@Nora , ich war mir nicht ganz sicher, ob die Bilder des Films evtl. bei mir die Buch-Erinnerungen überlagert haben. Habe deshalb (da ich heute frei habe und etwas Zeit) nochmal in der alten dtv-junior-Ausgabe des Kleinen Hobbit geschaut. Vor allem gegen Ende, in der Schlacht der Fünf Heere, gibt es nach meinem Empfinden viel grauenvolles Gemetzel, das recht detailliert beschrieben wird. Nur ein paar kleine Auszüge, S. 284 ff:
Die Elben griffen zuerst an ...tödlich war der Hass der ihre Schwerter führenden Hände. Die Felsen schwärzten sich von Orkblut.
Viele ihrer eigenen Wölfe fielen über sie her und zerrissen Tote und Verwundete
Noch einmal wurden die Reihen der Orks zusammengeschlagen. Dunkel und hässlich füllten ihre Toten die Ebenen von Dal
Hinter dem angreifenden Thorin lagen viele Menschen und Zwerge tot zwischen den erschlagenen Orks...
So geht das über viele Seiten. Ich hätte es meinem 10-jährigen Kind nicht empfohlen, aber das ist natürlich immer eine individuelle Entscheidung.
Können aber gerne auch einen HdR-Strang aufmachen, sonst wird es vielleicht etwas OT hier.
Erich Kloss und die Försterhausbücher hab ich verschlungen als Kind, immer und immer wieder. Heutzutage krass, wie Raubvögel und Füchse, soweit ich mich erinnere, als "Raubzeug" runtergemacht wurden. Aber damals fand ich das alles toll und wollte lange Försterin werden. Und Astrid Lindgren, allerdings nur die Bullerbü Sachen, Pippi Langstrumpf fand ich nervig. Und natürlich Oliver Twist und dann auch alle verfügbaren Dickens Bücher. Mit Beginn der Pubertät bin ich dann auf Tolstoi umgestiegen und hab Anna Karenina geliebt und die anderen Tolstois auch, überhaupt die "alten Russen".
Hihi: noch eine Erinnerung: irgendwann als Teenager hab ich "Der erste Kreis der Hölle" (Solschenizyn) angefangen und nach ein paar Kapiteln entnervt aufgegeben, weil mir die russische "Namenskultur" mit den drei Namen und den dazugehörigen Abkürzungen oder Spitz- und "Kosenamen" nicht bekannt war und ich völlig den Überblick verlor, wer gerade mit wem spricht und wieviele Personen beieinander sind
Ein oder zwei Jahre später hab ich es dann erneut versucht (da war mir das "Namensrätsel" immer noch nicht wirklich klar) - ob ich es je zuende gelesen hab, weiß ich gar nicht mehr.
Dass "Alexander" und "Sascha" dieselbe Person ist, muss man ja auch erstmal wissen...
Zitat von Hirvi im Beitrag #416An das Glossar erinnere ich mich auch, das fand ich faszinierend! Zu Nöstlingers Büchern habe ich irgendwie ein gespaltenes Verhältnis - manche mochte ich sehr, manche fand ich ganz grässlich. Oder sind die einfach so sehr unterschiedlich?
Ja, Hirvi, da stimme ich dir unbedingt zu! Manche ihrer Bücher (ich merke gerade, dass ich so viele gar nicht kenne) sind genial, wie der "Gurkenkönig" (wobei ... ich habe gestern mal wieder reingeschaut, da ginge heute einiges aber so gar nicht mehr! ("Für die armen N*Kinder sammeln" oder eine sehr schlüpfrige Bemerkung des Opas); ich habe dann noch "Maikäfer flieg!" gelesen, das ist ja autobiografisch und ich mochte es sehr. Andere Bücher waren teils eher mittelmäßig, und als ich längst erwachsen war, bekam ich mal ein neueres Buch in die Finger, da dachte ich mir, jetzt sollte sich Frau Nöstlinger aufs Altenteil zurückziehen ... nichts ist peinlicher, als den Jargon der Jugend treffen zu wollen, wenn man selber eher im Oma-Alter ist.
