach absetzen.
Trotzdem habe ich im letzten halben Jahr zwei solche OPs im Bekanntenkreis mitbekommen. In beiden Fällen hatte ich das Gefühl, dass die Betroffenen kapituliert hatten und die ja auch bei der Spritze notwendigen Lebensstilumstellungen nicht mittragen wollten oder konnten. Die mussten sich der erzwungenen Umstellung durch die OP unterwerfen.
Der Fall, an dem ich näher dran bin, ist eher traurig: Diabetes, Schlaganfall (Rauchen danach immerhin aufgegeben), Übergewicht, keinerlei Bewegung, Herzprobleme, furchtbare Ernährung. Abnahme mit der Spritze hat schlecht geklappt, zwischendurch gab es dann mal keine, usw. Ernährungsumstellung auch nicht, die Person aß schlecht und davon riesige Portionen. Ein paar Wochen nach der OP war ich zu Besuch und sie bestellten schon wieder beim Dönermann. Ich befürchte, das endet nicht gut.
Nur: so jemand ist halt auch nicht in der Lage und schon gar nicht der gesundheitlichen Verfassung, "drei Tage Nulldiät und dann Umstellung" durchzuziehen. Höchstens begleitet in einer Reha. Und danach? Wie hilft man Menschen, die so gar kein Gefühl für das richtige Essen und das richtige Maß haben?
"Wenn man mit einer Regenbogenflagge rumläuft, wo ‚Peace’ draufsteht und fünf Meter weiter Leute die Reichsflagge schwenken, muss man sich schon fragen: Mit wem machen wir uns gemein?“ - Wolfgang Niedecken
Ich habe den Bericht über Tanja Marfo in der Brigitte gelesen, die sich mehr als halbiert hat (auch bekannt als "Kurvenrausch" in den sozialen Medien). Sie hatte nach einer Magenoperation bombastisch abgenommen, gab aber ehrlich zu, dass nach dem Tod ihres Lebensgefährten das alte, dickmachende Eßverhalten wieder hoch kam. Daher nimmt sie nun zusätzlich die Abnehmspritze, um den "food noise" auszuschalten und die letzten Kilos abzunehmen. Ihr Beispiel macht deutlich, dass es selbst mit Geld und unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten der heutigen Medizin ein lebenslanger Kampf bleibt.
Eine Freundin von mir (Diabetikerin) hat Ozempic eine Weile genommen (da hatte sie allerdings schon vorher wesentlich abgenommen), ich denke ihr BMI war unter 30. Sie hat im Zusammenhang mit der Einnahmen erstmalig Einblutungen in die Augen bekommen und es daraufhin abgesetzt.
Und nach meinem (allerdings auch laienhaften Verständnis) gibt es durchaus Anhaltspunkte für größere Probleme mit bleibenden Augenschäden, die auch nach dem Absetzen nicht immer reversible sind.
Alleine das würde mich definitiv davon abhalten, ein nicht langzeit erprobtes Medikament zu nehmen, solange nicht tatsächliche Erkrankungen aufgrund von Übergewicht vorliegen - es ist immer eine Abwägung.
Zitat von mytholon im Beitrag #402Aber es ist doch inkonsequent, Magen-OPs bei einem Lifestyle-Problem zu finanzieren, appetitzügelnde Medikamente aber nicht?
Das liegt vielleicht daran, dass eine OP eine einmalige Sache ist, das Medikament aber auf Dauer genommen werden muss? Geht es denn nicht immer ums Geld?
Meine Meinung steht fest, bitte verwirren Sie mich nicht mit Tatsachen
God gave rock 'n' roll to you, put it in the soul of everyone. (KISS)
Zitat von promethea71 im Beitrag #419Alleine das würde mich definitiv davon abhalten, ein nicht langzeit erprobtes Medikament zu nehmen, solange nicht tatsächliche Erkrankungen aufgrund von Übergewicht vorliegen - es ist immer eine Abwägung.
Ein oft gehörtes Argument gegen die "Abnehmspritze", aber mal ganz ehrlich, haben wir uns bei Corona auch so viele Gedanken gemacht als der Impfstoff freigegeben wurde? Im Freundes und Bekanntenkreis waren es nur zwei die sich nicht impfen ließen.
Meine Meinung steht fest, bitte verwirren Sie mich nicht mit Tatsachen
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@PeggySue, das kann ein möglicher Grund sein. Vielleicht ändert sich die Lage, wenn Generika der Spritze (oder vergleichbarer Tabletten) in einigen Jahren günstiger erhältlich sind?
Zitat von mytholon im Beitrag #402Aber es ist doch inkonsequent, Magen-OPs bei einem Lifestyle-Problem zu finanzieren, appetitzügelnde Medikamente aber nicht?
