Mir war klar, dass das , was ich angesprochen habe, ein heißes Eisen ist, deswegen überraschen mich die Reaktionen nicht und ich ziehe mir die Schuhe, die mir hingestellt wurden, nicht an.
Ich habe selbst wenig Ahnung davon, welche Krankenfahrten zuschussfähig sind und welche nicht, ich hatte mit dem Thema nur bei Entlassungen aus der stationären Versorgung zu tun. "Bei uns" war es so geregelt, dass u.a. alle Patient:innen mit einer Tumorerkrankung einen Taxischein bekamen (was auch nicht immer gerecht war - manche kamen nur zum Staging, waren aber ich einer körperlich guten Verfassung und hätten ohne weiteres mit dem Bus fahren können). Es ist also nicht zwingend Pflegegrad 3 erforderlich. Meine Mutter hat ihre Fahrten zur ambulanten Bestrahlung auch verordnet bekommen, da hatte sie Pflegegrad 2.
Ich möchte hier niemanden angreifen und beziehe mich auch nicht auf die persönliche Situationen einzelner Userinnen, da ich die sowieso nicht kenne. Ich meinte meine Gedanken eher allgemein, als Denkanstoß.
Zitat von -franzi- im Beitrag #217Genau: gerade bei dem Mittelalten ist es vielleicht besonders schwierig, weil das Standardfamilienmodell, auf das die persönliche Betreuung Fust, längst Auslaufmodell ist. Es wird erwartet, dass jeder arbeitet, aber wer arbeitet, kann andere nicht betreuen.
Franzi, das ist mir zu einfach. Auch wer arbeitet, kann sich einen Tag frei nehmen, um Mutter/ Vater/ Partnerin/ Bruder von einer Untersuchung abzuholen.
Der 70jährige, den Fels nannte - der hat keine Nachbarn, keine Kinder, keinen Skatbruder, niemanden? (Ja, gibt es natürlich, aber der Regelfall ist das nicht.)
Zitat von Nora im Beitrag #200Ja, genau bei denen kann es genauso schwierig sein. Weshalb soll nur ältere Menschen niemand haben, der sich default-mässig um sie kümmert? Wenn keiner da ist, ist keiner da! Egal, ob 30 oder 80.
Selbe Frage wir oben: die/der 30jährige hat keine Freundin, keinen Kommilitonen, keine Eltern, keine Geschwister? (Ja, gibt es natürlich, aber der Regelfall ist das nicht.)
Und weitergedacht: Die Angehörigen, Mitbewohnerinnen, Nachbarn, die sich kümmern, die könnten auch auf die Idee kommen zu sagen: Warum bin ich eigentlich so doof und nehme mir jedes Mal frei, um X aus der Klinik abzuholen, während die Frau Y alles von der Kasse bezahlt bekommt?
Oder wollen wir, dass grundsätzlich jede Krankenfahrt von der Kasse gezahlt oder wenigstens bezuschusst wird, damit es nicht ungerecht für Einzelne ist? Und nehmen wir die dafür erforderliche Beitragserhöhung in Kauf?
Ja, ich sehe natürlich, dass es Personen gibt, die wirklich niemanden haben und sich auch niemanden aus dem Rippen schneiden können. Aber im Unterschied zu den meisten der hier Schreibenden, die aus Patientensicht argumentieren, kenne ich beide Seiten und weiß, dass das System ausgenutzt wird. Siehe das Beispiel, das BBlueVelvet in #204 nannte. Die Haltung "es steht mir zu, also nehme ich es in Anspruch, sonst wäre ich ja blöd" ist leider weit verbreitet.
Virginia, Gisèle, Collien, danke für euren Mut! 🌹
************************************ Moderatorin in der Pandemie und Politik, bei der Nachhaltigkeit, beim Sozialen Engagement und den Festen, bei Klatsch & Tratsch, im Persönlichkeits-, Erziehungs-, Baby-, Familien- und Trauerforum, im Glücklicher leben, bei den Angehörigen, in der allg. Gesundheit, der Kindergesundheit und bei den Krebserkrankungen, in den Krisenbeziehungen, bei den Hobbies, der Photographie und bei den besonderen Ernährungsformen.
Zitat von lenita im Beitrag #225Für mich selbst ist mir allerdings auch angst und bange. Wie soll das werden, wenn es mal nicht mehr 24 Millionen 60+ gibt, sondern vielleicht 34?
