Die bayerische Kultusministerin Stolz möchte darüber zumindest diskutieren, Söder ist dagegen. Ich auch, auch wenn ich nicht maßgeblich bin. Die Schüler sollen schließlich grundsätzlich bei der Sache bleiben, sich mit den Lerninhalten auseinandersetzen und gut mitarbeiten. Dann verlieren die Exen ihren Schrecken - aus eigener Erfahrung. Ich sehe es generell so, dass von den Schülern immer weniger verlangt wird und wohin das führt, macht Pisa deutlich.
Ah, spontan eine Lösung finden? Improvisieren lernen? Oder eher Schüler*innen schocken, denen dann vor lauter Angst und Nichtvorbereitetsein nichts einfällt? Ich fand das früher nicht schlimm, aber ich kann mir vorstellen, dass es für manche ganz ganz grauenhaft ist. (bitte in der Überschrift das H löschen, Stegreif hat nichts mit stehen und greifen zu tun …) Edit: ach ist ja schon.
Ich bin nicht tot, ich tausche nur die Räume. Ich lebe in euch und geh durch eure Träume.
Zitat von just me im Beitrag #1Die Schüler sollen schließlich grundsätzlich bei der Sache bleiben, sich mit den Lerninhalten auseinandersetzen und gut mitarbeiten. Dann verlieren die Exen ihren Schrecken - aus eigener Erfahrung.
Lass mich raten, du warst eine gute Schülerin? Ich habe sie gehasst. Das Raten, ob ein Thema bereits so weit gediehen ist, dass in der nächsten Unterrichtsstunde eine Ex (= Extemporale = Stegreifaufgabe) dran kommen könnte, empfand ich als nervenaufreibend. Ich war nie gut darin zu erkennen, wenn ein solches Szenario droht und hatte immer ein permantes Gefühl von Bedrohung, denn egal ob Religion, Erdkunde, Geschichte, Mathe, Sprachen ...... irgendwo war es ständig EX-gefährlich.
Abgesehen davon ist anno dazumal nicht mehr mit heutzutage zu vergleichen. Exen früher bedeutete die Beantwortung von zwei, drei Fragen, die man auf einem DIN A 5 Blatt ausgehändigt bekam und in 20 Minuten erledigt waren. Heutzutage schreiben (bayrische) Schüler Doppelblätter DIN A4 voll, quasi bereits eine Mini-Schulaufgabe, mit deutlich höherem Zeitaufwand.
Die Chance klopft öfter an als man meint, aber meistens ist niemand zu Hause. (Willi Rogers)
Was für ein Tausendsassa, der Söder. Nicht nur Experte für Bratwürste und Linguistik, sondern auch noch für schulische Bildung.
Aus dem verlinkten Artikel: Unterstützung bekam der Antrag von vielen Organisationen und Experten – vom Forum Bildungspolitik in Bayern bis zur Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Studien legen in der Tat nahe, dass Exen keinen höheren Lernerfolg erbringen. Deshalb ist die Stegreifaufgabe in vielen deutschen Bundesländern bereits abgeschafft oder ein Auslaufmodell. Hervorhebung von mir.
Kein besonderer Lernerfolg, aber Druck, Stress und Angst. Johanna Haarer wäre begeistert.
Wenn wir die Würde anderer Menschen nicht achten, indem wir sie gegen Geld in irgendwelche Drittstaaten weiterreichen, so wie unseren Plastikmüll, dann verletzen wir auch unsere eigene Würde.
Und was würde einen "besonderen Lernerfolg" bringen?
Nocturna, ja, war ich. Ich erinnere mich, dass Exen grundsätzlich nur über ein Thema der letzten Stunde erlaubt waren. So gesehen brauchte man eigentlich nur im Unterricht aufpassen.
--- Hunde sind Gottes Entschädigung für all die verlogenen Menschen.
Bei uns waren es Exen bzw. Kurzarbeiten und die zählten wie mündliche Noten. Fand ich auf alle Fälle besser als das mündliche Ausfragen vor der ganzen Klasse.
Hör auf, dich Menschen zu erklären, die sich bereits entschieden haben, dich falsch zu verstehen.
Wenn es darum gehen soll, dass Lehrkräfte und Schüler:innen sehen, ob der Stoff verstanden wurde, dann wäre es doch auch möglich, die Exen zu schreiben und gemeinsam zu korrigieren und sie nicht zu benoten. In meiner Schulzeit gab es keine Exen, selten wurde ausgefragt und wir wussten genau, was wir können oder eben nicht verstanden haben.
Ich sehe es auch nicht so, dass von Schülern immer weniger verlangt wird. Sie werden nur immer unselbstständiger, weil (wie ich hier in einigen Strängen lese und im Alltag mitbekomme), die Eltern sich auf das Thema Schule stürzen, sich einmischen, den Lernprozess überwachen etc.
In meiner aktiven Zeit an einer Haupt-/jetzt Mittelschule habe ich vor allem Vokabeln schriftlich abgefragt, manchmal auch den Stoff letzten Biologie-/Erdkundestunde. Der Vorteil war, dass ich von allen eine mündliche Note hatte und nicht nur von einzelnen Schülern.
