Ich muss mir vielleicht nur mal was von der Seele schreiben, was mich nicht einmal ganz direkt betrifft. Es geht um die Situation meiner Schwiegereltern, insbesondere um das Verhalten meiner Schwiegermutter gegenüber dem Schwiegervater und ihrem Sohn, also meinem Mann.
Die Schwiegermutter (Ende 70) ist eindeutig in einer sie überfordernden Situation. Sie pflegt meinen Schwiegervater (Pflegegrad 4) und hält ein großes Haus und einen anspruchsvoll gestalteten Garten in (vorbildlichster) Ordnung. Jeglicher Versuch, Beratung, Unterstützung und Hilfe ins Haus zu holen, wird blockiert. Beratung durch den Pflegestützpunkt, Putzhilfen, Gartenhilfen, Unterstützung bei der Körperpflege des Vaters, Essenslieferungen, egal was, nichts wird angenommen, eventuelle kurze Versuche sofort wieder abgebrochen (z.B. Putzhilfe, weil sie den Staubstauger zu viel benutzte). Keiner macht es für meine Schwiegermutter richtig und „was sollen die Leute denken“.Allein ein vorsichtiger Vorstoß über einen Umzug in eine pflegeleichtere Wohnung nur mal nachzudenken, führt zum Disput. Wir wohnen 700 Kilometer weit weg, andere nahe Personen, die innerfamliär oder auf Freundschaftsebene helfen könnten, gibt es nicht. Soweit, so schlecht.
Mein Mann fährt in der Regel dreimal im Jahr für jeweils zwei, drei bis vier Wochen hin. Zumeist stehen dann auch immer bestimmte Aufgaben an (Obsternte mit Einkochen, Umgestaltungen/Renovierungen in Haus und Garten, Behörden und Papierkram, mit Fahrerei verbundene medizinische Eingriffe und Behandlungen u.ä.) Wie mein Mann immer wieder erzählt, kann er dann vor Ort eigentlich aber kaum etwas tun, er darf nichts anfassen, ihm wird sofort alles aus der Hand genommen, er darf nicht einmal das Auto der Eltern fahren. Wie er selbst sagt, sitzt er die meiste Zeit rum und wird von seiner Mutter als Zusatzbelastung beklagt. Er fährt aber aber trotzdem hin, weil er insbesondere Zeit mit seinem Vater verbringen will, die Situation im Auge behalten möchte, aber letztlich auch, um seine Mutter aller Schwierigkeiten zum Trotz zu sehen und zumindest ansatzweise zu unterstützen.
Was meinen Mann jetzt zusätzlich belastet, ist die zunehmende Aggressivität seiner Mutter. Sanft war sie im persönlichen Umfeld wohl noch nie, nach außen ist sie aber immer sehr, sehr freundlich (auch zu mir). Zwei Gesichter. Mein Mann hat das Gefühl, dass seine Mutter teilweise regelrecht Streit sucht, vielleicht als Ventil für ihre belastende Situation. Eventuell ist es auch der Beginn einer Demenz, es sind Schwierigkeiten bei der Aufnahme von Informationen und beim Erinnerungsvermögen bemerkbar, aber in noch geringem Umfang. Die Mutter schimpft viel mit dem pflegebedürftigen Vater, auch wegen Verhaltens, das der Vater gar nicht mehr ändern kann. Wenn mein Mann vor Ort ist, spielt er oft den Blitzableiter, auch indem er sich einmischt, wenn seine Mutter unangemessene und heftige Vorhaltungen macht. Und dann kann es auch mal zu körperlichen Übergriffen von Mutter zu Sohn kommen. Anzeichen von Misshandlung gibt es bei dem Vater aber nicht.
Mein Mann hat seinen Vater gefragt, ob er eine andere Lösung möchte, und dass er ihn dabei immer unterstützen würde. („Ich hole dich hier raus.“) Sein Vater hat einen Umzug in eine andere Umgebung aber abgelehnt. Er ist mental vollkommen auf der Höhe, aber körperlich eben sehr hilfsbedürftig.
Ich habe meinem Mann vorgeschlagen, zeitweise oder auch dauerhaft in seine alte Heimatregion umzuziehen. Da das nächste Jahr mein letztes Arbeitsjahr wäre, könnte ich dann auch nachziehen. Aber das lehnt wiederum mein Mann ab, er meint, er hatte gute Gründe, warum er vor fast vierzig Jahres von dort, aber auch von der Übergriffigkeit seiner Mutter, weg wollte.
