Hm - wenn Frau Wagenknecht unseren Wohlstand bewahren will, dann müsste sie aber mal über die Ukraine hinaus denken. Wenn Putin damit durchkommt, sich weitere Teile der Ukraine einzuverleiben, was macht er (bzw. die Nachfolger) danach? Die baltischen Staaten - in denen gibt es ja auch russische Minderheiten, die man "retten" kann? Polen? Nach Polen kommen dann wir, mindestens unsere östliche Hälfte war schließlich Teil des früheren sowjetischen Einflussgebiets. Die hätte Putin sicher auch gerne wieder und wenn er schon dabei ist, gleich noch den Rest.
Mit unserem Wohlstand wäre es dann nicht mehr so arg weit her.
Ich weiß nicht, ob Frau Wagenknecht "den deutschen Wohlstand sichern" will, oder ob das jetzt von einigen so interpretiert wird weil es für sie auf das selbe hinausläuft?
Weil, wenn es um "Wohlstand sichern" ginge, dann wäre sie damit in der FDP besser aufgehoben, allerdings im Moment weniger, ukrainetechnisch.
Wenn, dann meint sie doch eher Armut verhindern?
Ich denke, dass auch eine Frau Wagenknecht nicht nur die Ängsten und Sorgen wahrnimmt (das ist auch ok!), sondern damit arbeitet. Ob ihre Strategie (Aufhebung aller Sanktionen gegen Russland) wirklich zu diesem Ziel führen würde, das sehe ich nicht.
Da spielen derzeit noch ganz andere Dinge eine Rolle, z.B. Spekulationen auf Rohstoffe, inkl. der Übergewinne. Da würde ich lieber mal was dazu hören, sie hat sich aber, denke ich, ganz bewußt den Punkt rausgepickt, der am wenigsten komplex ist und wo sie sich eine solide Protestgemeinde verspricht.
Zitat von print im Beitrag #827Da spielen derzeit noch ganz andere Dinge eine Rolle, z.B. Spekulationen auf Rohstoffe, inkl. der Übergewinne. Da würde ich lieber mal was dazu hören, sie hat sich aber, denke ich, ganz bewußt den Punkt rausgepickt, der am wenigsten komplex ist und wo sie sich eine solide Protestgemeinde verspricht.
Hm, ich fand Wagenknecht in der Sendung wirklich gar nicht unterkomplex argumentierend o.ä.
Im Gegenteil, sie ist extrem informiert, hat alle Zusammenhänge, Zahlen und Kausalketten parat und weicht keiner Frage aus. Die 3 Gesprächspartner ließ sie intellektuell mMn weit hinter sich.
Wagenknecht hat übrigens einen Doktor in Volkswirtschaftslehre. Denke, dass sie auf fundiertes Wissen zurückgreifen kann
Hat sie denn das Thema Spekulationen auf Energiepreise auch erwähnt? Das "Strompreisdesign" (merit order-Prinzip), welches den Strompreis sehr stark nach oben treibt? Nur 2 Beispiele, was abseits der Sanktionen noch so passiert.
Oder ging es ihr nur um die Sanktionen = die sind die alleinige Ursache für alle akuten Probleme, insbesondere bei den Energiepreisen (um die geht es ja auch wohl bei der Forderung: "Sanktionen beenden" ?
Zitat von print im Beitrag #829Hat sie denn das Thema Spekulationen auf Energiepreise auch erwähnt? Das "Strompreisdesign" (merit order-Prinzip), welches den Strompreis sehr stark nach oben treibt?
Ich denke, sowas war dabei (bin aber nicht sicher). Sie hat mehrere Aspekte der Energiepolitik kritisiert, die Sendung ging ja eine Stunde. Aber Fokus war Ukraine + Sanktionen
Zitat von print im Beitrag #829Hat sie denn das Thema Spekulationen auf Energiepreise auch erwähnt? Das "Strompreisdesign" (merit order-Prinzip), welches den Strompreis sehr stark nach oben treibt?
Ich denke, sowas war dabei (bin aber nicht sicher). Sie hat mehrere Aspekte der Energiepolitik kritisiert, die Sendung ging ja eine Stunde. Aber Fokus war Ukraine + Sanktionen
Ich könnte mich nicht erinnern, daß sie das formulierte, oder die Politik, mit den Folgen der Sanktionen umzugehen, kritisierte. Sie will die Sanktionen als solche abstellen.
Und, daß der Westen, insbesondere Deutschland, auf ein „Kriegsende“ hinwirkt, per Verhandlung. Auf den Einwand, Putin wolle ja nicht verhandeln, kam dann, es könne natürlich keine Verhandlungen geben, wenn „man“ (insbesondere auch Selensky) Putin kein Angebot zum Verhandeln macht. Ich hätte bald den Tee auf dem Monitor verteilt.
