Zitat von Cynara im Beitrag #1425Über die genauen Lebensumstände des älteren Mannes wurde ja eigentlich wenig gesagt, aber seine Philosophie finde ich auf jeden Fall sehr gut.
Joachim Klöckner ist heute Buchautor und man kann ihn für Vorträge buchen.
Früher war er selbständiger Energieberater, stellte seinen Beruf und seinen Lebensstil aber irgendwann in Frage:
"Vielen Kunden hatte er zu Solaranlagen und Energiesparlampen geraten, die damals ganz neu waren. Bis er gemerkt hat, dass es diese Anlagen in ihrer gesamten Lebensdauer nicht schaffen, die Energie wieder einzuspielen, die bei der Herstellung verbraucht wurde. In der Branche wurde das dann der Erntefaktor genannt, also wie viel am Ende wirklich gespart wird. „Ja, ich kann mir ein gutes Gewissen kaufen, aber eigentlich habe ich Blödsinn gemacht, weil die Herstellung und Entsorgung manchmal viel komplexer sind als der Moment des Sparens in der Benutzung.“ Ein grüner Anstrich sozusagen."
@Marie-Madeleine ich mag es auch nicht vollgerümpelt, aber lebendig, je nachdem bunt und meine Deko sind fast alles Erinnerungsstücke. Ich kauf nie „weil es da grad paßt und „in“ ist“.
Zitat von Hattima im Beitrag #1421Den älteren Mann in weiß habe ich noch mal auf Youtube gesehen, da saß er auf einer Hängematte in einem leeren Zimmer und hat seine drei Sachen in einen Beutel gepackt. Ich glaube diesem Menschen kein Wort.
Das hab ich auch gesehen und daher ja meine vielen Fragezeichen, was ihn betriff. Kein Wort glauben will ich jetzt nicht sagen, aber es ist schon seltsam.
Zitat von Vanessab im Beitrag #1422Ich hab eine maximalistische Freundin, da weiß ich immer gar nicht wohin ich zuerst schauen soll, so erschlägt mich alles.
So war es bei meiner Schneiderin. Bei der konnte ich mal auf eine kleine Änderung warten und ich hatte Zeit, mich umzusehen … ich war erschlagen und es kam ja auch nix mehr zur Geltung bei der Fülle.
Zitat von Cynara im Beitrag #1425Ich finde es schon cool, dass der eine Junge am Ende sagte, er überlege jetzt immer erst, ob er etwas wirklich braucht und benutzen wird.
Das fand ich auch beeindruckend und wenn ihn das nachhaltig prägt – super! Genau diese Überlegungen hab ich hier aus dem Strang mitgenommen.
Jetzt wurde ich unterbrochen und nun muss ich mal weg … ich les später weiter.
Eine Nachbearbeitung erfolgt fast immer wegen Tiplfehlan. Gravierende Änderungen kennzeichne ich.
Auch wenn es gelänge, die Tiere vor uns zu schützen, wir hätten nichts erreicht. Erst, wenn es gelingt, die Tiere nicht mehr schützen zu müssen, sind wir am Ziel. Dann haben wir etwas verändert: uns. Michael Aufhäuser, Gründer von Gut Aiderbichl
Ich habe mir mal das Buch von ihm -der kleine Minimalist- auf Amazon besehen und die Rezensionen gelesen. Erhellend. Da meint ein Leser, er lebt auf Kosten der anderen. Ich halte ihn für einen Blender.
Zitat von Hattima im Beitrag #1427Ich meine , er war mal Unternehmensberater. Wahrscheinlich selbstständig und nie in die Rentenkasse eingezahlt.
Kann gut sein. Wobei ich es nicht schlimm finde, er kommt ja mit dem Geld hin, kann lt. eigener Aussage sogar was sparen. Schlimm fände ich, wenn die ehemals Selbständigen, die oft noch wirklich gut gelebt haben, im Alter von staatlicher Hilfe leben müssen, die wiederum von Steuerzahlern – also Arbeitnehmern – erwirtschaftet werden muss.
@Hydra schönen Dank für den Link, interessant und es wurde auch das Wirtschaftswachstum angesprochen, dieses immer weiter und immer mehr wird irgendwann nicht mehr gehen.
