Ich bin am überlegen, ob ich einen eröffnen soll. Thematisch würde er sich schon zu den alten Eltern abgrenzen, da man bei den Eltern emotional und Pflichten betreffend doch anders involviert ist.
Ich hätte andere Fragen zum Umgang mit Demenzerkrankten und würde mich auch gern mal mental entlasten wollen.
Vielleicht auch in einem geschlossenen Bereich?
Gäbe es überhaupt Interessenten/Mitschreiberinnen?
Die Informations- und Hilfsangebote in meinem LK sind mau oder es geht doch wieder nur um die Eltern, was bei mir nicht zutrifft.
Da ich gerade im Thema drin bin, wäre ich interessiert. Mir ist es recht, wenn es da nicht um Eltern geht, sondern allgemein gehalten ist. Die unterschiedlichen Möglichkeiten und Angebote im Umgang mit der Demenz sind für mich frappierend.
Bei mir ist es ein riesiger Unterschied, ob Stadt oder Land. Zufall oder nicht?
Ich finde, das ist ein ganz wichtiges Thema. Als meine Großmutter Alzheimer hatte, war unsere Familie komplett überfordert. Inzwischen ist das Thema glücklicherweise in der Gesellschaft angekommen, trotzdem ist es ein schwieriges Thema nach wie vor.
"Meine" Demenzerkrankten haben extreme Schwankungen der kognitiven Funktion. Also gute Tage/schlechte Tage. Man weiß nie, was einen erwartet.
Dazu Aggressivität. Es war für mich ein längerer Lernprozeß, zu erkennen, daß diese weniger einer Persönlichkeitsveränderung als vielmehr einer kompletten Überforderung geschuldet ist.
Es wäre mir Einiges erspart geblieben, wenn ich das früher gewusst hätte. Ich hatte das Gespräch mit Ärzten/Psychologen gesucht, aber viel Hilfreiches kam da nicht.
Der Wechsel zwischen 'guten' und 'schlechten' Phasen ist furchtbar für die Patienten, weil sie noch selbst merken, dass sie zwischendurch Blödsinn machen oder erzählen, den sie aber nicht bewusst verhindern können. Das kann für sie durchaus mit Scham verbunden sein, die sie je nach Typ auch mit Aggressivität ausleben können.
Dazu kommt, dass das Umfeld ja nicht ahnt, welche Phase gerade durchlebt wird. Wird dann der kranke Mensch 'falsch' angesprochen, ist er entweder überfordert ( weil in schlechter Phase), oder fühlt sich nicht ernst genommen (weil in guter Phase)
Dieser Übergang war für alle das reinste Minenfeld
Ich finde das Thema auch sehr interessant. Ich war kurzzeitig in Panik bezüglich meines Mannes, weil er was ganz Wichtiges vergessen hatte, von einem auf den anderen Tag und mir auch diverse Wortfindungsstörungen auffielen. Nun hat sich das doch gewaltig relativiert in den letzten Wochen und ich vermute einfach mal dass einem Menschen ü 70 so was passieren kann, ohne dass er dement ist. Aber dennoch, wer weiß, vielleicht bin ich demnächst dran oder er nun doch? Ich habe gewaltig Schiss davor.
@Neustart - sehr gut beschrieben. Da weiß man auch nicht, was man sich wünschen soll, eine kontinuierliche schlechte Phase ist sicher auch nicht leicht. Aber diese Schwankungen empfinde ich persönlich als Psychoterror.
Es ist anstrengend, bei uns hat es meist besser funktioniert, wenn der/die Erkrankte erst mal mit einem möglichst unverfänglichen Thema angesprochen wurde ' was meinst du, was könnten wir heute kochen, ohne noch einkaufen zu müssen '.... oder so. Das half schon ein wenig, um zu checken, was einen erwartete.
Die Betreuung erfordert gute Nerven und es ist alleine nicht ewig zu schaffen, dann braucht man Hilfe, die nicht emotional involviert ist, sondern professionell damit umgehen kann.
Demenz und Alzheimer Erkrankung sind nicht unbedingt die gleiche Erkrankung. Um sich auf den Menschen möglichst professionell einzulassen, wäre ein differenzierte Diagnose hilfreich.
Mein Vater litt und starb an der AlzheimerErkrankung.
Es gab mehrere Stufen und fing (für mich wahrnehmbar) mit Sprachstörungen und Orientierungsstörungen an. Das ist aber nicht in Stein gemeißelt sondern liegt an den unterschiedlich betroffenen Arealen im Gehirn.
Jede dieser Stufen geht jedenfalls einher mit Persönlichkeitsveränderungen. Die Palette geht von Rastlosigkeit, depressiver Grundstimmung bis zu aggressiven bzw. sehr reizbarem Verhalten. Gleichzeitig möchte der Betroffene die Bindung zu seinem engsten Partner verstärken- das gibt Sicherheit. Andererseits wird solange wie möglich vertuscht, vermieden -und das Thema ist sehr schambesetzt!
Der Betroffene spürt das er sich und auch seine Liebsten verliert. Er stürzt bei Bewusstsein ins Bodenlose …
Diese Krankheit nimmt Alles- vor allem die Würde!
🎶Ich laufe nicht mit dem Rudel, schwimme nicht in jedem Strudel…ich hab noch nie auf Befehl gebellt 🎶Ich will in keinem Haufen raufen- lass mich mit keinem Verein ein🎶 Reinhard Mey
Vom Neurologen meiner Angehörigen kam da auch nicht viel. Vor allem ärgerte es mich, dass der wirkliche Zustand nie beschrieben wurde im Arztbericht.
Beim letzten Mal erwähnte er nicht, dass meine Mutter mich als Tochter nicht mehr erkannte. Ich mein, da ist der Patient vielleicht eine halbe Stunde drin und da "vergisst" er einen wesentlichen Punkt?
Egal, hat mit der PG-Erhöhung auch so geklappt. Der MD kam nicht mal mehr zur Begutachtung raus.
Am meisten haben mir die Angehörigen-Gruppen geholfen, wobei es da auch große Unterschiede gibt, je nachdem wie der Leiter drauf ist.
Je nach Persönlichkeit sind die Patienten verschieden in ihrer Interaktion. Die Kranken, die sich ergeben in ihr Schicksal fügen, gibt es wohl naturgemäß nicht.
Das können wir uns wohl alle gut vorstellen, dass das alles Angst macht. Und das was sie in ihrer zunehmenden Demenz erleben, ist für sie wahr und passiert wahrhaftig.
Meiner Mutter und mir wurde bezüglich Medikamenten immer gesagt, sie halten den Verlauf etwas auf. Ich hab noch die Schautafel in Erinnerung, die von einem Jahr sprach. Dazu Nebenwirkungen, die man vielleicht auch nicht haben möchte.
Ich wusste aber nicht, wie die Medikamente wirken, dass es Zusammenstellungen gibt, die ruhiger machen. Damit hätten wir vielleicht früher anfangen können als erst jetzt zum bitteren Schluss.
Kurz zur Erklärung: ich musste meine Mutter vor 3 Wochen in die Gerontopsychiatrie einweisen lassen. Von dort kam sie vor 10 Tagen direkt ins Pflegeheim.
Das Problem bei etlichen beruhigenden, sedierenden Medikamenten ist bei Demenzkranken mitunter eine paradoxe Wirkung- meine Oma bekam niedrigdosiertes Diazepam-sie schlief nicht mehr nachts und zog sich zb selbst den Blasenkatheder. Mit dem Diazepam war es nicht besser- sie war extrem aufgekratzt, immerhin gut gelaunt, und machte die Nacht erst richtig zum Tag:) Am nächsten Morgen hing sie dann natürlich völlig daneben ( ich auch. Also, eigentlich alle Erwachsenen im Haus)..
Es ist halt schwierig und ein Abwägen- bei meiner Oma wars ein Versuch.
