Zitat von Lea58 im Beitrag #140Mein Mann war dann insgesamt 10 Wochen dort, er war ja schon vorher vor Ort. Geplant ist, dass er Ende August für eine kürzere Zeit (eine Woche bis 10 Tage) wieder hinfährt, dann steht Gartenarbeit an.
Da finde ich wirklich bewundernswert, dass er das so lange aushält, ich fahre ja auch regelmäßig zu den Eltern, mein Maximum waren bisher 16 Tage im Stück, nach 10 Wochen müsste man mich vermutlich in die Psychiatrie einliefern. Wahrscheinlich eher schon vorher.
Ist dein Mann nicht mehr berufstätig oder nimmt er seine Arbeit mit?
Virginia, Gisèle, Collien, danke für euren Mut! 🌹
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Zitat von Utetiki im Beitrag #137 Leider wohne ich nicht ums Eck, GsD sind es aber auch nur 150 km. Ich bin jede Woche für ein bis zwei Tage dort, vor allem um zu Ärzten zu begleiten und einfach Zeit mit ihnen zu verbringen.
wie schaffst Du das?
Ich gehe dabei kaputt- bin aber berufstätig- ich habs bisher nicht geschafft hier alles nachzulesen- ich hatte das 2021 gemacht und bin dann quasi fast zusammengeklappt- jetzt suche ich verzweifelt nach anderen Möglichkeiten (die alle abgelehnt werden...) und gehe auf dem Zahnfleisch- deshalb auch keine Zeit, hier konsequent mitzulesen....
Zitat von Lea58 im Beitrag #140Mein Mann war dann insgesamt 10 Wochen dort, er war ja schon vorher vor Ort. Geplant ist, dass er Ende August für eine kürzere Zeit (eine Woche bis 10 Tage) wieder hinfährt, dann steht Gartenarbeit an.
Da finde ich wirklich bewundernswert, dass er das so lange aushält, ich fahre ja auch regelmäßig zu den Eltern, mein Maximum waren bisher 16 Tage im Stück, nach 10 Wochen müsste man mich vermutlich in die Psychiatrie einliefern. Wahrscheinlich eher schon vorher.
Ist dein Mann nicht mehr berufstätig oder nimmt er seine Arbeit mit?
Er ist in seiner Zeiteinteilung frei, hat dann eben keinen Verdienst. Bei den Eltern hat er aber gewissermaßen freie Kost und Logis. Als ich auch dort war, war ihnen ganz wichtig, dass alle Lebensmitteleinkäufe, also auch das, was für meinen Mann und mich war, von ihrem Geld bezahlt wurde. Und sie haben sich auch an den Stornokosten für unseren eigentlich in dieser Zeit geplanten Urlaub großzügig beteiligt. Finanziell ist es weder für uns noch für sie ein Thema.
Zitat von Utetiki im Beitrag #137 Leider wohne ich nicht ums Eck, GsD sind es aber auch nur 150 km. Ich bin jede Woche für ein bis zwei Tage dort, vor allem um zu Ärzten zu begleiten und einfach Zeit mit ihnen zu verbringen.
wie schaffst Du das?
Ich gehe dabei kaputt- bin aber berufstätig- ich habs bisher nicht geschafft hier alles nachzulesen- ich hatte das 2021 gemacht und bin dann quasi fast zusammengeklappt- jetzt suche ich verzweifelt nach anderen Möglichkeiten (die alle abgelehnt werden...) und gehe auf dem Zahnfleisch- deshalb auch keine Zeit, hier konsequent mitzulesen....
Ich habe dieses an zwei Tagen in der Woche nach dem Rechten sehen und kümmern etwa eineinhalb Jahre mit meinen Eltern bzw. dann nur noch mit meiner Mutter gehabt und da war die Fahrzeit pro Strecke von mir zu Hause nur jeweils eine knappe Stunde bzw. von der Arbeit zu Ihnen eine etwa 20 Minuten längere Fahrzeit. Ich fand es extrem anstrengend neben meiner Vollzeit-Berufstätigkeit. Nicht, dass die Arbeit für die Eltern wirklich fordernd gewesen wäre, aber allein die Zeit und die nervliche Anspannung. Die Besuche konnten auch eher nie ganz kurz gehalten werden, meine Eltern waren halt einfach schon in einem sehr langsamen Modus, da dauerte alles lange und man brauchte auch für Kleinigkeiten Geduld, sonst wurde das gar nichts. Schon diese wenigen Monate haben sehr gezehrt. Mir fehlte einfach Raum oder Energie für andere schöne Dinge im Leben. Hinzu kam dann, dass halt auch Urlaube unterbrochen/abgebrochen werden mussten und ich das Gefühl hatte, mir fehlt mal eine wirkliche Auszeit. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch geschafft hätte.
Man sollte da echt gut auf sich selbst aufpassen. Das Blöde ist halt, dass man vorher nie weiß, wie lange das so läuft. Im Nachgang sind die eineinhalb Jahre für mich nicht lang gewesen, aber mittendrin habe ich häufiger gedacht, so kann das doch nicht weitergehen.