In dem Zusammenhang fällt mir ein, ich bin regelmässig in einem Freiluftmuseum - der Glentleiten - und dort sind viele alte Gemäuer 1:1 aufgebaut inkl. dem Innenleben. Also Küche, Schlafstube - alles eingerichtet. Und es ist faszinierend, mit wie wenig die Frauen in der Küche oftmals für viele gekocht haben. Da wurden ja mittags ja alle ArbeiterInnen vom Hof verköstigt und je nach Hofgröße saßen dann schonmal über ein Dutzend Leute am Tisch.
Ein kleiner zweitüriger Kleiderschrank in der Schlafstube beherbergte alles an Gewand fürs ganze Jahr inkl. Unterwäsche, Nachtwäsche, Socken etc. von den Bauerleuten. Da gabs halt das gute Gewand und dann für den Alltag nur ein paar Teile. Hat gereicht.
In den Gesindestuben stand z.B. ein Bett, ein Stuhl, eine Kommode, eine Waschschüssel, alles sehr spartanisch, aber das nötigste war da.
Alles kann dort besichtigt werden, viel wurde sehr gut auf Tafeln beschrieben, man kann eintauchen in vergangene Zeiten. Das Leben war einfach (einfach in dem Fall meine ich "schlicht") und unkompliziert (viel mechanisch z.B. es ging da deutlich weniger kaputt) auf der einen Seite, auf der anderen anstrengend, beschwerlich, kompliziert. Ein Herstellungsprozess kostete viel Zeit, Energie, Rohstoffe und daher wurde vieles entsprechend geschätzt.
Wäre es heute wieder ähnlich, hätten wir wesentlich hochwertigere Sachen, dafür vielleicht deutlich weniger. Nachhaltigkeit, Ressourcensparen gingen Hand in Hand. Und viele Menschen wären vielleicht deutlich entspannter, weil weniger Besitz macht das Leben (oftmals) schon einfacher.
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Zitat von Karina im Beitrag #1433Wobei ich es nicht schlimm finde, er kommt ja mit dem Geld hin, kann lt. eigener Aussage sogar was sparen.
Mich wundert manchmal, dass Menschen wie Joachim Klöckner oder Heidemarie Schwermer, von denen es insgesamt wenige geben dürfte, derart polarisieren. Es wird sich dann immer darauf gestürzt, dass sie ja von oder bei anderen Menschen leben oder deren Sachen mitbenutzen.
Einige tun dies, indem sie eine Leistung dafür erbringen (z.B. Housesitting, Coaching, Reparaturen usw). Keiner von ihnen lebt von öffentlichen Transferleistungen und verbraucht insgesamt weniger, als der Durchschnittsmensch.
(Anmerkung: Die verstorbene Heidemarie Schwermer war eine Lehrerin und Psychotherapeutin, die lange Zeit ohne Geld und eigene Wohnung lebte.)
Zu Joachim Klöckner: Der war in Hydras Strang im Glücklicher Leben ja auch schon mal Thema.
Zitat von Hattima im Beitrag #1427Ich meine , er war mal Unternehmensberater. Wahrscheinlich selbstständig und nie in die Rentenkasse eingezahlt.
Ja, genau.
In diesem Video sagt er es selbst, ab Min. 3:27: Ich war 30 Jahre lang selbständig, hab' 15 Jahre Energieberatung gemacht, ich hab' dann natürlich nicht an Rente gedacht. Und plötzlich steh ich jetzt mit 65 vor der Situation, dass ich mit weniger als 500 € Rente auskommen muss, und stelle fest, das kann wunderbar gehen, weil ich einfach 'nen Lebensstil habe, der nicht teuer ist. (Nach Gehör mitgeschrieben von mir, das Video ist 10 Jahre alt. Inzwischen scheint ja bei der Rente noch was dazu gekommen zu sein, in der ZDF-Sendung war von 600 € die Rede)
Der Satz "Ich habe natürlich nicht an Rente gedacht" offenbart schon eine bemerkenswerte Naivität. Das habe ich in Hydras Strang zu dem Mann geschrieben:
Zitat von Analuisa im Beitrag Minimalismus den Beitrag über J. Köckner, den hier jemand eingestellt hat, habe ich gesehen.
