Ich weiß, dass ich jetzt wahrscheinlich Prügel kriegen werde. Trotzdem....
Wenn jemand wegen einer Allergie oder aus anderen gesundheitlichen Gründen beim Essen eingeschränkt ist: Vollstes Verständnis! Wenn jemand vegetarisch oder vegan lebt, dann ist das keine Marotte, sondern eine grundsätzliche Lebenseinstellung: Auch vollstes Verständnis! Wenn jemand religiöse Speisevorschriften beachtet: Auch da habe ich Verständnis!
Allen anderen aber möchte mich mal sagen: Reißt Euch einfach mal zusammen!!!
Wir leben in einem Land, in dem wir überreichlich alle möglichen Lebensmittel zur Verfügung haben. Die in der Regel in so guter Qualität, dass niemand befürchten muss, krank zu werden. Da kann ich doch mal bei einer Einladung über meinen Schatten springen und mal was essen, was sonst nicht zu den Lieblingsgerichten zählt. Das bringt niemanden um! Und für mich gehört das durchaus zu guten Umgangsformen, dass man nicht immer nur "ich, ich, ich" sagt, sondern sich auch mal ein Stück zurück nimmt.
Im übrigen galt bei meinen Kindern und gilt bei meinen Enkeln: Wenigstens mal probieren! Wie gesagt - das bringt niemanden um. Und vielleicht macht man ja ganz neue Geschmackserfahrungen.
Zitat von GuteLaune im Beitrag #2152 Im übrigen galt bei meinen Kindern und gilt bei meinen Enkeln: Wenigstens mal probieren! Wie gesagt - das bringt niemanden um. Und vielleicht macht man ja ganz neue Geschmackserfahrungen.
Bis dahin d'accord. Frage: wie oft waren deine Kinder nach dem unvermeidbaren Probierbissen überzeugt, dass sie nicht vergiftet würde? Also bereit, noch einen zweiten zu nehmen und das künftig zu mögen?
Bei meinen Kindern änderten sich die Vorlieben in einem bestimmten Alter von Woche zu Woche. Was vor drei Wochen nur oberlecker war, war plötzlich ungenießbar 😡. In solchen Fällen habe ich auf den Vorrat von Brot und Belag hingewiesen. Konnten sie sich selbst was zu essen machen. Die Phase war aber schnell vorbei👍.
Was aber macht frau, die gerne kocht, mit einem nicht mehr jungen Mann, der konsequent nichts isst, was er nicht kennt oder was ihm vor vielen Jahren mal nicht geschmeckt hat? Und das ist viel. Da wir bei den Umgangsformen sind: Bei Einladungen isst er, was auf den Tisch kommt. Aber wehe, ich schlage vor, dasselbe selbst zu kochen… 😡.
Ja, anstrengend. Allein das planen…Wir wohnen getrennt, aber 3 - 4 mal pro Woche koche ich für uns. Für mich koche ich ganz anders, gemüselastig mit wenig Fleisch. Und ziemlich experimentierfreudig.
Zitat von Internistin im Beitrag #2143 Du hast wohl noch nie in einer Kantine gegessen. Du würdest dich wundern, was da so alles gegessen wird.
Da hast Du wohl etwas missverstanden. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass man sich in einer Kantine ein Gericht aussucht, das innere Widerstände auslöst. Warum sollte man?
Aber egal, ich habe die Hälfte von Twix' Beitrag schlichtweg nicht verstanden.
Zitat von GuteLaune im Beitrag #2152 Im übrigen galt bei meinen Kindern und gilt bei meinen Enkeln: Wenigstens mal probieren!
Als Angebot bzw. Vorschlag ... ja.
Aber das Probieren würde ich keinem Kind aufzwingen.
Darauf zu bestehen macht auch einiges kaputt, denn damit verbinden viele Kinder ein unangenehmes Erlebnis. Da geht die Leichtigkeit beim Essen verloren.
Ganz schlimm sind manipulative sog. Tauschangebote: Wenn Du den Brokkoli isst, dann ....
Zitat von Kürbiskern im Beitrag #2155 Bei Einladungen isst er, was auf den Tisch kommt. Aber wehe, ich schlage vor, dasselbe selbst zu kochen… 😡.
Keine Ahnung, wie ich damit umginge. Das Gespräch hast Du wahrscheinlich schon gesucht, oder?
Würde mir aber bestimmt die Freude am Kochen für ihn verderben.
