Zitat von mo17 im Beitrag #647Die Gefahr, dass Andere unser leben eigenmächtig verkürzen, ist dabei viel zu groß. Organisationen, die Geld damit verdienen, haben ja ein wirtschaftliches Interesse an suizidalen Menschen.
Das glaube ich nicht. Ebenso könnte man dann den Kliniken vorwerfen, die Menschen so lange wie möglich palliativ zu behandeln, damit sie Geld verdienen.
Es sind ja nicht nur Palliativpatienten die ihrem Leben vielleicht ein Ende setzten wollen. Auch Menschen mit unheilbaren Krankheiten oder vom Hals ab gelähmte Menschen, Menschen mit ALS usw., die ihr Leben für sich nicht mehr lebenswert finden, sollten selbst bestimmen dürfen.
Eine alte Indianer Legende besagt: Wenn Du stirbst, begegnest Du auf der Brücke, die zum Himmel führt, allen Tieren, die Dir auf Deinem Weg zu Lebzeiten begegnet sind. Und diese Tiere entscheiden, ob Du weiter gehen darfst oder nicht.
Ganz makaber ausgedrückt: bezogen auf den Tierschutz las ich einmal, dass die benötigte Menge des Mittels, um einen großen Hund einzuschläfern, den Tierarzt keine 10 Euro kostet.
Hier ist doch eine Tierärztin im Forum, stimmt das?
Falls ja, wäre die Verdienstmöglichkeit "überschaubar" und somit nicht wirklich lohnenswert;-)
Vielleicht fehlt mir auch die Phantasie für den Missbrauch, weil ich selbst sehr selbstbestimmt und unabhängig lebe und entscheide. Schwebt den Kritikern das Bild des reichen, todkranken Patienten vor, den die Verwandten/Erben zum Antrag auf FTB drängen?
Ich finde die Diskussion manchmal verlogen. Kaum einer der Kritiker will sich ausmalen, wie es ist, mit starken Schmerzen und vielen Einschränkungen leben müssen bzw. dass das Leben nur noch ein Aushalten und Absitzen ist. Wer setzt sich dafür ein, dass diese Menschen mehr Unterstützung erfahren? Dass subjektive Schmerzintensität von Sozialgerichten geglaubt und anerkannt wird (tief empfundenes Leiden versus messbare Ausfälle)? Oder dass die Schmerzmittelforschung voran getrieben wird ?
Auch Menschen mit nicht tödlich verlaufenden Erkrankungen möchten ihr Leben manchmal verkürzen. Sterben müssen wir alle, nur zur Erinnerung. Es geht um einen früheren Zeitpunkt, den die Betroffenen selbst bestimmen möchten.
Zitat von Hydra im Beitrag #653Vielleicht fehlt mir auch die Phantasie für den Missbrauch, weil ich selbst sehr selbstbestimmt und unabhängig lebe und entscheide. Schwebt den Kritikern das Bild des reichen, todkranken Patienten vor, den die Verwandten/Erben zum Antrag auf FTB drängen?
Ich finde die Diskussion manchmal verlogen. Kaum einer der Kritiker will sich ausmalen, wie es ist, mit starken Schmerzen und vielen Einschränkungen leben müssen bzw. dass das Leben nur noch ein Aushalten und Absitzen ist. Wer setzt sich dafür ein, dass diese Menschen mehr Unterstützung erfahren? Dass subjektive Schmerzintensität von Sozialgerichten geglaubt und anerkannt wird (tief empfundenes Leiden versus messbare Ausfälle)? Oder dass die Schmerzmittelforschung voran getrieben wird ?
Auch Menschen mit nicht tödlich verlaufenden Erkrankungen möchten ihr Leben manchmal verkürzen. Sterben müssen wir alle, nur zur Erinnerung. Es geht um einen früheren Zeitpunkt, den die Betroffenen selbst bestimmen möchten.
Warum vermutest du, dass z.B. ich mich dafür nicht einsetzen würde?
Weil ich Tötungen nicht gut finde, muss ich ja Schmerzen nicht gut finden? Wo ist da der Automatismus? Ich bin absolut dafür, dass Schmerzforschung intensviert wird und Menschen mit schmerzen mehr Unterstützung erfahren. Auch dafür, das Schmerzintensitäten anerkannt werden.
Und warum vermutest du, dass Kritiker*inne keine schlimmen Schmerzen haben? Und /oder nciht depressiv sind, auch bis zu suizidal? Kann Kritik nicht auch von Betroffenen kommen?