Ja, ich bezeichne das durchaus als Schnorren. Wobei ich nichts dagegen habe, solange sich Menschen finden die ihn gerne in seiner Lebensweise unterstützen. Solange niemand darunter leidet, und das freiwillig und nicht aufgrund moralischen Druckes passiert, ist es ja okay und geht mich auch nichts an.
Trotzdem ist es, objektiv betrachtet, Schnorren. Das wäre es nur dann nicht, wenn dieser Mann auf einer anderen Ebene etwas zurückgeben würde.
Klar, mir gefällt es immer noch besser, wenn jemand, der, obwohl er es vermutlich gekonnt hätte, nicht vorgesorgt hat und dann mit 500 Euro Rente aufwacht, dann seinen Lebensstil entsprechend einschränkt, als wenn er auf Kosten der Allgemeinheit lebt. Ich wäre ja sowieso dafür, dass auch Selbständige in eine Pflicht-Rentenversicherung einzahlen müssen (ebenso, wie es seit einigen Jahren Pflicht ist, krankenversichert zu sein), aber das wäre eine politische Diskussion und gehört nicht hierher.
Zitat von Heaven im Beitrag #1408Den Lehrer fand ich toll. Diese Art des Unterrichts und das Thema Konsum müsste in jeder Schule verpflichtend sein.
Zitat von Bri-Eule im Beitrag #1405Was mich sehr positiv überrascht hat, war, wie reflektiert die Schüler waren. Das hätte ich so nicht erwartet.
Es handelte sich um eine Klasse einer Montessori-Schule, und um den Philosophie-Unterricht. Es war also keine staatliche Schule und kein Fach aus dem üblichen Fächerkanon für die 8. Klasse.
Ich find's auch gut, dass der Lehrer das Thema Konsum mit den Schüler:innen bespricht. Das ist ja gerade im Jugendalter ein sehr beherrschendes Thema: Erstmalig haben Jugendliche in dem Alter, abhängig natürlich von der sozialen Herkunft, relevante Summen Geld zur eigenen Verfügung und sind nicht mehr komplett vom Goodwill ihrer Eltern abhängig, wenn es um die Erfüllung materieller Wünsche geht. Auch lernen sie, dass gesellschaftliche Teilhabe sich stark über Geld vermittelt, ebenso zumindest teilweise die Zugehörigkeit zu Peergroups. Dazu müssen Jugendliche dann erst eine eigene Haltung und Einstellung gewinnen.
Nein, ich denke auch nicht, dass Klöckner von dem Lehrer als Vorbild präsentiert wurde - der könnte ja der Großvater der Kids sein und taugt schon von daher nur begrenzt als Vorbild. Aber er ist eine Person, mit dem die Jugendlichen sich auseinandersetzen können, der Denkanstöße geben kann.
Interessanter als den Schulbericht und die Person Klöckner fand ich in der ZDF-Reportage ja den Bericht über die "Ordnungs-Couch" Corinna, aber dazu ein andermal.
Zitat von Ewiger_Bub im Beitrag #1410Gibts hier eigentlich zum Ausgleich einen "Maximalismus, Sammeln, Konsumsucht" Thread ? In welches Unterforum würde der gehören ?
Kommt drauf an, was du in dem Strang diskutieren willst, würde ich sagen.
Ich habe meinen Strang im Haushaltsforum eröffnet, weil es mir in erster Linie um die Frage geht: "wie viel oder wenig Dinge möchte ich in meiner Wohnung haben, womit fühle ich mich wohl", da erschien mir dieses Unterforum als das geeignetste. Es darf hier gern kontrovers diskutiert werden, mir geht es nicht um einen Austausch unter Minimalist:innen (siehe Strangtitel). Allerdings ist der Strang drei Jahre alt und heute würde ich das EP auch nicht mehr so schreiben.
Es ist für mich völlig okay, wenn du hier deinen Lebensstil beschreibst, sofern du das willst.
Wenn du ihn allerdings kritisch hinterfragen möchtest (der Begriff "Konsumsucht" deutet für mich darauf hin), wäre es vielleicht besser, du machst einen eigenen Strang dafür auf.
Virginia, Gisèle, Collien, danke für euren Mut! 🌹
************************************ Moderatorin in der Pandemie und Politik, bei der Nachhaltigkeit, beim Sozialen Engagement und den Festen, bei Klatsch & Tratsch, im Persönlichkeits-, Erziehungs-, Baby-, Familien- und Trauerforum, im Glücklicher leben, bei den Angehörigen, in der allg. Gesundheit, der Kindergesundheit und bei den Krebserkrankungen, in den Krisenbeziehungen, bei den Hobbies, der Photographie und bei den besonderen Ernährungsformen.
Ich habe immer noch nicht begriffen, wieso man sich in einer karg eingerichteten Wohnung wohl fühlen soll. Ich habe noch jede Menge alter Fotoalben , Bücher kann man auf dem Kindle lesen ( da kann man so schön die Buchstaben größer stellen) nur ich brauche das nicht, ich mag Bücher lieber. Auch wenn ich Menschen besuche, finde ich eine gewisse Vielfalt in der Wohnung anregender. Mir ist das nicht geheuer, wenn Menschen so überhaupt nichts brauchen - womit beschäftigen sie sich abends, wenn weder Fernseher noch Bücher da sind oder etwas, womit man sich beschäftigen kann. Immer unterwegs, Wäsche im Waschcenter oder bei Freunden waschen - für sowas fühle ich mich zu alt. Da fällt mir ein alter Spruch ein: eigener Herd ist Goldes wert. Zumindest eine Kochstelle sollte es doch geben. Aber so einer wie Herr Klöckner braucht das nicht.
Zitat von Hattima im Beitrag #1438Mir ist das nicht geheuer, wenn Menschen so überhaupt nichts brauchen - womit beschäftigen sie sich abends, wenn weder Fernseher noch Bücher da sind oder etwas, womit man sich beschäftigen kann.
Wenn ich gegen nach 22 Uhr von der Arbeit komme und dann endlich gegen 23 Uhr nach Rückweg, Duschen, Umziehen und Tee machen gemütlich sitzen kann, bin ich froh, dass Ruhe ist.
An freien Tagen lese ich im E-Book, schreibe, höre Podcasts, recherchiere interessante Themen, telefoniere, trinke Tee mit meinem Freund oder gehe im Viertel spazieren. Dafür brauche ich: E-Book, Handy, Tee, 2 Tassen und Schuhe (zum Rausgehen).
Bin ich dir nicht geheuer?
Zitat von Analuisa im Beitrag #1437Der Satz "Ich habe natürlich nicht an Rente gedacht" offenbart schon eine bemerkenswerte Naivität.
Als würde jeder in jüngeren Jahren immer die perfekten Entscheidungen treffen. Manche können es auch nicht (z.B. weil sie krank sind oder ungeplant Kinder bekommen).
Herr Klöckner tut doch keinem weh mit seinem heutigen Lebensstil und hat (aus seiner Sicht) das Beste aus seiner schmalen Rente gemacht.
Ich finde das schon faszinierend, sich über verschiedene Lebensweisen zu informieren und sich auch einen Teil davon abzuschauen.
Aber ich bin durch die DDR geprägt und eine gewisse Ausstattung und Vorräte sind mir wichtig. Corona war ja eine solche Erfahrung, wo es eben gut war, Vorräte für eine Weile im Haus zu haben, für den Fall, dass man nicht einkaufen gehen kann, oder dass es Versorgungsengpässe gibt. Seitdem gab es wiederholt Aufrufe der Regierung, für solche Situationen vorzusorgen. Ich habe immer noch gern Vorräte, aber weniger als zu Corona-Zeiten.
Ich fand es schon vor Corona, auch durch Erfahrungen im Beruf, kurzsichtig, aus Kostengründen jegliche Lagerkapazität abzubauen. Hat nie funktioniert in meiner Branche, irgendwelche Sachen wurden dann an ungeeigneten Orten gelagert.
Angeregt durch die Minimalismus-Diskussionen bin ich mehrmals in mich gegangen und habe festgestellt, dass ich auch beim Thema Konsum durch die DDR geprägt bin. Mangel ist für mich gleichbedeutend mit Depression, und davor werde ich immer Angst haben. Vor allem vor verordnetem Mangel. Beispielsweise, dass es irgendwann gesetztlich vorgeschrieben wird, wieviel Wohnraum einem zusteht. Solche Ansätze gab es in der DDR auch - viele haben solche Regelungen umgangen, meine Familie ebenfalls.
In der Kindheit und Jugend gab es für mich so gut wie nie ein neues Kleidungsstück. Als in der DDR Second-Hand-Läden aufkamen (sie hießen anders, aber das Prinzip war gleich), war das sehr hilfreich. Dort gab es überhaupt was, und manchmal auch was Gutes. Ich habe immer Sachen gehabt, die andere abgegeben haben. Klar war ich dankbar und manche dieser Sachen fand ich auch schick. Aber es war nie etwas, das ich mir ausgesucht habe. Ich gehe nicht mehr in Second-Hand-Läden einkaufen. Nach Jahren in der DDR und weiteren vielen Jahren, in denen wir sparsam leben mussten, habe ich es genossen, mir neue Kleidungsstücke zu kaufen, die mir gefallen. Es hat nochmal eine Weile gedauert, bis ich das schlechte Gewissen deswegen losgeworden bin. Ich war von Grund auf so geprägt, dass mir Besitz und Komfort nicht zustehen. Heute sind meine Schränke voll, nun brauche ich nichts mehr, von Teilen abgesehen, die mal ersetzt werden müssen. Aus einem breiten Angebot schöpfen zu können, ist für mich auch eine Möglichkeit, mich auszuprobieren, meinen Geschmack zu entwickeln. Aber „Shoppen“ war nie ein Hobby für mich, ich finde Einkaufen langweilig, arbeite meine Liste ab und bin wieder draußen.
Dem Konzept des Teilens von Gegenständen kann ich auch wenig abgewinnen. Innerhalb der Familie schon, aber es gibt durchaus auch Dinge, die wir nicht einmal unseren Kindern borgen. Kann mich gut daran erinnern, dass wir einen Tapeziertisch monatelang nicht zurückbekommen haben. Das Fliesenleger-Werkzeug haben wir bisher nur selten benutzt, aber es wird nicht verborgt. Wir möchten kein neues kaufen müssen. In der DDR wurde viel geborgt und geteilt, aber mein Vater sagte mir mal: Werkzeug, das wir regelmäßig benötigen, muss im Hause sein. Das trifft für mich auch auf häufig benutzte Haushaltgegenstände zu. Ich wäre nicht bereit, jedes Mal mit dem Beschaffen und Zurückschaffen Zeit zu verschwenden. Besitz kann auch frei machen, finde ich. Ich brauche einen gewissen Besitz, um mich wohl und sicher zu fühlen. Ich möchte auch nicht in einer Einraumwohnung leben, wo ein Hauch von Nichts in den Regalen ist. Wer sich da wohlfühlt – jeder, wie er mag. In einer Miniwohnung würde ich durchdrehen, falls es mal wieder eine Pandemie gibt.
Ich fühle mich in einer Wohnung wohl, der man ansieht, dass darin gelebt wird, und wo meine Hobbys präsent sind. Mich belastet das überhaupt nicht. Allerdings würde ich ein Auto als Belastung empfinden - wir haben keins.
Wichtig finde ich aber, dass der wirklich ausufernde Überfluss angeprangert wird, zu dem immer wieder durch Werbung und Angebote verleitet wird. Es wird viel zu viel produziert, oft letzten Endes für die Müllhalde. Sich immer wieder fragen: brauche ich das wirklich, ist wichtig, ich stelle mir die Frage auch immer wieder. Auch, dass die Schüler dazu angeregt werden, sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen, finde ich sehr gut. Montessori-Schulen finde ich sowieso ideal, ich wäre gern selbst auf eine gegangen.
Der Herr Klöckner ist für solche Sendungen und auch für Besuche in Schulen sicher ein interessanter Mensch, und ich kann nachvollziehen, weswegen er Minimalist geworden ist. Aber wenn ich ihn in diesen abgeschnittenen weißen Overalls und den gelben Schuhen auf der Straße sehen würde, wäre er mir wahrscheinlich höchst suspekt, ich finde diese Sachen wirklich schlimm aussehend.