Ich merke aber, wie sehr meinen Mann die derzeitige Situation beschäftigt, und dass er eigentlich ständig in Sorge um seinen Vater ist. Telefonieren kann er mit seinem Vater direkt nicht, das funktioniert nicht mehr, und technische Hilfen hierzu werden wiederum von der Mutter blockiert.
Es ist mir klar, dass die letzten Lebensjahre mit Eltern eine Herausforderung sind, habe ich selbst mit meinen Eltern erlebt. Es ist zwar nur ein begrenzter Zeitraum, nur wie lange der dauert, weiß keiner. Bei meinem Schwiegervater muss man seit ca. zwei Jahren ständig mit seinem Tod rechnen. Aber es kann auch noch lange dauern mit fortschreitender Verschlechterung seines körperlichen Zustands.
Uff, das ist jetzt lang geworden. Eigentlich weiß ich, dass man da im Moment nichts machen kann, sondern die Situation einfach aushalten muss. Wir hatten aber gerade nach einem Streit-Telefonat zwischen Mutter und Sohn am Abend wieder mal eine sehr schlechte Nacht.
"Bescheidenheit ist die subtilste Form von Arroganz." Sprichwort
Oh Lea, das ist heftig. Kontaktabbruch geht wegen dem Vater nicht, Kontakt halten ist eine elende Quälerei. Ich kann die ganze Situation gut verstehen und nachvollziehen. Aber eine Tipp habe ich nicht. Wenn sogar Streit nicht hilft, was soll denn dann helfen? Ich fühle mit Euch!
Ich würde auf jeden Fall aufhören, da ganze Wochen zu verbringen, vor allem, wenn Dein Mann dann doch nichts machen kann. Ist das im Ausland?
Edit: ok, offensichtlich ist es nicht im Ausland, da von Pflegegraden die Rede war. 700 km ist ein ganzes Stück, aber trotzdem was, was man auch mal an einem Wochenende fahren kann.
"Mein Mann fährt in der Regel dreimal im Jahr für jeweils zwei, drei bis vier Wochen hin. Zumeist stehen dann auch immer bestimmte Aufgaben an (Obsternte mit Einkochen, Umgestaltungen/Renovierungen in Haus und Garten, Behörden und Papierkram, mit Fahrerei verbundene medizinische Eingriffe und Behandlungen u.ä.) Wie mein Mann immer wieder erzählt, kann er dann vor Ort eigentlich aber kaum etwas tun, er darf nichts anfassen, ihm wird sofort alles aus der Hand genommen, er darf nicht einmal das Auto der Eltern fahren. Wie er selbst sagt, sitzt er die meiste Zeit rum und wird von seiner Mutter als Zusatzbelastung beklagt. Er fährt aber aber trotzdem hin, weil er insbesondere Zeit mit seinem Vater verbringen will, die Situation im Auge behalten möchte, aber letztlich auch, um seine Mutter aller Schwierigkeiten zum Trotz zu sehen und zumindest ansatzweise zu unterstützen."
Da ist dein Mann sehr gutmütig. Das müsste er in dem Umfang nicht, selbst bei gutem Willen. Aber es ist seine Entscheidung. Da kannst du nichts dran ändern.
"Was meinen Mann jetzt zusätzlich belastet, ist die zunehmende Aggressivität seiner Mutter. Sanft war sie im persönlichen Umfeld wohl noch nie, nach außen ist sie aber immer sehr, sehr freundlich (auch zu mir). Zwei Gesichter. Mein Mann hat das Gefühl, dass seine Mutter teilweise regelrecht Streit sucht, vielleicht als Ventil für ihre belastende Situation. Eventuell ist es auch der Beginn einer Demenz, es sind Schwierigkeiten bei der Aufnahme von Informationen und beim Erinnerungsvermögen bemerkbar, aber in noch geringem Umfang."
Beginnende Demenz kann gut sein. Ich habe das bei meiner Mutter erlebt, selbst wenn mein Bruder das negiert hat. Aber solange nichts schlimmes passiert kann man da auch nichts machen.
"Und dann kann es auch mal zu körperlichen Übergriffen von Mutter zu Sohn kommen. Anzeichen von Misshandlung gibt es bei dem Vater aber nicht." Wenn mein Mann mir das erzählen würde würden bei mir aber schon alle Alarmglocken schrillen. Da würde ich ihn fragen: warum lässt du dir das gefallen ? Ich kann auch verstehen das er da nicht nochmal hinziehen möchte. Selbst bei aller Liebe zu den Eltern, in meinem Fall zur Mutter, hab ich es auch nicht gemacht. Ich bin oft hingefahren und war froh wieder weg zu können. Man muss sich wirklich abgrenzen können.
Zitat von FakeFur im Beitrag #3 Edit: ok, offensichtlich ist es nicht im Ausland, da von Pflegegraden die Rede war. 700 km ist ein ganzes Stück, aber trotzdem was, was man auch mal an einem Wochenende fahren kann.
Aus Erfahrung: eher nicht. Zumindest dann, wenn man sich selber einem gewissen Alter näher und es hängt von der Strecke ab. Bei mir sind es "nur" 540 km. Vor ca. 10, 15 Jahren war man da in 5, manchmal sogar unter 5 h durch. Inzwischen liegt mein Rekord bei 9.5 h für eine Tour. Der Durchschnitt liegt heute bei der Strecke eher bei >6.5 h. Ohne Pause und im Schnellfahrmodus. Das also am Freitag(mittag) hin und am Sonntag zurück.
Ich kenne die Geschichte, auch meine Eltern bekamen von uns Angebote, in unsere Richtung zu ziehen. Sie wollten es nicht, wir haben es über Jahre versucht. Nun bin ich soweit, trotz aller Dankbarkeit den Eltern gegenüber bzw. dem verbliebenen Elternteil gegenüber, mich ein wenig auszuklinken. Ich fahre nicht mehr regelmäßig hin bzw. nicht, wie man vielleicht denken könnte, nun im sehr hohen Alter der Mutter öfter hin, um im Alltag zu helfen. Das kann ich gar nicht leisten und man hat sein eigenes Leben. Nebenbei wird man auch nicht jünger. Wir haben wirklich alle Hilfestellungen angeboten, Voraussetzung wäre eben gewesen, in die Nähe eines der Kinder zu ziehen - irrerweise auch noch beides Gegenden, die den Eltern durchaus nahestanden oder gar ursprüngliche Heimat waren.
Es ist (in meinem Fall) diese Generation, die einmal im Leben ein Haus baute und dort dann das Leben beschließen will. Dann, trotz aller Dankbarkeit, Liebe und auch, ja, gegen das Pflichtgefühl, dann muss diese Generation auch mit den Folgen leben. Immerhin wurde über diese schon diskutiert, als noch alle auf der geistigen Höhe waren.
Und ja, bei finanziell ganz gut aufgestellten Eltern sehe ich auch die Pflicht, diese Mittel für Hilfeleistungen aufzubringen, die hier der Sohn (Ernte) auf sich nimmt.
Lea, was für eine belastende, schwere Situation für deinen Mann und auch dich.
Gäbe es denn vielleicht die Möglichkeit, bei einer dieser medizinischen Behandlungen mit dem Arzt zu sprechen? Sind da immer beide Eltern dabei oder nur derjenige, den es betrifft?
700 km sind weit, aber ich würde trotzdem nicht für mehrere Wochen dort hin reisen. Zuviel Zeit, dass sich die Situation aufschaukelt und seitens der Schwiegermutter das (Macht) Gefüge Mutter --> Sohn wieder herzustellen, was offenbar früher so war.
Die Aggressivität könnte auch aus der völligen Überforderung herrühren. Ich erinnere mich da mit Schrecken an manche Szenen zwischen meinen Eltern. 😔
Sie wird erst Hilfe und Veränderung zulassen, wenn etwas Gravierendes passiert, so schrecklich das ist. Schön finde ich von deinem Mann, dass er seinem Vater trotzdem immer wieder signalisiert, dass er an seiner Seite ist, auch wenn er es nicht so kann, wie er sich das selbst wünschen würde.
Dir bleibt vermutlich nur deinen Mann zu stärken.
Freundschaft ist das Seil, das hält, wenn alle Stricke reißen
Sie wird erst Hilfe und Veränderung zulassen, wenn etwas Gravierendes passiert, so schrecklich das ist.
Selbst das ist nicht gesagt. Meine Mutter ließ erst Pflege zu, als sie nicht mehr widersprechen konnte, weil sie nicht mehr sie ist. Ich würde nicht darauf spekulieren.