Aus meinem Link von vorher: Innerhalb der Bevölkerung ab 67 Jahren ist im Hinblick auf den künftigen Pflegebedarf die Entwicklung der Zahl der hochaltrigen Menschen ab 80 Jahren relevant. Im Jahr 2023 war die Hälfte der ab 80-Jährigen in Deutschland pflegebedürftig. In den nächsten fünf Jahren wird die Zahl der ab 80-Jährigen zunächst leicht sinken, da die zahlenmäßig kleinen Geburtsjahrgänge 1945 bis 1949 dann 80 Jahre alt werden. Mit fortschreitender Alterung der Babyboomer wird die Zahl der hochaltrigen Menschen allerdings ab Mitte der 2030er-Jahre deutlich von 6,1 Millionen im Jahr 2024 auf etwa 8,5 bis 9,8 Millionen im Jahr 2050 steigen. Im Zeitraum von 2050 bis 2070 wird die Zahl der Menschen im hohen Alter voraussichtlich zwischen 7,4 und 10,0 Millionen liegen.
Es wird zumindest temporär zu Mängeln und Engpässen kommen. Weniger Hausärzte, mehr medizinische Zentren mit kürzeren Durchlaufzeiten, eventuell vorgeschaltete ambulante Dienste, längere Wartezeiten auf medizinische Behandlungen (siehe Großbritannien), im Heim rücken wir wieder mehr zusammen im Mehrbettzimmer und wahrscheinlich werden sich neue Strukturen entwickeln. Vielleicht gibt es dann gebündelte ländliche Versorgungsfahrten zur Dialyse und nicht für jeden Patienten einzeln? Natürlich weniger bequem und mit mehr anstrengenden Wartezeiten, aber besser als keine Behandlung. Unser System wird nicht mit den Mengen der alternden Boomer in ausreichender Skalierung mitwachsen, das sollte klar sein, weil unbezahlbar und nicht genug Pflegepersonal.
Die Chance klopft öfter an als man meint, aber meistens ist niemand zu Hause. (Willi Rogers)
Zitat von lenita im Beitrag #225Für mich selbst ist mir allerdings auch angst und bange. Wie soll das werden, wenn es mal nicht mehr 24 Millionen 60+ gibt, sondern vielleicht 34?
Dann kommen wirkliche Probleme auf uns zu, und dafür muss das Gesundheitssystem sich rüsten.
In 20 Jahren werden uns die Themen, die wir hier diskutieren, wie Luxusprobleme erscheinen.
Virginia, Gisèle, Collien, danke für euren Mut! 🌹
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Bin generell auch absolut der Meinung, dass Eigenverantwortung angebracht ist und man nicht alles der Solidargemeinschaft aufbürden sollte. Vor einer OP bin ich ja Patientin in einer Arztpraxis. Und wenn ich dann eine Operation benötige, die heute Teil dieses AOP-Katalogs ist, dann wird es mir von der entsprechenden Tagesklinik bzw. dem Anästheisten dort zur Auflage gemacht, dass ich 24 Stunden betreut sein muss. Auch wenn ich bereit wäre, sie von der Verantwortung zu befreien, weil ich auf eigenen Wunsch und auf eigenes Risiko mit dem Taxi nach Hause fahren würde, an diesem Tag nicht Auto fahre und somit niemanden gefährde und telefonisch Kontakt halte, wird das nicht akzeptiert. Auch eine Übernachtung in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung, die ich auch selbst bezahlt hätte, war nicht zu bekommen. Habe dem Arzt mitgeteilt, dass ich Single bin und keine Angehörigen habe. Ich finde es auch ziemlich übergriffig, wenn irgendwelche anderen Leute oder der Arzt das dann in Zweifel ziehen und dadurch dersuchen, Druck aufzubauen, so nach dem Motto "Aber Sie haben doch bestimmt Freunde" etc. blablablublub...Ja, ich bin weder ein total asozialer Mensch, sondern helfe gerne, dennoch bin ich mit niemandem so eng, dass ich ihn oder sie fragen könnte, ob sie mich am Tag der OP zum Arzt und wieder heim fährt und mich dann die ganze Nacht über bewacht, also am nächsten Tag auch nicht unbedingt ausgeschlafen ist. Dann müsste jemand zwei Tage Urlaub nehmen. Und manche sehen darin halt dann auch ein Risiko oder eine Verantwortung, die sie für andere nicht übernehmen wollen. Meine Bekannten sind weder meine Chauffeure noch meine Krankenpfleger. Und wenn die Anforderung, dass ich nicht allein sein darf, nicht von mir kommt, sondern mir das zur Auflage gemacht wird, die ich aber nicht erfüllen kann, da ich mir niemanden herzaubern kann, dann hat das mit Anspruchshaltung nichts zu tun. Der richtige Weg ist dann halt die stationäre OP, so wie es aus den Links aus #170 hervorgeht. Was mich halt stört, ist, dass ich die OP dann halt nicht beim Arzt meines Vertrauens, bei dem ich in Behandlung bin, machen kann. Und wenn ein Krankenhaus sich dann wieder von neuem mit mir befassen muss, kostet das ja auch. Deswegen wundere ich mich, dass nicht einfach Kurzzeitpflegeeinrichtung für eine Übernachtung im Fall von ambulanten OP´s für Alleinlebende zur Verfügung stehen. Die Bezahlung wäre in meinem Fall nicht das allergrößte Problem, für sozial Schwächere müsste das halt übernommen werden.