Zitat von Bisasam im Beitrag #1440Wichtig finde ich aber, dass der wirklich ausufernde Überfluss angeprangert wird, zu dem immer wieder durch Werbung und Angebote verleitet wird. Es wird viel zu viel produziert, oft letzten Endes für die Müllhalde. Sich immer wieder fragen: brauche ich das wirklich, ist wichtig, ich stelle mir die Frage auch immer wieder.
Das ist für mich auch das Kernthema und etwas, das ich mittlerweile relativ konsequent praktiziere.
Minimalismus als solcher ist für mich nicht die Lösung. Ich versuche zwar nach und nach Dinge auszumisten, die ich nicht mehr brauche, aber der Nachhaltigkeit hilft es ja auch nicht, wenn ich Zeug wegwerfe, das eh schon hergestellt wurde ... Abgesehen vom bereits diskutierten Gemütlichkeitsfaktor finde ich es bei manchem auch einfach schön, ein bisschen Auswahl zu haben, etwa bei der Kleidung oder der Lektüre (da kann ich mich derzeit mit E-Books noch nicht anfreunden).
This is a broken world and we live with broken hearts and broken lives but still that is no alibi. (Leonard Cohen)
I would love to live like a river flows,carried by the surprise of its own unfolding. (John O'Donoghue)
Moderatorin in Kultur und Unterhaltung | Mode und Kosmetik | Andere Sprachen - anderes Leben | Photographie | Hobbies aller Art
@Bisasam Minimalismus hat nichts mit Stil zu tun. Warum Herr Klöckner weiße Overalls und gelbe Schuhe bevorzugt, weiß ich nicht. Gerade Kleidung, auch gratis, gibt es im Überfluss. Er könnte sich anders kleiden, aber es scheint sein eigener Geschmack zu sein.
Dass ein Mangel in der Kindheit später dazu führt, dass im Erwachsenleben alles möglichst vorrätig sein sollte, kann ich nachvollziehen. Das war im Westen ja auch oft so, auch in den 70ern und 80ern noch, als ich Zuhause wohnte, dass viele sehr sparsam lebten. Kleidung z.B. war noch viel teurer als heute und es gab nicht ständig etwas neues.
Zitat von Marie-Madeleine im Beitrag #1441finde ich es bei manchem auch einfach schön, ein bisschen Auswahl zu haben
Da ist sie wieder, die "Auswahl"
Insgesamt gebe ich dir Recht, dass Entsorgen (wenn man schon mal so viel hat) ökologisch gesehen nicht viel bringt. (Es sei denn, es gibt andere Ziele, die durch Minimalismus angestrebt werden... also nicht Nachhaltigkeit als Schwerpunkt zu haben, so wie es z.B. bei mir ist)
Am Besten ist es, wenig Neues zu kaufen (bei allen Richtungen und Schwerpunkten von Minimalismus).
Hydra, aus Deiner Sicht finde ich es normal. Ich bin Rentnerin und meistens zuhause. Stille brauche ich nicht, deshalb läuft der Fernseher, da bekomme ich auch was mit von der Politik. Dinge verleihen möchte ich nicht mehr. Ich habe ein Rad verliehen und völlig umgebaut wiederbekommen, anderer Sattel und ein riesiger Lenker. Gut, ich habe noch andere Räder, aber sowas gefällt mir nicht.
In gewisser Weise ist der Minimalismus "natürlicher", und ich könnte mir vorstellen, dass er der psychischen Gesundheit (und dann letztlich auch der physischen) eher zuträglich ist.
Man betrachte einmal das: "The adoption of agriculture made the average person worse off for millennia. Physical health declined dramatically and most of the world’s people were born into rigid caste systems and lived as virtual or actual slaves. According to Larsen (2006 p. 12): “Although agriculture provided the economic basis for the rise of states and development of civilizations, the change in diet and acquisition of food resulted in a decline in quality of life for most human populations in the last 10,000 years.” After agriculture, humans became shorter and less robust and they suffered from more debilitating diseases, from leprosy to arthritis to tooth decay, than their hunter-gatherer counterparts (Cohen & Crane-Kramer, 2007). It is only in the last 150 years or so that the longevity, health, and well-being of the average person once again reached that of the Upper Pleistocene. The average human life span in 1900 was about 30 years, and for Upper Pleistocene hunter-gatherers it was about 33 years.1" https://www.sciencedirect.com/science/ar...016328719303507
Den Großteil unserer Geschichte hat die Menschheit nomadisch gelebt - also auch nicht mit mehr Zeug, als man selbst und vielleicht noch ein paar Lasttiere tragen können - und war insgesamt gesünder dabei. Insofern leben wir eigentlich eingesperrt wie Zootiere. Sammelt man vielleicht Kram, um sich nicht bewusst zu werden, wie unnatürlich die moderne Lebensweise irgendwie ist? Just a thought...