Ich hätte da auch keine Lust auf Rücksichtnahme. Kocht er eigentlich auch mal? Das wäre ja mal eine erste Maßnahme. Vor allem würde ich aber, auch wenn ich das übernehme, nicht einsehen, dass ich mir Gedanken machen soll, damit es ihm schmeckt. Ich würde den Partner bitten, mir konkrete Gerichte zu sagen, die er mag und die dann immer wieder einbauen. Ebenso würde ich aber auch regelmäßig das kochen, was ich mag - das muss ja nicht das sein, wogegen der andere massive Abneigungen hat, aber auf "mag ich nicht so besonders" würde ich in dem Fall nicht eingehen. Der Mann ist erwachsen und kann sich ggf. selbst versorgen. Ich halte das auch schon immer mit den Kindern so: selbstverständlich versuche ich beliebte Gerichte immer wieder anzubieten und niemand muss etwas essen, was ihn ekelt. Aber es gibt nicht immer Alternativen (bzw. nur unkomplizierte - ob ich Grillkäse oder Schnitzel brate, ist egal, aber wer keine Spätzle mag, bekommt keine Nudeln, sondern lässt sie weg oder holt sich ein Brot.) Mit Kindern wandelt es sich ja und sie werden irgendwann wieder offener - bis dahin hatte ich keine Lust auf Diskussionen und halte das ständige Streiten ums Essen und Probieren auch für kontraproduktiv. Bei Männern jenseits der Lebensmitte ist mit mehr Offenheit aber eher nicht zu rechnen und die sind definitiv alt genug, sich selbst einzubringen, wenn es nicht passt.
Ich glaube, die Diskussion wird hier teilweise (!) unrealistisch grundsätzlich geführt. Dabei fehlen mir zwei Aspekte: Erstens sind wenige (!) Menschen beim Thema Essen bzw beim Thema Gastfreundschaft sooo grundsätzlich unterwegs. Hier schrieben ja bereits viele, sie haben an sich selbst als Gastgeberin höhere Ansprüche als an Andere. Sie wollen also, dass sich ihre Gäste nach Möglichkeit rundum wohlfühlen und sind auch gern bereit, dafür Aufwand zu betreiben, möchten aber ihrerseits keinen großen Aufwand verursachen. Ich glaube, dass die meisten sich selbst so beschreiben würden. Die Meinungen gehen darüber auseinander, was "großer Aufwand" ist, und das ist auch vollkommen logisch. Das hängt von der eigenen Erfahrung und den eigenen Resourcen ab (finanziellen, körperlichen, materiellen, geistigen...), finde ich völlig ok. Auch unvermeidlich, dass gelegentlich mal Erwartungen oder Vorstellungen von Höflichkeit aufeinanderprallen. Aber ich behaupte trotzdem, die meisten Gastgeber:innen wollen gastfreundlich sein und die meisten Gäste schätzen die angebotene Gastfreundschaft auch. Zweitens wird hier übersehen, dass Menschen ein Gesamtpaket sind. Twixens Bericht beschreibt das sehr gut. Sie sagt selbst, sie sei "schwierig" mit Essen, aber ihr Freundeskreis schätzt sie als Mensch und unterstützt deshalb ihre Art, mit den Schwierigkeiten umzugehen. Wenn man jetzt sagt: "Ich fände es als Gastgeberin krass unhöflich, dass Du Dein eigenes Essen mitbringst / nichts zu essen bestellst / wie ein lebender Vorwurf dabei sitzt...", übersieht man dieses Gesamtpaket. Vielleicht hat man dabei die eigenen Freund:innen vor Augen, bei den eigenen Zusammenkünften, mit all ihren Eigenarten. Und von genau diesen Leuten unter genau diesen Gegebenheiten wäre es vielleicht krass unhöflich. In anderen Kreisen aber halt nicht. Weil Twix soviel mehr ist, als ihre Essensschwierigkeiten, und BBlueVelvet soviel mehr, als die eine abgelehnte Einladung, und ihre Freund:innen soviel mehr, als Gastgeber:innen. Deshalb sind sie dort kein "lebender Vorwurf" und werden auch nicht so empfunden. Im Einzelfall wird das beiderseitige Wohlwollen größer sein als hier in der Diskussion, wo man versucht, sich an normative Werte heranzutasten.
Deshalb kann zwar jede:r für sich oder das eigene Umfeld sagen: 'So würden wir das handhaben / das finde ich angenehm.' Aber zu beurteilen (verurteilen), was bei Anderen unhöflich ist, finde ich schwierig, weil wir eben das Gesamtpaket nicht kennen. Ich beziehe das auf Berichte, in denen die Betreffenden offensichtlich versuchen, zugewandt und höflich zu sein. Natürlich gibt es intersubjektiv krasse Unhöflichkeiten, aber darunter würde ich eher nicht verstehen, bestimmten Gelegenheiten aus dem Weg zu gehen oder bestimmte einzelne Speisen (nicht) vorzuhalten.
"It has to be possible to feel the pain in one community without denying it to the other. It has to be!" John Oliver
Moderatorin in den Foren zu Beziehung und Sex, zu Kunst, Musik und Literatur, zu Politik und Tagesgeschen und zum Handwerken (warum auch immer). Ueberall sonst gilt: Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen.