Ja, das fände ich auch wichtig, dass du weißt, was sie wirklich will. Habt ihr darüber damals schon gesprochen bei der Patientenverfügung? War diese ihr Wunsch oder eher dein Wunsch?
In meiner Familie ist der "Drang zum unbedingten Überleben" nicht sehr ausgeprägt. Wir sind uns alle einig, dass es besser ist, etwas früher zuhause zu sterben, als lange sterbend im Krankenhaus oder Pflegeheim zu sein, deswegen werde ich es - zumindest was den bekannten Willen angeht - einmal leichter haben zu entscheiden und ich hoffe, dass ich mich nicht von falschem Mitleid leiten lassen werde. Ich denke - noch ist es bei uns nicht so weit - dass wir oft genug darüber gesprochen haben, dass ich mir dann irgendwann sicher sein kann, wann der Zeitpunkt erreicht ist und dass keines meiner Elternteile dann lange leiden muss.
Deswegen wünsche ich deiner Mutter und dir, dass sie tatsächlich wieder soweit hergestellt werden kann, dass sie wieder nach Hause kann. Und es klingt so, als bekäme sie da ja auch Besuch.
Ist die Wohnung oder das Haus entsprechend altersgerecht? Hat sie Unterstützung bei Alltagsdingen? Wir sind damals bei meinen Großeltern in einem sogenannten Pflegestützpunkt gut beraten worden und haben darüber sogar eine Art Haushälterin vermittelt bekommen.
ich wünsche Dir viel Kraft für die nächste Zeit und Deiner Mutter alles Gute. Melde Dich einfach hier im Thread, wann immer Du Redebedarf unter Gleichgesinnten hast . . mir persönlich hat der Austausch bisher immer geholfen und der Umgangston ist sehr angenehm. (Das ist ein verstecktes Kompliment an alle).
Ich habe es die Tage direkt angesprochen, ob sie der Meinung ist, dass ich nicht hätte intervenieren sollen (sie gegen ihren Willen ins Spital einliefern zu lassen), was sie aber klar verneint hat. Somit bin ich von dieser dräuenden Frage entlastet.
Ansonsten ist sie seit Mitte der Woche in einer geriatrischen Reha. Als ich sie letzten Sonntag, noch im Spital, besuchte, meinte sie, es sei doch schlimm, nun in die Reha zu „müssen“. Jo, dann hast du die Alternative, direkt in ein Pflegeheim zu dislozieren, so ungefähr habe ich das kommuniziert. Vor dem Hirnschlag hat sie ja selbständig gewohnt, keinerlei Hilfe in Anspruch genommen. Im jetzigen Zustand wäre das unmöglich.
Ich muss mich zusammen nehmen, nicht harsch zu sein, aber ich denke, das schaffe ich recht gut soweit. Organisatorisch mache ich alles, was ich kann, aber ich bin direkt, wenn sie das weinerliche Opfer gibt. Das hatte ich way to much während meiner Kindheit. Sie wurde von ihrem Ehemann (unserem Vater) wirklich schlecht behandelt, aber nicht physisch, im Gegensatz zu meinem Bruder und mir, da hagelte es auch Schläge. Nur so als Beispiel: ich kam von der Schule nach Hause, mit einer Note 4 (6 ist hier die beste) einer Französisch-Probe, und musste von einem Elternteil unterschrieben werden. Meine Mutter, französischer Muttersprache, flippte aus und schloss sich in das Schlafzimmer ein unter Androhung von Selbsttötung.
Das ist in meinem Hirn eingebrannt, wie ich an die Schlafzimmertür hämmerte, in Panik, weil dann ja nur noch unser gewalttätiger Vater über uns hätte bestimmen können…
Sie ist jetzt 89, sie erinnert sich nicht mehr, muss sie auch nicht. Rückgängig kann man eh nichts machen.
Es gibt erstaunlich viele Menschen, die sie als „so eine liebe“ einstufen. Die wissen nicht, was ich weiss: über alle hat sie sich mir gegenüber negativ geäussert 😟. Das behalte ich für mich. Aber ich kenne sie, sie ist im Grunde ihres Herzens nicht lieb.