Aber im Unterschied zu den meisten der hier Schreibenden, die aus Patientensicht argumentieren, kenne ich beide Seiten und weiß, dass das System ausgenutzt wird. Siehe das Beispiel, das BBlueVelvet in #204 nannte. Die Haltung "es steht mir zu, also nehme ich es in Anspruch, sonst wäre ich ja blöd" ist leider weit verbreitet.
Ich bezweifle das nicht und habe nichts gegen Maßnahmen gegen unangebrachte Nutzungen/Mißbrauch.
Selbst kenne ich allerdings vor allem Fälle, wo es sich umgekehrt verhält. Wo Patienten, Hilfen, die sie gut gebrauchen könnten, nicht in Anspruch nehmen. Weil sie "niemandem zur Last fallen" wollen sich im Paragraphendschungel nicht zurechtfinden nicht die Nerven haben, Widersprüche gegen abgelehnte Bewilligungen auszufechten uvm.
Zitat von lenita im Beitrag #179 Wer in einem Alter ist, wo er noch berufstätig ist, dem könnte meinetwegen auch eine ordentliche Zuzahlung oder ggf. Selbstzahlung zugemutet werden für eine medizinisch nicht-notwendige KH-Übernachtung.
Genau das wollte ich - aus Bequemlichkeitsgründen, denn ich sollte um 06:30 (!) für einen elektrophysiologische Untersuchung da sein. Ich hätte die zusätzliche Übernachtung gern bezahlt, aber man ließ mich nicht. Obwohl ich sowieso für die Nacht danach auf der Wahlleistungsstation war.
-------------------------- Zwischen Reiz und Reaktion liegt die Freiheit.
Zitat von Knuffi im Beitrag #229Bin generell auch absolut der Meinung, dass Eigenverantwortung angebracht ist und manches nicht alles der Solidargemeinschaft aufbürden sollte.
Vor einer OP bin ich ja Patientin in einer Arztpraxis. Und wenn ich dann eine Operation benötige, die heute Teil dieses AOP-Katalogs ist, dann wird es mir von der entsprechenden Tagesklinik bzw. dem Anästheisten dort zur Auflage gemacht, dass ich 24 Stunden betreut sein muss. Auch wenn ich bereit wäre, sie von der Verantwortung zu befreien, weil ich auf eigenen Wunsch und auf eigenes Risiko mit dem Taxi nach Hause fahren würde, an diesem Tag nicht Auto fahre und somit niemanden gefährde und telefonisch Kontakt halte, wird das nicht akzeptiert. .....
Meine Bekannten sind weder meine Chauffeure noch meine Krankenpfleger. Und wenn die Anforderung, dass ich nicht allein sein darf, nicht von mir kommt, sondern mir das zur Auflage gemacht wird, die ich aber nicht erfüllen kann, da ich mir niemanden herzaubern kann, dann hat das mit Anspruchshaltung nichts zu tun. Der richtige Weg ist dann halt die stationäre OP, so wie es aus den Links aus #170 hervorgeht.
Das sehe ich auch so.
Aber ich habe eben die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich sage, komplett allein zu sein, keinen zu haben der mich 100 km fahren kann, ich angeraunzt werde, dass ich dann eben eine Nacht im Krankenhaus auf eigene Kostenbleiben müsse. Und das, finde ich, geht einfach nicht.
Entweder sie schaffen es, dass sie bei ambulanten Operationen den Patienten mit klarem Verstand entlassen, oder sie müssen ihn eine Nacht übernehmen. Aber so halbgar rauszuschmeißen und anderen die Verantwortung zu überlassen, geht einfach nicht.
