Es sollte ja wohl selbstverständlich sein, das jemand die Wahrheit sagt. Dafür eine mildere Strafe zu vergeben, ist blanker Hohn. Gegenüber allen, die sich an die Gesetze halten und keine Straftaten begehen. Seine Kunden hat er nach Strich und Faden betrogen und ihnen so jede Menge Geld abtgenommen.
Hatte er Skrupel seinen Kunden gegenüber? Der Umwelt?
Meine Erfahrung: wenn die Gewerkschaften nicht höher fordern, dann gibt es kein auch nur halbwegs akzeptables Resultat . Ich verstehe die Maximalforderung und denke, wenn die entsprechenden Berufe nicht zumindest finanziell einen Anreiz bieten: wer holt dann demnächst noch den Müll ab, fährt die öffentlichen Verkehrsmittel im Schichtdienst, ist bereit, Alte/Kranke/Kinder zu versorgen ... etc, wenn mit diesen Berufen der Lebensunterhalt nicht verdient werden kann?
Zitat von Kaffeesahne im Beitrag #2276Es sollte ja wohl selbstverständlich sein, das jemand die Wahrheit sagt. Dafür eine mildere Strafe zu vergeben, ist blanker Hohn. Gegenüber allen, die sich an die Gesetze halten und keine Straftaten begehen. Seine Kunden hat er nach Strich und Faden betrogen und ihnen so jede Menge Geld abtgenommen.
Hatte er Skrupel seinen Kunden gegenüber? Der Umwelt?
ich dachte das wäre Usus?
Geständigkeit, Einsicht, Kooperation wirken immer strafmildernd und zugunsten des Angeklagten.
Nein? Weiß nicht - sind Juristen anwesend?
Ich fand seine Verteidigungslinie abstoßend. Das hätte mich als Richterin so gegen ihn eingenommen. Gut, dass ich keine Richterin bin.
es erspart den Kindern die Aussagen, die dann wiederum von einem vifen Anwalt zerlegt würden.
Wahl zwischen Scylla und Charybdis, leider.
Außerdem setzt unser Rechtssystem nur auf Resozialisierung, nicht auf Strafe als Selbstzweck. Daher wird Einsicht und Umkehr besonders belohnt. Das soll ja das Ergebnis des ganzen Prozesses sein: dass der Angeklagte vom Bisherigen abkehrt und ein neues Leben beginnt.
Die Kinder haben keine Verantwortung für das Urteil - wie kommst du darauf?
es ist auch nicht "mein" Argument.
Es gilt im übrigen auch für ganz andere Umstände und Fälle.
Wenn du mal real mit erlebt hast, wie es läuft, wenn Kinder (oder erwachsene Opfer von z. B. Sexualverbrechen ) en Detail aussagen müssen, weil der Täter leugnet, mauert und sein Anwalt vif ist, dann erkennst du die Vorteile die es hat.
Schade, dass das jetzt auch so persönlich wird. So mag ich nicht diskutieren, daher wünsche ich dir einen netten Abend.
Zitat von R_Rokeby im Beitrag #2282Die Kinder haben keine Verantwortung für das Urteil - wie kommst du darauf?
es ist auch nicht "mein" Argument.
Es gilt im übrigen auch für ganz andere Umstände und Fälle.
Wenn du mal real mit erlebt hast, wie es läuft, wenn Kinder (oder erwachsene Opfer von z. B. Sexualverbrechen ) en Detail aussagen müssen, weil der Täter leugnet, mauert und sein Anwalt vif ist, dann erkennst du die Vorteile die es hat.
Schade, dass das jetzt auch so persönlich wird. So mag ich nicht diskutieren, daher wünsche ich dir einen netten Abend.
"... der Täter hätte ja eine höhere Strafe - oder überhaupt eine nennenswerte- bekommen, wenn die Kinder ausgesagt hätten..." heißt für mich, die Verantwortung für die Strafe auf die Kinder abzuwälzen.
Ja, ich kenne solche Prozesse. Sie sind zT furchtbar. Da müsste sich erheblich mehr am Kindswohl orientieren.
Zitat von Kunterbunt im Beitrag #2272Und Boris Becker macht schon wieder Werbung im ZDF. Sauber!
DAS macht mich wirklich fassungslos.
Kommt einem (also, mir) so vor, als seien berühmte Straftäter schneller rehabilitiert als Normal-Sterbliche....