"Bescheidenheit ist die subtilste Form von Arroganz." Sprichwort
Meine Mutter war vier Jahre lang ein Pflegefall. Das hat uns als Familie unglaublich aus der Bahn geworfen. Sie war nicht so alt (immerhin 75, aber gesund und unabhängig), als sie plötzlich krank wurde. Vom Tag auf die Nacht war sie nicht mehr da, obwohl sie da war. Apallisches Syndrom. Auf der Intensivstation riet man uns, die lebenserhaltenen Massnahmen abstellen zu lassen. Schon nach fúnf Tagen. Die Hirnblutung, die sie erlitt,war so schlimm, dass keine Aussichten auf ein einigermassen autonomes freies Leben mehr da waren. Damals entschieden wir, weiter zu kämpfen. Vor allem mein Bruder, auch durch seinen Glauben, war absolut dagegen, sie "abzuschalten". Mein Vater wollte diese Entscheidung nicht treffen und überlies sie uns, den Kindern. Wir haben sie zuhause gepflegt.
Es war schlimm und wurde zum Alptraum. Heute bereue ich es, mich damals nicht durchgesetzt zu haben und dem Leid ein Ende zu setzen. Aber gegen den Willen meines Bruders wollte ich nicht gehen. Eine Patientenverfügung gab es leider nicht.
Meine Mutter ist vor einem Jahr gestorben. Seitdem sind wir als Familie nicht mehr fähig, die Probleme zusammen zu lösen. Vor allem mein Bruder. Mit meinem Vater, der kurz nach dem Tod meiner Mutter zuhause umfiel und ins Krankenhaus und hinterher direkt in ein Pflegeheim musste, er war einfach am Ende, hat er den Kontakt abgebrochen und seitdem nicht ein Mal besucht.
Jetzt will mein Vater unbedingt nach Hause. Er ist ja wieder ganz fit, aber eben schon 88 Jahre alt. Er ist schon einige Male hingefallen und ist vergesslich. Zwar hält es sich noch in Grenzen, aber ganz alleine kann er eben nicht sein. Eine Hilfe zuhause will er nicht. Ich fahre nächste Woche für drei Tage weg und es wáre kein grösseres Problem, wenn mein Bruder, der zwei Häuser weiter lebt, einspringen würde. Er will nicht.
Wir haben noch Glúck, denn mein Vater kann sich alleine waschen, anziehen, essen und trinken, hat die Zeit gut im Blick, man muss wirklich nur einfach da sein und kontrollieren, dass alles klappt. Aber mein Bruder weigert sich. Also muss ich eine Pflegekraft anstellen, die diese drei Tage zu meinem Vater kommt und nach dem Rechten sieht. Vielleicht gewöhnt sich mein Vater so daran, dass eine Pflegehilfe für ein paar Stunden zu ihm kommt und stimmt zu, jemanden jeden Tag da zu haben.
Manchmal denke ich, ich wäre besser dran, wenn ich Einzelkind wáre. Zwar müsste ich alles alleine erledigen, aber das muss ich jetzt ja auch. Und mir noch die Beschimpfungen meines Bruders anhören.
Prima_Vera, das klingt wirklich schlimm und sehr belastend. Es ist sehr schade, dass dein Bruder nicht mehr auf seinen Vater zugehen kann.
Letztlich kann man aus dieser traurigen Geschichte nur mitnehmen, dass eine Patientenverfügung immens wichtig ist und man seine Eltern unbedingt darauf festnageln sollte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass deine Mutter so einen Zustand gewünscht hätte. Aber ohne einen klipp und klar formulierten Willen ist man in einer Geschwisterkonstellation mit unterschiedlichen Meinungen völlig machtlos.
Und selbst als Einzelkind war ich froh, dass ich eine Patientenverfügung hatte, als es zu entscheiden galt, ob noch eine Behandlung stattfinden sollte oder nicht. Auch ohne dieses Papier wäre meine Entscheidung bei der Diagnose dritter Schlaganfall, Herzinfarkt mit 87 Jahren sicher pro palliativ ausgefallen. Es war aber trotzdem beruhigend, Jahre vorher mit meiner Mutter darüber gesprochen und es schwarz auf weiß mit ihrer Unterschrift zu haben.
Die Chance klopft öfter an als man meint, aber meistens ist niemand zu Hause. (Willi Rogers)
Eine Patientenverfügung ist wirklich eine ganz große Hilfe für die Angehörigen. Im Ernstfall verhalten sich die alten und kranken Menschen mitunter uneindeutig und dann wird es mit Entscheidungen wirklich schwierig.
