Zitat von Neustart im Beitrag #7738Ich denke (und hoffe), sie werden die Quittung für ihren Auftritt bekommen
Da bin ich mir nicht sicher. Deutschland ist und bleibt ein Autofahrerland. Ich habe zig mal bei der Stadt große Schäden im Fahrradweg gemeldet. Nichts passiert.
Ein Loch in der Straße wird umgehend geflickt.
Die Autofahrer werden freudestrahlend zur Wahlurne maschieren.
Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit regen ja hierzulande kaum noch jemanden auf (mich schon). Hier mal ein Beispiel, mit welcher Finesse und krimineller Energie manche gastronomischen Betriebe ihre Umsätze an Abagen vorbeischleusen - per App auf dem IPhone. ... Wer Steuern hinterziehen wollte, bekam einen zehnstelligen Code, mit dem man die App freischalten konnte. Sie griff dann per WLAN auf den Speicher der Hauptkasse zu und erlaubte es komfortabel, die erzielten Umsätze zusammenzustreichen und so den Tagesabschluss zu fälschen. Laut den Ermittlungsbehörden sind die Programmierer geschickt vorgegangen. Die Kasse erfasste automatisch, welche Zahlungen von Finanzbeamten überprüfbar sind, weil etwa per Kreditkarte bezahlt wurde oder ein Bewirtungsbeleg ausgedruckt wurde. Diese Buchungen waren vor einer Löschung geschützt, alle anderen Zahlungen standen laut den Ermittlern zur Disposition. ...
Buchführungskenntnisse waren dafür unnötig, es genügte nach Angaben der Steuerfahnder, einen Schieberegler auf das gewünschte Ausmaß der Steuerhinterziehung einzustellen. Stand der Regler etwa auf 50 Prozent, wäre die Hälfte der Einnahmen dem Finanzamt verschwiegen worden.
Für nicht eingeweihte Mitarbeiter eines Gastrobetriebs habe das System so ausgesehen, als würde alles korrekt verbucht. Niemand habe täglich entscheiden müssen, welche Beträge man aus dem offiziellen Kassenbuch löscht. Mit weniger Mitwissern sinkt auch die Gefahr, überführt zu werden. ... Doch diese Form des Betrugs wurde durch die neuen gesetzlichen Sicherheitsmaßnahmen von 2020 obsolet. Durch den Einsatz einer TSE [Technsche Sicherheitseinrichtung, ein geschätzter Datenspeicher] ist es nicht mehr möglich, einmal gespeicherte Buchungen spurlos von der Hauptkasse zu löschen, der »Budget Cutter« funktionierte also nicht mehr. Die Programmierer der JGastro-Kassen mussten sich etwas Neues einfallen lassen.
Laut Ermittlungsergebnissen fanden sie eine pfiffige Lösung: Man musste keine Buchungen aus dem gesicherten Speicher löschen, wenn diese Buchungen dort erst gar nicht abgespeichert werden. Stattdessen wurde eine Art Phantom-Kasse eingerichtet. Restaurantbetreiber seien angehalten worden, ein iPhone im Lokal zu deponieren, auf dem eine neue App des Kassenherstellers installiert war.
Statt das Kassenbuch jeden Abend zusammenzustreichen, habe die Manipulation nun quasi in Echtzeit stattgefunden. Jede Buchung wurde dabei zunächst auf den Speicher des Extra-iPhones geschrieben, nicht auf die TSE der Hauptkasse. Welche Umsätze schließlich abgespeichert wurden, entschied demnach der Schieberegler. Durch eine konsequent umgesetzte Bonpflicht sollte ein solcher Missbrauch schnell auffallen, da die Bons normalerweise durch eine Signatur belegen, dass die Buchung korrekt abgespeichert wurde. Ohne diesen Beleg – ob digital oder auf Papier – fehlt dieser Nachweis.