Trotzdem werde ich tun, was ich kann, um ihre aktuelle Situation zu optimieren.
Sich über andere zu ärgern ist wie Gift zu trinken und zu hoffen, dass der andere davon stirbt. - Buddha
Das machst Du richtig - weil Du nämlich kein fieser Mensch bist, das hast Du Deinen Eltern voraus! Ich finde, man muss nicht alles verzeihen, aber man muss auch nichts heimzahlen, wenn sich derjenige nicht mehr wehren kann. Ich drücke Dir die Daumen, dass sie mit Hilfe der Spitex noch alleine leben kann und Du gut mit der Situation zurechtkommst.
Wie schrecklich! Was für ein Defizit in ihr mag zu solchem schrägen Verhalten beigetragen haben, das ist ja nicht normal. Dass du da heute drüber stehst, ist dir ganz hoch anzurechnen!
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Hallo allerseits, ich war essen, mit Mutti und unserer Betreuerin. Weißgott, Mutti ist ein Pflegefall. Wie sie isst - da kannst du nicht hinsehen. Sie kann es nicht mehr! Deshalb sitz ich dann auch immer neben ihr und nicht gegenüber. Auch, um mal ihre Hand zu halten, das brauchen wir beide. Immer wieder mal wird mir klar: Meine alte Mutti - die gibt es nicht mehr. Und ich bin enttäuscht darüber, dass mein Bruder mich damit so alleine lässt. Vorwerfen kann ich ihm nichts, er ist halt auch zu manchem nicht fähig. Alte kranke Leute kann er nicht.
Bald habe ich eine längere OP, hoffentlich geht alles gut, wenn ich abnippel - das erträgt Mutti nicht.
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Zitat von Klara48 im Beitrag #4883Bald habe ich eine längere OP, hoffentlich geht alles gut, wenn ich abnippel - das erträgt Mutti nicht.
@Klara48 Ich habe erst jetzt gelesen, dass du eine OP hast. ich wünsche dir alle Gute und eine schnelle Genesung! 🍀Weitergehende negative Gedanken lässt man am besten gar nicht zu, denn das zieht einen nur runter und bringt letztlich nichts.
Dass deine Mutter immer weniger von ihrer alten Persönlichkeit hat, muss schwer für dich zu ertragen sein. Man kann nur hoffen, dass sie auch zufriedene Stunden in ihrem Alltag hat. Über Familienangehörige vermag ich nichts zu sagen, ich war Einzelkind. Einerseits ist die Belastung zwar hoch, aber andererseits wusste ich, ich muss es nur mit meinen Eltern und meinem Gewissen ausmachen. Die Abwesenheit von Familienzwistigkeiten kann auch entlastend sein.
Die Chance klopft öfter an als man meint, aber meistens ist niemand zu Hause. (Willi Rogers)
Ja, die frühere Mutti ist weg. Jeden Tag, wirklich JEDEN, dasselbe Gespräch. 8 Sätze und - tschüß bis morgen. Ihr fällt nicht mehr ein, was sie reden könnte. Und ich kann sie nichts fragen, denn sie erinnert sich an nichts vom Tag oder gar Vortag. Inzwischen habe ich mich etwas daran gewöhnt.
Du hast völlig recht - negative Gedanken sofort weiter schicken. Mach ich!
Herzlich, Klara
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Unser dementer Angehöriger, der kürzlich starb, war die letzten Wochen 37 Jahre alt und Abteilungsleiter. Wir haben dann über Buchhaltung, seine Reisen und die Tagespolitik der 1970er Jahre gesprochen.
Wir bringen kleine einfache Geschichten mit. Vom Hund, der einen Stock findet oder von der Apfelernte. Sätze, wie in der Lesefibel. Das hilft um ein wenig mehr zu reden und soll eigentlich nur den Kontaktfaden zeigen.
******************************** Sagt es allen weiter - besonders den jungen Menschen: Werdet StammzellenspenderIn - rettet Leben! Spende geht oft über das Blut. * DKMS
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Ich verlinke hier nochmal das Buch von Dr. Sarah Straub, zum Thema Demenz. Möglicherweise habt ihr es im Demenz Strang nicht gesehen, aber es könnte vielleicht helfen damit anders umzugehen.