Zu deiner Frage: Ja, das ist bei mir ein Punkt. Aber nicht der Einzige. Ich denke auch, dass Menschen eben nicht immer so selbstbestimmt sind, wie sie es denken oder gerne wären. Wir sind soziale Lebewesen und damit voneinander abhängig. Und Menschen sind durch Krankheiten auch eingeschränkt. Krankheiten psychischer und physischer Natur können zu Suizidaliät führen. Die aber genau durch diese Erkrankungen bedingt ist. Wenn die Krankheit behandelt wird, kann auch die Suizidalität behandelt werden.
Zitat von mytholon im Beitrag #652Ganz makaber ausgedrückt: bezogen auf den Tierschutz las ich einmal, dass die benötigte Menge des Mittels, um einen großen Hund einzuschläfern, den Tierarzt keine 10 Euro kostet.
Hier ist doch eine Tierärztin im Forum, stimmt das?
Falls ja, wäre die Verdienstmöglichkeit "überschaubar" und somit nicht wirklich lohnenswert;-)
Sorry, ich habe halt schwarzen Humor...
Der Tierarzt verlangt auch noch was für die Leistung/Zeit dazu.
Um die Höhe des Preises (im Beriech der Menschen) geht es aber zumindest mir gar nicht, sondern darum, dass überhaupt mit der Tötung von Menschen Geld verdient wird, dass das eine Dienstleistung ist. Das finde ich mehr als makaber.
Zitat von Hydra im Beitrag #648@mo17 Gewagte Aussagen. In allen Kulturen und Ländern gibt es Suizide. In D sind es rund 10.000 im Jahr. Verhindern lassen sich diese auch durch das Verbot einer Freitodbegleitung nicht. Und vom Leid, welches mit missglückten Versuchen verbunden ist, will ich erst gar nicht schreiben. Zudem ist nicht jeder Suizid psychopathologisch begründet und nicht jeder will überzeugt und gerettet werden.
Woher kommt deine Annahme, dass ein Mensch nicht aus voller Überzeugung seinen Tod möchte, sondern dass "Andere unser leben eigenmächtig verkürzen", und dass wirtschaftliche Interessen dahinter stecken?
Und weil es schon immer Suizide gab und sie immer geben wird, muss das durch geschäftsmäßiges Betreiben , Beschaffung von Gift und Romantisierung a la "13 reasons why", "ein ganzes halbes Jahr" oder jetzt im Keßlerfall in den sozialen Medien noch befeuert und unterstützt werden? Als gut und wünschenswert dargestellt werden?
Klar können Menschen sich wünschen, tot zu sein. Suizid ist ja auch möglich.
Aber EXIT und ähnliche Organisationen machen damit Geschäfte und das ist eine ganz andere Dimension.
Zitat von mo17 im Beitrag #655, dass überhaupt mit der Tötung von Menschen Geld verdient wird, dass das eine Dienstleistung ist. Das finde ich mehr als makaber.
Mit dem Tod und der damit einhergehenden Beerdigung von Menschen wird weit mehr Geld verdient.
Eine alte Indianer Legende besagt: Wenn Du stirbst, begegnest Du auf der Brücke, die zum Himmel führt, allen Tieren, die Dir auf Deinem Weg zu Lebzeiten begegnet sind. Und diese Tiere entscheiden, ob Du weiter gehen darfst oder nicht.
Zitat von mo17 im Beitrag #655, dass überhaupt mit der Tötung von Menschen Geld verdient wird, dass das eine Dienstleistung ist. Das finde ich mehr als makaber.
Mit dem Tod und der damit einhergehenden Beerdigung von Menschen wird weit mehr Geld verdient.
Wenn jemand gestorben ist, dann soll er würdig beerdigt werden. Das ist vor Allem für die Angehörigen wichtig. Das muss gar nicht so teuer sein, es kommt halt darauf an, was die Angehörigen möchten und sich leisten können.
Das ist aber etwas Anders, als damit Geld zu verdienen, denjenigen direkt oder indirekt zu töten.
Ich seh keinerlei Romantisierung bei begleitetem Suizid. Aber es gibt einfach mehr Leute als du dir vielleicht vorstellen kannst und willst, die ihr Leben selber in die Hand nehmen wollen, und auch ihren Tod. Das mit dem Geschäfte machen ist halt so ein zweischneidiges Schwert. Egal in welchem Bereich, die Leute wollen und müssen auch was verdienen. Ich seh das eher als Romantisierung wenn die guten Menschen freiwillig am anderen Menschen ihren Dienst tun. Überall entstehen Kosten, auch in diesem Bereich. Gut und wünschenswert ist für mich, dass alle Menschen diese Möglichkeit haben
Zitat von Vanessab im Beitrag #660Ich seh keinerlei Romantisierung bei begleitetem Suizid.
Überhaupt nicht. Wir hoffen wirklich, dass das mal ungestraft möglich sein wird. PS: Ich habe meinen Vater während der Palliativbehandlung begleitet. Das war so grausam, dass wir für uns angefangen haben, es zu gut wie möglich zu planen. DAS möchten wir auf keinen Fall.