Ich hatte schon mal bei ambulanten Operationen tatsächlich auch Freunde gefragt, ob sie im Zweifelsfall für mich da wären. Und zeitlich hätten sie es sogar gemacht, aber sie hätten die Verantwortung nicht übernommen, was sie unterschreiben sollten. Da kann ich jeden verstehen, der so solche Verantwortungen nicht übernimmt. Ich kann sogar verstehen, wenn nahe Angehörige diese Verantwortung nicht übernehmen wollen.
PS im Übrigen gehöre ich nicht zu denen, die sich alles holt, was sie bekommen kann. Das habe ich im Nebenstrang sogar geschrieben: wir sind sowas wie Krankenwagen oder Notärzte oder selbst Notaufnahme peinlich und ich vermeide solche knappen Ressourcen, wo ich noch kann. Andererseits es ist so, wenn ich erlebe, was mir alles gestrichen werden soll und wie ich manchmal angemotzt werde, habe ich eher große Lust, alles auszunutzen, was ich ausnutzen kann. Was ich dann doch nicht tue)
Zitat von lenita im Beitrag #179 Wer in einem Alter ist, wo er noch berufstätig ist, dem könnte meinetwegen auch eine ordentliche Zuzahlung oder ggf. Selbstzahlung zugemutet werden für eine medizinisch nicht-notwendige KH-Übernachtung.
Genau das wollte ich - aus Bequemlichkeitsgründen, denn ich sollte um 06:30 (!) für einen elektrophysiologische Untersuchung da sein. Ich hätte die zusätzliche Übernachtung gern bezahlt, aber man ließ mich nicht. Obwohl ich sowoeso für die Nacht danach auf der Wahlleistungsstation war.
So etwas finde ich auch immer schräg: da wird man Wochen vor einer Operation zu einem bestimmten Zeitpunkt bestellt, meinetwegen 8 Uhr, hat alles organisiert, Taxi organisiert und so weiter, bekommt dann abends um 20 Uhr noch einen Anruf, dass man doch um 6 Uhr da sein solle – und kann das Taxi nicht mehr umstellen! " Ja haben sie denn keinen, der sie fährt "– Taxi, aber das Taxi fährt noch nicht.
Zitat von Analuisa im Beitrag #177Ich rechne damit, dass ich mir jetzt auch Unmut zuziehen werde, aber ich möchte mal als Frage in den Raum stellen, ob es der Solidargemeinschaft zuzumuten ist, dass sie für Patienten, die angeben, "niemanden zu haben", der für ein paar Stunden, ggf. auch über Nacht, bei ihnen bleibt, aufkommen muss in dem Sinn, dass nur aus solchen Gründen (ich rede hier nicht vom medizinischen Gründen!) ein stationärer Aufenthalt gerechtfertigt wird.
Hm. Wenn es keine medizinischen Gründe gibt, dann kann man den Patienten nach Hause entlassen.
Ich war selber in der Situation und hätte gar keine Bedenken gehabt, mich nach einem unkomplizierten Eingriff daheim ins Bett zu legen. Alleine. Jemand macht alle zwei Stunden eine virtuelle Lebendkontrolle und gut ist es. Aber wenn man weder eine Entlassung ins häusliche Umfeld noch einen stationären Aufenthalt medizinisch vertreten will und das Haftungsrisiko an einen Dritten delegiert, den der Patient irgendwo herzaubern soll, dann wird es schwierig.
ZitatSondern ich meine junge Menschen und solche mittleren Alters, die mitten im Leben stehen. Junge Menschen mit den sprichwörtlichen 300 Facebook-Freunden, die sich dann aber von niemanden abholen lassen können. [...]
Aus meiner Sicht muss man hier zwei Dinge trennen: Das Abholen wird oft kein Problem sein. Aber wenn der Facebook-Freund unterschreiben soll, dass er sich 24 Stunden beim frisch operierten Bekannten bleibt, dann finde ich das schon viel verlangt.
Stellen wir uns mal den seltenen Fall vor, dass es nach einem Eingriff doch zu einer unerwarteten schweren Komplikation kommt. Und der Facebook-Freund kann nicht reagieren, weil er sich selber kurz aufs Ohr gelegt hat. Dieses Problem würde ich jemandem, der mir überhaupt nicht nahesteht, ungern aufbürden.
Wenn wir eine solche Komplikation aber für vernachlässigbar unwahrscheinlich halten, dann sind wir wieder im Szenario oben: Dann kann der Patient die Klinik auch alleine verlassen.
Nachtrag: Franzi war schneller.
