Fassungslos bei diesem Thema macht mich neben dem Ergebnis auch die tiefe Wahlbeteiligung. Dabei ist es nirgends so einfach wie hier zu wählen, zB per Briefwahl, die man nicht einmal beantragen muss. Es wird jedem Wähler direkt zugestellt.
Ich bin auch fassungslos, aus den bereits genannten Gründen.
Füge noch hinzu:
- der durchschnittlich hohe Wohlstand hat offensichtlich keinen Einfluss - Das Vorhandensein von Direktabstimmungen über einzelne Themen hat keinen Einfluss
Das entkräftet auch einige Argumente die für D immer wieder angebracht werden: dass sich der Rechtsruck nur deswegen entwickelt hat weil so viele Rentner Flaschen sammeln müssen (sorry für die Überspitzung) und den Bürgern nicht zugehört wird (die sich ja in der Schweiz sehr wohl artikulieren können über die Direktabstimmungen).
Die Schweiz wird aktuell überrannt, weniger Migranten als viel mehr (EU) Auswanderer.
Soviele neue Arbeitsplätze gibt es dort auch nicht, es existiert also ein Konkurrenzkampf.
In den Städten die gleiche Wohnungsknappheit wie in D.
Die Infrastruktur tw. überlastet und nicht mitgewachsen.
Viele Schweizer schauen auch mit Entsetzen, was gerade in D passiert, das wollen sie auf keinen Fall.
Die Schweizer sind auch von der Mentalität her gern ein Volk, das unter sich bleibt. Schwierig zu beschreiben, das sind Ängste, die unter dem Deckmantel der "Tradition" und der heimeligen Vorstellung "früher war alles besser" geschürt werden.
PS: hoffentlich habe ich anwesende Schweizer nicht brüskiert, aber das war eben mein Eindruck, als ich dort lebte
Ja, es wird dort auch überlegt, ob man das "richtige" Wirtschaftswachstum hat (unabhängig von der SVP). Beispielsweise, ob es sich wirklich lohnt, den Tourismus- und Gastrosektor zu fördern, weil der im Vergleich zu anderen Branchen nicht viel einbringt und die Migration von vergleichsweise Niedrigqualifizierten in diese Jobs eine Menge Folgekosten hat (Wohnen, Schulen, Krankenversorgung), so dass Kosten und Nutzen sich nicht aufwiegen. Und auch von links habe ich Zweifel an der Migration dort schon gehört - dort eher in der Richtung, dass man nicht die Hochqualifizierten anderer Länder abziehen sollte.
@Thinking - ja, aber ist doch wie in D mit der AfD. Wählen können eben auch die "nicht so Gescheiten" 😉, die eine Bedrohung sehen. Auch diese Menschen muss die Politik erreichen.
Und gerade das versteht man nicht, konkrete Lösungen werden von der SVP nicht geliefert. Wenn die Krankenkassenprämien massiv steigen, Jahr für Jahr, die Pensionskassen unter Druck stehen, dann sollte es doch möglich sein, sich mit den Programmen der Parteien auseinanderzusetzen. Da werden sogar den Wählern im Briefwahlcouvert kurze Zusammenfassungen dieser Programme zugestellt. Einfacher gehts nicht. Wir sind ja hier im Fassungslosen ;-)
Das beschreibt ungefähr, was ich unterschwellig schon einige Zeit bemerke, bis jetzt aber nicht fassen konnte. Ich denke, das erklärt einiges von dem, was hier fassungslos macht.
************************************ Moderatorin in der Pandemie und Politik, bei der Nachhaltigkeit, beim Sozialen Engagement und den Festen, bei Klatsch & Tratsch, im Persönlichkeits-, Erziehungs-, Baby-, Familien- und Trauerforum, im Glücklicher leben, bei den Angehörigen, in der allg. Gesundheit, der Kindergesundheit und bei den Krebserkrankungen, in den Krisenbeziehungen, bei den Hobbies, der Photographie und bei den besonderen Ernährungsformen.
Zitat von R_Rokeby im Beitrag #3836Bin besorgt und fürchte, wohin das führt, auch gerade in Österreich....
Interessanterwesie wurde in Polen die PiS-Regierung abgewählt. Trotz sehr vieler Flüchtlinge. Aaaber: Polen hat so gut wie überhaupt keine Flüchtlinge aus dem arabischen und afrikanischen Raum. Daraus könnte man schließen, dass der Rechtsruck in Europa durch die ungelöste illegale Migrationsproblematik ausgelöst wurde (und wird).
Zitat von R_Rokeby im Beitrag #3836Bin besorgt und fürchte, wohin das führt, auch gerade in Österreich....
Interessanterwesie wurde in Polen die PiS-Regierung abgewählt. Trotz sehr vieler Flüchtlinge. Aaaber: Polen hat so gut wie überhaupt keine Flüchtlinge aus dem arabischen und afrikanischen Raum. Daraus könnte man schließen, dass der Rechtsruck in Europa durch die ungelöste illegale Migrationsproblematik ausgelöst wurde (und wird).
Die Migration auch aus dem arabischen und afrikanischen Raum ist nicht illegal, sondern allenfalls irregulär. Einen Asylantrag zu stellen ist nicht illegal. Da man ihn nicht außerhalb der Landesgrenzen stellen kann, ist es nicht strafbar, dafür eine Landesgrenze zu übertreten.