Brauchst du denn die Geräusche? @Hattima Du könntest die Nachrichten ja auch lesen.
Ist mir bei Nachbarn, die in Rente sind, auch aufgefallen, dass den ganzen Tag und manchmal auch in der Nacht der Fernseher läuft (zu meinem Leidwesen, weil ich das auch höre).
Ich muss jetzt wieder in die Un-Stille und schreibe heute Abend erst wieder.
Zitat von Hydra im Beitrag #1442Dass ein Mangel in der Kindheit später dazu führt, dass im Erwachsenleben alles möglichst vorrätig sein sollte, kann ich nachvollziehen.
Kann ich für mich bestätigen - ich hatte als Kind immer weniger Stifte, Malsachen etc. als ich gerne gehabt hätte. Das hole ich alles heute nach ;-)
@Hydra ich „stürze mich“ nicht drauf, dass dieser Klöckner andere Sachen mitbenutzt oder bei anderen Menschen lebt. Mich stört, dass er im Zusammenhang mit Minimalismus hervorgehoben wird. Weil das für mich eben nix mit Minimalismus zu tun hat, ich buche das unter „Schnorrer“ ab.
Zitat von WhiteTara im Beitrag #1435Was mir jedoch direkt durch den Kopf ging: Minimalismus = 2xSofa -> alles klar ��
Du wieder!!! Aber es stimmt!
@eva ich würde das nicht „irre“ nennen was du machst. Es ist eine bewußte Entscheidung (und du wirst für diese deine Gründe haben) und du brichst ja nicht auf fast-null runter, du lebst schrittweise minimalistischER. Magst du mal erzählen, wie du auf dem Campingplatz lebst?
Zitat von Analuisa im Beitrag #1437Der Satz "Ich habe natürlich nicht an Rente gedacht" offenbart schon eine bemerkenswerte Naivität.
Über diese Naivität hab ich auch nur gestaunt, zumal er immerhin 30 Jahre selbständig war. Naja … Und du hast natürlich recht, besser er lebt eingeschränkt mit geringer Rente und nicht auf Kosten der Allgemeinheit, wie es so manche andere machen. (Hydra stimmt, damit tut er keinem (zahlenden) Bürger weh, er macht das Beste draus.) Zu seinem Lebensstil gehören zwei: er der so lebt (für mich eben schnorrt) und diejenigen die das unterstützen.
Zitat von Analuisa im Beitrag #1437Ich wäre ja sowieso dafür, dass auch Selbständige in eine Pflicht-Rentenversicherung einzahlen müssen (ebenso, wie es seit einigen Jahren Pflicht ist, krankenversichert zu sein), aber das wäre eine politische Diskussion und gehört nicht hierher.
Dafür plädiere ich auch schon lange! (Musste ich jetzt zustimmen, auch wenn es ot ist.) Was hast du zum Coching von Corinna zu sagen?
@Hattima diese karg eingerichtete Wohnung … ist halt ein bisschen ein Hype, ein Trend und es wird sicher Menschen geben, die das total anspricht. Wir (ich zähle mich dazu) müssen nicht begreifen, wieso man sich da wohlfühlen sollte und wir müssen ja auch nicht. Einfach stehenlassen. Worüber ich neben den praktischen Dingen wie Essen, Wäsche etc. (hatte ich ja schon was geschrieben) mir auch überlege, wie würde ich meine Zeit verbringen, wenn ich so nix zu tun hätte, weil ich so gut nix habe.
Hydra dein gegen 22 Uhr heimkommen, dürfte nicht die Norm sein. Und dann stellt sich schon die Frage, was tue ich die ganzen Abende? Wie verbringe ich meine freie Zeit? Ich hab dann ja nix für Hobby, nix zur alltägliche Arbeiten.