Generell ist das auch schwierig, wenn zb eine OP ansteht.
Ich habe- von aussen, ab und zu habe ich demente Patienten im Rettungsdienst- aber den Eindruck, dass sich im Punkt "sinnvolle Medikation" im Vergleich zu damals einiges getan hat. Meine Oma starb vor über 20 Jahren.
Unlängst hatte ich die erste hochbetagte Patientin mit einem SOS ID Armband. Kann man bestellen, darauf sind Notfallkontakt, bestehende Erkrankungen und eingenommene Medikamente und evtl Unverträglichkeiten /Allergien gespeichert. Bei jungen Leuten ist das häufiger- es gibt einen Youtuber, ist im Rettungsdienst, der die Armbänder bewirbt ( und dran verdient:) Logisch.) . Hier hatte die Dame es tatsächlich von der Urenkelin bekommen.
Soviele Medikamente gibt es tatsächlich nicht, wie viele glauben. Es wird zwar geforscht, aber die Zulassungsstudien sind sehr teuer und häufig überwiegen die Nebenwirkungen. Und nur Sedieren - da habe ich schon bei mir selbst ein Problem (ich sollte Cannabis nehmen, werde aber total benebelt davon).
Schwiegermutter musste medikamentös eingestellt werden, war dazu vorübergehend in der geschlossenen Psychiatrie, weil sie Halluzinationen entwickelte, die sie verängstigt haben (Mörder, die ihr auflauerten, ungebetene nächtliche Gäste, die nicht mit ihr sprachen, wegen denen sie aber dann alle Möbel verrückte, um es ihnen bequemer zu machen - das riss natürlich alle regelmäßig aus dem Schlaf)
Mendo- es geht nicht um Medikamente, die eine Demenz aufhalten oder gar heilen können. Es geht um Medikamente, die die Auswirkungen der Erkrankung- also von Aggressivität, Angstzuständen bis hin zu gestörten Tag/Nacht Rhythmus- abmildern können. Da macht Beruhigen, Sedieren durchaus Sinn, auch für die Erkrankten, die irrationale Ängste real empfinden. Das Problem ist der krankheitsbedingt gestörte Hirnstoffwechsel, der für paradoxe Wirkungen sorgt. "Bessere Zusammenstellung" bedeutet in diesem Zusammenhang weniger unerwünschte Nebenwirkungen. Mehr nicht.
Zitat von Mendo im Beitrag #1Ich bin am überlegen, ob ich einen eröffnen soll. Thematisch würde er sich schon zu den alten Eltern abgrenzen, da man bei den Eltern emotional und Pflichten betreffend doch anders involviert ist.
Ich hätte andere Fragen zum Umgang mit Demenzerkrankten und würde mich auch gern mal mental entlasten wollen. …
Vielleicht erinnerst du dich, meine Mutter war an Demenz erkrankt und obwohl sie dieses Jahr im Januar gestorben ist, bin ich noch immer in mehreren Demenzgruppen und mach da auch ehrenamtlich was. Ich denke, ich hab da einen ganz guten Kenntnisstand, allerdings auch nicht bei allen Demenzformen.
Zitat von Mendo im Beitrag #1 Die Informations- und Hilfsangebote in meinem LK sind mau oder es geht doch wieder nur um die Eltern, was bei mir nicht zutrifft.
Danke.
Darf ich mal fragen, um welche Demenzform es bei dir geht? Und es betrifft bei dir jemanden, der nicht „älter“ ist sondern eher in deinem Alter? Wenn du da bist, wo ich dich grob vermute, könnte die Alzheimer Gesellschaft Isar-Loisachtal e.V. In Wolfratshausen hilfreiche Angebote haben, müsste man mal erfragen. Welche Hilfsangebote möchtest du am liebsten? Kommt auch eine Online SHG in Frage?
Mein Psychologe meinte, ich solle spazierengehen, wenn ich wütend bin. Langer Rede kurzer Sinn: ich bin jetzt in Italien.