Das war fast Wort für Wort das, was Frau Weidel bei Maischberger von sich gab!
Ich bin nicht „im Spektrum“. Aber mein EQ ist tatsächlich etwas niedrig.
Zitat von print im Beitrag #827Ich weiß nicht, ob Frau Wagenknecht "den deutschen Wohlstand sichern" will, oder ob das jetzt von einigen so interpretiert wird weil es für sie auf das selbe hinausläuft?
Weil, wenn es um "Wohlstand sichern" ginge, dann wäre sie damit in der FDP besser aufgehoben, allerdings im Moment weniger, ukrainetechnisch.
Wenn, dann meint sie doch eher Armut verhindern?
„Wohlstand sichern“ war meine Übersetzung für den Grund ihrer Forderungen, Denn die Sanktionen werden aus ihrer Sicht zu einem ziemlichen Zusammenbruch unserer deutschen Wirtschaft führen. Was alle bedroht. Von „Armut verhindern“ sprach sie nicht.
ZitatIch denke, dass auch eine Frau Wagenknecht nicht nur die Ängsten und Sorgen wahrnimmt (das ist auch ok!), sondern damit arbeitet.Ob ihre Strategie (Aufhebung aller Sanktionen gegen Russland) wirklich zu diesem Ziel führen würde, das sehe ich nicht. Da spielen derzeit noch ganz andere Dinge eine Rolle, z.B. Spekulationen auf Rohstoffe, inkl. der Übergewinne. Da würde ich lieber mal was dazu hören, sie hat sich aber, denke ich, ganz bewußt den Punkt rausgepickt, der am wenigsten komplex ist und wo sie sich eine solide Protestgemeinde verspricht.
Genau das hat Lanz auch gesagt - „Sie können mir nicht erzählen, daß sie sich da irgendwo versehentlich unklar ausdrücken, sie überlegen sich immer genau, was sie sagen. Dazu kenne ich Ihre Publikationen (gesprochen und geschrieben) zu gut.“ (kein Wörtliches Zitat, nur so ungefähr hat er es ausgedrückt.
Ich bin nicht „im Spektrum“. Aber mein EQ ist tatsächlich etwas niedrig.
Zitat von Nora im Beitrag #817Die Quintessenz dessen, was sie sagt, ist nämlich: „Für uns steht der Wohlstand des eigenen Landes vor dem Einsatz für die Ukraine"
Ja, sie sagt offen, dass sie für Deutschland spricht - dass sie es als dt. linke Politikerin als ihre Aufgabe ansieht, unseren Wohlstand zu sichern, insbesondere für untere und mittlere Einkommensschichten. Finde ich total nachvollziehbar - du nicht?
Nein, das würde ich eher bei der FDP vermuten. Oder eben - wie ja bei Maischberger zu hören, bei der AfD.
Zitatsie sagt, dass die Sanktionen der Ukraine nicht helfen. Dass die Rechnung "weniger deutscher Wohlstand = Einsatz für Ukraine" nicht stimmt, dass diese Idee eine Illusion ist. Weil Putin infolge der Sanktionen mehr am Gas verdient als zuvor und munter weiter Krieg führen kann. Dass wir uns sinnlos zugrunde richten mit den Sanktionen.
Das ist der Punkt - wer hat dafür Zahlen? Bis jetzt habe ich weder für Pro noch für Contra welche gesehen.
Die Frage ist aber auch - schauen wir dem Irren einfach zu, und sagen indirekt „Paßt scho, Wladi!“ Denn das würde „Ende der Sanktionen“ bedeuten.
ZitatSie sagt nicht, "die Ukraine soll aufgeben"
Doch. Sie sagt ganz klar, daß Selensky Putin „ein Angebot machen müsse!“ Geht es noch? Würde sie das auch einer Frau raten, die von ihrem Partner verprügelt wird? „Sei einfach ein bisschen lieb zu ihm, dann wird er auch wieder nett sein!“ Das funktioniert ebensowenig.
ZitatSie sagt einfach, die Sanktionen sind die falsche Taktik. Mehr nicht. Warum ist das denn so problematisch? Warum kann man darüber nicht sachlich reden?
Weil sie keine Alternative anbietet, die irgendwie wirksam erscheint.
ZitatWarum wird sie für diese Meinung gebasht und als Putin-freundlich verleumdet?
Weil sie nur nebenbei erwähnt (auf konkretes Nachfragen), daß Putin, ja, doch, schon, den Krieg sngezettelt hat, und das das ja nicht in Ordnung ist.
ZitatWie sollen wir je zu sinnvollen Lösungen in der Ukrainefrage kommen, wenn wir solche sachlichen Meinungen nicht einbeziehen wollen?