Ich dachte ich spinne, als ich das vor ein paar Tagen sah! Sieht aus wie das strahlende Leben höchstpersönlich, macht einen auf *Hab mich lieb, ich bin's, der Bobbele* und grinst blöd. Er war mir vorher schon durch und durch unsympathisch, aber jetzt kriege ich *sonstwas*, wenn ich den sehe!
"... der Täter hätte ja eine höhere Strafe - oder überhaupt eine nennenswerte- bekommen, wenn die Kinder ausgesagt hätten..." heißt für mich, die Verantwortung für die Strafe auf die Kinder abzuwälzen.
Das hat sie so nicht gesagt, wie es da steht.
Es gibt in Deutschland Strafmilderungsgründe, einer kann beispielsweise sein, wenn der Angeklägte geständig ist und dadurch dem Opfer (sexueller Missbrauch, Vergewaltigung) ein erneutes Trauma durch die Aussage vor Gericht erspart. Warum sollte ein Angeklagter sich schuldig bekennen, wenn es dafür nicht einen Vorteil gibt, wie hoch oder niedrig dieser auch ausfallen mag, denn das weiß er ja vorher IdR nicht.
Aus moralischen Gründen? Wenn die für ihn so wirklich zählen würden, hätte er die Tat nicht begangen.
Zitat von Kaffeesahne im Beitrag #2284 Ja, ich kenne solche Prozesse. Sie sind zT furchtbar. Da müsste sich erheblich mehr am Kindswohl orientieren.
Das kann man sicher noch erheblich verbessern, aber dem Täter einen wie auch immer gearteten Vorteil zu gewähren, wenn er vollumfänglich gesteht, bezieht sich genau auf das Kindeswohl.
Wenn ich so richtig Lust auf Schokolade habe, esse ich anstatt der Schokolade eine Banane. Dann eine Paprika, einen Apfel, Reiswaffeln, Naturjoghurt, eine Gurke und dann die Schokolade.
Es ist schwierig. Gesteht TäterIn nicht, wird eine zugehörige AnwältIn alles versuchen, das Opfer zu demontieren. Gerne mit dem Ergebnis des Freispruchs.
Gesteht TäterIn, kommt er/sie mit geringer Strafe „davon“.
Der Tat selbst wird irgendwie keine Rechnung gezollt.
Ich bin nicht „im Spektrum“. Aber mein EQ ist tatsächlich etwas niedrig.
Richtig, den Satz hat Rokeby nicht gesagt. Es ist kein Zitat. Es ist die Argumentationslinie weitergeführt.
Wenn jemand ein Verbrechen begeht, wie in dem Beispiel sexuelle Gewalt gegen Kinder, dann erwarte ich, das derjenige dafür bestraft wird. Und nicht für ein Geständnis belohnt wird.
Das das so gehandhabt wird, widerspricht in meinen Augen dem Gesetz.
Zitat von Nora im Beitrag #2288Es ist schwierig. Gesteht TäterIn nicht, wird eine zugehörige AnwältIn alles versuchen, das Opfer zu demontieren. Gerne mit dem Ergebnis des Freispruchs.
Gesteht TäterIn, kommt er/sie mit geringer Strafe „davon“.
Der Tat selbst wird irgendwie keine Rechnung gezollt.
Wieso das denn nicht? Er wird doch für die Tat verurteilt?
Nochmal: warum sollte der Täter gestehen (die Aufzählung der Vorteile, die Staat, Opfer und andere Geschädigte davon haben, spare ich jetzt mal) wenn er nichts davon hat?
Wenn ich so richtig Lust auf Schokolade habe, esse ich anstatt der Schokolade eine Banane. Dann eine Paprika, einen Apfel, Reiswaffeln, Naturjoghurt, eine Gurke und dann die Schokolade.
Zitat von Kaffeesahne im Beitrag #2289Richtig, den Satz hat Rokeby nicht gesagt. Es ist kein Zitat. Es ist die Argumentationslinie weitergeführt.
Wenn jemand ein Verbrechen begeht, wie in dem Beispiel sexuelle Gewalt gegen Kinder, dann erwarte ich, das derjenige dafür bestraft wird.
Das wird er doch auch.
Zitat Und nicht für ein Geständnis belohnt wird.
Das das so gehandhabt wird, widerspricht in meinen Augen dem Gesetz.
Und der Gerechtigkeit.