Dass die Qualität von Büchern derselben Autoren schwankt, ist ja nicht so selten. Ein Buch, das ich nach wie vor faszinierend finde und wo ich mir wünschte, Regisseurin zu sein und es zu verfilmen, ist "Das vergrabene Wort" von Jessamyn West. Es stand im Regal meiner Eltern, eine Buchclub-Ausgabe aus den 1960-ern, nehme ich an. Ich habe es als junge Erwachesene gelesen, seither immer mal wieder - ein wirklilch geniales Buch, eine sehr gute Story, eine Haupt- und mehrere Nebenhandlungen, und obwohl es Anfang des letzten Jahrhunderts spielt, sehr aktuell. Das Buch ist für mich von Anfang bis Ende "rund", und ich habe in meinen 30-ern andere Bücher der Autorin ausfindig gemacht und gelesen - und war enttäuscht! Keines kam auch nur annähernd an dieses heran.
p.s. ich habe den Titel bei Google eingegeben, und KI spuckt etwas komplett anderes aus! Das Buch hat weder mit Quäkern noch mit dem amerikanischen Bürgerkrieg zu tun ... so viel zu KI ...!
Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an. (Marc Aurel)
Na klar - der Bertelsmann Buchclub. Genau, die Kataloge habe ich immer studiert! Wenn man sich nicht für ein Buch entschied, bekam man das für dieses Quartal empfohlene Buch zugeschickt (nannte sich, glaube ich, Vorzugsband?)
Dem Club verdanke ich die Lektüre von Eric Malpass, Ephraim Kishon, aber auch Ringelnatz, oder Voltaire, illustriert mit Aquarellen von Wilhelm M. Busch. Und von diesem Illustrator auch ein kleines Büchlein: "Appelschnut" von Otto Ernst, der als Vater über seine kleine Tochter und seine Familie schreibt - das wirklich hinreißende Buch (Erstausgabe von 1907) ist überaschend modern.
Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an. (Marc Aurel)
Genau. Meine Eltern waren auch beteiligt, unser dickes Bücherregal war voll von Büchern, und als Jugendliche habe ich mich hoch und runter gelesen. Mein Lieblingshobby war Lexikon-Lesen.
Der "Gurkenkönig" ist in unserer Altersgruppe noch sehr präsent, das merkte ich vorletzte Woche Montag beim Bundesliga-Spiel der Frauen, als es im Stadion eine Protest-Aktion gab "Wir pfeifen auf die Montagsspiele!" und tatsächlich viele im Publikum um mich herum diese Assoziation zum Kinderbuch hatten.
Ich weiß nicht mehr, ob es Bertelsmann war oder Readers Digest, aber mich faszinierte als Kind bei meinen Großeltern in einem dieser Bände die gekürzte Version von "Die Baskenmütze" von Hans Blickensdörfer. Kein Kinderbuch, sondern ein Kriegsroman, die autobiographische Geschichte eines deutschen Soldaten in frz. Gefangenschaft mit abenteuerlichen Fluchtversuchen (mit der Baskenmütze als Tarnung) . Trotz des ernsten Themas schildert er auch viel Menschlichkeit, und zwar auf beiden(!) Seiten. Nach dem Krieg wurde Blickensdörfer Sportjournalist, berichtete oft von der Tour de France und setzte sich für die deutsch-französische Verständigung ein.
@Dunkelblonde Ja, das kann gut sein, dass es die späteren waren, die mir nicht gefielen, ohne dass ich jetzt Titel nennen könnte. Gut fand ich von ihr die Gretchen-Bücher und das vom Stil her ganz andere "Die Ilse ist weg".
"Für die armen N*Kinder sammeln" oder eine sehr schlüpfrige Bemerkung des Opas
Es ist erstaunlich, was "früher" so als normal empfunden wurde, oder worüber man einfach hinweggelesen hat. Ich fand mal in einem Bücherschrank "Flussfahrt mit Huhn" von Monika Seck-Agthe und nahm es mit, weil ich mich vage erinnerte, als Kind den Film gesehen zu haben. Eine nette Abenteuergeschichte, aber dass der Opa ziemlich offensichtlich Alkoholiker ist und die ausgerissenen Kinder ihm einmal entkommen, indem sie behaupten, er sei ein Fremder, der sie sexuell belästigt habe, ist einfach Teil der Geschichte und wird nie als irgendwie problematisch erwähnt.
Ach, was für ein schönes Thema, danke @Iceman, fürs Drauf-Aufmerksam-Machen .