Zitat von -franzi- im Beitrag #232Ich hatte schon mal bei ambulanten Operationen tatsächlich auch Freunde gefragt, ob sie im Zweifelsfall für mich da wären. Und zeitlich hätten sie es sogar gemacht, aber sie hätten die Verantwortung nicht übernommen, was sie unterschreiben sollten. Da kann ich jeden verstehen, der so solche Verantwortungen nicht übernimmt. Ich kann sogar verstehen, wenn nahe Angehörige diese Verantwortung nicht übernehmen wollen.
Zitat von Bri-Eule im Beitrag #221Die muß man eben erst einmal haben, da drehen wir uns im Kreis. Ich kenne genug solcher Beispiele, deshalb faßt mich das so an.
Ich habe schon lang keine Angehörigen mehr. Also wirklich keine. Die, die ich hatte - Mutter und Großmütter - waren krank und gebrechlich oder dement. Ich war in die Pflege involviert, was dazu führte, dass ich in dem Alter, in dem sich das lustige Leben abspielt (20-40) und nach dem Tod meines Mannes nicht wie gewünscht für Aktivitäten verfügbar war und dadurch "Freunde" verloren habe. Mein Mann, der soziale Motor, ist vor fast 25 Jahren gestorben. Ich habe schon ein paar enge Freund:innen, die aber fast alle weit weg wohnen. Die beiden, die am nächsten wohnen, sind gesundheitlich sehr eingeschränkt.
Ich habe einen Mitbewohner im Haus, der mich fahren kann. Aber der ist noch ein Stück älter als ich ...
Also ich finde es auch nicht so easy, schnell mal jemanden zu rekrutieren. Zum Glück musste ich es bisher kaum.
-------------------------- Zwischen Reiz und Reaktion liegt die Freiheit.
Zum Thema "junge Menschen, die (vor Ort) niemanden haben":
Das geht erstaunlich schnell, wenn man ein paarmal umgezogen ist. Selbst wenn man ein relativ dichtes soziales Netz hat. Die neuen Kollegen oder den völlig unbekannten Nachbarn mag man doch nicht unbedingt bitten, nach einer OP über Nacht zu bleiben.
Zitat von lenita im Beitrag #225Ich ärgere mich oft, wie meine Eltern medizinisch (und rundum) betreut werden (bzw wurden) - oder halt nicht.
Ja, das habe ich leider auch erlebt. Und auch bei Zimmergenossinnen im Krankenhaus. Eine hatte "nur" eine gesetzliche Betreuerin, die sich aber vorbildlich gekümmert hat und ich habe mich wirklich gefragt, wie es Menschen ergehen mag, die wirklich niemanden haben, der nach dem Rechten schaut.
Zitat von lenita im Beitrag #225Für mich selbst ist mir allerdings auch angst und bange.
Mir auch.
Zitat von Analuisa im Beitrag #226Auch wer arbeitet, kann sich einen Tag frei nehmen, um Mutter/ Vater/ Partnerin/ Bruder von einer Untersuchung abzuholen.
Das setzt (außer beim Partner, wobei es auch da Fernbeziehungen über weite Entfernungen gibt) voraus, daß man weiter in seinem Geburtsumfeld wohnt. Das ist aber schon in meiner Blase nicht der Fall. Niemand aus meinem Studienumfeld wohnt auch nur ansatzweise in der Nähe der Ursprungsfamilie, weil uns der Arbeitsmarkt damals gezwungen hat, Stellen hunderte Kilometer entfernt anzunehmen. Daher sind wir auch untereinander über die ganze Republik verstreut. Und eine Generation weiter, bei meinen Patenkindern und den Kindern von Kollegen, scheint es mir eher noch extremer zu sein.
Zitat von Analuisa im Beitrag #226der hat keine Nachbarn, keine Kinder, keinen Skatbruder, niemanden? Ja, gibt es natürlich, aber der Regelfall ist das nicht. [...] die/der 30jährige hat keine Freundin, keinen Kommilitonen, keine Eltern, keine Geschwister? Ja, gibt es natürlich, aber der Regelfall ist das nicht.
Zum Glück ist es (noch) nicht der Regelfall! Aber es sind eben auch keine Einzelfälle mehr, sondern es werden gefühlt immer mehr und ich fürchte eben, daß die durchs Raster fallen. Da finde ich "alle selber schuld" zu kurz gegriffen.
Zitat von Schreckgespenst im Beitrag #236Das geht erstaunlich schnell, wenn man ein paarmal umgezogen ist.
Ganz genau.
Es wäre schon viel geholfen, wenn jeder einfach "nur" seine Arbeit machen würde, aber die wirklich großartigen Dinge auf dieser Welt geschehen nur, weil jemand mehr tut, als er muss.