Ich weiß nicht, ob es eine sachliche Meinung ist. Dazu müßten mal Zahlen auf den Tisch . Der russische Diskutant Leonid Wolkow (leider nicht so flüssig auf Deutsch) hatte welche, die sagen „Sanktionen greifen“. Wagenknecht hatte keine anderen zum Vergleich parat, daher steht es da unentschieden.
Ich bin nicht „im Spektrum“. Aber mein EQ ist tatsächlich etwas niedrig.
Zitat von PhoeNixa im Beitrag #807.... Ich war ebenfallls entsetzt, fassungslos, fast am Heulen! Und dann hab ich Berichtfe gesehen : All die iranischen Frauen und die erstaunlich vielen Männer, die protestieren, , angehen gegen dieses Unrechtssystem. All meine guten Wünsche und Gedanken sind bei ihnen. Ja, das mag naiv und weltfremd klingen. Doch von hier kann ich nichts anderes tun, als Solidarität zu bekunden. Und zu hoffen, dass es überall auf der Welt Unterstüzung gibt, die mehr Gewicht hat als meine solidarischen Gedanken,
Ich finds allerdings schlimm, dass sich die Proteste nicht im Vorfeld gerührt haben, sondern dass sie erst durch den Tod der jungen Frau aufgerüttelt worden sind.
Zitat von schlaucher im Beitrag #805Ich empfehle einen Blick in die Kommentare unter der Sendung - die Zustimmung zu Wagenknechts Aussagen ist riesig.
Ja, das ist das Problem im Netz. Es schafft eine Illusion von "Mehrheiten". Prinzipiell ist es aber so, dass die Mehrheit der Menschen sich nicht in einer derartigen Form äußert und am Diskurs beteiligt. Wenn dich Mehrheiten interessieren dann musst du Umfragen lesen. (Und nur am Rande, weil hier ot: die Sanktionen kommen durchaus in Russland an, es ist nur russische Propaganda, dass es nicht so wäre.)
Umfragen? Da muss man sich nur umschauen und Nachrichten hören, welche Betriebe gerade in die Pleite gehen. Es gibt in der Hinsicht doch nur noch Negativ-Nachrichten.
Und: Deutschland hat der Ukraine Unterstützung im Wiederaufbau nach dem Krieg zugesagt. Wie soll Deutschland das leisten, wenn hier alles zusammen bricht?
Und was schlägst du dann vor als Lösung?
Mit dieser Frage habe ich schon im Vorfeld gerechnet.
Gegenfrage: wie können wir denn in Deutschland einen wirtschaftlichen Zusammenbruch verhindern? Denn der kommt.
Zitat von Malaita im Beitrag #836Gegenfrage: wie können wir denn in Deutschland einen wirtschaftlichen Zusammenbruch verhindern? Denn der kommt.
Das ist doch Quatsch in dieser Form wie du das hier darstellst. Klar, 3 % Minus beim Wirtschaftswachstum wird uns schon immer gerne mal als Zusammenbruch verkauft.
Aber gerade gestern waren sich auch die Diskutierenden bei Maybrit Illner einig, dass es um an das billige Öl aus Russland zu kommen einen "brutalen Lobbyismus" der Wirtschaft gegenüber der Regierung gegeben hat. Das war in deren Interesse und nun müssen wir diese Suppe halt auslöffeln.
Utopisch? Mag sein, aber wer sich nichts wünscht, dem kann man nichts erfüllen ...
Zitat von Malaita im Beitrag #834Ich finds allerdings schlimm, dass sich die Proteste nicht im Vorfeld gerührt haben, sondern dass sie erst durch den Tod der jungen Frau aufgerüttelt worden sind.
Das stimmt nicht. Es gab schon lange proteste; dieses ereignis hat dem ganzen aber eine andere dynamik gegeben. Nur weil wir sie nicht zur kenntnis genommen haben, heisst es noch lange nicht, dass sie nicht existierten. Dazu kommt noch, dass es schwierig ist, der regierung unangenehme informationen aus dem Iran rauszubekommen.
Zitat von Malaita im Beitrag #834 Ich finds allerdings schlimm, dass sich die Proteste nicht im Vorfeld gerührt haben, sondern dass sie erst durch den Tod der jungen Frau aufgerüttelt worden sind.
Im Iran wird rechnerisch jeden Tag mindestens ein Mensch hingerichtet, werden unzählige Menschen nach hanebüchenen Anklagen in Gefängnissen gefoltert und misshandelt, bestimmt nicht nur wegen krimineller Vergehen. Wenn sich jetzt im ganzen Land unzählige Demonstrierende dem Regime entgegenstellen, ihre Freiheit, ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel setzen, haben sie m. E. großen Respekt dafür verdient. Vom gemütlichen Sofa aus rumzumäkeln finde ich, unangemessen, um nicht zu sagen schäbig.
