Ich hatte eine Freundin, die auch immer und ständig mit betonte, wie sehr sie sich um andere Menschen kümmert, extra tolle Sachen für diese besorgt und sowieso und überhaupt sehr sehr feinfühlig ist.
Das hörte man von ihr wöchentlich, natürlich in einer Langform. Also wie sie zum Beispiel extra noch mal für ihre Weihnachtsessengäste nur wegen einer passenden Kleinigkeit für die Deko mehrfach da und da und dort gewesen ist, damit sie auch ganz genau den einen besonderen Farbton trifft. Wieviel Zeit sie sich nimmt um die Bedürfnisse ihrer Liebsten zu erfüllen und ihnen eine Freude zu machen. Wirklich wöchentlich und ungefragt. Eine laut ihrer Aussage feinfühligere Person kann man quasi nicht finden. Sie nähme sich extra sooooo viel Zeit um auch Geschenke so extravagant zu verpacken. Ich hab nicht schlecht gestaunt, als sie mir mein Geburtstagsgeschenk gab: Eine Couch Decke (so eine kleine dünne vom Kik), plus ein Blechbehälter für Waschmittel.
Keine Ahnung, ich hab nie was von einer Couchdecke gesagt und auch nichts von einem Waschmittel Behälter. Verpackung: Lieblos geknülltes Papier drumherum, eine komische Schnur. Tja.
Zitat von Frau_Beere im Beitrag #22Gibt es Menschen die sich oder andere als feinfühlig bezeichnen?
Ich habe das noch nie im zwischenmenschlichen Kontext gehört, maximal in irgendwelchen Büchern gelesen.
Meine Mutter war auch so eine! Sie sagte andauernd, sie sei "dünnhäutig". Alles klar, aber in Bezug auf andere war sie nur abwertend und negativ.
Neulich erzählte mir eine Freundin, sie bei bei einer anderen Freundin zu Besuch gewesen, die ihrerseits Besuch von einer alten Freundin hatte. Diese Freundin meinte: es ist unglaublich, wie alt du plötzlich aussiehst! Wir sind altersmäßig doch nur zwei Jahre auseinander!
Es ist einfach unglaublich, wie stumpf oder gehässig, je nachdem, manche Menschen sind!
Mir hat mal eine junge Frau zu meiner ersten Schwangerschaft gesagt, in ihrer Kultur heisse es männliche Babys machten ihre Mütter hübsch. Wahrscheinlich sei mein Kind ein Mädchen.
😁
Ich frage mich bis heute, ob das ein Übersetzungsfehler war
Mein Bruder hat mich verprügelt. Ich beschwerte mich bei unserem Vater darüber. Er entgegnet: "Sei nicht so empfindlich. Du musst ihn verstehen, schließlich ist seine Mutter gestorben."
Ja, zwei Jahre vorher und sie war auch meine Mutter.
Fun fact: in dieser Familie gelte ich als tumbes Trampel mit dem EQ eines Gummistiefels.
Das sind alles ganz doofe Dinge die euch passiert sind, haben meines Erachtens aber nichts mit Feingefühl zu tun. Ich glaube die Definition dafür entspricht eher den ich bezogenen Empfindungen, also das spüren von Schwingungen und das hören von Zwischentönen. Die Anwendung auf andere beinhaltet dies jedoch nicht.
harder, better, faster, stronger
beating the competition ist easy, beating yourself is a never ending commitment
Das ist halt ein weites Feld von Empathie über Feingefühl bis hin zu Takt. Für mangelndes Taktgefühl hätte ich auch noch eine nette Geschichte.
Wir haben in einem tropischen Land geheiratet. Ein paar Tage später kamen mein Mann und ich von einer Besichtigungstour und saßen in einem dieser für dieses Land üblichen Minibusse. Abgekämpft von einem langen Tag mit vielen Erlebnissen, wir waren auch zwischendurch ordentlich nass geworden. Uns gegenüber ein Paar aus unserem Hotel, zufällig. Fragt die Frau, ob wir das Paar wären, das vor ein paar Tagen geheiratet hätte. Sagt der Mann sofort zu seiner Frau „nee, kann nicht sein, die Braut war viel hübscher!“. Ja, danke auch.