Es ist auch nicht fair, zu erwarten, dass jemand für mich Urlaub nimmt. Wenn ich überlege, wie viele Urlaubstage ich für meine Eltern nehmen musste (in den letzten beiden Jahren fast 35 Stück), dazu noch eigene Termine, Arztbesuche oder Handwerker,... So viel Urlaub habe ich gar nicht. Und der Erholung (die wirklich dringend war und ist) dient das auch nicht. Das geht jedenfalls bei Vollzeit einfach nicht. Jedenfalls nicht für "irgendwelche Bekannten oder Nachbarn", insbesondere wenn das Thema Verantwortung noch dazu kommt. Und wenn dann noch ein eigener Notfall oder eine Krankheit dazwischen kommt, kann man dieser Verantwortung überhaupt nicht mehr gerecht werden.
Inzwischen haben wir auf dem Lande auch viele neue Kolleginnen, die keinen Führerschein und/oder kein Auto haben. ÖPNV ist auch eher mäßig, das ist dann die Kombi eBike und Bus (und viel Wartezeit).
Und den Müttern mit den schulpflichtigen Kindern kann man das Aufpassen auch nicht aufdrücken, die müssen selber mit ihren viel zu geringen Urlaubstagen sparen.
Ja, war mir fast klar, dass ich gleich persönlich angegangen werde, wenn ich sowas schreibe wie oben, nämlich dass ich mir mehr Eigenverantwortung bei der Gesundheit wünsche.
Ich verstehe ja, dass manche sich Sorgen machen, dass zukünftig mal jemand Schwierigkeiten hat, nach einem ambulanten Eingriff nicht nach Hause zu kommen. Ich denke nur, ihr überschätzt bei weitem, wie viele das sind. Das muss ja schon jemand sein, der keine Familie und keine Freunde hat, keine Nachbarn, eigentlich gar niemanden kennt, wo man sich gegenseitig mal aushilft - und der sich auch nicht einmalig ein Taxi leisten kann.
Ich dagegen befürchte, dass die Gesundheitsversorgung in 10-20 Jahren nicht mehr im benötigten Maße gegeben ist, weil Geld in Dinge fließt, die nicht direkt mit der Gesundheitsversorgung zu tun haben. Denn für die Übernahme von Fahrtkosten gibt’s zwei Möglichkeiten: Wegen Gleichbehandlungsgrundsatz bekommen das alle Versichertem (sehr teuer) oder es bekommen nur Bedürftige - was wieder viel Bürokratie mit sich bringt mit Antrag stellen, diesen prüfen, bewilligen, einreichen, abrechnen etc. (ebenfalls teuer). Beides macht wenig Sinn.
Ich hab den Eindruck, einige hier wollen nicht sehen, dass wir uns das jetzige Gesundheitssystem nicht mehr leisten können, schon durch den demographischen Wandel, wir müssen sparen. Und da spare ich lieber an Taxikosten als an Kosten, die wirklich die Gesundheit der Versicherten betrifft.
Mein Psychologe meinte, ich solle spazierengehen, wenn ich wütend bin. Langer Rede kurzer Sinn: ich bin jetzt in Italien.
Bluevelvet, Die Diskussion ist inzwischen ja schon von den Taxikosten weiter gewandert. Es geht glaube ich gar nicht mal so um die Taxikosten, sondern vor allem darum, dass man bei ambulanten Operationen anderen eine Verantwortung aufdrücken muss, die andere vielleicht nicht haben wollen. Und ich kann nur sagen, ich hatte bereits Operationen dieser Art und mir war jedes mal angst und bange, jemanden zu finden der so viel Verantwortung übernehmen würde.
Inzwischen bin ich etwas taffer als vor 15 jahren noch und würde jetzt wohl kämpfen. Ich würde mich jetzt auseinandersetzen mit dem Krankenhaus, mit dem System, mit den Ärzten, mit der Krankenkasse - nicht unbedingt um eine Krankenhausübernachtung, aber darum, keine Verantwortung mitzunehmen, die andere tragen müssen. Das würde ich nicht mehr unterschreiben oder aber unterschreiben lassen.
PS noch mal zu den Taxikosten: solange ich alles in meiner Stadt erledigen lassen kann, sind die taxikosten tragbar Punkt ob man 20 oder 30 €, das kann ich stemmen. Wenn ich aber in ein anderes Krankenhaus das landkreises muss, das ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln vielleicht einer Stunde erreiche, es ist auch noch kein Problem – solange ich mit öffentlichen nach Hause fahren kann. wenn ich aber zu einem Taxi verdonnert werde, was ich mir nicht leisten kann, würde ich für eine Erstattung kämpfen.
******************************** Sagt es allen weiter - besonders den jungen Menschen: Werdet StammzellenspenderIn - rettet Leben! Spende geht oft über das Blut. * DKMS
Ich würde Eigenverantwortung übernehmen, indem ich mit dem Taxi nach Hause fahre, das Auto an diesem Tag stehen lasse, mich gerne in der Klinik melde, damit sie beruhigt sind, und auf eigene Verantwortung allein bleibe. Und wenn diese Verantwortung nicht gewünscht ist, weil zu gefährlich, dann wird die Verantwortung auf irgendwelche Bekannten abgewälzt, und ich darf nicht mal in einer medizinischen Einrichtung übernachten, wenn ich selber bezahle. Und ich bin auch jemand, der anderen nicht so einfach zumutet, zwei Tage Urlaub zu nehmen und vielleicht dazu noch ein ungutes Gefühl wegen der Verantwortung zu haben. Das einfach so zu voraussetzen, ist einfach ein Unding!
Zitat von Knuffi im Beitrag #243Ich würde Eigenverantwortung übernehmen, indem ich mit dem Taxi nach Hause fahre, das Auto an diesem Tag stehen lasse, mich gerne in der Klinik melde, damit sie beruhigt sind, und auf eigene Verantwortung allein bleibe.
@BBlueVelvet Falls Du mich meinst: Ich gehe Dich ganz bestimmt nicht an.
Ich bin nur aktuell vom Gesundheitssystem komplett alleinegelassen. Und da ich mich wirklich um alles kümmern muss, bin ich echt überfordert. Und ich muss dass eben auch für viele Personen machen. Von den jüngeren Depressiven (EU-Rente) über die stärkere Belastung auf der Arbeit (weil da zusätzlich zur Überlastung viele Krankheiten und Kind-Krank-Ausfälle sind), bis hin zu den 3 alten Eltern, die entweder nicht mehr mobil oder dement oder beides sind. Das geht einfach nicht! Und dann ist es hier auf dem Lande eben einfach Mist: Spontan verschiebt sich der OP-Termin, spontan habe ich Migräne und spontan bekomme ich kein Taxi (welches hier durch die weiten Wege echt teuer ist (einfache Fahrt dreistellig!). Spontan sind die Arzttermine bei beiden Elternteilen in entgegengesetzten Richtungen nötig und ich selber habe auch noch einen Termin.
Ich fände es besser, wenn sowas wie ein Rekonvaleszenz-Zimmer pro Station oder in der Nähe der Ambulanten Praxis ist. Nicht so teuer wie ein echtes Krankenhaus-Bett aber mit der Möglichkeit, im absoluten Notfall jemanden zu erreichen. Auch mit mehreren Betten und Stellwänden, eben für die günstige Sicherheit. Sowas muss doch möglich sein! Mit Eigenversorgung bzw. Eigenanteil für ein Buffet (gibt es ja in der Geburtsstation auch) oder mit Essensausgabe/Tablett. Früher hatten wir hier auch 6-Bett-Zimmer, so schlimm ist das doch nicht.
Da fehlen mir echt die Ideen von Seiten des Gesundheitssystems.
@Genau, Kikiri, das wäre zum Beispiel eine echte Lösung. Da es ja so gedacht ist, wie in den Gesetzestexten von #170, so wie es mir auch das vorige Gesundheitsministerium geschrieben hat, nämlich stationäre statt ambulanter OP mit einer Nacht im Krankenhaus, ist es ja eigentlich klar, was zu tun ist. Aber wenn mich wieder ein Arzt hundert Mal fragt, ob ich denn WIRKLICH niemanden habe, dann werde ich sofort Grenzen setzen und darauf hinweisen, dass es genügt, wenn ich ein Mal antworte.
Zitat von Kikiri im Beitrag #246Ich bin nur aktuell vom Gesundheitssystem komplett alleinegelassen. Und da ich mich wirklich um alles kümmern muss, bin ich echt überfordert. Und ich muss dass eben auch für viele Personen machen. Von den jüngeren Depressiven (EU-Rente) über die stärkere Belastung auf der Arbeit (weil da zusätzlich zur Überlastung viele Krankheiten und Kind-Krank-Ausfälle sind), bis hin zu den 3 alten Eltern, die entweder nicht mehr mobil oder dement oder beides sind. Das geht einfach nicht!