Mir gehts wie vielen hier: die klassischen Mädchenbücher meiner Zeit: Hanni und Nanni, Dolly, Bille & Zottel, Die drei ???, Fünf Freunde, Professors Zwillinge, Emil und die Detektive, Pünktchen und Anton, Pucki-Bücher meiner Mutter - ich hab alles gelesen, was mir unter die Finger kam. Zu jeder Gelegenheit habe ich mir Bücher, Bücher und nochmals Bücher gewünscht und immer welche bekommen. In der Schule war ich dauernd in der Bib aufzufinden, meine Ausleihkarte war immer sehr schnell voll und die Bib-Lehrerin war begeistert über meinen Bücherkonsum. Später habe ich dann sehr viele Krimis gelesen, auch heute noch mein Lieblingsgenre. Meine Bücher habe ich allerdings nicht alle aufgehoben, Platzmangel. Viele habe ich im Zuge eines Umzugs verkauft und inzwischen gebe ich sie gern zur Tafel oder stelle sie in die Bücher-Telefonzellen meiner Stadt, damit jemand anders seinen Spaß damit hat.
Weil "Herr der Ringe" genannt wurde: ich habs gelesen und fand es voll gruselig. Bis heute kann ich mir die Filme nicht ansehen, die sind mir einfach zu dunkel und es fließt zu viel Blut. Wie man das mit Kindern lesen kann, ist mir ein Rätsel.
Mein Sohn, jetzt 27, hat selbst nicht gern gelesen, aber vorlesen fand er toll. Wir haben beispielsweise sehr gern "Drachenreiter" von Cornelia Funke und die wunderbare "Unendliche Geschichte" von Michael Ende gelesen und er selbst wollte alles von "Was ist Was" haben, das gab es ja auch als CD.
---------------------------------- ... and nothing else matters
Ja, der Herr der Ringe ist für mich auf keinen Fall ein Kinderbuch. Wie gesagt, über den Hobbit kann man diskutieren, aber zumindest am Ende nimmt er schon ein bisschen das Schlachtengetümmel des HdR vorweg, so mein Eindruck.
PS: Anemone, finde ich ja gut dass du den Kloss auch kennst, ich dachte das sei nur so ein Jungs-Ding. Ich fand, er behandelt alle Tiere mit Respekt, auch den Fuchs, Stichwort Ökosystem (dort haben alle ihren Platz und ihre Funktion), aber die Erinnerung an die Bücher ist natürlich sehr verblasst. Habe mir aus Nostalgie einen Band aufgehoben, vielleicht schau ich heute nach Feierabend mal rein.
Ich bin ja DDR Kind und habe ganz andere Bücher gelesen.
Sutejew "Lustige Geschichten" "Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen" "Das Wolkenschaf" "Bootsmann auf der Scholle" Von Alexander Wolkow die Zauberland Reihe.
Die fallen mir spontan ein. Einige davon hab ich noch. Es gab tolle Kinderbücher.
Eine alte Indianer Legende besagt: Wenn Du stirbst, begegnest Du auf der Brücke, die zum Himmel führt, allen Tieren, die Dir auf Deinem Weg zu Lebzeiten begegnet sind. Und diese Tiere entscheiden, ob Du weiter gehen darfst oder nicht.
Ja, in der DDR gab es tolle Kinderbücher! Ich hatte Verwandte dort, und von denen einige Bücher geschenkt bekommen. "Nussknacker und Mausekönig" von E.T.A. Hoffmann (illustriert von Eva Johanna Rechlin), Tadshikische Volksmärchen, ein Buch über die Oper, und die Märchen von Hauff (das sind für mich im Grunde die schönsten Märchen, neben Andersens Märchen - ich bin generell nicht so der Märchen-Typ, aber Hauffs Märchen haben wir zelebriert, ich erinnere mich, dass meine Mutter mir mal, als ich krank war, "Der junge Engländer" vorlas, und an einer Stelle einen Lachanfall bekam. Es ist genau genommen kein Märchen, sondern eher eine Satire, wo jemand einen Affen in Kleider steckt und behauptet, das sei sein Cousin, ein "junger Engländer" - und alle imitieren den Affen, weil sie glauben, dessen Benehmen sei schick).
Mit 15 war ich Dauergast in der Stadtbibliothek, und dort lieh ich mir u.a. die Erzählungen von Edgar Allan Poe aus, inspiriert natürlich von Alan Parson's Project! Das Album haben wir damals eine Zeitlang rauf und runter gehört.