Falls deine These stimmt, frage ich mich nur, warum zumindest in Deutschland auch gegen ukrainische Flüchtlinge gehetzt wurde/wird - die sind ja noch nicht mal irregulär hier.
Zitat von Liberta im Beitrag #3837 Polen hat so gut wie überhaupt keine Flüchtlinge aus dem arabischen und afrikanischen Raum. Daraus könnte man schließen, dass der Rechtsruck in Europa durch die ungelöste illegale Migrationsproblematik ausgelöst wurde (und wird).
weiß nicht. Ich weiß auch gar nicht, ob ein Rechtsruck "ausgelöst" werden kann? Oder ob das nicht latent immer in der Person ist. Wenn nicht da, kann doch nix ausgelöst werden (?)
Ich finde den Strang nebenan, mit den Thesen Hurrelmanns ganz interessant dazu.
Zitat von R_Rokeby im Beitrag #3839Ich weiß auch gar nicht, ob ein Rechtsruck "ausgelöst" werden kann? Oder ob das nicht latent immer in der Person ist. Wenn nicht da, kann doch nix ausgelöst werden (?)
Wenn es in großen Teilen der Bevölkerung über längere Zeit viel Unzufriedenheit mit der Regierung unter der Oberfläche gärt, dann kann sich der Unmut in eine politische Richtung entwickeln, die den rechten Parteien bei den Wahlen zugute kommt. Das hat mit "latent immer in der Person" nichts zu tun.
hm. Aber warum ausgerechnet rechts? Links ginge ja auch?
Unzufriedenheit wird aber häufig mit Rechts konnotiert. Oder korreliert oder wasweißich.
Ich weiß es nicht! Aber ICH bin oft unzufrieden. Mit der Welt, der Regierung, .... bei den Rechten sehe und sähe ich aber keinerlei (Er)Lösung. Das ist einfach nicht in mir. Ich neige dann eher dazu, zu "verbiedermeiern", also Rückzug in mein Bullerbü.
Zitat von Mendo im Beitrag #3828Ich verstehe das schon.
Die Schweiz wird aktuell überrannt, weniger Migranten als viel mehr (EU) Auswanderer.
Soviele neue Arbeitsplätze gibt es dort auch nicht, es existiert also ein Konkurrenzkampf.
In den Städten die gleiche Wohnungsknappheit wie in D.
Die Infrastruktur tw. überlastet und nicht mitgewachsen.
Viele Schweizer schauen auch mit Entsetzen, was gerade in D passiert, das wollen sie auf keinen Fall.
In der Schweiz herrscht Arbeitskräftemangel. Da müssten eigentlich noch viel mehr Leute kommen. Noch mehr Menschen bedeutet aber auch, es werden noch mehr Wohnungen und Infrastruktur gebraucht. Und da braucht es auch wieder Arbeiter zum Bauen. Ein Teufelskreis.
Die Angst vor dem was in Deutschland passiert ? Das ist die Propaganda der SVP, vor dem bösen schwarzen Mann. Hat schon immer gut gewirkt. Das ist ihr Kerngeschäft.
Zum Arbeitsmarkt, aus eigener Erfahrung. Im Institut meines Mann sucht man schon seit Anfang Jahr, zwei neue Mitarbeiter. Es hat sich kein einziger Schweizer beworben. Es haben sich überhaupt sehr wenige beworben. Bedingung war Fachwissen und Deutschkentnisse. Letzteres war auch nicht immer gegeben. Er geht jetzt nächstes Jahr trotzdem in Rente. Weiss nicht was dann wird.
Das alles ist das Ergebnis der sehr Wirtschaftsafinen Politik der SVP. Es braucht immer mehr Arbeitskräfte, aber man will keine Einwanderung mehr.
Kleine Randnotiz, vor Jahren hatte die SVP ein Wahlplakat, wo eine Gruppe weisser Schafe, ein schwarzes hoch in die Luft wegkickt. Wir hatten gerade Besuch aus Australien, dem ist die Kinnlade runtergefallen.
Ich bin in der Auswandergruppe und habe ja lange in der Schweiz gelebt. Meine besten Freunde leben dort. Ich kriege das alles mit.
In der NZZ ist heute ein sehr guter Kommentar, wie die Schweizer Deutschland sehen. Leider Bezahlschranke
In der CH muss man deutlich mehr arbeiten wie in D. Weniger Urlaub, längere Wochenarbeitszeit. Dazu die teure Krankenversicherung und Kinderbetreuungskosten (je nach Kanton). Das schreckt ab.
Kleine Randnotiz, vor Jahren hatte die SVP ein Wahlplakat, wo eine Gruppe weisser Schafe, ein schwarzes hoch in die Luft wegkickt. Wir hatten gerade Besuch aus Australien, dem ist die Kinnlade runtergefallen.
das diesjährige Plakat war aber auch besonders blöd oder?
Australien: nun, die jüngsten Entscheidungen dort zeigen meines Empfindens nach, dass der Paradigmenwechsel / Rechtsruck /.... / ein globales Phänomen zu sein scheint. Wie der Klimawandel.