Ich weiß, auch mein Vater hätte das nie für sich gewollt, so qualvoll sterben zu müssen. Ich weiß auch, wenn er die Möglichkeit gehabt hätte, hätte er es anders geregelt.
Eine alte Indianer Legende besagt: Wenn Du stirbst, begegnest Du auf der Brücke, die zum Himmel führt, allen Tieren, die Dir auf Deinem Weg zu Lebzeiten begegnet sind. Und diese Tiere entscheiden, ob Du weiter gehen darfst oder nicht.
Meine Schwiegermutter ist acht Monate im Pflegeheim mehr oder weniger dahin vegetiert. Es ist schwer zu sagen, ob sie rechtzeitig diesen Weg gewählt hätte. Ich hoffe einfach nur so sehr, dass sie nicht mehr soviel mitbekommen hat. Das Pflegepersonal war sehr zugewandt und freundlich, sie war immer sauber und lag in frischer Bettwäsche. Aber sie konnte nicht mehr aufstehen, sich nicht selbst drehen, nicht selbständig essen, nichts mehr. Unvorstellbar für mich. Anfangs sind wir noch fünf bis siebenmal in der Woche zu ihr gefahren, aber nach drei Monaten haben wir festgestellt, dass wir das nicht mehr leisten können. Selbst wenn wir sie fast jeden Tag eine Stunde besucht haben war sie immer noch 23 Stunden mehr oder weniger alleine. Ich würde das für mich nicht wollen und wäre froh, wenn es für mich dann einem anderen Weg gäbe
. Bereichern sich die Sterbehilfe-Organisationen? Das Gegenteil ist wahr. Jede Freitodbegleitung verursacht EXIT Kosten. Denn die Begleitung ist nach dreijähriger Mitgliedschaft kostenlos. Es ist nur der Jahresbeitrag von 45 Franken zu bezahlen. Die Begleitungen werden aus Spenden und durch die Solidarität der Mitglieder getragen.
Zitat von Hydra im Beitrag #653 Ich finde die Diskussion manchmal verlogen. Kaum einer der Kritiker will sich ausmalen, wie es ist, mit starken Schmerzen und vielen Einschränkungen leben müssen bzw. dass das Leben nur noch ein Aushalten und Absitzen ist. Wer setzt sich dafür ein, dass diese Menschen mehr Unterstützung erfahren?
Auch hierbei sehe ich wieder Parallelen zu den Abtreibungsgegnern. Lautstark "für das Leben" rufen, aber wenn es um konkrete Hilfen und Unterstützungen geht, dann sieht es mau aus und die Eltern (oder oft auch die Mütter alleine) können dann zusehen, wie sie klarkommen. Absolut verlogen.
Sehr richtig! Und dann auch die Frage: Warum maßen sich Fremde an, darüber entscheiden zu dürfen, ob sich jemand sein eigenes (!) Leben nehmen darf?
All your life you're yellow. Then one day you brush up against something blue, the barest touch, and voilà, the rest of your life you're green. - Tess Callahan
Sometimes-not-vegan-but-always-veggie-person. - angelehnt an Oatly!
Ich denke, da spielt oft eine religiöse Komponente mit. War es vor sehr langer Zeit nicht so, dass Selbstmörder nicht kirchlich begraben werden durften? Und da gibts in Kirchenkreisen auch sehr geteilte Meinungen drüber. Sollte man nicht unterschätzen. Da wäre es mal interessant, ob diejenigen, die sich für begleiteten Suizid einsetzen, gläubig sind. Da aber der Einfluss der Kirchen immer mehr abnimmt, nimmt vielleicht auch dieser alte Sündenbegriff ab. Hoffe ich zumindest.
Ich denke auch, dass Ärzte und Krankenhäuser auch Möglichkeiten haben, Leiden abzukürzen, dass es da eine Grauzone gibt. Fände ich auch nicht schlecht so. Schon vor Jahrzehnten, in meiner Jugend, ist der Vater meines Freundes im Endstadium seines Lungenkrebses sehr schnell gestorben, und im Gespräch mit den Angehörigen klang es zumindest an, dass da das Opioid etwas höher dosiert worden war. Bei alldem ist mir ein offener Umgang mit dem assistierten Suizid am liebsten. Ganz nüchtern aber mit Empathie begleitet.
Ja, vermutlich. Ich finde aber, dass sollten Gläubige unter sich ausmachen.
All your life you're yellow. Then one day you brush up against something blue, the barest touch, and voilà, the rest of your life you're green. - Tess Callahan
Sometimes-not-vegan-but-always-veggie-person. - angelehnt an Oatly!