Ich finde es auch argumentativ schwierig:
Das Gesundheitssystem kommt an seine Grenzen und man darf "der Solidargemeinschaft" oder "der Gesellschaft" nicht zu viel aufbürden. Das ist eigentlich eine ganz nachvollziehbare Position. Aber auf der anderen Seite wird teilweise völlig selbstverständlich vorausgesetzt, dass jemand Urlaubstage nimmt, um den Nachbarn abzuholen, den Skatbruder nach der ambulanten Operation zu betreuen oder die ältere Dame aus dem Gesangsverein zum Optiker zu begleiten. Dieser jemand ist ja auch Teil der Solidargemeinschaft. Der demographische Wandel schlägt auch in den Freundeskreisen, Nachbarschaften und Vereinen zu. Natürlich, wenn die Sozialversicherungsbeiträge irgendwann auf 50% klettern, dann ist das nicht mehr leistbar. Aber wenn man die Beiträge begrenzt und der Beitragszahler dafür immer mehr Urlaubstage drangeben muss, um die sozialen Härten irgendwie abzufedern, dann hat man das Problem auch nur verlagert.
ZitatIch fände es besser, wenn sowas wie ein Rekonvaleszenz-Zimmer pro Station oder in der Nähe der Ambulanten Praxis ist. Nicht so teuer wie ein echtes Krankenhaus-Bett aber mit der Möglichkeit, im absoluten Notfall jemanden zu erreichen. Auch mit mehreren Betten und Stellwänden, eben für die günstige Sicherheit. Sowas muss doch möglich sein! Mit Eigenversorgung bzw. Eigenanteil für ein Buffet (gibt es ja in der Geburtsstation auch) oder mit Essensausgabe/Tablett. Früher hatten wir hier auch 6-Bett-Zimmer, so schlimm ist das doch nicht.
Da fehlen mir echt die Ideen von Seiten des Gesundheitssystems.
Ganz genau! Wenn es nur darum geht, dass Hilfe für den Notfall in erreichbarer Nähe ist, dann darf man mich gerne in eine Turnhalle oder in die Besenkammer schieben. Für gesundheitlich fitte Patienten muss man nach einer ambulanten OP wirklich keinen riesigen Aufwand betreiben. Oder man wird nach Hause entlassen und muss im Drei-Stunden-Turnus per App bestätigen, dass man nicht verstorben ist.
Manchmal fehlt es nicht am Geld, sondern an kreativen Ideen.
Zitat von Knuffi im Beitrag #247@Genau, Kikiri, das wäre zum Beispiel eine echte Lösung. Da es ja so gedacht ist, wie in den Gesetzestexten von #170, so wie es mir auch das vorige Gesundheitsministerium geschrieben hat, nämlich stationäre statt ambulanter OP mit einer Nacht im Krankenhaus, ist es ja eigentlich klar, was zu tun ist. Aber wenn mich wieder ein Arzt hundert Mal fragt, ob ich denn WIRKLICH niemanden habe, dann werde ich sofort Grenzen setzen und darauf hinweisen, dass es genügt, wenn ich ein Mal antworte.
Guck mal #222, und Frage den Arzt ob er nicht so ein Formular in der Schublade hat. Eine wo es darum geht das sie Versorgung zu Hause nicht gewährleistet ist. 😉
ZitatIch fände es besser, wenn sowas wie ein Rekonvaleszenz-Zimmer pro Station oder in der Nähe der Ambulanten Praxis ist. Nicht so teuer wie ein echtes Krankenhaus-Bett aber mit der Möglichkeit, im absoluten Notfall jemanden zu erreichen. Auch mit mehreren Betten und Stellwänden, eben für die günstige Sicherheit. Sowas muss doch möglich sein! Mit Eigenversorgung bzw. Eigenanteil für ein Buffet (gibt es ja in der Geburtsstation auch) oder mit Essensausgabe/Tablett. Früher hatten wir hier auch 6-Bett-Zimmer, so schlimm ist das doch nicht.
Da fehlen mir echt die Ideen von Seiten des Gesundheitssystems.
Ganz genau! Wenn es nur darum geht, dass Hilfe für den Notfall in erreichbarer Nähe ist, dann darf man mich gerne in eine Turnhalle oder in die Besenkammer schieben. Für gesundheitlich fitte Patienten muss man nach einer ambulanten OP wirklich keinen riesigen Aufwand betreiben. Oder man wird nach Hause entlassen und muss im Drei-Stunden-Turnus per App bestätigen, dass man nicht verstorben ist.
Manchmal fehlt es nicht am Geld, sondern an kreativen Ideen.