Und ich hatte die Erfahrung gemacht, dass es für die meisten weniger stressig war als eine angesagte Probearbeit.
Hör auf, dich Menschen zu erklären, die sich bereits entschieden haben, dich falsch zu verstehen.
Das Wort Stegreifaufgabe hab ich noch nie gehört, ich vermute, es fallen unangekündigte Tests drunter und mündliches Abfragen? Zu meiner Zeit (80er/90er) war das noch gängige Praxis, bei meinen Kindern (aktuell Klasse 5 und 8) gibt es das nicht mehr. Ich selbst habe da nie stark drunter gelitten (also situativ sicher mal, aber ich hatte keine Ängste etc. deshalb), dennoch finde ich es richtig, dass es bei uns heute anders gehandhabt wird. Und zwar nicht, weil ich meine Kinder vor allem Frust und Unangenehmen bewahren möchte, sondern weil ich im Vergleich finde, angekündigte Tests und Abfragen bringen menr.
Ganz ehrlich - wenn man in Mathe an die Tafel geholt wurde und die Hausaufgabe vorrechnen sollte, es aber nicht gut konnte - was ist dann passiert? Oder nach dem spontanen Vokabeltest? Also bei mir folgendes: ich wusste, das ist jetzt eh durch, beim nächsten Test kommt was anderes dran, am nächsten Tag ein anderer Mitschüler. Ich habe den nicht beherrschten Stoff also sicher nicht nachgelernt. Und dass Schüler mit echt hohen Wochenstundenzahlen in jedem Fach immer einfach so vorbereitet sind, das finde ich heute eine noch unrealistischere Forderung als früher - kaum ein Erwachsener würde das hinbekommen.
Wenn meine Kinder heute also wissen, am Montag sollen sie die Mathe-Hausaufgabe präsentieren, am Mittwoch ist Vokabeltest und am Donnerstag Bio-Arbeit, dann sind die auf alles vorbereitet. Müssten sie -wie ich früher- zwischendurch auch in Geo, Physik,… und der anderen Fremdsprache mit Abfragen und Tests rechnen, wären sie wahrscheinlich -ebenfalls wie ich damals - auf die anstehende Bio-Arbeit recht gut vorbereitet. Auf den Rest weniger. Wir waren schon damals angewiesen auf wohlmeinende Lehrer, die uns nicht reinreiten wollten, sondern Tipps gaben wie „guckt doch bis zum nächsten Mal die Vokabeln zu Lesson 5 nochmal an“ oder „Stina, der Satz des Thales ist ja ein sehr spannendes Thema“. Und da finde ich, ist es doch fairer, einfach gleich offen anzusagen.
Aber Stina, können wir unsere Schüler wieder nach vorne bringen, wenn wir die Anforderungen senken?
@Ranunkel, lass uns doch bitte auch deine Meinung zum Thema hören. Oder beteiligst du dich hier nur, um auf Rechtschreibfehler aufmerksam zu machen? Das fände ich mehr als schade.
--- Hunde sind Gottes Entschädigung für all die verlogenen Menschen.
Schweden geht wieder weg von der Digitalisierung. Wir brauchen nicht Stegreifsufgaben und noch mehr Druck, sondern weniger Zugedröhne mit TikTok und Co und mehr ganzheitliche Bildung. Und im frühen Kindesalter wirklich qualitative Betreuung, keine Aufbewahrung.
Zitat von Izzie123 im Beitrag #21Wir sind mit diesem Lernen nur für die Note sehr weit weg vom humanistischen Bildungsideal.
Da gebe ich dir teilweise recht, allerdings war „lernen nur für die Note“ zu meiner Zeit weitaus verbreiteter als bei meinen Kindern. Und das humanistische Bildungsideal gab es auch damals nicht in der Breite. Geändert hat sich nur, dass bei uns zugleich auch noch „4 gewinnt“ allgemeines Motto war, während die Kinder heute sich viel mehr Notenstress machen.
Aber dass unangekündigte Tests da aus meiner Sicht eher kontraproduktiv sind, hab ich ja oben dargelegt und begründet. Ich persönlich habe auch keinen humanistischen Bildungsanspruch. Aber durchaus den, dass meine Kinder gebildet und gerüstet für Uni, Beruf und Alltag aus der Schule entlassen werden. Da sehe ich gute Chancen.
Zitat von just me im Beitrag #22Aber Stina, können wir unsere Schüler wieder nach vorne bringen, wenn wir die Anforderungen senken?
@Ranunkel, lass uns doch bitte auch deine Meinung zum Thema hören. Oder beteiligst du dich hier nur, um auf Rechtschreibfehler aufmerksam zu machen? Das fände ich mehr als schade.
Dass die Anforderungen sinken, kann ich überhaupt nicht bestätigen, es sind nur andere Anforderungen. Organisatorisch wie inhaltlich. Mich hätte vieles, was meine Tochter heute selbstverständlich tun muss, als Schülerin viel stärker herausgefordert als unangekündigte Tests (die dann eben oft auch nur sehr mittelmäßig oder drunter waren) und ich bin mir sicher, dass sie daraus wesentlich mehr mitnimmt.