Zitat von Bisasam im Beitrag #1440Aber ich bin durch die DDR geprägt und eine gewisse Ausstattung und Vorräte sind mir wichtig.
@Bisasam danke für die Einblicke, die du da gibst. Ich glaub, sowas prägt ungemein und dass man so ein Mangelgefühl vermeidet, wann immer es geht, das verstehe ich. Ebenso dieses vorschreiben von allem möglichen. Aber da geb ich zu bedenken, dass z.B. die Festlegung, wem steht wieviel Wohnraum zu“ ja auch wichtig ist für den Fall einer Unterstützung. Jeder kann sich eine größere Wohnung nehmen, nur bezahlen tut halt dann nimmer die Allgemeinheit (Sozialamt oder wer immer dafür zuständig ist) und das find ich nur fair.
Zum Teilen von Gegenständen – bei vielen Sachen find ich das durchaus sinnvoll. Meine Bohrmaschine liegt oft Jahre ungenutzt im Keller, warum sollte sich die nicht jemand ausleihen. Und verliehene Sachen würde ich anmahnen, wenn ich sie ewig nicht zurück bekomme und demjenigen eben nix mehr leihen.
Zitat von Bisasam im Beitrag #1440Werkzeug, das wir regelmäßig benötigen, muss im Hause sein. Das trifft für mich auch auf häufig benutzte Haushaltgegenstände zu. Ich wäre nicht bereit, jedes Mal mit dem Beschaffen und Zurückschaffen Zeit zu verschwenden. Besitz kann auch frei machen, finde ich. Ich brauche einen gewissen Besitz, um mich wohl und sicher zu fühlen.
Das hier hast du sehr schön ausgedrückt finde ich und ja, mich macht ein bestimmter Besitz auch frei. Ich lerne gerade zu unterscheiden, was brauch ich wirklich für mein „Seelenheil“ und was ist doch eher Belastung.
Ein Auto z.B. ist für mich der Inbegriff von Freiheit und ich weiß heute nicht, wie ich eines Tages ohne leben werde. Davor graut mir ehrlich gesagt schon.
@Marie-Madeleine produzieren für die Müllhalde – DAS sehe ich auch als Kernthema. Wobei wir Verbraucher da durchaus Einfluss haben mit einfach weniger kaufen und das sollten wir machen. Wegwerfen um zu minimieren ist ein schlechter Weg, sehe ich wie du, das hilft der Nachhaltigkeit nicht. (Und Bücher hab ich wenig, aber eine gute Bücherei. Ich bin auch noch keine Freundin von E-Books.)
Hydra und Hattima was die Stille angeht – bei mir ist es dem jeweiligen Zustand geschuldet. Noch im Beruf und immer mit viel Menschen hab ich die Stille geschätzt. Heute als Rentnerin, viel allein daheim, darf es wieder mehr sein . Nachrichten lesen oder hören – es geht doch beides? Und warum sollte ich sie lesen, wenn ich sie vielleicht lieber höre/sehe und ein Radio/TV habe? Oder umgekehrt warum sehen/hören, wenn ich sie lieber lesen möchte? Ich find schön, wenn ich die Wahl hab und da würde ich keinen Minimalismus wollen.
Eine Nachbearbeitung erfolgt fast immer wegen Tiplfehlan. Gravierende Änderungen kennzeichne ich.
Auch wenn es gelänge, die Tiere vor uns zu schützen, wir hätten nichts erreicht. Erst, wenn es gelingt, die Tiere nicht mehr schützen zu müssen, sind wir am Ziel. Dann haben wir etwas verändert: uns. Michael Aufhäuser, Gründer von Gut Aiderbichl
Ich kann mich auch noch gut an das schöne Gefühl erinnern, als ich erstmals mit eigenem Geld Klamotten kaufen ging und mir dann einfach beide Pullis kaufen konnte, die mir gefielen :)
Andererseits habe ich in meinem nicht allzu gut betuchten Elternhaus auch gelernt, dass man nicht alles, was man sich wünscht, gleich haben kann, das ist schon auch ein ganz hilfreiches Learning.
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