Meine Mutter hat die Schulmedizin mit zunehmendem Alter immer vehementer abgelehnt. Hat verschriebene Medikamente nicht eingenommen, Untersuchungen, insbesondere solche, die mit kleinen Eingriffen verbunden gewesen wären, abgelehnt. Eigentlich also alles ganz klar, in den natürlichen Verlauf soll nicht eingegriffen werden. Aber dann wollte sie fünf Tage vor ihrem Tod, was man da aber noch nicht absehen konnte, unbedingt ins Krankenhaus. Dort hat sie nach drei Tagen auf der Station der Verlegung auf die Intensivstation noch ausdrücklich zugestimmt. Einen Tage später war sie nicht mehr wirklich ansprechbar, es war aber nicht klar, warum es ihr so schlecht ging. Ich sollte dann entscheiden, ob weitere Diagnostik betrieben werden soll. Und da war ich mir wirklich unsicher, weil meine Mutter nach dem Tod meines dementen Vaters drei Monate zuvor, immer sagte, jetzt möchte sie noch ein paar unbeschwerte Jahre erleben, und eben in ihren Handlungen in den Tagen zuvor uneindeutig war. Bei manchen der foglenden Untersuchungen war ich dann dabei und da hat sie im Halb-Dämmerzustand sehr gejammert, wie sie das z. B. auch vorher mit Bewusstsein immer beim Blutdruckmessen getan hat. Sie hatte Dauerkanülen, die sie sich bei einem früheren Krankenhausaufenthalt immer wieder selbst entfernt hat (Zitat: "Die tun bei Bewegung weh, damit sagt mir mein Körper, die tun mir nicht gut."). Ich stand da echt zwischen Baum und Borke und habe die Entscheidung erst einmal bei den Ärzten gelassen. Wenige Stunden später wurde dann eine Untersuchung vorgeschlagen, die meine Mutter vorher immer abgelehnt hat und da konnte ich dann sagen, nein, das soll auf keinen Fall gemacht werden. Am nächsten Tag war sie dann tot. Mit einer Patientenverfügung wären ihr so kurz vor dem Tod vielleicht ein paar für sie unangenehme Untersuchungen erspart geblieben. Und ich habe mich schon gefragt, ob ich da nicht konsequenter bei ihrer Linie hätte bleiben sollen. Denn eigentlich wollte ich im ihrem Sinne entscheiden. Denn grundsätzlich konnte ich ihren Tod zu diesem Zeitpunkt durchaus akzeptieren, es ging mir also nicht darum, dass ich mich noch nicht von ihr verabschieden konnte.
Meine Lehre: Ich habe meine bereits vorhandene Patientenverfügung aktualisiert (und ein Testament gemacht).
Mein Schwiegervater hat eine Patientenverfügung aufgesetzt, den Inhalt kennen wir nicht. Aber er ist ein großer Befürworter der aktiven Sterbehilfe, so dass man sich die Richtung vorstellen kann. Bei der Schwiegermutter wissen wir es nicht, bei ihr ist sowas ein Tabuthema.
"Bescheidenheit ist die subtilste Form von Arroganz." Sprichwort
eine wirklich schlimmer Geschichte und vor allem, dass euch das so aus der Bahn geworfen hat. Wobei ich befürchte, wenn du dich durchgesetzt hättest, hätte dein Bruder dir das auch nie verziehen, weil er geglaubt hätte, sein Weg wäre der bessere gewesen, wie schlimm die Pflege der Mutter euch alle treffen würde hattet ihr ja alle nicht auf dem Schirm, sprich du würdest dir jetzt auch Vorwürfe machen, nur andere.
Ich habe es vor ein paar Jahren bei einer Freundin erlebt, wo der Vater schwer krank ins Krankenhaus kam, es gab sogar eine Patientienverfügung, aber ein Arzt hat denn zu seiner Frau gesagt "sollen wir ihm eine Magensonde zur Ernährung legen oder ihn verhungern lassen?" und sie wie automatisch (Kriegsgeneration) gesagt hat "nein mein Mann soll nie wieder hungern", damit war dann die Grundlage für zwei weitere Jahr Leiden gelegt, nur weil der Arzt eine sagen wir mal unempathische Art zu fragen hatte. Denn die Magensonde durfte anschließend nicht gezogen werden, das wäre aktive statt passiver Sterbehilfe gewesen und so musste man auf das weitere Organversagen warten, damit der Mann sterben durfte, was er gerne getan hätte.
Deswegen kann man nicht genug betonen, wie wichtig eine Patientenverfügung ist und genauso wichtig mit seinem nahen Angehörigen darüber reden zu können und in Zweifelsfragen auch zB mit seinem Hausarzt darüber zu sprechen, was gewisse Dinge in der Patientenverfügung überhaupt bedeuten.
Da hast du recht. Für mich könnte es aktuell werden, wenn meine Mutter wieder wegen Dehydrierung im Krankenhaus landet. Was ich nicht hoffe, denn u.a. Aufnahme von essen und trinken zu gewährleisten war Grund für den Einzug ins Seniorenhaus.
Was ich - neben der Belastung durch jahrelange Tätigkeiten für oder mit dem Patienten - so traurig finde, ist, dass es meine alte Mutti so wie früher nicht mehr gibt. Ich wusste, dass das irgendwann kommen kann.
Das ändert aber nichts an meiner und auch ihrer Traurigkeit. Wir waren ein Dreamteam. Haben viel zusammen gemacht und erlebt. Es ist so verdammt schwer, los zu lassen.
_____________________________________ Ich bin Karla48 aus dem alten Brigitte-Forum.