Freundschaft ist das Seil, das hält, wenn alle Stricke reißen
Ich hab ja mit meiner dementen Mutter unter anderem den Struwwelpeter angeschaut. Als meine Mutter Anfang 30 war und ich im Kindergartenalter, haben meine Eltern mit mir den Struwwelpeter gelesen. So oft, dass ich ihn bald auswendig konnte. Im Pflegeheim lag ein Struwwelpeter rum und ich dachte mir, super, den les ich ihr vor. Gesagt, getan, aber während des Vorlesens wurde ich immer entsetzter, wie man solche Brutalitäten mit einem Kind anschauen und lesen kann. Naja, war halt früher so. Also habe ich mich nun auf den Zappelphilipp konzentriert und ihr ab da immer nur den vorgelesen, das war schon als Kind meine Lieblingsgeschichte daraus. Wahrscheinlich, weil das die unblutigste und am wenigsten grausame Geschichte war. Hat meine mittlerweile über 90jährige Mutter geliebt, wenn ich daraus vorgetragen habe. „Und die Mutter blicket stumm auf dem ganzen Tisch herum!“. Aber Vorlesen sowie das Vorsingen von Liedern wie „Hoch auf dem gelben Wagen“ kann man natürlich eigentlich auch nur machen, wenn man zusammen sitzt. Telefonieren konnten wir da schon lange nicht mehr. Klara telefoniert ja täglich oder fast täglich, denke ich. Das ging bei uns schon lange nicht mehr.
Wenn ich so richtig Lust auf Schokolade habe, esse ich anstatt der Schokolade eine Banane. Dann eine Paprika, einen Apfel, Reiswaffeln, Naturjoghurt, eine Gurke und dann die Schokolade.
Ich lese meiner Mutter vor, wenn ich nicht mehr weiß, worüber ich mit ihr reden soll. Zuerst habe ich es mit einem Roman, der in Indien spielt, versucht. Indien war immer ihr Sehnsuchtsland. Aber nix, keine Reaktion.
Dann fiel mir im Heim "Vom Winde verweht" in die Hand. Da geht sie richtig mit, lacht an den richtigen Stellen. Ich kann mich nur wundern dann.
Mit unserer dementen Nachbarfreundin haben wir die alten Kinderlieder gesungen, die sie meinen Kindern beigebracht hat. Karnevalslieder und Schlager bis 1985 gingen auch noch. Damit kann man sie immer noch erreichen.
Dann Geschichten bis ihre Tochter etwa im Grundschulalter war.
Gibt es Kinder in der Familie, die die Uroma/Großtante regelmäßig sieht?
[Meine] Kinder waren/sind immer ein Türöffner in die Vergangenheit.
Singen ist Weihnachten wieder dran. Ich habe alle alten Tchibo-Weihnachtshefte besorgen können (die eigenen mal weggeworfen, schön blöd). Da kann ich dann prima vorlesen und es wird zusammen gesungen.
Leider sieht Mutti keine Kinder. Mein Bruder hat den Kontakt abgebrochen, weshalb natürlich auch die Nichte (13) nicht mehr auftaucht. Sie wohnen weiter weg.
Meine eigenen Bücher sind derzreit leider alle verräumt, weil wegen einer Möbellieferung mein Bücherregal ausgeräumt werden musste. Ich hatte ihr schon "Else Stratmann" und Jürgen von der Lippe vorgelesen. Knüller!! Muss was neues besorgen. Danke für euren Tipp. Ich hab halt auch viel mit meiner eigenen Malesche um die Ohren, da fällt mal was hinten runter.
Meine OP, das wird schon alles gut werden.
Blue, telefonieren können wir auch nur, wenn ihre Begleiterin da ist. Die ruft mich dann an. Mutter kann nicht mehr telefonieren. Auch nicht mehr Gespräche annehmen. Ein Wahnsinn.
Habt eine gute Zeit, ich bin wohl in etwa 7-10 Tagen wieder hier. Alles Liebe, eure Klara
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