Es mag deinem persönlichen Sinn für Strafe, Gerechtigkeit oder Sühne widersprechen, dem Gesetz widerspricht es nicht, sonst wären alle diese Urteile ungültig. Es entspricht geltendem Recht.
Es gibt übrigens auch einen Nachlass dafür, wenn ein Prozess lange dauert. Das finde ich wiederum schlimm, denn das liegt an unserem (lahmen) Justizsystem. Schau dir den Mastermind hinter CumEx an, Herrn Berger. Zuerst verschanzt der sich jahrelang in der Schweiz, die ihn nicht ausliefern (muss man sich mal vorstellen!) und dann kriegt er Rabatt bei seiner Strafe, weil der Prozess lange gedauert hat.
Wenn ich so richtig Lust auf Schokolade habe, esse ich anstatt der Schokolade eine Banane. Dann eine Paprika, einen Apfel, Reiswaffeln, Naturjoghurt, eine Gurke und dann die Schokolade.
Zitat von Mendo im Beitrag #2269Rupert Stadler, Ex-Audi Chef und Abgasskandal Verantwortlicher, soll eine Bewährungsstrafe erhalten.
Das regt mich immer auf, daß Leute mit viel Geld sich gute Anwälte und damit mildere Strafen kaufen können. So ungerecht!
Seit zweieinhalb Jahren stehen Rupert Stadler und drei Mitangeklagte wegen manipulierter Dieselfahrzeuge und möglichen Betrugs vor Gericht. Nun hat das Landgericht München dem ehemaligen Audi-Chef signalisiert, dass er mit einer Verurteilung rechnen muss – und bei einem Geständnis mit einer Bewährungsstrafe rechnen kann.
Nach vorläufiger Bewertung der bisherigen Beweisaufnahme kämen gegen Stadler, den ehemaligen Leiter der Audi-Motorenentwicklung Wolfgang Hatz und den leitenden Ingenieur Giovanni P. Freiheitsstrafen zur Bewährung bei vollem Geständnis auch in diesem Verfahrensstadium in Betracht, sagte der Vorsitzende Stefan Weickert. Für den bisher einzigen voll geständigen vierten Angeklagten komme die Einstellung des Verfahrens in Betracht.
Ja, der Fall Berger ist auch so ein Beispiel. Das muss ich als Ottilie Normalbürgerin doch nicht verstehen, oder? Da schlackere ich nur noch mit den Ohren.
Zitat Und nicht für ein Geständnis belohnt wird. Das das so gehandhabt wird, widerspricht in meinen Augen dem Gesetz. Und der Gerechtigkeit.
Es mag deinem persönlichen Sinn für Strafe, Gerechtigkeit oder Sühne widersprechen, dem Gesetz widerspricht es nicht, sonst wären alle diese Urteile ungültig. Es entspricht geltendem Recht.
Und es ist wirklich gut so, dass nicht nach irgendeinem persönlichen Rechtsempfinden vorgegangen wird!
Ich bleib dabei, ich finde es nicht richtig. Die Vergehen sollten so verurteilt werden, wie sie begangen wurden.
Ich muss nochmal interessehalber nachfragen, weil du darauf nicht eingegangen bist: die (nicht wenigen) Vorteile, die sich daraus für Staat einschließlich Strafverfolgungsbehörden, für Opfer und Geschädigte ergeben, die siehst du nicht oder zählen sie für dich nicht?
Wenn ich so richtig Lust auf Schokolade habe, esse ich anstatt der Schokolade eine Banane. Dann eine Paprika, einen Apfel, Reiswaffeln, Naturjoghurt, eine Gurke und dann die Schokolade.
Ich glaube, gerade das Opfer sieht das oft nicht so, Denn es kann sich eigentlich nicht vorstellen, welch ein Horrortrip es für das Opfer werden kann, wenn der Täter nicht gesteht.
Sie haben vermutlich eher das Gefühl, daß Täter/Täterin „gut davon kommt“ - im Extremfall mit „garnichts“ - was de facto das Resultat einer Bewährungsstrafe ist.
Daß fühlt sich dann nicht gerade gerecht an für jemand, der bis ans Lebensende Alpträume hat.
Ich bin nicht „im Spektrum“. Aber mein EQ ist tatsächlich etwas niedrig.