Alufolie hält Menschen davon ab, deine Gedanken zu lesen. Beweis: niemand weiß, was Folienkartoffeln denken.
Wissenschaft sagt: „Dafür gibt es keine Belege.“ Alufolie sagt: „Doch.“
Ja, es gehört mitunter eine ordentliche Portion Selbstbewustsein um so etwas verpacken zu können. Wenn auch noch Schlagfertigkeit dazu käme, wäre es noch besser. Damals lag mir auf der Zungenspitze "Fett schwimmt oben" da der Herr gut gepolstert war. Aber da waren noch paar Damen dabei die auch nicht unbedingt die Dünnsten waren... zugleich wurde der Mann so rot... da fing ich an zu lachen.
Aber Verletzungen seitens Familie und Freunde/Bekannten/Kollegen, oha! die sind schon heftig.
Das was ich brauche, habe ich. Das was ich nicht habe, brauche ich nicht.
Wenn ich mich bei Tisch vollkleckere, was mir wie jedem anderen Menschen auch hin und wieder mal passiert, aber auch nicht bemerkenswert oft, kommentiert mein Vater, wenn er dabei ist, das bis zum heutigen Tag (ich bin fast 50) wirklich jedes einzelne Mal mit den Worten: "Hast du dich wieder vollgekleckert?", eher Feststellung als Frage.
In den verschiedenen Phasen meines Lebens hat dieser Satz in mir (lange...) Beschämung, dann Wut und irgendwann nur noch Kopfschütteln ausgelöst. Dieser Satz hört sich an, als würde mir das ständig passieren, gibt mir das Gefühl, ein ungeschickter Tölpel zu sein, und richtet quasi den Scheinwerfer auf ein harmloses Missgeschick.
Ich muss immer tief durchatmen, um nicht etwas sehr Pampiges zu erwidern, ich kontere heutzutage gerne mit: "Wenn man dich so hört, könnte man meinen, das passiert mir ständig. Passiert dir so etwas eigentlich nie? Stellen andere dich dann auch bloß?" etc. Der letzte Satz ist geeignet, die Angelegenheit in Richtung "Mann, reagier' doch nicht gleich so empfindlich." kippen zu lassen, d.h. er wehrt sich dann, indem er den Spieß umdreht, ansonsten bleibt es in der Regel bei "Ich sag'/mein' doch bloß."
Das werde ich ihm wohl in diesem Leben nicht mehr abgewöhnen.
Inzwischen erkenne ich darin einen großen Mangel an Takt, Sensibilität und Empathie. Es versteht sich von selbst, dass ich selbst bewusst ganz anders reagiere, wenn jemandem in meiner Gegenwart mal ein Missgeschick passiert.
Kurz und knapp fällt mir dazu eine Aussage meiner Mutter ein, ich war damals um die 30: "Kind, warum tuscht Du Dir eigentlich nicht die Wimpern, Du würdest viel hübscher damit aussehen".
Dabei hat meine Mutter immer das Verhalten ihrer Mutter mit dem Feingefühl eines Schlachters verglichen.
Noch eine Anekdote. Ich besitze nicht nur, aber relativ viele rein weiße Oberteile, die lassen sich gut kombinieren, zu Schwarz, Grau und Jeans und zu kalten, graustichigen Farbtönen, die mir am besten stehen und auch am besten gefallen. Außer Streifen mag keine Muster, ich besitze und trage logischerweise auch nichts in der Art.
Eines Tages "überraschte" mich eine gute Bekannte mal mit einem Geschenk, einem sehr bunten, wild gemusterten Schaltuch, mit der sehr offensichtlichen Absicht, mein in ihren Augen fades Outfit aufpeppen zu wollen.
Ich habe es ihr sofort zurückgegeben mit dem Kommentar: "Lieb gemeint, aber es gefällt mir überhaupt nicht. So etwas trage ich nicht." Ja, Bumm!, da hat sie geguckt, verlegen gelacht und ihr Tuch wortlos wieder eingepackt. Normalerweise bin ich nicht so direkt im Umgang mit gut gemeinten Geschenken, die mir nicht zusagen, aber das musste sein.