Wenn wir die Würde anderer Menschen nicht achten, indem wir sie gegen Geld in irgendwelche Drittstaaten weiterreichen, so wie unseren Plastikmüll, dann verletzen wir auch unsere eigene Würde.
Wenn wir die Würde anderer Menschen nicht achten, indem wir sie gegen Geld in irgendwelche Drittstaaten weiterreichen, so wie unseren Plastikmüll, dann verletzen wir auch unsere eigene Würde.
Gegenfrage: wie können wir denn in Deutschland einen wirtschaftlichen Zusammenbruch verhindern? Denn der kommt.
Nachd heutigen Zeitungsberichten kommen jeden Tag über die Balkanroute allein nur nach Dresden ca. 100 Flüchtlinge an. Vielleicht hilft uns das ja gegen einen wirtschaftlichen Zusammenbruch
Zitat von Mandoline im Beitrag #842 Nachd heutigen Zeitungsberichten kommen jeden Tag über die Balkanroute allein nur nach Dresden ca. 100 Flüchtlinge an. Vielleicht hilft uns das ja gegen einen wirtschaftlichen Zusammenbruch
Das würde voraussetzen, dass sie so schnell und umfassend unterstützt werden, wie Geflüchtete aus der Ukraine.
Wenn wir die Würde anderer Menschen nicht achten, indem wir sie gegen Geld in irgendwelche Drittstaaten weiterreichen, so wie unseren Plastikmüll, dann verletzen wir auch unsere eigene Würde.
Eigentlich macht mich fassungslos, dass immer nur konkrete einzelereignisse genommen und politisch für zwecke eingespannt werden. Wer betrachtet denn den kontext und die zusammenhänge, um daraus lehren zu ziehen und entsprechende politik zu machen?
Ja, der wirtschaft geht es schlechter als noch vor kurzem. Viele menschen müssen abstriche machen; am meisten die, die dafür gar keine puffer haben. Ist daran der Krieg schuld? Nur für die kurzsichtigen, die nicht weiter als bis zur eigenen agenda gucken können.
Das system, das wir haben, kracht an allen ecken und enden. Wie print schon schrieb, da gab es mal die Ölkrise. Es gab die warnungen des Club of Rome. Es gibt stärker werdende stürme. Flutkatastrophen häufen sich, ebenso die dürreperioden, die auch noch länger werden. Es gibt immer mehr menschen, die leben wollen. Gleichzeitig wird immer mehr materielles von unten nach oben umverteilt. Wir zerstören mit schwung die einzige lebensgrundlage, die wir haben.
Darauf gehört haben die allermeisten nicht, geschweige denn etwas für einen wandel getan. Es geht immer weiter und weiter, während uns die natur und die menschen immer grössere brocken in den weg legen. Der Krieg ist nur ein brocken unter vielen, wenn auch besonders gross und nah. Trotzdem führt er uns nur vor augen, was wir in der vergangenheit alles versäumt haben. Selbst wenn es frieden gäbe und die wirtschaft liefe, wird an der nächsten wegbiegung schon der nächste grosse brocken darauf warten, uns auf die füsse zu fallen.
Ich finde, es ist schon einiges in Bewegung inzwischen, nur leider (zu) spät, es wird wohl auf eine neue Normalität hinauslaufen.
Z.B. mit Energie, die teurer sein wird - aber deswegen auch nicht mehr so verschwenderisch damit umgegangen werden kann. Die Härten werden abgefedert werden, aber "so wie vorher" wird es nicht mehr werden.
Optimisten können auch auf einen Innovationsschub hoffen, ich bin da neutral, weil ich es mir nicht vorstellen kann (mir fehlt das technische Wissen).
Wie daggy schon schrieb, es ist nicht nur dieser Krieg, auch der Klimawandel beschert uns einiges an Veränderung. Dabei wird sich der durch die akute Not (Krieg/Sanktionen) voran getriebene Energiewandel eher positiv auswirken.
Fazit: der nächste Winter wird hart und danach wird es nicht mehr so wie früher, aber ausnahmsweise passt für mich der alte Spruch: wer weiß, wofür so manches gut ist.
Aber: haha. Club of Rome ist 50 Jahre her. 50. In diesen 50 Jahren war immer irgendwas, der momentane Krieg ist ja auch nicht der einzige, der in den letzten 50 Jahren geführt wurde. Es war immer etwas wichtiger und das wird auch weiter so sein.
Signatur:
Gib dem Leben Farbe, bring dich ein mit einem Wort, einem Lächeln.
"Kein Ziel und keine Ehre, keine Pflicht, sind's wert, dafür zu töten und zu sterben" (R. Mey)