Die Programmierer bewiesen dabei enorme Sachkenntnis. Wenn Steuerprüfer eine Kasse schnell überprüfen wollen, fordern sie normalerweise einen sogenannten »X-Bon« an, auf dem die bisherigen Tagesumsätze verzeichnet sind. Für die manipulierten JGastro-Kassen war das ein Alarmsignal. Sie schalteten in dem Fall auf einen Notfallmodus und schrieben kurzerhand alle Umsätze auf den Speicher, sodass zumindest die Buchführung für diesen Tag korrekt und unangreifbar war. ... Kernproblem: es wird einfach nicht genügend und nicht ausreichend genau kontrolliert.
Wie auch bei den Steuerprüfungen von MillionärInnen: ... Demnach gab es im Jahr 2022 in Deutschland insgesamt 15.133 Einkommensmillionäre in Deutschland. Bei 870 von ihnen wurden Steuerprüfungen bisher abgeschlossen – in 661 Fällen mussten Steuern nachgezahlt werden. Das brachte der Staatskasse Mehreinnahmen von 94,6 Millionen Euro. Das Bundesfinanzministerium verweist darauf, dass die Besteuerungsverfahren Sache der Länder sind. Sie melden ihre Ergebnisse auf freiwilliger Basis ans Ministerium unter der Maßgabe, dass sie nicht nach Ländern aufgeschlüsselt verwendet werden dürfen. Somit kann man auch nicht sagen, in welchem Bundesland die Einkommensmillionäre am eifrigsten überprüft werden.
Deutschlandweit ist der Trend jedoch eindeutig: Seit 2013 nimmt die Zahl der Prüfungen bei den Spitzenverdienern stetig ab. Wurden vor zehn Jahren noch 15 Prozent aller Steuererklärungen bei den Millionären überprüft, waren es im Jahr 2020 lediglich sechs Prozent. Einzig 2021 wurde wieder mehr kontrolliert, hier hat sich die Prüfquote mehr als verdoppelt: 13,6 Prozent der Steuererklärungen wurden nachgeprüft. Sie brachten dem Staat üppige Mehreinnahmen von 135 Millionen Euro.
Doch das war offensichtlich eine Ausnahme: 2022 war die Quote wieder auf sechs Prozent abgesackt. Dabei lohnt sich der Aufwand: Vor zwei Jahren etwa brachte jede abgeschlossene Steuerprüfung bei Einkommensmillionären durchschnittlich 312.224 Euro mehr an Steuern ein. ... https://www.berliner-zeitung.de/politik-...chten-li.352841
Nützt auch nichts, dass selbst das Bundesverfassungsgericht bzw. Bundesrechnungshof den unzureichenden (und sinkenden) Prozentsatz an Steuerprüfungen bei Spitzeneinkommen seit über 10 Jahren kritisiert.
Zitat von Neustart im Beitrag #7738Ich denke (und hoffe), sie werden die Quittung für ihren Auftritt bekommen
Da bin ich mir nicht sicher. Deutschland ist und bleibt ein Autofahrerland. Ich habe zig mal bei der Stadt große Schäden im Fahrradweg gemeldet. Nichts passiert.
Ein Loch in der Straße wird umgehend geflickt.
Die Autofahrer werden freudestrahlend zur Wahlurne maschieren.
Wo werden denn Straßen umgehend geflickt ? Also hier ( Ruhrgebiet ) definitiv nicht.
Zitat von Neustart im Beitrag #7738Ich denke (und hoffe), sie werden die Quittung für ihren Auftritt bekommen
Da bin ich mir nicht sicher. Deutschland ist und bleibt ein Autofahrerland. Ich habe zig mal bei der Stadt große Schäden im Fahrradweg gemeldet. Nichts passiert.
Ein Loch in der Straße wird umgehend geflickt.
Die Autofahrer werden freudestrahlend zur Wahlurne maschieren.
Wo werden denn Straßen umgehend geflickt ? Also hier ( Ruhrgebiet ) definitiv nicht.
Hier in Bayern definitiv nicht. Brücken, die seit Jahrzehnten (!) kaputt sind, werden nicht repariert, da geht bis kurz vor Zusammenbruch.
Mein Psychologe meinte, ich solle spazierengehen, wenn ich wütend bin. Langer Rede kurzer Sinn: ich bin jetzt in Italien.