Da müsst ihr ja wirklich ordentlich "drüber stehen", wenn ihr solche Äußerungen von Leuten wegstecken könnt...
Das Leben ist zu kurz, um sich über solche Menschen aufzuregen. Entweder man akzeptiert sie mit ihren Macken ( ja, das zähl ich zu Macken dazu) oder man meidet sie wie der Teufel das Weihwasser. (So hatte ich eine "Freundin" - so mit Kommentaren :"Dein Outfit heute ist klasse, da sieht man gar nicht mehr, dass du keinen Busen mehr hast "... das war mal die Krönung. Sie wurde sofort gerügt von anderen, aber sie meinte nur : War doch aber lieb gemeint, sie sieht doch toll aus.)
Mir fällt die Äußerung eines Bekannten ein, wir waren mal gemeinsam im Betreuerteam auf einer Freizeit und in einem Gespräch erwähnte ich meine Schwester. Er "waaaaas, die xy ist deine Schwester? Das hätte ich im Leben nicht gedacht, die ist ja voll cool!"
Ich fand es wirklich eher lustig als ärgerlich, aber die Botschaft war schon klar. Er und ich waren sicher nicht unbedingt auf derselben Wellenlänge unterwegs und ich vermute, dass er in meine Schwester verliebt war.
Und wir haben eine Freundin (an bösen Tagen formuliere ich lieber "die Frau eines Freundes"), die auch prima in diesen Strang passt, aber mir fällt grad spontan kein griffiges Beispiel ein, obwohl es schon viele gab. Kommt bestimmt noch. Mein Mann nimmt ihr bis heute übel, dass sie mal bei einem Besuch in seiner alten Wohnung auf einen im Eck stehenden Lautsprecher einen Smiley in den Staub gemalt hat, was ihn wirklich getroffen hat, weil er, ganz im Gegenteil zu ihr, äußerst ordentlich ist und gerade bei Besuch, selbst von Familie und engen Freunden, immer viel Putzaufwand betreibt, während sie eher im Chaos lebt. Aber es passt nicht so ganz hier her, weil ich das nicht so offensichtlich taktlos finde, ich hätte das nicht übel genommen und sie umgekehrt auch nicht.
Dazu fällt mir meine Mutter ein, die gern, wenn das Gespräch in meiner Gegenwart auf meine hellblonden Haare kam, erzählt hat, dass die Schwestern im Krankenhaus begeistert waren von meinem blonden Schopf als Säugling, sie aber die dunkelhaarigen Babys mit den braunen Augen viel schöner fand. Als ich etwa vierzig war, habe ich ihr gesagt, dass ich kein Wort mehr mit ihr rede, wenn sie dies ein weiteres Mal in meiner Gegenwart erzählt.
Es gibt Menschen, die legen "Empathie" sehr seltsam aus... Meine Schwester wohnt zusammen mit unseren Eltern im Elternhaus. Unsere Eltern sind Ü70.
Im Oktober wachte meine Mutter an ihrem Geburtstag mit hohem Fieber auf- Grippe. Sie stand kurz auf, war aber kaum zu irgendwas in der Lage und legte sich wieder hin. Um die Mittagszeit hatte sie hohes Fieber. Am Nachmittag des gleichen Tages klagte mein Vater über Luftnot, Druck auf der Brust...Meine Schwester tat das einzig Richtige und rief den Rettungsdienst. Sie musste sich darum kümmern, ein paar Sachen für unseren Vater zusammen zu suchen und regte sich bei mir am Telefon darüber auf.
Mama hätte helfen können! Ich: "Wie denn, wenn RD und Notarzt da sind? Die kommen zurecht und eine hochfiebrige Person als Gesellschaft brauchen sie nicht. " Nein, meine Schwester habe Hilfe gebraucht. Aber Mama habe sich ja nicht aus dem Bett bewegt, obwohl ihr Mann...usw... Ich finde es ziemlich unempathisch, wenn eine Person, die sich für besonders empathisch hält, in diesem Fall "ist überhaupt nicht empathisch" unterstellt. Um nicht zu sagen, ich finde das ziemlich unverschämt.