In dieser Zeit las ich auch "Vom Winde verweht", aber das hat mich nicht nachhaltig beeindruckt.
Zum Thema Kindertauglichkeit fällt mir ein, dass mir mal ein "Kinder"buch namens "Die Abenteuer des Simplicius Simplizissimus" unterkam ... es war definitiv als Kinder- bzw. Jugendbuch aufgemacht, aber nach ein paar Seiten der Lektüre hat es mir gereicht ... wer es nicht kennt, es spielt im Dreißigjährigen Krieg, und relativ zu Anfang wird geschildert, wie eine Truppe Landsknechte einen Bauernhof überfällt und die Bewohner drangsaliert ... das war zu starker Tobak für mich und ist es noch.
Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an. (Marc Aurel)
Stimmt, ich bekam von den Verwandten aus der DDR auch schöne Kinderbücher geschickt.
Erwähnen möchte ich noch die Pixi - Bücher, meine habe ich alle noch, darunter das allererste, Nr. 1: "Miezekatzen."
Und sehr beliebt waren bei uns Kindern auch Donald Duck und Fix und Foxi.
Wenn ich krank war, gabs ein Mickey-Maus-Heft zum Trost (noch mit dem lehrreichen Mittelteil), für längere Zugfahrten (sehr selten) ein "lustiges Taschenbuch").
Bei Fix und Foxi war mein Liebling der kleine Maulwurf Pauli.
O ja, Pixibücher... Letztes oder vorletztes Jahr gab es eine kleine Ausstellung dazu in Hamburg - vor den älteren standen die Leute und konnten seitenweise (na ja, Pixibücher - seitchenweise also) zitieren :)
Alfons Zitterbacke Band 1 und 2 von Gerhard Holtz-Baumert - das war Kultliteratur für DDR Kinder vom feinsten. Habe ich noch im Bücherregal stehen - die mit den alten Hart Papp Originaleinbänden. Alfons Zitterbacke wurde zwar kurzerhand in die Jetztzeit "verlegt" - ne, das passt einfach nicht. Oder "gestatten Oskar" war auch eines meiner Lieblingsbücher. Dann gabs noch "Andy - Chef der Familie" - fand ich auch toll. Ottokar Domma, die ganze Buchreihe habe ich auch noch im Bücherregal, die Geschichten rund um Schuldirektor Keiler, Herrn Burschelmann und Fräulein Heidenröslein, die fette Mia, Pillenheini und Ottokar supi, obwohl für Jetztzeit etwas "rötlich". Meine Mutter hatte von einer Freundin einen alten Schmöker bekommen - Desiree von Annemarie Selinko - den habe ich rauf und runter gelesen... und nach der Wende habe ich im Louvre nicht die Mona Lisa am längsten betrachtet, sondern Napoleons Kaiserkrönung ob außer Napoleon und Josephine da nicht auch andere Gestalten aus den Buch auf dem Riesenbild zu genauer erkennen waren.
Alfons Zitterbacke habe ich gelesen, bis das Buch im wahrsten Wortsinn auseinanderfiel. In die Jetztzeit verlegt ist es eigentlich wie Gregs Tagebuch. "Linas Geschichten" mochte ich gerne, ein Boot mit Mast und Segel und "Rike", da stolperte ich immer über das Wort Jeans und konnte mir echt keinen Reim darauf machen was das sein soll und wie man es ausspricht. Mit Ottokar konnte ich nichts anfangen. Putzi mochte ich auch gerne, obwohl die schwäbischen Namen und Ausdrücke etwas befremdlich waren.
Gerade lese ich, dass Janosch 95 wird - seine Bücher fand ich auch immer schön, einige hatten so einen melancholischen Unterton, den ich ungewöhnlich fand.
Das Urmel hat mich als Kind nur genervt, andere haben da Sachen zitiert ("Die Mupfel"), das fand ich so doof, dass ich das Buch nie gelesen habe. Unvergessen aber: als ich mit 8 Jahren das erste Asterix-Heft zu lesen bekam! Da war ich sofort dabei! Das zweite war dann "Asterix bei den Briten", obwohl ich in diesem zarten Alter die Witze nicht alle verstand (Sebigbos); das Vergnügen hatte ich dann einige Jahre später erst.
Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an. (Marc Aurel)