Bluevelvet, Nora trifft ganz gut, was ich meine. Möglich, das ein Geständnis und die damit oft verbundenen mildere Strafe irgendjemand etwas erleichtert. Die Außenwirkung auf die Opfer, Angehörige, usw, ist verheerend. Und ich behaupte: auch auf die Täter. Ich hab schon öfter gehört: "ja mei, Bewährung, also nix." Das die Motivation danach nicht bei jedem hoch sein dürfte, sein Verhalten zu ändern, liegt auf der Hand. Welche Vorteile soll es für die Opfer /Geschädigten geben? Meinst du die Aussage?
Nischenprodukt, da geb ich dir recht. Daher bin ich froh über unsere Gesetze. Trotzdem ist dieses ein Punkt, den ich kritisiere.
Es geht nicht "nur" um eine das Opfer möglicherweise schwer belastende Aussage, auch wenn das bereits schwer wiegt, angefangen von der Wiederholung des Erlebten, über eine harte Befragung der Verteidigung bis hin zu einem möglicherweise ganz anderen Ausgang des Verfahrens als eigentlich zu erwarten gewesen wäre (Bsp: Opferzeugin widerspricht sich, lässt sich verunsichern, hat vielleicht keinen Zeugenbeistand, erlebt eine Einstellung oder gar einen Freispruch).
Anderes Beispiel: Die Beweisaufnahme in Fällen von Untreue, bestehend aus hunderten Einzelfällen würde Gericht und Zeugen ein Jahr lang binden. Auch da kann nicht von vornherein gesagt werden, dass aber am Ende doch eine höhere Strafe zu erwarten wäre, wenn alles lückenlos bewiesen werden kann, das weiß man zu dem Zeitpunkt ja gar nicht. Auch da ist für alle ein Geständnis von Vorteil.
Dass Bewährungsstrafen als "nichts" empfunden werden, kenne ich so nicht, dafür aber viele Fälle, in denen der Strick um den Hals enger gezogen wird (klassischer Einstieg mit Strafbefehl, weiter Bewährungsstrafe, neue Straftat mit der Folge des Bewährungswiderrufs). Bewährung gibt es auch nicht einfach so, sondern ist an eine Einschätzung gebunden, dass sich der Verurteilte künftig nichts mehr zuschulden kommen lässt und sich an die Bewährungsauflagen hält (typisch auch Wiedergutmachung). Über dem Betroffenen hängt dann das Damoklesschwert des Bewährungswiderrufs. Ich kenne Viele, die das Datum genau im Kopf haben im Sinne einer Befreiung (nicht in dem Sinne, gleich da weiterzumachen, wo er aufgehört hat).
Die reflexartige Rekation bei schweren Straftaten im Sinne von "ab in Knast" verstehe ich schon, unser System macht aber durchaus Sinn.
Zitat von badenserin im Beitrag #2299Es geht nicht "nur" um eine das Opfer möglicherweise schwer belastende Aussage, auch wenn das bereits schwer wiegt, angefangen von der Wiederholung des Erlebten, über eine harte Befragung der Verteidigung bis hin zu einem möglicherweise ganz anderen Ausgang des Verfahrens als eigentlich zu erwarten gewesen wäre (Bsp: Opferzeugin widerspricht sich, lässt sich verunsichern, hat vielleicht keinen Zeugenbeistand, erlebt eine Einstellung oder gar einen Freispruch).
Das jedem eine Bewährungsstrafe egal ist, denke ich auch nicht.
Besonders schlimm finde ich diese Praxis im Bezug auf sexuelle Gewalt. Das, was ich zitiert habe, ist furchtbar. Das retraumatisiert manche Opfer zusätzlich.
Mein Gedanke ist, das sich da was ändern müsste. Was genau, weiß ich nicht, ich denke an Videoaussagen, die nicht wiederholt werden müssten, oder ein Gebot oder Verbot bestimmter Befragungsweisen der Verteidiger oder vielleicht gibt es was ganz anderes, was helfen würde.
Aber zZ ist es doch de Facto so: der Täter entscheidet sich für oder gegen Aussage. Das heißt auch: dafür, das das Opfer sprechen muss oder nicht.
Dafür kann er ein milderes Strafmaß erreichen. Und das Opfer? Lebt in Erwartung der Entscheidung des Täters. Falls der Täter entschieden hat, zu schweigen, muss das Opfer sich der Befragung stellen.
Wer nichts in der Hand hat, diesem Prozedere wieder ohnmächtig ausgeliefert ist: das Opfer.