@Nicolo, Stichwort Steuerhinterziehung in der Gastronomie: für mich ist der Artikel hinter einer Bezahlschranke, hab kein Spiegel Abo mehr. Steht da, von wem das Kassensystem bzw. die Software ist? Ist das die Sache vorm Landgericht Osnabrück?
Mein Psychologe meinte, ich solle spazierengehen, wenn ich wütend bin. Langer Rede kurzer Sinn: ich bin jetzt in Italien.
Zitat von BBlueVelvet im Beitrag #7757@Nicolo, Stichwort Steuerhinterziehung in der Gastronomie: für mich ist der Artikel hinter einer Bezahlschranke, hab kein Spiegel Abo mehr. Steht da, von wem das Kassensystem bzw. die Software ist? Ist das die Sache vorm Landgericht Osnabrück?
Ja, der Prozess läuft in Osnabrück, ermitteln tut die Staatsanwaltschaft Oldenburg, die sich auf das Thema spezialisiert hat. Zur Größenordnung: Die Ermittler kamen bei einem Chinarestaurant in Papenburg zum Ergebnis, dass die Abschlüsse an mindestens 513 Tagen manipuliert waren. Der Fehlbetrag summierte sich laut Urteil auf 494.751,57 Euro.
Benannt wurden manipulierte Kassensystem von Multiway, Geräte der Marke JGastro von der Frankfurter Firma JJIT sowie eine App namens BudgetCutter.
Zitat von BBlueVelvet im Beitrag #7757@Nicolo, Stichwort Steuerhinterziehung in der Gastronomie: für mich ist der Artikel hinter einer Bezahlschranke, hab kein Spiegel Abo mehr. Steht da, von wem das Kassensystem bzw. die Software ist? Ist das die Sache vorm Landgericht Osnabrück?
Ja, der Prozess läuft in Osnabrück, ermitteln tut die Staatsanwaltschaft Oldenburg, die sich auf das Thema spezialisiert hat. Zur Größenordnung: Die Ermittler kamen bei einem Chinarestaurant in Papenburg zum Ergebnis, dass die Abschlüsse an mindestens 513 Tagen manipuliert waren. Der Fehlbetrag summierte sich laut Urteil auf 494.751,57 Euro.
Benannt wurden manipulierte Kassensystem von Multiway, Geräte der Marke JGastro von der Frankfurter Firma JJIT sowie eine App namens BudgetCutter.
Danke, kommt mir bekannt vor. Das hatte ich mal im Juni gelesen. Also in der SZ+ aber hier steht’s auch gut: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat beim Landgericht Osnabrück Anklage gegen einen 39 Jahre alten Geschäftsführer aus Hessen erhoben. Seine Firma soll eine Kassensoftware entwickelt und vertrieben haben, mit der Gastronomen Zahlungen von Gästen nachträglich per App aus der Kasse löschen konnten, heißt es von der Staatsanwaltschaft Oldenburg. Sie wirft dem Angeschuldigten Beihilfe zur Steuerhinterziehung in fünf Fällen und Beihilfe zum Fälschen technischer Aufzeichnungen vor. Gastronomen in Papenburg (Landkreis Emsland), Haselünne (Landkreis Emsland), Wilhelmshaven, Leer und Ganderkesee (Landkreis Oldenburg) sollen mithilfe der Software Steuern in Höhe von mehr als 880.000 Euro hinterzogen haben. (Woanders stand was von 189 Kunden)
Bundesweit schätzt die Staatsanwaltschaft den Steuerschaden, der durch die Manipulationssoftware entstanden ist, auf rund 140 Millionen Euro.
Da ist der Schuhbeck Fonse ja direkt ein Waisenknäbchen dagegen. (nicht ganz ernst gemeint)
Wie kann man nur so blöd sein und nicht denken, dass das früher oder später auffliegt? Viel zu viele Beteiligte, irgendwann fliegt sowas immer auf.
Mein Psychologe meinte, ich solle spazierengehen, wenn ich wütend bin. Langer Rede kurzer Sinn: ich bin jetzt in Italien.
Zitat von Nicolo im Beitrag #7753Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit regen ja hierzulande kaum noch jemanden auf (mich schon). Hier mal ein Beispiel, [...]. [...]