Ich habe ja auch eingangs geschrieben, dass es nicht mein direktes Problem ist und ich es auch nicht zu meinem machen werde. Ich versuche mich schon auch gegen meinen Mann abzugrenzen. Wie oft und wie lange er zu den Eltern fährt, ist seine Entscheidung. Es sind halt jeweils so acht Stunden Bahnfahrt von Tür zu Tür. Aber man teilt halt doch die Sorgen, mein Mann war in meiner schwierigen Situation mit Eltern auch im Hintergrund als Schulter zum Anlehnen da.
Mein Mann wird von seiner Mutter schon auch aufgefordert zu kommen, eben weil Arbeiten oder Aufgaben anstehen. Es ist nicht so, dass er sich aufdrängen muss. Vor Ort rächt sich, glaube ich, dass das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn nie auf eine erwachsene Ebene gebracht wurde. Das hängt sicher damit zusammen, dass er als gerade eben Erwachsener die Flucht statt des Kampfs gewählt hat. Seine Mutter hat keine Vorstellung von dem Leben des Sohnes, und er ist aus ihrer Sicht wohl immer das unselbständige Kind geblieben, das nichts anständig auf die Reihe kriegt. Tja, und die Mutter hatte zu Hause wohl auch immer die Alleinherrschaft, der Vater war halt außerhäußig umtriebig (Arbeit, Ämter, Sport). Wie sagt mein Mann manchmal, alles was seinem Vater Freude macht und ihn interessiert, steht im Keller oder ist irgendwie versteckt und verborgen. In den Wohnräumen ist nur sichtbar, was meiner Mutter gefällt. So war halt die Arbeitsteilung und ist das Familiengefüge.
Ich selbst bin in den letzten Jahren jeweils einmal im Jahr für drei Tage mitgefahren, Anlass war jeweils ein Geburtstag und das Erledigen der Steuererklärung. Einen längeren Aufenthalt würde ich niemandem zumuten, aber ich bin halt auch eine Fremde (zweite, späte Ehefrau). Aber immerhin werde ich als Erwachsene wahrgenommen und mir als Frau wohl auch Kompetenz zugebilligt, zumindest wird mir ein Besen, ein Hammer oder eine Harke nicht sofort aus der Hand gerissen und auch zugetraut, eine Leiter hochsteigen zu können.
"Bescheidenheit ist die subtilste Form von Arroganz." Sprichwort
ich zieh meinen Hut vor deinem Mann! Und auch vor dir, dass ihr beide diese unschöne Konstellation und Zeit so meistert. Menschen vom Schlag deiner Schwiegermutter hab ich auch schon kennengelernt und denke, es braucht sehr starke Nerven um da gemeinsame Zeit aushalten zu können. Ein befreundetes Ehepaar hat einen solchen Schwiegersohn (ja, das gibts auch), wenn beide ihre Tochter+Enkel sehen möchten müssen sie eine Urlaubsunterkunft für die Zeit, in der sie sich in dem 800km entfernten Ort aufhalten, buchen und dürfen dann auch nur zu bestimmten Zeiten "vorbeikommen". Vllt wäre das für euch auch mal eine Option? (wenn Corona vorbei ist und man wieder in Pensionen/Hotels übernachten darf... oder weiß nicht ob das überall verboten ist, in meinem BL schon)
Alles wird gut Die Menschen sind schlecht und die Welt ist am Ar*** Aber alles wird gut Das System ist defekt, die Gesellschaft versagt Aber alles wird gut (KUMMER - Der letzte Song)
Was die Sache hier aus meiner Sicht so schwierig macht, ist die Befürchtung, dass der Vater körperlichen Übergriffen ausgesetzt sein könnte. Sonst könnte man sagen, die haben sich ihre Situation so ausgesucht, jetzt sollen sie damit klarkommen.
Zitat von FakeFur im Beitrag #13Was die Sache hier aus meiner Sicht so schwierig macht, ist die Befürchtung, dass der Vater körperlichen Übergriffen ausgesetzt sein könnte. Sonst könnte man sagen, die haben sich ihre Situation so ausgesucht, jetzt sollen sie damit klarkommen.
Wie kommst du auf diese Spekulation? Davon hat doch die TE nichts geschrieben.