Und Semaglutid in Gestalt von Ozempic ist doch schon seit Jahren für Diabetiker zugelassen? Da scheinen die Nebenwirkungen also beherrschbar zu sein?
In meinen Augen könnte es daran liegen, dass noch nicht genügend Daten vorliegen könnten, wie die Nebenwirkungen von Semaglutid bei Patienten sind, die keine Diabetiker, also „nur“ dick sind. Ich denke, wenn es da erstmal entsprechende Studien gibt, könnte das überdacht werden.
Außerdem lese und höre ich, dass Patienten mit Ozempic typischerweise 10%, maximal 15% ihres Ausgangsgewichts verlieren und es dann zu einem Stillstand kommt. Das wäre ja zu wenig, um bei schwer Adipösen >BMI40 wirklich einen signifikanten Effekt und daraus resultierenden gesundheitlichen Nutzen zu haben. Jemand mit 180 Kilo wiegt dann immer noch 160 Kilo. Außerdem muss man Ozempic wohl weiter nehmen, vielleicht in einer geringeren Dosis, sonst nimmt man wieder zu. Ist für mich auch nachvollziehbar, dass man wieder zunimmt, wenn das übliche Hungergefühl wieder einsetzt.
Ich hab jetzt mal gegoogelt, wie der Langzeiterfolg bei einer Magen-OP ist, da heißt es überall, dass die Gewichtsreduktion aktuell zwölf Jahre nach der Operation (!) im Mittel bei 35,0 kg liegt. Direkt nach der OP sind wohl 50 Kilo nicht selten. Da ist der Effekt einfach höher.
Also damit könnte es auch zu tun haben.
Ich habe neue Laufschuhe. Ich bin schon ganz außer Atem. Jetzt noch den zweiten anziehen!
Zitat von BBlueVelvet im Beitrag #423 Außerdem lese und höre ich, dass Patienten mit Ozempic typischerweise 10%, maximal 15% ihres Ausgangsgewichts verlieren und es dann zu einem Stillstand kommt.
Das kann ich mir gut vorstellen, denn von dem her, was ich so höre, führt es hauptsächlich dazu, weniger zu naschen und bei Mahlzeiten früher aufzuhören.
Auf die Art habe ich innerhalb von 2 Jahren (ohne Ozempic oder so, einfach weil ich das endlich umsetzen konnte) auch so ca. 10% Gewicht verloren (was bei mir hieß, BMI von 34 auf 30,6 runterzukriegen). Die Abnahme halte ich, weil ich weiter so esse, aber es geht nicht weiter runter, weil ich dazu in die Gewohnheit kommen müsste, weniger zu essen als jetzt. Hoffe, das schaffe ich demnächst mal wieder, aber es ist nun mal so - um deutlich weniger zu wiegen als vorher und das zu halten, muss man eben auch deutlich weniger essen als vorher, dauerhaft.
(Bitte keine Diskussion über das "was", meine Ernährung ist ausgewogen und gesund, ich esse nur zuviel davon und nasche halt gerne auch mal was.)
In meinen Augen könnte es daran liegen, dass noch nicht genügend Daten vorliegen könnten, wie die Nebenwirkungen von Semaglutid bei Patienten sind, die keine Diabetiker, also „nur“ dick sind. Ich denke, wenn es da erstmal entsprechende Studien gibt, könnte das überdacht werden.
Außerdem lese und höre ich, dass Patienten mit Ozempic typischerweise 10%, maximal 15% ihres Ausgangsgewichts verlieren und es dann zu einem Stillstand kommt.
Danke für beides. Das mit den 10% bzw 15% und dann Stillstand habe ich auch gelesen - und das hat mich geschockt. Und dafür lebenslang zu spritzen oder zu schlucken? Um das Geld? €300 im Monat? Da leiste ich mir doch lieber einen Personal Trainer. Damit ist auch noch der Muskelabbau abgedeckt.
Sorry, aber je mehr ich lese, desto dubioser erscheint mir das alles. Ich werde es nicht machen. 10% habe ich runter mit FdH. Und die Personal Fitness hat ja noch viel größere Pluspunkte als nur Fettabbau.
Aber wer es denn machen möchte, nur zu. Ist nur meine persönliche Einschätzung für mich, nicht für andere.
Meine Einschätzung ist da eher, auch wenn Generika auf den Markt kommen, dass es eben ein Lifestyle Medikament bleibt, für den kurzzeitigen Urlaubskick. Oder Hochzeit. Eigentlich sehr schade, wenn der Effekt nicht größer ist zum Abnehmen.
Wieder eine Enttäuschung für adipöse Menschen. Keine wirkliche Verbesserung. Aber vielleicht kriegt ja der eine oder andere einen Einstieg ins Abnehmen dadurch? Ich drück die Daumen.