Wie auch bei den Steuerprüfungen von MillionärInnen: [...]
Nützt auch nichts, dass selbst das Bundesverfassungsgericht bzw. Bundesrechnungshof den unzureichenden (und sinkenden) Prozentsatz an Steuerprüfungen bei Spitzeneinkommen seit über 10 Jahren kritisiert.
Was mich daran auch total aufregt ist, dass bei Klimaschutz, Bildung, Erziehung und Pflege, Hilfen für Arme und Schwache etc. pp. immer und sofort rumgeheult wird, das müsse man sich aber erstmal leiiiiiiisten können, und wer soll das erwiiiiiirtschaften! 😭 Aber bestimmte andere Dinge, wie eben Verluste von legitimen Steuereinnahmen, leistet sich der Staat / die Gesellschaft ohne mit der Wimper zu zucken. Offenbar sind das wichtigere oder würdiger Zwecke, bei denen Geld keine Rolle spielt. Oder sie finanzieren und erwirtschaften sich aus dem Feenland. Oder man will den Besitzstand nicht enervieren, damit der Trickle-Down-Effekt schön weiter funktioniert. Was weiß eine realitätsferne Hippie-Tussi wie ich schon davon?
"It has to be possible to feel the pain in one community without denying it to the other. It has to be!" John Oliver
Moderatorin in den Foren zu Beziehung und Sex, zu Kunst, Musik und Literatur, zu Politik und Tagesgeschen und zum Handwerken (warum auch immer). Ueberall sonst gilt: Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen.
"Wall Street Journal: Ukraine hinter Nord-Stream-Sprengung, Berlin wusste Bescheid Deutschland war laut der amerikanischen Zeitung schon vor dem Anschlag informiert."
"Erste Hinweise auf einen möglichen Anschlag durch ein Kommando aus der Ukraine erlangte offenbar der niederländische Militärgeheimdienst MIVD. Die Niederländer hatten demnach Kenntnis von einem Anschlagsplan auf die Pipeline von Nord-Stream 1 erhalten. Laut MIVD sollte der Anschlag bereits im Juni 2022 stattfinden, unter Nutzung eines angemieteten Bootes.Die Niederländer teilten ihre Erkenntnisse offenbar zunächst mit den USA und warnten dann auch diverse europäische Staaten, darunter Deutschland, vor dem möglichen Anschlag" https://www.tagesschau.de/ausland/europa...%2C%20vor%20dem
Zitat von Lilith10 im Beitrag #7766Ich bin etwas verwirrt
musst du nicht.
das es Hinweise auf einen Anschlag gab stand schon recht früh nach dem Anschlag in den Medien... ich konnte allerdings auf die Schnelle nur einen Spiegel-Artikel von Juni 2023 finden... "Wie die »Washington Post« berichtet , habe der US-Auslandsgeheimdienst CIA bereits im Juni 2022 und damit drei Monate vor den Detonationen von einem ukrainischen Plan für einen solchen Anschlag erfahren." (Quelle-spiegel)
"Ich bin der Meinung, dass der Anschlag und die Unterstützung der Ukraine nicht miteinander vermengt werden sollten. Es ist unser eigenes Interesse, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnt. Anton Hofreiter, Bündnis 90/Die Grünen" https://www.zdf.de/nachrichten/politik/d...e%20Gr%C3%BCnen
Na, letztendlich für viele auch egal, wie und wer es war.
Mich würde es fassungslos machen. Aber wer bin ich schon
Ein Netzfund, auf absurde Art lustig. Man könnte meinen, Lindner wäre schon immer einfach nur ein aufgeblasener Schwätzer gewesen ... hüstel. https://m.youtube.com/watch?v=w0rL6Ju9H2Q
Utopisch? Mag sein, aber wer sich nichts wünscht, dem kann man nichts erfüllen ...
Ja. Wer richtig hingehört hat, wusste das schon länger. Abitur nur wegen des Zeugnisses, "beibringen kann ihnen dort niemand was" - ja, genau so kommt er rüber. Hält sich für schlauer als alle anderen.