Die TE schrieb, dass die Mutter ihrem erwachsenen Sohn gegenüber handgreiflich wurde. Da liegt auch bei mir der Verdacht nahe, dass sie dies auch bei ihrem wehrlosen Mann tut, wenn niemand da ist.
eine schwierige Situation und doch- haben es sich die Schwiegereltern doch offenbar so eingerichtet, wie sie es wollen. Auch ein Umzug, bei dem dem Vater doch klar war, er kann seinen Sohn nun öfter sehen - wurde nicht bejaht.
Es wäre gut, wenn dein Mann mit dieser Situation seinen Frieden macht, indem er anerkennt, dass die Eltern es so wollen. Sie haben sich entschieden und tun das jeden Tag aufs Neue.
Die Aggression der Mutter ist gut zu verstehen, denn wer würde das nicht werden, wenn er ständig überfordert ist? Natürlich denkt man schnell an Demenz, aber es reicht der bestehende Zustand vollkommen aus, um schnell gereizt, genervt und aggressiv zu werden.
Wir müssen uns entscheiden, entweder wir wollen unsere Eltern ernst nehmen, dann gehören dazu auch Entscheidungen, die wir selbst so nie wählen würden. Oder wir akzeptieren das nicht, und reiben uns ununterbrochen auf, weil es nicht so läuft, wie wir es wollen.
Ich würde hier vermuten, dass das eine Frage der Zeit ist, bis die Schwiegermutter an ihre Grenzen kommt. Dann gibts einen Knall und erst mit dem, sind neue Wege möglich. So gerne man es für die Eltern immer GUT hätte - bleibt die Frage übrig, ob diese Menschen es für sich nicht gerade GUT machen- selbst wenn darin eine große Mühsal liegt.
Loslassen und Akzeptieren. Und gleichzeitig alles im Blick behalten, um zu gegebener Zeit, neue Wege mitzugestalten.
Zitat von Baumhaus1 im Beitrag #15Die TE schrieb, dass die Mutter ihrem erwachsenen Sohn gegenüber handgreiflich wurde. Da liegt auch bei mir der Verdacht nahe, dass sie dies auch bei ihrem wehrlosen Mann tut, wenn niemand da ist.
Ok- das hatte ich überlesen.
Wie sahen diese körperliche Handgreiflichkeit der SM denn konkret aus? - Frage an die TE
Zitat von Baumhaus1 im Beitrag #15Die TE schrieb, dass die Mutter ihrem erwachsenen Sohn gegenüber handgreiflich wurde. Da liegt auch bei mir der Verdacht nahe, dass sie dies auch bei ihrem wehrlosen Mann tut, wenn niemand da ist.
Genau. Gewalt gegen pflegebedürftige Personen, speziell in Überforderungssituationen, ist ja nun auch nicht so selten.
Ich kann es nur aus den Berichten meines Mannes schildern, ich war nie Zeugin. Wenn irgendwas so gar nicht so funktioniert, wie die Mutter es sich vorstellt, oder es Widerstand, Widerworte gibt, wird mit der Hand oder Faust geschlagen. Nicht gezielt, eher so ein paar Püffe. Das ist mit der Kraft einer knapp 80jährigen Frau nun natürlich nicht gefährlich. Es ist mehr die Haltung, die dahinter steckt, die erschreckt. Tja, und ob es gegenüber dem Vater auch solche Vorfälle gibt, wir wissen es einfach nicht. Mein Mann geht in solchen Situationen weg, sagt, er kommt wieder, wenn sie sich beruhigt hat. Entschuldigungen kommen dann von ihrer Seite allerdings nie, eher nochmals Vorwürfe, dass der Andere es einfach nicht richtig gemacht hat oder sie im Stich gelassen hat.
Aber ich will hier aber keineswegs nur schlecht über meine Schwiegermutter reden, nicht dass hier ein falsches Bild entsteht. Sie leistet wirklich sehr viel, dafür verdient sie Anerkennung und Hochachtung. Und auch mein Mann ist davon überzeugt, dass sein Vater von ihr rundum bestens versorgt wird. Und das wahrscheinlich wirklich besser als es Pflegepersonal leisten könnte. Es fehlt halt manchmal vielleicht ein bisschen Freude und Freundlichkeit, aber auch das ist sehr verständlich, wenn man in so einem Leben drinsteckt. Klar ist aber auch, dass die Mutter die Pflege nicht gern leistet (auch verständlich), sondern viel auch tut, weil es ihrem Selbstbild der aufopfernden Ehefrau entspricht. Sie beklagt ständig ihr hartes Schicksal mit dem pflegebedürftigen Mann (und mit in früheren Zeiten im eignen Haus bis zum Tod gepflegter Mutter und Schwiegermutter) und fordert für alles, was sie tut, auch andauernd positive Bestätigung und Dank ein bzw. Mitgefühl für ihre schwere Situation.
