Dies ist die Inschrift über dem Reichstagsgebäude . Ich weiss, warum sie da steht, wollte hier aber mal ein Gespräch starten - ohne Vorabinformationen- was eich dazu einfällt
Die Begriffe „deutsches Volk“ oder „Volk“ werden unter anderem in der Präambel des Grundgesetzes (GG) und in den Art. 1 Abs. 2, Art. 20 Abs. 2, Art. 21 Abs. 1, Art. 38 Abs. 1 und Art. 56 GG verwendet. Die Begriffe bezeichnen das Staatsvolk der Bundesrepublik Deutschland. Zu dessen Zusammensetzung hat das Bundesverfassungsgericht ausgeführt: „Das Volk, von dem die Staatsgewalt in der Bundesrepublik Deutschland ausgeht, wird nach dem Grundgesetz von den deutschen Staatsangehörigen und den ihnen nach Art. 116 Abs. 1 [GG] gleichgestellten Personen gebildet.“
Die Zusammensetzung des Staatsvolks richtet sich dementsprechend nach Art. 116 Abs. 1 GG und dem einfach-gesetzlichen Staatsangehörigkeitsrecht. Die Zugehörigkeit zum deutschen Volk vermittelt bestimmte verfassungsmäßig verbürgte Rechte. Dazu gehören die sog. DeutschenGrundrechte und das Wahlrecht zu den repräsentativen Körperschaften auf der Ebene von Bund, Ländern und Kommunen sowie auf der Ebene der Europäischen Union.
Die Begriffe der „Deutschen“ und der „deutschen Volkszugehörigkeit“ nach Art. 116 GG Art. 116 Abs. 1 GG enthält die Legaldefinition dafür, wer nach dem GG Deutscher ist: „Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat.“
Deutsche sind somit zum einen alle Personen, die nach dem Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Zum anderen sind auch Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit Deutsche, wenn sie als Flüchtling oder Vertriebener (oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling) deutscher Volkszugehörigkeit in Deutschland Aufnahme gefunden haben. Diese werden als „Statusdeutsche“ bezeichnet.
Eine interessante Frage. Aus meiner Sicht steht buchstäblich in Riesenlettern quasi als Überschrift über dem Regierungsgebäude: Für das deutsche Volk. Da drinnen sollte also gedient werden. Der größtmöglichen Menge. Das dürften sich so einige Staatsdiener:innen gern nochmal so bewusst angucken, wie Lizzy.
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Für mich hört es sich eher wie eine Widmung an. Im 19. Jh. waren die Deutschen noch Untertanen des Kaisers, manche heutigen Bundesländer besaßen Sonderrechte. Das "Volk" als Ganzes war vermutlich noch recht brüchig.
If my memory serves me righ hat H das Gedicht in dem steht 1840zig und acht Waren es nicht Proletarierleichen, Die du Berlin vor den zitternden bleichen barhaupt grüssenden König gebracht 1848
Zitat von Lizzy im Beitrag #13If my memory serves me righ hat H das Gedicht in dem steht 1840zig und acht Waren es nicht Proletarierleichen, Die du Berlin vor den zitternden bleichen barhaupt grüssenden König gebracht 1848
Zitat von Larifari im Beitrag #16 Das würde auch dem damaligen Obrigkeitsdenken entsprechen:
Die damaligen Obrigkeiten waren die Kaiser (Preußen und Habsburg).
Wahrscheinlicher erscheint mir, dass der Begriff "Volk" damals eine neue Bedeutung erhielt, aufgrund der Märzrevolution 1848 , die eine nationalstaatliche Zielsetzung hatte. Vermutlich hatte der Begriff des Nationalstaats damals eine andere, positivere Bedeutung als die heutige, eher negativ konnotierte.
Zitat von Timarete im Beitrag #18 Wahrscheinlicher erscheint mir, dass der Begriff "Volk" damals eine neue Bedeutung erhielt, aufgrund der Märzrevolution 1848 , die eine nationalstaatliche Zielsetzung hatte. Vermutlich hatte der Begriff des Nationalstaats damals eine andere, positivere Bedeutung als die heutige, eher negativ konnotierte.
Das stimmt sicher auch.
Und der Stolz des deutschen Volkes auf den Sieg 70/71 tat sein Übriges.
Trotzdem ist das kein Gebäude des deutschen Volkes, sondern wurde dem Volke gewidmet - - also zumindest nach meinem momentanen (noch nicht ganz ausgereiften) Gefühl.
Und da kommt dann wieder die Obrigkeit ins Spiel ;)
Als das Gebäude gebaut wurde, hatten wir noch ein Kaiserreich, das sich in einem Krieg befand, der nicht sonderlich gut lief. So gesehen, sollte diese Widmung vermutlich eher ein Zugeständnis sein, seitens des Kaisers.
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Als Stifter des Reichstags konnte Wilhelm II. allerdings nicht genannt werden, wohl aber schaltete sich der Kaiser, der sich als oberste Instanz in Kunstfragen verstand und gelegentlich als Zeichner und Reimeschmied dilettierte, in die Diskussion ein, was denn nun als Motto über dem Portal stehen solle. Hartnäckig widersetzte er sich der Inschrift »Dem Deutschen Volke« und schlug statt dessen, »unliebsame Erörterungen« in Kauf nehmend, wie man in der Umgebung feststellte, das etwas holprig formulierte Motto »Der Deutschen Einigkeit« vor. Dies vielleicht mit dem Hintergedanken, das Volk und seine Vertreter mögen sich unter dem Schutz der Krone, die am und im Reichstagsgebäude allgegenwärtig war, zusammenfinden und ohne Murren die kaiserlichen Ratschlüsse verwirklichen.
Begierig wurde die Inschriftenfrage in der Öffentlichkeit aufgegriffen. Man schlug mehr oder weniger witzige Varianten wie »Dem deutschen Heere« vor, weil man bei der Eröffnung 1894 fast nur bunte Uniformen und blitzende Orden in »Wallotsteins Lager« gesehen hatte. Der Dichter Frank Wedekind (1864–1918) legte allerdings keinen Wert auf eine Inschrift, als er reimte: Und so verhüllt auch heute eine Wolke Noch die Aufschrift: »Dem deutschen Volke«; Gebe Gott, daß sie nie wird zu lesen sein Über diesen kleinen Fensterlein.
Der Historiker Heinrich von Sybel war überzeugt, es bedürfe keiner besonderen Angabe über Zweck und Eigentümer des Hauses. Man sehe ja, »daß hier kein Confectionslager existirt«. So wurde die Frage erst einmal ad acta gelegt.
Erst 1915, im zweiten Jahr des Ersten Weltkrieges, hat die Presse das Thema erneut aufgegriffen. Jetzt aber zeigte sich der Kaiser, um Volksnähe bemüht, geneigt, die seinerzeit abgelehnte Inschrift zu genehmigen. Als habe man keine anderen Sorgen, entbrannte erneut ein Streit, allerdings diesma um die zu verwendende Schriftart.
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