Meine Schwiegertochter ist auch so ein Ausbund an Takt und Feingefühl. Gerade gegenüber meiner Tochter, also ihrer Schwägerin. Sie schenkt ihr z. B. zu Weihnachten eine wirklich hübsche Armkette mit dem Namen der Kleinen meiner Tochter. Meine Tochter findet die Kette schön und freut sich. Meine Schwiegertochter:"Die hab ich für mich mit dem Namen meiner Tochter gekauft, 2 waren billiger, daher bekommst du jetzt auch eine."
Oder sie fragt meine Tochter, ob sie gerne Taufpatin wäre beim jüngsten Kind. Meine Tochter freut sich und sagt ja. Meine Schwiegertochter: "Weißt du, wir haben ja zuerst die K. (ihre Schwester) gefragt, sie macht auch gene die Patin. Sie kümmert sich ja so süß um die Kleine und spielt so gerne mit ihr. Da haben wir gedacht, aus der anderen Familie sollte auch noch jemand Pate sein, also fragen wir dich!" Ja danke aber auch!
Oder sie schenkt zur Taufe vom Kind meiner Tochter ein individuelles Bilderbuch mit einer Geschichte, in der das Kind die Hauptrolle spielt, schön mit Bildern von der Kleinen. Liest sich wirklich ganz nett. Meine Tochter freut sich wiederum über das Geschenk. Da sagt die Schwiegertochter: "Soll ich es dir jetzt sagen? Ach ich sage es dir: das hat eine KI geschrieben!"
Meine erste Schwiegermutter war auch so ein Spezialfall. Wenn sie selbst krank war wollte sie sehr gedauert werden, nur war das immer etwas fragwürdig. War meine jüngere Tochter krank, aber so richtig, dann: ach, die tut ja nur so. Da war ich auch kurz vor dem Platzen.
Mitmenschlichkeit ist die schönste Art der Erderwärmung 🌹
Ich hatte einen selbstgestrickten Pullover von meiner Mutter geschenkt bekommen, mit einem etwas speziellen Kragen. Schwägerin zu mir: "Nee, mit deinem dicken Hals, das geht gar nicht."
Zitat von Ranunkel im Beitrag #45Schwägerinnen... Da hätte ich so einiges...
Was mir grad einfällt:
Ich hatte einen selbstgestrickten Pullover von meiner Mutter geschenkt bekommen, mit einem etwas speziellen Kragen. Schwägerin zu mir: "Nee, mit deinem dicken Hals, das geht gar nicht."
Den hatte ich dann, den Hals.
😂😂😂😂 Sorry
Mitmenschlichkeit ist die schönste Art der Erderwärmung 🌹
Ja, sowas ist auch immer "nett". Erinnert mich an meinen Vater, der bei meinem Brautkleidkauf anwesend war und ein Kleid mit den Worten: "Kind, du hast ne Figur wie ne Hundehütte- an jeder Ecke nen Knochen " kommentierte. Ja, ich war damals sehr dünn. Aber da hätte ihn gerne mit einem Strumpfband oder so erwürgt.
Meine Großmutter hielt sehr viel auf Manieren und gutes Benehmen, kannte aber nichts, wenn es um das (Ab-)Werten Anderer ging.
Einen Familieneklat gab es, als wir für ein Wochenende zu meinen Großeltern fuhren (ca. 300 km von uns). Wir kamen an, und das erste, was meine Großmutter gesagt hat - an meine Schwester gerichtet: „Meine Güte, bist du dick geworden!“ Meine Schwester heulend abgerauscht, Vater und ich standen sprachlos da, meine Mutter hat mit meiner Großmutter angefangen zu streiten….usw
Oder, nachdem sie den zukünftigen Ehemann einer Verwandten getroffen hatte: „Der sieht ja aus wie Klein-Doofie.“
Meinen Mann hat es noch am besten getroffen, er war nur der „Scharfschütze“ (weil ich so schnell schwanger wurde).