"Bescheidenheit ist die subtilste Form von Arroganz." Sprichwort
Von einem Menschen, der nur seine Pflicht erfüllt, der sich ständig beklagt und für seine Zuwendung gelobt werden will, möchte ich nicht gepflegt werden. Irgendwo ist bei der Mutter ein unerfülltes Leben im Spiel. Sie hat ja schon ihre Eltern ungern gepflegt und versorgt. Das lässt sich jetzt nicht mehr ändern - aber die Situation mit ihrem Mann könnte man vielleicht neu gestalten ?
Damit meine ich stundenweise Entlastung. Ansonsten finde ich auch - wie weiter oben geschrieben wird - dass man sich im Loslassen üben muss (das ist bekanntlich nicht einfach).
Zitat von Lea58 im Beitrag #19Ich kann es nur aus den Berichten meines Mannes schildern, ich war nie Zeugin. Wenn irgendwas so gar nicht so funktioniert, wie die Mutter es sich vorstellt, oder es Widerstand, Widerworte gibt, wird mit der Hand oder Faust geschlagen. Nicht gezielt, eher so ein paar Püffe. Das ist mit der Kraft einer knapp 80jährigen Frau nun natürlich nicht gefährlich. Es ist mehr die Haltung, die dahinter steckt, die erschreckt.
Ich hatte jetzt auch nicht vermutet, dass sie Leute krankenhausreif schlägt . Warum macht Dein Mann sowas mit, das finde ich ziemlich erschreckend. Zumal, wenn es öfter vorkommt - einmal in großer Wut könnte man wohl noch verzeihen.
Zitat von Lea58 im Beitrag #19Ich kann es nur aus den Berichten meines Mannes schildern, ich war nie Zeugin. Wenn irgendwas so gar nicht so funktioniert, wie die Mutter es sich vorstellt, oder es Widerstand, Widerworte gibt, wird mit der Hand oder Faust geschlagen. Nicht gezielt, eher so ein paar Püffe. Das ist mit der Kraft einer knapp 80jährigen Frau nun natürlich nicht gefährlich. Es ist mehr die Haltung, die dahinter steckt, die erschreckt. Tja, und ob es gegenüber dem Vater auch solche Vorfälle gibt, wir wissen es einfach nicht. Mein Mann geht in solchen Situationen weg, sagt, er kommt wieder, wenn sie sich beruhigt hat. Entschuldigungen kommen dann von ihrer Seite allerdings nie, eher nochmals Vorwürfe, dass der Andere es einfach nicht richtig gemacht hat oder sie im Stich gelassen hat.
Aber ich will hier aber keineswegs nur schlecht über meine Schwiegermutter reden, nicht dass hier ein falsches Bild entsteht. Sie leistet wirklich sehr viel, dafür verdient sie Anerkennung und Hochachtung. Und auch mein Mann ist davon überzeugt, dass sein Vater von ihr rundum bestens versorgt wird. Und das wahrscheinlich wirklich besser als es Pflegepersonal leisten könnte. Es fehlt halt manchmal vielleicht ein bisschen Freude und Freundlichkeit, aber auch das ist sehr verständlich, wenn man in so einem Leben drinsteckt. Klar ist aber auch, dass die Mutter die Pflege nicht gern leistet (auch verständlich), sondern viel auch tut, weil es ihrem Selbstbild der aufopfernden Ehefrau entspricht. Sie beklagt ständig ihr hartes Schicksal mit dem pflegebedürftigen Mann (und mit in früheren Zeiten im eignen Haus bis zum Tod gepflegter Mutter und Schwiegermutter) und fordert für alles, was sie tut, auch andauernd positive Bestätigung und Dank ein bzw. Mitgefühl für ihre schwere Situation.
Es wird von uns wohl keine glauben das du schlecht über sie reden willst. Die Situation belastet euch und du möchtest dich ausquatschen . Das ist verständlich.
Sie beklagt ihr Schksal und möchte bedauert werden ..... Wenn sie ja noch nett dabei wär wär es sicher kein Problem. Aber wenn sie nur am meckern und zetern ist und noch um sich schlägt: Mama entweder du lässt dir helfen, und kommst auch mal von der Palme, oder ich geh. Da muss dein Mann sich wirklich im Abgrenzen üben.
Zitat von Lea58 im Beitrag #19Ich kann es nur aus den Berichten meines Mannes schildern, ich war nie Zeugin. Wenn irgendwas so gar nicht so funktioniert, wie die Mutter es sich vorstellt, oder es Widerstand, Widerworte gibt, wird mit der Hand oder Faust geschlagen. Nicht gezielt, eher so ein paar Püffe. Das ist mit der Kraft einer knapp 80jährigen Frau nun natürlich nicht gefährlich. Es ist mehr die Haltung, die dahinter steckt, die erschreckt.
Ich hatte jetzt auch nicht vermutet, dass sie Leute krankenhausreif schlägt . Warum macht Dein Mann sowas mit, das finde ich ziemlich erschreckend. Zumal, wenn es öfter vorkommt - einmal in großer Wut könnte man wohl noch verzeihen.
Ich versteh es auch nicht. Er steckt da wohl echt noch in der Sohn-Rolle. Ich könnte mir aber gut vorstellen wenn er mal lospoltern würde das sie dann zurücksteckt. Das ist so die Generation Frau.
Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht. Sprich, an dieser Situation wird sich nichts ändern bis ein akuter medizinischer Notfall eintritt. Dann ist die Schwiegermutter in der Klinik und der Vater muss Knall auf Fall in ein Heim zur Kurzzeitpflege. Je nachdem ob sich die Schwiegermutter dann vollständig erholt und weiterpflegen will oder eben nicht mehr in der Lage ist, ergeben sich dann die weiteren Schritte.
Es ist schon nicht ganz leicht, so ein Szenario mit Eltern durchzustehen, die halbwegs einsichtig und entgegenkommend sind, wie das bei meinen Eltern der Fall war. Wenn ein Elternteil dagegen opponiert, gibt es keinen Handlungsspielraum bis die Katastrophe eintritt. Traurig, aber ist so.
Die Chance klopft öfter an als man meint, aber meistens ist niemand zu Hause. (Willi Rogers)
Ein bisschen erinnert mich deine Schwiermutter an die mittlerweile verstorbene Tante vom Monkelemann. Erst pflegte sie den Lebensgefährten ihrer Mutter, dann die Mutter, zum Schluss ihren Mann. Als ihr die Pflege der Mutter zuviel wurde, hat diese sie mit Selbstmordgedanken erpresst. Es gab Unterstützungsangebote der verschiedensten Art, seitens ihres jüngeren Sohnes (zum Älteren bestand kein Kontakt) und seiner Frau. Ich erinnere mich an ein Familienfest, wo sie und ich überlegt haben, wie man ihr helfen könne. Jahre später sagte sie mir, dass sie es irgendwann aufgegeben haben, helfen zu wollen.
Tragischerweise verstarb der Sohn wenige Monate vor ihr (der Mann war mittlerweile verstorben, dann wurde sich um den Bruder gekümmert). Vermutlich hat sie ihren 'Wert' aus der Pflege dieser Menschen gezogen. Für mich sieht es nach viel ungelebten und ungeliebtem Leben aus, aber es war ihre Entscheidung, die es zu akzeptieren galt, so schwer das auch war. 😟
Lea, wenn es nach meinem Vater gegangen wäre, dann wären sie rechtzeitig (als seine Parkinsonerkrankung noch nicht so weit fortgeschritten war) ins Betreute Wohnen gezogen, was meine Mutter aber verhindert hat. Später fehlte ihm die Kraft, sich gegen sie durch zu setzen. Das wird bei deinem Schwiegervater möglicherweise ähnlich sein, selbst wenn er die Unterstützung deines Mannes hat.
Was das Thema Autonützung Vorort angeht, wenn dein Mann mit der Bahn anreist, würde ich sie an seiner Stelle klar vor die Wahl stellen, entweder mit ihrem Auto oder gar nicht. Das eventuelle Argument mit der Versicherung, dürfte das kleinste Problem sein, sollte sie damit kommen.
Freundschaft ist das Seil, das hält, wenn alle Stricke reißen